Anlagen in der Landwirtschaft

Lagern und Abfüllen von Jauche, Gülle, Silagesickersäften und Festmist (JGS-Anlagen)

Stoffbezeichnungen

JGS ist die Abkürzung für folgende wassergefährdende Stoffe:

  • Jauche
  • Gülle (Flüssigmist)
  • Silagesickersäfte (Gärsaft und belastete Sickerwässer)
  • Festmist (auf Dungstätten)

Es handelt sich um wassergefährdende Stoffe. Die Stoffe sind geeignet, nachhaltig die physikalische oder biologische Beschaffenheit des Wassers nachteilig zu verändern.

Rechtliche Grundlagen

JGS-Anlagen müssen nach Wasserhaushaltsgesetz (§ 62 WHG) so beschaffen sein und so eingebaut, aufgestellt, unterhalten und betrieben werden, dass der bestmögliche Schutz der Gewässer vor Verunreinigung oder sonstiger nachteiliger Veränderung ihrer Eigenschaften erreicht wird. Näheres wird in der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (VAwS) vom 18.01.2006 geregelt. Auf JGS-Anlagen ist insbesondere der Anhang 5 der VAwS "Besondere Anforderungen an Anlagen zum Lagern und Abfüllen von Jauche, Gülle, Festmist und Silagesickersäften (JGS-Anlagen)" anzuwenden. Seit 01.10.1996 ersetzt der Anhang 5 den JGS-Anforderungskatalog des Innenministeriums vom Dez. 1992. Der Anhang 5 gilt mit Ausnahme von Nr. 9 nur für neue JGS-Anlagen.

Zulässigkeit

JGS-Anlagen sind unzulässig

  • im Fassungsbereich und in der engeren Schutzzone von Wasserschutzgebieten,
  • bei einem Abstand zu oberirdischen Gewässern unter 20 m (Ausnahmen sind im Einzelfall möglich) und
  • bei einem Abstand von Hausbrunnen unter 50 m.

Dungstätten und Siloanlagen sind in Überschwemmungsgebieten unzulässig.

Allgemeine bautechnische Anforderungen bei JGS-Anlagen

Übersicht

  • standsicher (typengeprüfte Statik erforderlich)
  • Anfahrschutz
  • Dichtheit von Behältern (Flächen, Fugen und Übergängen), Rohrleitungen, Rohrdurchführungen und Abfüllflächen
  • Beständigkeit (Beschichtung)
  • Auftriebssicherheit
  • allgemein anerkannte Regeln der Technik: DIN 11622, DIN 1045 und DIN 11832
  • ausreichende Größe bei Behältern
  • Sicherheitseinrichtungen (Doppelschieber, leicht zugänglich)
  • Kontrollierbarkeit (Leckageerkennungsmaßnahmen)

Leckageerkennungsmaßnahmen

In der Regel ist ein Kontrolldrän für die Fuge Bodenplatte/Wand ausreichend. Hierzu ist die Bodenplatte allseitig über die Außenkante der Behälterwand zu ziehen und mit einer Aufkantung zu versehen. Der Ringraum zwischen Aufkantung und Behälterwand ist mit Filterkies zu verfüllen und mit einer Trennfolie gegen das Erdreich zu schützen. Das Kontrollstandrohr ist zwecks Entnahme von Proben mit einem Sumpf zu versehen.

Schnitt durch die Wandung eines Behälters mit verschiedenen Ausführungen zur Lecklageerkennung. Der Behälter steht auf einer mit Folie nach unten abgedichteten, und dränierten Fläche. Evtl. austretendes Wasser kann dann durch nachsehen im Kontrollrohr festgestellt werden. Bild vergrößern Faulbehälter mit Leckageerkennung

Bei Behältern in Wasserschutzgebieten sind Leckageerkennungsmaßnahmen entsprechend der Abbildung "Faulbehälter mit Leckageerkennungsmaßnahmen" erforderlich.

An unterirdische Behälter im Grundwasser werden sehr hohe Anforderungen gestellt. Dies bedeutet, dass bei Standorten mit hohen Grundwasserständen, oberirdische Behälter zu bevorzugen sind.

Pflichten des Betreibers

Der Betreiber muss

  • die nachfolgend beschriebenen Prüfungen durchführen oder durchführen lassen,
  • soll die Behälter über Einrichtungen an der Oberseite befüllen und entleeren,
  • muss das Siliergut ordnungsgemäß abdecken und vor Niederschlag schützen,
  • muss den Silagesickerbehälter bei 2/3 Füllung leeren.

Prüfung von JGS-Anlagen

  • Neuanlagen:
    Vor Inbetriebnahme sind die Behälter und Kanäle mittels Wasserstandsprobe vor der Hinterfüllung zu prüfen. Bei Rohrleitungen ist eine Druckprüfung durchzuführen.
  • Wiederkehrende Prüfungen:
    Die zugänglichen Anlagenteile, wie Armaturen, Rohrleitungen und die sichtbaren Teile des Behälters sowie insbesondere die Kontrollschächte der Leckageerkennungsmaßnahmen, sind mindestens jährlich durch Sicht- oder Funktionskontrolle vom Betreiber zu prüfen (Eigenüberwachung).
  • Bestehende Anlagen in Wasserschutzgebieten:
    Diese Anlagen sind zusätzlich einer Dichtheitsprüfung zu unterziehen.

Bei Verdacht auf Undichtheit (z.B. Gülle oder Jauche im Kontrollschacht) ist die zuständige Kreisverwaltungsbehörde unverzüglich durch den Betreiber zu benachrichtigen.

Anlagenbezogene Anforderungen

  • Lagern von Festmist
    Dungstätten sind auf einer dichten und wasserundurchlässigen Bodenplatte zu errichten. Zur Ableitung ist die Bodenplatte seitlich einzufassen und gegen das Eindringen von Oberflächenwasser aus dem umgebenden Gelände zu schützen. Sofern eine Ableitung der Jauche in einen vorhandenen Jauche- oder Güllebehälter nicht möglich ist, ist sie gesondert zu sammeln.
  • Lagern von Gülle und Jauche
    Bei diesen Anlagen ist neben Anhang 5 VAwS insbesondere die DIN 11622 Gärfuttersilos und Güllebehälter zu beachten. Das Beiblatt 1 zu DIN 11622 enthält Systemskizzen für die Fußpunktausbildung (Bodenplatte/Wand).
  • Abfüllen von Gülle und Jauche
    Plätze, auf denen Jauche oder Gülle abgefüllt wird, müssen mit einer Beton- oder Asphaltdecke befestigt sein. Niederschlagswasser ist während des Abfüllvorganges in die Vorgrube, Jauche- oder Güllebehälter einzuleiten.
  • Lagern von Silagesickersäften
    Gärfuttersilos müssen mit einem Auffangbehälter für Gärsaft versehen sein, sofern Gärsaft anfällt und ein Ableiten in den Gülle-/Jauchebehälter nicht möglich ist. Das Auffangvolumen ist entsprechend der nachfolgenden Tabelle zu bemessen:

Vorbemerkung zur Tabelle:
Mit Ausnahme der Angabe zum Trockensubstanzgehalt, gelten die übrigen Werte in Bezug auf den durchschnittlichen Gärsaftanfall. Die Abkürzung "l/dt" bedeutet Liter/Dezitonne (= 100 kg)

Auffangvolumenbemessung
Trocken-
substanz-
gehalt des Siliergutes %
Siliergut l/dt Silage l/dt Siloraum l/m3
bei Lagerung
des Gesamt-
volumens
Siloraum l/m3 bei täglicher Entleerung
10 45 80 725 80
15 33 45 360 60
20 22 28 200 15
25 11 12 75 15
> 28 0 0 0 0

Bei nicht überdachten ortsfesten Siloanlagen ist stets ein Auffangbehälter mit einem Volumen von mindestens 3 m3 anzuordnen.

Biogasanlagen

In Bayern gibt es ca. 1350 Biogasanlagen. Zurzeit werden viele weitere Anlagen geplant und gebaut. Diese Anlagen bergen ein Gewässergefährdungspotential. Das Biogashandbuch Bayern (siehe Spalte Oben rechts) enthält im Kapitel 2.2.4 des Materialienbandes die wasserwirtschaftlichen Anforderungen.

Anlagenbeschreibung

Eine Biogasanlage besteht aus mehreren Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen nach § 62 WHG:

  • Die Anlage zum Behandeln von Substrat und zum Herstellen von Biogas besteht aus dem Faulbehälter (Fermenter, Gärbehälter), dem Nachgärbehälter und den Rohrleitungen für Substrat (z. B. Gülle), Luft und Biogas, jeweils bis zum ersten Absperrventil sowie evtl. der Vorgrube mit Pumpe.
  • Die Anlage zum Lagern von Biogas besteht aus dem Gasspeicher und den Rohrleitungen vom Faulbehälter bis zum Blockheizkraftwerk (BHKW) einschließlich Gaswäscher und Kondensatabscheider. Diese Anlage ist Teil der Anlage zum Herstellen von Biogas, wenn der Gasspeicher Teil des Faul- oder Nachgärbehälters ist.
  • Die Anlage zum Verwenden von Biogas und von Schmierstoffen besteht aus dem BHKW und der dazugehörigen Auffangvorrichtung.

Anforderungen

Für Anlagen zum Behandeln von Substrat und zum Herstellen von Biogas entfallen die formellen Anforderungen, da sich die wassergefährdenden Stoffe im Arbeitsgang befinden. Einwandige unterirdische Behälter und Rohrleitungen bedürfen grundsätzlich einer Ausnahme der Kreisverwaltungsbehörde von § 3 Nr. 2 und Anhang 1 VAwS (Anlagenverordnung). Anlagen zum Herstellen von Biogas, bei denen überwiegend Wirtschaftsdünger (z.B. Gülle) verwendet wird, können in Anlehnung an Anhang 5 der VAwS (JGS-Anlagen, siehe Seite 1) beurteilt werden. Dabei ist zu beachten, dass bei Faulbehältern im Gegensatz zu Güllebehältern die Dichtheit aufgrund ihrer Behälterbauart (geschlossen, nicht einsehbar, i.d.R. ständig gefüllt) und der Behältereinbauten (Rührwerk, Heizung), nicht schnell und zuverlässig kontrollierbar sind. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass in Biogasanlagen neben Gülle auch weitere organische Stoffe eingesetzt werden. Somit kann einwandigen unterirdischen Gärbehältern nur mit Leckageerkennungsmaßnahmen zugestimmt werden. Eine Betriebsanweisung ist aufzustellen und einzuhalten. Anlagen zum Lagern von Biogas (wassergefährdender gasförmiger Stoff), die den öffentlich-rechtlichen Vorschriften (z. B. die gewerberechtlichen Vorschriften) entsprechen, sind nach VAwS einfach oder herkömmlich. Materiell ist aus wasserwirtschaftlicher Sicht zu fordern, dass die Gaswäscher und Kondensatabscheider einschließlich der dazugehörigen Schächte beständig und dicht ausgeführt werden. Das dabei anfallende Abwasser ist ordnungsgemäß zu entsorgen, z. B. in den Faulbehälter.

Für Anlagen zum Verwenden von Biogas und von Schmierstoffen entfallen die formellen Anforderungen, da sich die wassergefährdenden Stoffe im Arbeitsgang befinden. Die materiellen Anforderungen nach VAwS sind z. B. erfüllt, wenn das BHKW in einer dichten und beständigen Auffangvorrichtung steht, die das gesamte Volumen des Schmierstoffes der Anlage aufnehmen kann.

Pflanzenschutzmittel Lagern und Abfüllen

Pflanzenschutzmittel (PSM) sind stark wassergefährdende Stoffe. Es werden deshalb erhöhte Anforderungen an die Läger und Abfüllplätze gestellt.

Lagern von Pflanzenschutzmitteln

Pflanzenschutzmittel sind in nur verkehrsrechtlich zugelassenen Gebinden und Verpackungen zu lagern. Diese sind in ausreichend große Auffangwannen zu stellen (vorgeschrieben ab einem Gesamtvolumen von 200 l).

Abfüllen von Pflanzenschutzmittel

Flächen, auf denen regelmäßig mit PSM umgegangen wird und auf denen Geräte für den Pflanzenschutz befüllt werden, sind als dichte Flächenbefestigung auszuführen. Der Abfüllplatz ist gefällemäßig oder durch Aufkantungen so abzugrenzen, dass keine Flüssigkeiten auf angrenzende unbefestigte Bereiche gelangen können oder von außen zufließen können. Spritzmittelreste bzw. mit PSM vermischte Spülwässer dürfen auf keinen Fall in eine öffentliche Kanalisation, in eine Kläranlage oder in ein Gewässer eingeleitet werden. Dies gilt nicht nur für das Befüllen der Spritzen sondern auch für das Spülen der Gebinde sowie für die Spritzenreinigung. Anfallendes Restwasser ist, sofern es nicht wieder verwertet werden kann, als Sondermüll zu entsorgen.

Sonstige Anlagen

In der Landwirtschaft gibt es zusätzlich Anlagen zum Lagern und Abfüllen von Diesel (Eigenverbrauchstankstellen) und Anlagen zum Lagern von Heizöl EL. Informationen zu diesen Anlagen finden Sie in den Themenblättern "Tankstellen" und "Heizölverbraucheranlagen"

Hinweis:
Für die Beantwortung von Fragen zu diesem Themenbereich steht Ihnen die örtlich zuständige "fachkundige Stelle für Wasserwirtschaft" des Landratsamtes bzw. der kreisfreien Stadt zur Verfügung.