Tankstellen

Allgemeines

Eine Tankstelle ist eine Anlage, an der Kraftstoffe an Fahrzeuge oder Arbeitsmaschinen zu deren Betrieb abgegeben werden. Für den Betrachter stellt sich eine Tankstelle im Wesentlichen nur aus den sichtbaren, weil oberirdischen Teilen wie dem Dach, den Zapfsäulen und den im Boden eingelassenen Deckeln dar.

Aus Sicherheitsgründen müssen - bis auf wenige Ausnahmen - die wesentlichen Teile der Tankstelle, nämlich die Leitungen, in denen die Kraftstoffe befördert, und die Lagerbehälter, in denen Kraftstoffe gelagert werden, unterirdisch eingebaut werden. Damit sind sie für den Betrachter unsichtbar. Diese Bauweise hat aber zur Folge, dass eine unmittelbare Kontrolle der unterirdischen Anlagenteile wie Lagerbehälter und Rohrleitungen nicht mehr möglich ist. Deshalb hat der Gesetzgeber zur Verhinderung von Boden- und Gewässerverunreinigungen bestimmte Regeln in Form von Mindestanforderungen festgelegt, wobei in jedem Fall das Prinzip der doppelten Sicherheit zu gelten hat.

Tankstellenarten/ -typen (Anforderungen)

Welche Arten von Tankstellen gibt es?

  • Tankstellen als sogenannte "ortsfeste" Anlagen; dafür gelten feste Regelungen, mit denen ein technischer Mindeststandard verlangt wird,
  • Tankstellen außerhalb von Anlagen (man kann sie auch als "Tankmöglichkeit" bezeichnen), für diese Tankstellen ist die technisch machbare und wirtschaftlich vertretbare Technik anzuwenden (Grundsatz der Verhältnismäßigkeit).

Welche Typen von Tankstellen gibt es?

  • die öffentliche Tankstelle für Kraftfahrzeuge,
  • die Eigenverbrauchstankstelle (EVT),
  • die Tankstelle für Abbaugebiete (bleiben zwar länger an einem Ort, müssen aber von Zeit zu Zeit verlegt werden),
  • die Schiffstankstelle,
  • die Flugzeugtankstelle (Privatflugzeuge)
  • die Baustellentankstelle (bleiben nur kurze Zeit an einem Ort).

Bei jedem Tankstellentyp sind durch die unterschiedlichen Aufstellungsorte und unterschiedlichen Verwendungen auch unterschiedliche Schwerpunkte hinsichtlich der Sicherheit zu setzen, d. h. es müssen unterschiedliche Techniken angewendet werden, um die erforderliche Sicherheit zu gewährleisten.

Welche Anforderungen sind an Tankstellen zu stellen?

Tankstellen müssen immer so sicher gebaut werden, dass kein Kraftstoff in das Erdreich und/ oder in das Grundwasser gelangen kann. Die vom Gesetzgeber festgelegten Anforderungen sind Mindestanforderungen, von denen nur auf Grund besonderer Anwendungen und dann auch nur durch andere, ausgleichende Maßnahmen abgewichen werden kann.

Mögliche Erleichterungen sind wegen des geringeren Gefahrenpotentials nur für Eigenverbrauchstankstellen vorgesehen; Eigenverbrauchstankstellen sind als Tankstellen mit einem Jahresdurchsatz von max. 40 m3 (40.000 l) beschrieben.

Da Tankstellen ganz unterschiedlichen Anwendungsbereichen unterliegen, variieren auch die für den Schutz des Grundwassers und/oder der oberirdischen Gewässer erforderlichen Anforderungen. Es ist wohl leicht nachvollziehbar, wenn an Tankstellen für die Betankung von Schiffen andere Schwerpunkte an die Sicherheit gestellt werden müssen (Umgang mit Kraftstoffen unmittelbar an einem offenen Gewässer) als an kleine Eigenverbrauchstankstellen.

Die unterirdischen Kraftstoff - Lagerbehälter und deren Einrichtungen

Lagerbehälter

Die Bauweisen von Lagerbehältern sind in Normen geregelt. Zu unterscheiden sind hier grundsätzlich unterirdische und oberirdische Lagerbehälter, wobei unterirdische Lagerbehälter immer doppelwandig, oberirdische Lagerbehälter entweder doppelwandig oder einwandig in einem Auffangraum aufgestellt sein müssen. Die Lagerbehälter an öffentlichen Tankstellen sind regelmäßig unterirdisch eingebaut, aus Stahl und gewährleisten durch ihre Bauweise - doppelwandig mit überwachtem Zwischenraum - die erforderliche Sicherheit. Nur in wenigen Fällen, z. B. bei kleineren Eigenverbrauchstankstellen, werden Lagerbehälter oberirdisch aufgestellt.

Domschächte

Zum Befüllen der unterirdischen Lagerbehälter gibt es grundsätzlich die Möglichkeit der Einzelbefüllung über den Domschacht oder die einer Zentralbefüllung über einen Fernfüllschacht. Ein wesentlicher Unterschied besteht in dem Aufwand.

Bei der Einzelbefüllung muss jeder Domschacht flüssigkeitsdicht ausgeführt sein und in jedem Domschacht muss der entsprechende Anschluss eingebaut werden; bei der Zentralbefüllung muss nur der Fernfüllschacht flüssigkeitsdicht ausgeführt sein, die Anschlüsse sind dort gesammelt einmal vorhanden.

Befüllen über den Domschacht

Wird diese Art der Befüllung angewendet, befindet sich über jedem einzelnen Behälter ein solcher Domschacht. Jeder einzelne Domschacht muss technisch so ausgeführt werden, dass kein Kraftstoff in den Untergrund gelangen kann (dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die ihre Tauglichkeit - Dichtheit, Beständigkeit usw. - in umfassenden Prüfungen nachgewiesen haben). Der Domschacht muss immer frei von Wasser sein, da er gleichzeitig als Rückhalteeinrichtung bei einem Unfall dient (z. B. Leckage beim Befüllen des Behälters). Alle Anschlüsse, die bei einem Fernfüllschacht gesammelt in einer Einheit eingebaut sind, müssen hier in jedem Domschacht vorhanden sein.

In jedem Domschacht befindet sich mindesten folgende Ausrüstung:

  • Anschluss für eine Schlauchverbindung für den Tankwagen,
  • bei Super- oder Normalbenzin ein Anschluss für eine Schlauchverbindung für das Zurückleiten des Gas-Luft-Gemisches in den Tankwagen zur Luftreinhaltung (Gaspendelverfahren),
  • zur Verhinderung einer Überfüllung ein elektrischer Anschluss für die Überfüllsicherung (wenn der Behälter voll ist, schließt eine Absperrarmatur des Tankwagens),
  • eine eindeutige Kennzeichnung (Beschriftung)
  • ein Peilstab

Befüllen über eine Zentraleinheit (Fernfüllschacht)

Alle Behälter werden über einen Fernfüllschacht bedient (so viele Behälter, so viele Anschlüsse); wird dieses Verfahren angewendet, werden an die Domschächte keine zusätzlichen Dichtheitsanforderungen gestellt. Für den Fernfüllschacht gelten die gleichen Anforderungen wie für einen Domschacht: er muss so ausgeführt sein, dass keine Flüssigkeiten in den Boden oder in das Grundwasser und/oder oberirdischen Gewässer gelangen können.

  • Jeder Anschluss im Fernfüllschacht muss zur Vermeidung von Fehlbefüllungen eindeutig gekennzeichnet sein (vgl. Domschacht).
  • Zur Verhinderung von Überfüllung muss für jeden Füllanschluss ein elektrischer Kontakt zu einer Überfüllsicherung des jeweiligen Behälters vorhanden sein (vgl. Domschacht).

Alle Anschlüsse für Super- oder Normalbenzin benötigen einen Anschluss für das Gaspendelverfahren (vgl. Domschacht).

Befestigung des Abfüllplatzes

Der Abfüllplatz ist der Standplatz für die zu betankenden Kraftfahrzeuge und den Tankwagen während der Befüllung der Lagerbehälter. Er dient dazu, ausgetretene Kraftstoffe aufzufangen und zur Rückhalteeinrichtung abzuleiten. Deshalb muss die Fläche flüssigkeitsundurchlässig und beständig gegen diese wassergefährdenden Stoffe sein. Im bis 31.10.2008 geltenden Anhang 4 VAwS waren vier Bauweisen genannt, für welche diese Eigenschaften als nachgewiesen galten. Seit 01.11.2008 gilt für Kfz-Tankstellen die TRwS 781, die grundsätzlich die selben Bauweisen als geeignet nennt. Dabei handelt es sich um

  • Ortbeton, min. C30/37LP, gemäß DIN EN 206-1 und DIN 1045;
  • Asphalt (Gussasphalt und halbstarre Beläge);
  • werkmäßig hergestellte Großflächen-Betonplatten, min. C 30/37LP,
    Kantenlänge > 60 cm, gemäß DIN EN 206-1 und DIN 1045;
  • werkmäßig hergestellte Betonsteinelemente, min. C 30/37LP, Mindestdicke 10 cm, Kantenlänge bis 60 cm, gemäß DIN EN 206-1 und DIN 1045

Daneben gibt es die Möglichkeit, "bauartzugelassene" Systeme einzusetzen, d. h. für ein System wurden alle erforderlichen Nachweise erbracht, das System wurde als werksgefertigtes "Massen"-Produkt einmal zugelassen (abweichend von den vier vorgenannten) und kann entsprechend der Bauartzulassung bzw. allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung eingesetzt werden.

In der Zulassung können u. a. folgende Einzelheiten geregelt sein:

  • (Herstellung (Werksfertigung),
  • Maße und Qualität (gleichbleibende Form und Zusammensetzung),
  • Fugenausführung (Einbauvorschriften)

Als letzte Möglichkeit sind beabsichtigte Sonderbauweisen zu nennen, die einer "Einzelfall"-Genehmigung (Eignungsfeststellung) bedürfen. Bei einer solchen Bauweise sind jedoch alle erforderlichen Nachweise wie Dichtheits- oder Beständigkeitsnachweise im Detail zu führen, was eine solches Vorhaben sehr zeit- und kostenaufwändig werden lassen kann.

Für die Fugen und das Fugenmaterial gelten ganz spezielle Anforderungen; so müssen die Ränder von Bauteilen eine bestimmte Form aufweisen um die erforderliche Haftung sicher zu stellen, das Fugenmaterial muss eine ganze Reihe von Qualitäten nachweisen wie z. B.:

  • Beständigkeit gegen Kraftstoffe,
  • Haft- und Reißfestigkeit,
  • Beständigkeit gegen Ozon,
  • Witterungsbeständigkeit,
  • Elastizität

u. a. m. Die Fugendichtstoffe benötigen eine europäische technische Zulassung.

Sonstige Einrichtungen

Zapfsäulen

Die Zapfsäulen müssen nach unten so dicht ausgeführt sein, dass kein Kraftstoff in den Boden eindringen kann. Das heißt, unterhalb der Zapfsäule ist eine kleine Stahlwanne eingebaut, die Abläufe zu Abfüllfläche hat; läuft dort Flüssigkeit aus, kann diese nur auf den dichten Abfüllplatz gelangen und dort beseitigt werden. In der Undichtheit der Zapfsäulen nach unten liegt eine der Ursachen vieler unerkannter bzw. in ihrer Langzeitwirkung unterschätzter Schadensfälle durch Kraftstoff.

Rohrleitungen

Die im Tankstellen-Bereich verlegten Leitungen zwischen den unterirdischen Lagerbehältern und den Zapfsäulen sind aus Praxis- und Sicherheitsgründen unterirdisch verlegt. Die Leitungen zwischen einem Fernfüllschacht und einzelnen Lagerbehältern sind "Druckleitungen" - sie werden unter Druck betrieben und müssen deshalb doppelwandig ausgeführt sein, wobei der Zwischenraum der beiden Leitungen überwacht wird. Die Leitungen zwischen einzelnen Lagerbehältern und den Zapfsäulen sind "Saugleitungen", die mit stetigem Gefälle zum unterirdischen Lagerbehälter verlegt sind, d. h. wird eine solche Leitung undicht, würde die Flüssigkeitssäule abreißen und es kann kein Kraftstoff mehr auslaufen; solche Leitungen gelte als "selbstsichernd" und können deshalb einwandig ausgeführt sein.

Prüfungen

Tankstellen werden regelmäßigen Prüfungen unterzogen. Diese erfolgen sowohl vom Betreiber selbst als auch durch dafür ausgebildete Sachverständige. Dadurch wird gewährleistet, dass alle sicherheitsrelevanten Einrichtungen wie z. B. der intakte Zustand der Bodenabdichtungen (Fläche und Fugen), die Dichtheit der unterirdischen Teile (Funktion der Lecküberwachung) usw. regelmäßig auf ihren ordnungsgemäßen Zustand überprüft werden und Mängel so rechtzeitig erkannt und beseitigt werden können, dass ein Umweltschaden verhindert werden kann.

Entwässerung

Die Entwässerung einer Tankstelle darf nur über Ölabscheider (Leichtflüssigkeitsabscheider) erfolgen. Dieser Leichtflüssigkeitsabscheider beinhaltet zwei Funktionen:

  • während des Betriebes ausgelaufene Kraftstoffe werden dort von Wasser getrennt, der Kraftstoff wird dort zurückgehalten, das Abwasser wird in einen Abwasserkanal geleitet,
  • im Schadensfall können auch größere Mengen an Kraftstoffen dort zurück gehalten werden.

Ein direktes Einleiten von Abwasser aus einem Leichtflüssigkeitsabscheider in ein Gewässer - und hier ist ein Bach o. ä. genau so gemeint wie das Grundwasser - ist nicht zulässig!