Massenbewegungen

An steilen Hängen besteht oft Steinschlag- oder Felssturzgefahr. Rutschungen können dagegen auch an sanften Hängen vorkommen. Selbst im flachen Gelände ist man nicht immer sicher, nämlich wenn unterirdische Hohlräume einstürzen können. All diese Vorgänge folgen der Schwerkraft, daher nennt man sie gravitative Massenbewegungen.

Um sich schützen zu können, ist es wichtig, die möglichen Gefahren zu kennen. Die Erfahrung zeigt, dass Ereignisse meist dort auftreten, wo früher schon Ähnliches geschehen ist. Die Meidung dieser Gefahrenbereiche ist die wichtigste Strategie um Leben, Gesundheit und Sachwerte zu schützen.

Steinschlag, Blockschlag, Felssturz, Bergsturz

Schematisches Blockbild erklärt verschiedene Begriffe in Zusammenhang mit Sturzprozessen, erläuterung in nachfolgendem Text.Bild vergrössern Bei Hangneigungen ab etwa 30° stellen Steinschlag und Felssturz eine ernste Gefahr dar

Die besondere Gefahr von Sturzereignissen liegt darin, dass sie plötzlich und ohne Vorwarnung auftreten und gleichzeitig durch die hohe Geschwindigkeit der Sturzmasse am Einschlagsort eine große Energie einwirkt.

Eingeteilt werden Sturzereignisse nach den beteiligten Volumen: Bis 10 m3 spricht man von Steinschlag, darüber von Felssturz. Bergstürze sind seltene hochdynamische Ereignisse mit über 1.000.000 m3 bewegtem Material. Blockschlag nennt man den Sturz von Einzelblöcken ab etwa 0,25 m3 Volumen (das entspricht einem Würfel von 0,63 m Kantenlänge).

Gleitende, kriechende und fließende Hangbewegungen

Rutschungen

Von Rutschungen sind oft große Flächen betroffen, sie laufen aber wesentlich langsamer ab als Sturzprozesse. Die Rutschmasse behält auf der Gleitfläche Kontakt mit ihrem Untergrund.

In den bayerischen Mittelgebirgen gibt es häufig Schichtstufen, wo harte Festgesteine (z.B. Sandsteine) über weicheren, wasserempfindlichen Tonsteinen liegen. Oft zerbrechen hier die Festgesteine entlang der Klüftung und sinken in die unterlagernden Gesteine ein. Dabei driften die Festgesteinsblöcke auch in Richtung Tal. So entstehen hangparallele Gräben und Spaltenzüge. Unterhalb der zerfallenden Schichtstufen bewegen sich die Blöcke oft kriechend weiter talwärts, wobei sie in einer Matrix aus verwittertem Gestein "schwimmen".

Schemabild einer Felsgleitung mit wichtigen Begriffen, Erläuterung in nachfolgendem Text.Bild vergrössern Festgesteinsschollen sinken am Rand einer Schichtstufe in unterlagernde, weniger feste Gesteine ein und driften talwärts

Schuttströme

Schemabild für Schuttströme mit wichtigen Prozessen, Erläuterung in nachfolgendem Text.Bild vergrössern Schuttströme sind eine besondere Art der fließenden Hangbewegung: sehr schmal aber langgestreckt

Schuttströme sind eine wenig bekannte, jedoch weit verbreitete Art von Hangbewegungen in den Bayerischen Alpen, bei der die Schuttmassen breiartig talwärts fließen. Die Bewegung ist meist sehr langsam (kriechend), gelegentlich treten aber auch Geschwindigkeiten bis zu Zehnermetern pro Tag auf. Typisch ist eine sehr langgestreckte, schmale Form. Als Schuttstrommaterial dient vorwiegend Ton- und Schluff-reicher Verwitterungsschutt, wobei die Grobanteile (Steine, Blöcke) gegenüber einer feinkörnigen Matrix überwiegen.

Talzuschübe

Schema Talzuschub mit wichtigen Begriffen, Erläuterung in nachfolgendem Text.Bild vergrössern "Talzuschub" werden sehr große und langsame Hangbewegungen genannt, die vom Kamm bis ins Tal reichen und bei denen das Gestein weitgehend im ursprünglichen Verband bleibt

Talzuschübe sind großräumige Hangbewegungen, bei denen sich ganze Bergflanken talwärts bewegen. Es handelt sich um eine sehr langsame, tiefgreifende, kriechende Bewegung von Festgesteinen. Während sich der Hangfuß langsam vorwölbt, treten in den Kammregionen Zerrungen auf. Der Gesteinsverband kann dabei weitgehend erhalten bleiben.

Erdfälle, Dolinen, Senkungsgebiete

Wo Hohlräume im Untergrund vorhanden sind, kann sich auch im ebenen Gelände Gesteinsmaterial senkrecht nach unten bewegen. Die Auswirkungen an der Erdoberfläche sind vielfältig: Vom plötzlichen Einsturz über den allmählichen Schwund von Material in den Untergrund bis hin zu sehr langsamen Senkungen kleiner oder auch großer Flächen ist alles möglich. Besonders häufig sind unterirdische Hohlräume in sogenannten Karstgebieten, in denen der Untergrund aus löslichen Gesteinen besteht.

Schemazeichnung, Erläuterung in nachfolgendem Text.Bild vergrössern Größere Erdfälle sind meist auf den Einsturz von Höhlen im tieferen Untergrund zurückzuführen – am häufigsten in Karstgebieten.

Schemabild tiefreichender Erdfall: zwei Schnitte, die den Untergrund vor und nach dem Ereignis zeigen: zunächst eine Höhle, die zunehmend verstürzt, dann ein senkrechtes Loch mit Versturz am Grund.

Schemazeichnung, Erläuterung in nachfolgendem Text.Bild vergrössern Dolinenentstehung durch fortschreitende Auswaschung sandiger Deckschichten in Hohlräume im unterlagernden Gestein. Auch dessen Lösungsverwitterung kann eine Rolle spielen.

Schemabild Doline: In den Deckschichten über Festgestein haben sich zunächst nur einzelne Bereiche gebildet, in denen Material in unterlagernde Hohlräume rieselt. Später hat im Untergrund verstärkt Lösung stattgefunden, Teile des Festgesteins sind verschwunden, es gibt mehr und breitere Bahnen, durch die Material aus den Deckschichten in den Untergrund sackt. An der Oberfläche ist eine große Mulde entstanden.

Schemazeichnung, Erläuterung in nachfolgendem Text.Bild vergrössern Wenn stark wasserlösliche Gesteinsschichten vom Grundwasser erreicht werden, kommt es zu einer intensiven Auslaugung. An der Oberfläche entstehen weiträumige Senken mit Dolinen und Erdfällen.

Schemabild großflächige Auslaugung: in einem geologischen Schnitt sieht man links eine vollständige Schichtfolge, in der im tieferen Untergrund Salz- oder Gipsgestein unter drei anderen Schichten liegt. Nach rechts steigen die Schichten zur Oberfläche an und eine Deckschicht fehlt. Das lösliche Gestein wird hier dünner und fehlt rechts ganz. Die darüber liegende Schicht ist teilweise zerbrochen, in der Deckschicht zeigen sich Erdfälle und eine weiträumige Einsenkung.

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