Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Wechselkröte (Bufo viridis)

Rote Liste Bayern: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: Gefährdet
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin: Ungünstig/schlecht

Verbreitung und Bestandssituation

Das Areal der Wechselkröte reicht von Mitteleuropa und Italien im Westen über die Steppengebiete Eurasiens bis in die Mongolei nach Zentralasien. Im Süden erstreckt es sich von der nordafrikanischen Atlantik- über die Mittelmeerküste bis zum Iran; im Norden werden die dänischen Inseln, Südschweden und Estland erreicht.

In Deutschland liegt das geschlossene Verbreitungsgebiet - und damit auch der Verbreitungsschwerpunkt - in Mittel- und Ostdeutschland. Weitere kleinere, isolierte Areale gibt es in Bayern, Südwestdeutschland und entlang des Mittel- und Niederrheins.

Die natürliche Verbreitungssituation der Wechselkröte in Bayern lässt sich nicht mehr rekonstruieren; das heutige, zerrissene Verbreitungsbild ist überwiegend durch anthropogene Einflüsse bestimmt. So sind hauptsächlich noch die Münchner Schotterebene und Teilräume von Donau und Unterer Isar besiedelt. Daneben gibt es verstreute, isolierte, meist kleine Vorkommen im Tiefland. Die südliche Verbreitungsgrenze der Wechselkröte in Bayern verläuft in etwa entlang einer Linie Augsburg-München-Rott-Wasserburg/Inn-Salzburg. Eine doppelte Ausnahme bildet das südlichste und höchste bayerische Vorkommen auf 1.150 m Höhe in den Chiemgauer Alpen, unmittelbar an der Grenze zu Tirol.

Fundortkarte

Wechselkröte (Bufo viridis)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5938 Marktredwitz
6038 Waldershof
6039 Mitterteich
6139 Falkenberg
6140 Tirschenreuth
6223 Wertheim
6338 Weiden i.d.OPf.
6428 Bad Windsheim
6432 Erlangen Süd
6437 Hirschau
6528 Marktbergel
6530 Langenzenn
6537 Amberg
6538 Schmidgaden
6637 Rieden
6638 Schwandorf
6735 Deining
6736 Velburg
6737 Schmidmühlen
6738 Burglengenfeld
6938 Regensburg
6939 Donaustauf
7030 Wolferstadt
7034 Kipfenberg
7037 Kelheim
7038 Bad Abbach
7039 Mintraching
7040 Pfatter
7041 Münster
7042 Bogen
7129 Deiningen
7130 Wemding
7132 Dollnstein
7133 Eichstätt
7134 Gaimersheim
7136 Neustadt a.d.Donau
7137 Abensberg
7139 Aufhausen
7140 Geiselhöring
7141 Straubing
7142 Straßkirchen
7143 Deggendorf
7144 Lalling
7233 Neuburg a.d.Donau
7234 Ingolstadt
7235 Vohburg a.d.Donau
7237 Siegenburg
7238 Rottenburg a.d.Laaber
7241 Pilsting
7242 Wallersdorf
7243 Plattling
7244 Osterhofen
7245 Schöllnach
7336 Mainburg
7340 Dingolfing West
7341 Dingolfing Ost
7342 Landau a.d.Isar
7343 Eichendorf
7344 Pleinting
7437 Bruckberg
7439 Landshut Ost
7440 Aham
7441 Frontenhausen
7531 Gersthofen
7534 Petershausen
7535 Allershausen
7537 Moosburg a.d.Isar
7538 Buch a.Erlbach
7541 Gangkofen
7546 Neuhaus a.Inn
7631 Augsburg
7632 Dasing
7633 Altomünster
7634 Markt Indersdorf
7635 Haimhausen
7637 Erding
7641 Neumarkt-Sankt Veit
7646 Würding
7732 Mammendorf
7733 Maisach
7734 Dachau
7735 Oberschleißheim
7736 Ismaning
7737 Altenerding
7738 Dorfen
7740 Ampfing
7741 Mühldorf a.Inn
7742 Altötting
7744 Simbach a.Inn
7832 Türkenfeld
7833 Fürstenfeldbruck
7834 München-Pasing
7835 München
7836 München-Trudering
7837 Markt Schwaben
7839 Haag i.OB
7932 Utting am Ammersee
7933 Weßling
7934 Starnberg Nord
7935 München-Solln
7936 Zorneding
7937 Grafing b.München
8029 Kaufbeuren-Neugablonz
8036 Otterfing
8239 Aschau i.Chiemgau
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Die Wechselkröte ist eine Steppenart, die durch eine enge Bindung an trocken-warme Landschaften mit geringer Walddichte und geringen jährlichen Niederschlägen an Trockenheit und Wärme (aber auch Kälte) gut angepasst ist. Die Art bevorzugt offene, sonnenexponierte Lebensräume mit lückiger, niederwüchsiger Vegetation und grabfähigen Böden. Bei uns bewohnt sie neben wenigen Flussauen vor allem Abbaustellen (v. a. Kies- und Sandgruben), militärische Übungsplätze, Industriebrachen bzw. Baustellen, trockene Ruderalflächen in früher Sukzession, auch Äcker, Bahndämme, Parks und Gärten.

Als Laichgewässer dienen der Pionierart verschiedenste stark sonnenexponierte, vegetationsarme, fischfreie, meist flache Stillgewässer (oder zumindest mit Flachufern), beispielsweise wassergefüllte Senken oder Fahrspuren in Baustellen, auf Äckern und Wiesen, Tümpel, Teiche, Rückhaltebecken, Altarme und Baggerseen. In Flussauen werden auch Überschwemmungstümpel als Primärhabitate besiedelt.

Die Laichperiode beginnt relativ spät ab Ende April und geht bis ca. Juni, kann sich aber auch noch in den Sommer hinein verlängern, wenn nach einer längeren Trockenphase starke Niederschläge fallen. Ein einzelnes Weibchen kann zwei- bis dreimal eine 2-4 m lange Laichschnur mit insgesamt mehreren Tausend (bis über 10.000 !) Eiern produzieren. Die Kaulquappen schlüpfen nach wenigen Tagen, entwickeln sich je nach Temperatur in ein bis drei Monaten und verlassen das Gewässer als Jungkröten je nachdem zwischen Ende Mai und Oktober. Junge Wechselkröten werden meist nach drei Jahren geschlechtsreif und können bis zu 10 Jahre alt werden.

Während der Fortpflanzungsperiode verstecken sich die Tiere tagsüber meist in nur wenigen Metern Entfernung zu ihren Laich- und Rufgewässern unter Steinen, Brettern, Steinhaufen, Erdhöhlen oder Kleinsäugerbauen. Danach wandern ausgewachsene Wechselkröten in die Landlebensräume und legen dabei Strecken von bis zu 1.000 m zurück. Ab September bis Oktober überwintern sie in selbst gegrabenen oder dem Tagesversteck ähnelnden unterirdischen, frostsicheren Hohlräumen, auch Kellern oder landwirtschaftlichen Gebäuden.

Während der Laichzeit entfernen sich adulte Tiere zwar nur wenige Meter von den Laichgewässern. Andererseits werden diese Gewässer durch die natürliche Sukzession, d. h. den Bewuchs mit Wasserpflanzen, bereits nach wenigen Jahren ungeeignet, deshalb muss die Wechselkröte hoch mobil sein, um neu entstandene Gewässer spontan zu besiedeln, und können auf die Suche nach neuen Laichgewässern mehrere Kilometer zurücklegen (im Extremfall sind schon über 10 km gemessen worden!), wobei die Fernausbreitung v.a. über Jungtiere erfolgt. In größeren Abgrabungskomplexen mit vielen einzelnen Gewässern werden Metapopulationen gebildet.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Verlust von Primärlebensräumen allgemein
  • Rekultivierung von Abbaustellen mit Beseitigung von Gewässern und Kleinstrukturen
  • Veränderung der Abgrabungstechnik in Abbaugebieten (z.B. grossdimensionierte Nassabgrabungen, Steilufer, schnelle Ausbeute)
  • Wegfall bäuerlicher oder kommunaler Kleinabbaustellen
  • Intensivierung der Landbewirtschaftung im direkten Umfeld (Einzugsgebiet) der Laichgewässer, insbesondere Umwandlung von Grünland in Ackerflächen
  • Einsatz von Bioziden in Landlebensräumen (primär aus landwirtschaftlicher Nutzung)
  • Zerschneidung von Lebensräumen, insbesondere Trennung von Laichgewässern und Landlebensräumen / Winterquartieren
  • Änderungen im Übungsbetrieb von Standort- und Truppenübungsplätzen (Wegfall von Fahrten mit schweren Fahrzeugen, insbesondere Panzern)
  • Sukzession von Kleingewässern und unzureichende Entstehung neuer Gewässer; zunehmende Besiedlung durch Großwasserkäfern, Großlibellen oder andere Amphibienarten
  • Gewässerbelastung durch Schadstoffe i.w.S.
  • Zunehmende Isolierung von (Rest-) Populationen

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Erhaltung und Neuanlage von ausgedehnten Lachensystemen im Offenland oder allenfalls auf locker bestockten Flächen; am besten in Abbaustellen oder Verfüllungsflächen, da dort in der Regel auch ein geeigneter Landlebensraum vorhanden ist
  • Entnahme von Gehölzen, die frühere oder potenzielle Laichgewässer beschatten
  • Anlage von Versteckplätzen im Gewässerumfeld z.B. Steinplatten oder Kiesbrocken
  • Anlage von Heckenzeilen als Pufferstreifen zu angrenzenden Intensivnutzungen, wenn dadurch die Laichgewässer nicht beschattet werden,
  • Umsetzung geeigneter Amphibienschutzmaßnahmen an Straßen im Bereich der Wanderkorridore

Allgemein gilt: Neben der Anlage der Laichgewässer muss eine dauerhafte Pflege der Strukturen gewährleistet sein.

Sonstige Hinweise

Der wissenschaftliche Gattungsname der Wechselkröte wurde vor kurzem in Pseudepidalea geändert, ist aber noch nicht allgemein anerkannt, daher wird hier noch der alte Name Bufo verwendet.

Wie für Pionierarten typisch, gibt es starke Bestandsschwankungen. Insofern sind einjährige Bestandsaufnahmen äußerst vorsichtig zu interpretieren.

Ergänzende Informationen

Günther, R. & R. Podloucky (1996): Wechselkröte - Bufo viridis Laurenti, 1768. - In: Günther, R. [Hrsg.]: Die Amphibien und Reptilien Deutschlands: 322-343. - Jena [u.a.] (G. Fischer).

Gruber, H.-J., U. Heckes, U. & M. Franzen (1994): Artenhilfsprogramm für die Wechselkröte (Bufo viridis Laurenti, 1768) im Raum München. - LARS-Mitteilungen 14 (1): 51-68.

Zahn, A. & U. Niedermeier (2004): Zur Reproduktionsbiologie von Wechselkröte (Bufo viridis), Gelbbauchunke (Bombina variegata) und Laubfrosch (Hyla arborea) im Hinblick auf unterschiedliche Methoden des Habitatmanagements. - Zeitschrift für Feldherpetologie 11 (1): 41-64.

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