Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Umsetzung des Hochwasserrisikomanagements in Bayern

Einen absoluten Schutz vor Überschwemmungen gibt es nicht – das haben die großen Hochwasserereignisse von 1999, 2005 und 2013 im Donaugebiet deutlich gemacht. Hochwasser ist ein natürliches Phänomen, das sich nicht verhindern lässt.

Wortmarke 'RisikoHochwasser-GemeinsamHandeln'

Natürliche Rückhalteflächen und technische Schutzmaßnahmen wie z.B. Deiche, Schutzwände und Hochwasserspeicher können lokal Abhilfe schaffen; es bleibt jedoch stets ein Restrisiko, dass es bei einem Extremhochwasser dennoch zu Überschwemmungen bebauter Gebiete kommt.

Daher ist es erforderlich, geeignete Strategien zum Umgang mit dem Hochwasserrisiko zu entwickeln. Häufig kann durch angepasstes Verhalten der Schaden bereits deutlich reduziert werden. Zudem müssen sich die Flussanlieger untereinander abstimmen, denn Hochwasser macht an Grenzen nicht Halt.

Neue gesetzliche Vorgaben

Die Europäische Union hat diese Problematik erkannt und nach intensiver Beratung mit Mitgliedstaaten und Verbänden die Richtlinie 2007/60/EG über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken („Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie“) erlassen. Mit der Neufassung des Wasserhaushaltsgesetzes und des Bayerischen Wassergesetzes wurden die europäischen Vorgaben zum 1. März 2010 in Bundes- und Landesrecht übernommen und inhaltlich konkretisiert.

Ziel des Hochwasserrisikomanagements ist es, die negativen Folgen von Hochwasser für die Schutzgüter

  • menschliche Gesundheit,
  • Umwelt,
  • Kulturerbe,
  • wirtschaftliche Tätigkeit und erhebliche Sachwerte

zu verringern. Hochwasserrisikomanagement zielt auf einen planvollen und ausgewogenen Umgang mit Hochwasser ab. Die Verfügbarkeit von Informationen in Form von Karten ist dabei von zentraler Bedeutung. Neben verschiedenen Hochwasserszenarien wird die Flächennutzung in den betroffenen Gebieten berücksichtigt.

In drei Stufen zum Managementplan

Das Hochwasserrisikomanagement gibt eine dreistufige Methodik mit klaren Fristen vor:

  • Vorläufige Bewertung des Hochwasserrisikos (bis 22. Dezember 2011)
  • Erstellung von Hochwassergefahren- und -risikokarten (bis 22. Dezember 2013)
  • Erarbeitung von Plänen für das Hochwasserrisikomanagement (bis 22. Dezember 2015)
Bild vergrößern Die drei Stufen des Hochwasserrisikomanagements mit Umsetzungsfristen.

Stufe 1

Die vorläufige Risikobewertung ist eine grobe Bestandsanalyse, in der die Gewässer ermittelt werden, an denen ein besonderes Hochwasserrisiko besteht. Die vorläufige Risikobewertung für Bayern wurde bereits im Dezember 2010 abgeschlossen.

Stufe 2

Für die Gewässer, an denen ein besonderes Hochwasserrisiko besteht, werden Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten erarbeitet. Sie werden für verschiedene Hochwasserszenarien erstellt: häufige, mittlere und seltene Hochwasserereignisse.

Hochwassergefahrenkarten stellen überflutete Flächen und Wassertiefen dar. Hochwasserrisikokarten geben Informationen über die Flächennutzung und die Anzahl der betroffenen Einwohner in den überschwemmten Gebieten.

Stufe 3

Mit Hilfe der Karten werden Hochwasserrisikomanagement-Pläne erarbeitet. Die Pläne beinhalten Ziele und Maßnahmen, wie Hochwasserschäden zukünftig reduziert werden können. Dazu gehören alle Maßnahmen, die der Vermeidung von Risiken, dem Hochwasserschutz, der Vorsorge oder der Regeneration nach Hochwasserereignissen dienen. Als Beispiele können die Verbesserung des natürlichen Wasserrückhalts, hochwasserangepasstes Bauen, Überlegungen zum Katastrophenschutz, das Freihalten von Überschwemmungsgebieten, die Hochwasserwarnung oder der Wiederaufbau nach großen Hochwasserereignissen genannt werden.

In einem Kreislauf werden die vier wichtigsten Aspekte des Hochwasserrisikomanagements dargestellt. Diese umfassen die Vermeidung von Hochwasserrisiken, den Schutz und die Vorsorge vor einem Hochwasserereignis sowie die Wiederherstellung/Regeneration/Überprüfung nach einem Hochwasserereignis Bild vergrößern Kreislauf des Hochwasserrisikomanagements

Eine Übergangsregelung ermöglichte, dass der 2006 veröffentlichte "HochwasserAktionsplan Main" 2010 zum Hochwasserrisikomanagement-Plan Main weiterentwickelt werden konnte. Für das bayerische Maingebiet liegt damit bereits jetzt ein Hochwasserrisikomanagement-Plan vor.

Hochwasserrisikomanagement ist als kontinuierlicher Prozess angelegt. Alle drei Umsetzungsstufen werden im Rhythmus von sechs Jahren regelmäßig aktualisiert.