Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Ortolan – Bestand und Gefährdung

Das Verbreitungsbild des Ortolans in Deutschland ist durch die Bindung an niederschlagsarme, klimatisch begünstigte Regionen mit wasserzügigen Böden geprägt: Sie bieten dem Bodenbrüter die besten Chancen für erfolgreiche Bruten. Solche günstigen klimatischen und geologischen Bedingungen findet der Ortolan in einem zusammenhängenden Verbreitungsgebiet im Nordosten Deutschlands – in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Diese Bundesländer beherbergen bis heute einen stabilen Bestand von etwa 5.000 – 6.000 Revieren.

Wesentlich kritischer ist es um den Ortolan in anderen Regionen Deutschlands bestellt: Im Zuge des seit den 1950er Jahren anhaltenden europaweiten Bestandsrückgangs sind in den letzten Jahren selbst früher starke Vorkommen erloschen, zuletzt etwa 2007 das ehemals rund 500 Reviere zählende Vorkommen Nordrhein-Westfalens.

Auch Bayern blieb von dieser Entwicklung nicht verschont: Nicht nur isolierte Einzelvorkommen, sondern auch "der" bayerische Verbreitungsschwerpunkt in Mainfranken mussten in den letzten Jahren erhebliche Einbußen hinnehmen: Wurden dort in den Landkreisen Würzburg, Schweinfurt, Haßberge, Kitzingen und Neustadt a. d. Aisch – Bad Windsheim noch Ende der 1980er Jahre rund 900 Reviere gezählt, beläuft sich der aktuelle Bestand dort nur noch auf etwa 170 Reviere, und das Brutareal ist durch die Aufgabe vieler früherer Brutgebiete stark geschrumpft. Trotzdem: Noch beherbergt Bayern das letzte größere, geschlossene Ortolan-Vorkommen ganz Süd- und Westdeutschlands und hat damit besondere Verantwortung für den Schutz dieser stark gefährdeten Ammernart.

Kartenausschnitt Maingebiet zwischen Kitzingen und Schweinfurt Bild vergrössern Die Ergebnisse der letzten landesweiten Ortolan-Erfassung im Jahr 2009 (gelbe Punkte) machen den erheblichen Rückgang der Bestände seit dem Beginn solcher systematischen Zählung Ende der 1980er Jahre (rote Punkte) augenfällig. Grafik: Landesbund für Vogelschutz (LBV)

Für die seit Jahrzehnten anhaltenden Bestandseinbrüche gibt es verschiedene Ursachen. Klimatische Entwicklungen spielen dabei eine Rolle – die sich durch den Klimawandel häufenden Starkregenereignisse in der Brutperiode sind für einen Bodenbrüter fatal, ebenso der Nahrungsmangel durch Dürreperioden in den Winterquartieren des Langstreckenziehers. Zudem spielen die hohen Verluste, die der Ortolan durch illegalen Fang auf dem Zug erleidet, sicher eine Rolle. Ausschlaggebend für den Anhaltend negativen Bestandstrends war und ist aber die fortschreitende Veränderung der Agrarlandschaft durch eine immer intensivere landwirtschaftliche Nutzung.

Ortolangelege Bild vergrössern Ortolangelege im Getreidefeld: Der Bodenbrüter ist für die Nestanlage auf Deckung bietende, aber nicht zu dichte Vegetation angewiesen – die heutigen, dicht wachsenden Getreidesorten bieten oft nur wenig günstige Bedingungen für eine Brut. Foto: C. Pürckhauer

Der Ortolan benötigt für eine erfolgreiche Brut eine kleinräumig strukturierte Kulturlandschaft, wo er auf engem Raum Singwarten – Einzelbäume, Heckenzüge oder auch Waldränder –, Nahrungsflächen wie insekten- und sämereienreiche Ackerflächen, Wegränder oder Brachen und Brutmöglichkeiten in Deckung bietender, aber nicht zu dichter Vegetation – hierzulande meist in Getreidefeldern – vorfindet. Genau diese abwechslungs- und nahrungsreiche Kulturlandschaft wird jedoch durch die seit Jahren wachsende Größe der Ackerflächen, durch die vermehrte Anwendung von Pestiziden oder durch die Aufgabe von Grünwegen immer mehr zurückgedrängt. Der zunehmende Einsatz moderner, sehr dicht wachsender Getreidesorten und die Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetationsentwicklung tun ihr übriges, sodass der Ortolan selbst in ansonsten geeigneten Lebensräumen, bei der Rückkehr aus dem Winterquartier oft keine günstigen Brutmöglichkeiten mehr vorfindet.

Die Summe all dieser Faktoren hat dazu geführt, dass der Ortolan in der aktuellen, 2003 erstellten Roten Liste gefährdeter Tiere Bayerns noch als "stark gefährdet" geführt wird, aufgrund des rapide fortschreitenden Bestandsrückgangs gerade der letzten Jahre de facto heute aber in Bayern wohl schon eher in die Spitzenkategorie der "vom Aussterben bedrohten" einzuordnen wäre.