Gefahrenhinweiskarte

Gefahrenhinweiskarte zu Geogefahren

Die Gefahrenhinweiskarte gibt eine Übersicht über die Gefährdungssituation durch Massenbewegungen, wie Steinschlag, Felssturz, Hanganbrüche, Rutschungen und Dolinen bzw. Erdfälle. Sie basiert sowohl auf Modellrechnungen als auch auf empirischen Untersuchungen und wird mit dem GEORISK-Ereigniskataster auf Plausibilität geprüft. Bezüglich der räumlichen Abgrenzung kann sie Ungenauigkeiten enthalten und die Gefährdung nicht in jedem Fall genau wiedergeben. Die Gefahrenhinweiskarte hält für große Gebiete flächendeckend fest, wo mit welchen Gefahren gerechnet werden muss. Daraus lassen sich mit geringem Aufwand mögliche Konfliktbereiche zwischen Gefahr und Nutzung ableiten. Die Gefahrenhinweiskarten können einerseits in Flächennutzungspläne mit einfließen und dienen anderseits zur Prioritätensetzung beim Erarbeiten weitergehender Maßnahmen.

Die vorliegenden Gefahrenhinweiskarten wurden für den Zielmaßstab 1:25.000 erarbeitet. Sie stellen somit keine parzellenscharfe Einteilung von Gebieten in unterschiedliche Gefahrenbereiche dar. Die Abgrenzung der Gefahrenhinweisflächen ist als Saum und nicht als scharfe Grenze zu sehen. Auch erheben die Modellierungen der geogenen Gefährdungsprozesse, die in der Karte dargestellt sind, keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Dies betrifft sowohl bereits erfolgte als auch zukünftige Hangbewegungsereignisse. Es handelt sich um eine Darstellung von Gefahrenverdachtsflächen, die zum Zeitpunkt der Bearbeitung auf der Basis der verfügbaren Informationen und mit Hilfe zeitgemäßer numerischer Modelle ermittelt wurden.
Die Gefahrenhinweiskarten für den gesamten bayerischen Alpenraum sind bereits fertiggestellt, das Alpenvorland wird bis Ende 2017 bearbeitet sein. Gefahrenhinweiskarten für die sensibelsten Gebiete im Schwäbisch-Fränkischen Jura werden bis Ende 2015 vorliegen.

Gefahrenhinweisbereich Steinschlag/Blockschlag unter Berücksichtigung des Waldbestandes

Der dargestellte Gefahrenhinweisbereich für den Prozess Steinschlag/Blockschlag ist das Ergebnis einer "realistischen Modellierung", d.h. die dämpfende Wirkung des Waldbestandes wurde berücksichtigt. Im Gelände wurde anhand der Geologie die zu erwartende mittlere Blockgröße (Bemessungsereignis) für ein Sturzereignis ermittelt. Bei der Modellierung entstanden je nach geologischen Gegebenheiten und Geländeoberfläche unterschiedliche Sturzbahnen, die die Reichweite der Sturzereignisse darstellen und die Grundlage für den Gefahrenhinweisbereich bilden.

Gefahrenhinweisbereich tiefreichende Rutschungen

Bei tiefreichenden Rutschungen handelt es sich um Fels- oder Lockergesteinsbewegungen auf einer Gleitfläche. Die Geschwindigkeiten der Rutschmassen bewegen sich zwischen wenigen Zentimetern im Jahr bis zu mehreren Metern in der Minute. Ihr Tiefgang reicht von mehreren Metern bis über 100 m. Mobilität und Volumen der Rutschmassen bedingen ein erhebliches Schadenspotential. Der hier dargestellte Gefahrenhinweisbereich ist das Ergebnis empirischer Untersuchungen.

Vorgehensweise bei der Ermittlung der Hinweisbereiche

Die Vorgehensweise zur Erstellung der Gefahrenhinweiskarten erfolgt prozessbezogen, d.h. es werden die unterschiedlichen geogenen Gefahrenarten (Steinschlag/Blockschlag, Felsstürze, Hanganbrüche, Rutschungen und Dolinen/Erdfälle) einzeln betrachtet und deren Gefahrenhinweisbereiche ermittelt.
Zuerst wird der Gefahrenhinweisbereich für den Prozess Steinschlag/Blockschlag modelliert. Für eine erfolgreiche Modellierung der Reichweiten von Steinschlag/ Blockschlag, ist es von großer Bedeutung, dass die Daten, die als Input für die Modellierung dienen, in bester Qualität vorliegen. Die wichtigste Grundlage stellt ein möglichst genaues und fehlerfreies digitales Geländemodell (DGM) dar. Für das gesamte Untersuchungsgebiet konnte auf die vom "Bayerischen Landesamtes für Vermessung und Geoinformation" erhobenen Laserscan-Daten zurückgegriffen und ein DGM mit einer Auflösung zwischen 1 und 5 m erstellt werden (s. Abb. 1). Dieses DGM dient auch als Grundlage für die Modellierung von Hanganbrüchen sowie Felsstürzen und zur Kartierung von Dolinen und tiefreichender Rutschungen.

Ausschnitt aus dem digitalen Geländemodell Bild vergrössern
Abb. 1: Ausschnitt aus dem digitalen Geländemodell, das für das gesamte Projektgebiet erstellt wurde

Des Weiteren gehen digitalisierte Geologische Karten und Manuskriptkarten im Maßstab 1:25.000 in Verbindung mit der neu erarbeiteten Generallegende in die Modellierung sowohl für Sturz-, als auch für Hanganbrüche ein.
Für die Modellierung der Sturzereignisse wurden alle potentiellen Anbruchbereiche ermittelt. Dann wurden die Sturzbahnen berechnet und auf der Basis dieser Bahnen (Trajektorien) der Gefahrenhinweisbereich festgelegt.
Bei den Gefahrenhinweisbereichen für tiefreichende Rutschungen wurden zwei unterschiedliche Ansätze gewählt. Zum einen wurden Bereiche beurteilt, in denen bereits Rutschungen vonstatten gegangen sind. Zum anderen wurde das Gelände danach beurteilt, ob eine erhöhte Anfälligkeit für die Bildung eines Rutschprozesses erkennbar ist. Für die Erstellung der Gefahrenhinweisbereiche wurden unterschiedliche Ausgangsdaten verwendet. Die Gefahrenhinweisbereiche, in denen vorhandene Rutschungen nach potentieller Ausbreitung beurteilt wurden, sind in den Gefahrenhinweiskarten als rote Bereiche mit Hinweisen auf Gefährdung durch tiefreichende Rutschungen bezeichnet. Die Gefahrenhinweisbereiche, in denen eine erhöhte Anfälligkeit für die Bildung eines Rutschprozesses besteht, wurden als orange Bereiche erhöhter Rutschungsanfälligkeit gekennzeichnet.

Ausschnitt aus der numerischen Modellierung der Sturzprozesse Bild vergrössern
Abb. 3: Ausschnitt aus der numerischen Modellierung der Sturzprozesse. Aus den Trajektorien resultiert der zugehörige Gefahrenhinweisbereich
Ausschnitt aus der Modellierung der Hanganbrüche Bild vergrössern
Abb. 5: Ausschnitt aus der Modellierung der Hanganbrüche. Rote Bereiche kennzeichnen den potentiellen Anbruchbereich, blassrote Bereiche kennzeichnen den errechneten Auslaufbereich der Hanganbrüche

Bei der Modellierung der Hanganbrüche in Lockergestein und Böden werden folgende Ansätze für die Modellierung verwendet. Die Modellierung erfolgte analog zur Modellierung der Reichweiten von Felssturz und Steinschlag in zwei Stufen.

  • Dispositionsmodell: Zuerst werden die Anrisszonen mit dem Modell SLIDISP (LIENER, 2000, GEOTEST AG) ausgeschieden,
  • Prozessmodell: Anschließend werden deren Auslaufbereiche mit einem GIS-basiertem SLIDEPOT (Entwicklung GEOTEST AG) berechnet.

Ebenfalls wie bei der Steinschlagmodellierung wurde von zwei unterschiedlichen Szenarien (insbesondere mit und ohne Wald) ausgegangen.

Eine genaue Beschreibung der Vorgehensweise sowie detaillierte Erläuterungen stehen in den nachfolgenden Dokumenten zur Verfügung.