Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Artenhilfsprogramm Ortolan - Inhalte und Ergebnisse

Der Bestandsrückgang des Ortolans im letzten Verbreitungszentrum Süd- und Westdeutschlands ist weit fortgeschritten – aber noch lässt sich vielleicht mit konzentrierten Anstrengungen aller Akteure – Naturschutz, Landwirtschaft Flurbereinigung etc. – der stetige Abwärtstrend stoppen und das Blatt wenden. Daher hat das Bayerische Landesamt für Umwelt 2006 ein Artenhilfsprogramm für die Agrarvögel Mainfrankens aufgelegt, in dessen Mittelpunkt bislang vor allem der Ortolan steht.

Der Ortolanschutz im Rahmen dieses Programms erfolgt mehrgleisig: Grundlagendatenerfassung, Bestandssicherung und Weiterentwicklung von Maßnahmen laufen parallel:

  • Grundlagendaten erhebt ein Netz ehrenamtlicher Kartierer. Ihre Bestandsdaten sind essentiell für die Planung von Schutzmaßnahmen wie als Erfolgskontrolle. Wo existieren noch Vorkommen? Wo nur Einzelreviere, wo die für den Ortolan mit seinem fast "kolonieartigen" Brutverhalten so wichtigen, besonders schützenswerten Verbreitungsschwerpunkte? Wie sieht dort die Bestandsentwicklung aus? Auf diesen strategisch wichtigen Fragen bauen alle praktischen Schutzmaßnahmen auf.
  • Bestandssicherung bedeutet die Stabilisierung der letzten Vorkommen, insbesondere in den Verbreitungsschwerpunkten, unter anderem durch dauerhaften Erhalt der für den Ortolan so bedeutsamen, kleinräumig parzellierten Ackerflächen mit ihrem Mosaik vielfältiger Feldfrüchte und eingestreuter Singwarten. Ankauf oder Pacht von Ackerflächen und deren gezielte Bewirtschaftung gemäß den Ansprüchen des Ortolans sind dafür ebenso wichtige Instrumente wie die Gewinnung örtlicher Landwirte für die Beteiligung an Bewirtschaftungsprogrammen, die die Brutbedingungen für den Ortolan verbessern. Zudem bemühen sich die Projektpartner, das Singwartenangebot zu verbessern und damit die Chance für die Ortolane zu erhöhen, bei der Rückkehr in ihre Brutgebiete auf die für die Reviergründung entscheidende Kombination aus Singwarte einerseits und Brut- und Nahrungsflächen andererseits zu treffen.
Anbaufreie Flächen in Getreidefeld Bild vergrössern Brachfenster, die innerhalb geschlossener Getreidebestände in der Nähe potenzieller Singwarten schon bei der Aussaat angelegt werden, in dem die Landwirte dort freiwillig auf die Einsaat verzichten, könnten zu einer wirkungsvollen, mit geringem Aufwand zu realisierenden Maßnahme des Ortolanschutzes werden. Foto: K. Gräßel
  • Mit den gängigen Maßnahmen wurden im Ortolanschutz in Mainfranken bislang erst begrenzte Fortschritte erreicht. Die Entwicklung neuer Schutzmaßnahmen ist daher vordringlich, vor allem solcher, die sich leicht in die landwirtschaftlichen Betriebsabläufe integrieren und rasch auf großer Fläche umsetzen lassen. "Ortolanfenster" könnten eine solche Maßnahme werden – wenige Quadratmeter große Brachefenster, die in Getreidefeldern schon bei der Saat ausgespart werden. Sie sind dem Schutz einer anderen Agrarart entlehnt: Im Schutz der Feldlerche haben sich solche Brachefenster in der Vergangenheit sehr bewährt. Es liegt nahe, dass sie auch dem Ortolan ein verbessertes Nahrungsangebot und günstigere Brutbedingungen bieten könnten. Die Erprobung dieses Verfahrens, aber auch anderer, die möglicherweise zu wirkungsvollen Schutzinstrumenten werden könnten, läuft derzeit.

Ob die gemeinsamen Bemühungen zum Ziel führen, ist noch offen, aber wenn es gelingt, den Ortolan-Schutz in den nächsten Jahren zusammen mit möglichst vielen Landwirten und anderen, wichtigen Akteuren wie Flurbereinigung und Forst in die Fläche zu tragen, bestehen noch Chancen, das drohende Aus für das letzte Ortolan-Vorkommen ganz Süd- und Westdeutschlands zu verhindern.

Aktiv werden

Haben Sie Hinweise auf Ortolan-Vorkommen? Wollen Sie Artenhilfsmaßnahmen für diese hochgefährdete Ammernart unterstützen?

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an folgende Adresse:
Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV)
Verband für Arten- und Biotopschutz
Eisvogelweg 1
91161 Hilpoltstein
Tel.: 09174/4775-0

Auf der Internetseite des LBV finden Sie noch weitere Informationen zu dem Projekt.

Solch ein Projekt ist nur möglich durch die Zusammenarbeit verschiedener Partner

Auftraggeber und fachliche Betreuung

Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU), Staatliche Vogelschutzwarte

Projektträger und Gesamtkoordination

Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV)

Regionale Partner

  • Landschaftspflegeverband Kitzingen
  • Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Würzburg
  • Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken