Klärschlamm

Entsorgungssituation

Klärbecken einer Kläranlage
Bild vergrößern
Klärbecken

Klärschlamm ist der bei der Abwasserbehandlung in Kläranlagen anfallende Schlamm. In den ca. 2.600 bayerischen kommunalen Kläranlagen fallen pro Jahr ca. 265.000 t Trockenmasse (TM) Klärschlamm an. Bei einem mittleren Trockenrückstandsgehalt (TR) von ca. 5% und einem Wasseranteil von ca. 95% des auf den Kläranlagen anfallenden Nassschlamms entspricht dies einem Klärschlammanfall (5% TR) von ca. 5,3 Mio. Tonnen pro Jahr.

Bayerns Kläranlagenstruktur ist geprägt durch viele kleine ländliche Kläranlagen. Ca. 50% der ca. 2.600 kommunalen Kläranlagen weisen eine Ausbaugröße < 1.000 Einwohnerwerte (EW) auf. In diesen kleinen Kläranlagen fallen (bezogen auf die Trockenmasse) weniger als 2% des bayerischen Klärschlamms an.

Kuchendiagramm: thermische Behandlung 58,4%, landwirtschaftliche Verwertung 17,8%, Rekultivierung, Landschaftsbau 23,8%
Bild vergrößern
Entsorgung des bayerischen Klärschlamms im Jahr 2014

Im Jahr 2014 war in Bayern die thermische Behandlung (Verbrennung) mit 58% der entsorgten Klärschlammmenge der wichtigste Entsorgungsweg. Einer stofflichen Verwertung bei Rekultivierungsmaßnahmen oder im Landschaftsbau wurden ca. 24% zugeführt. Der Anteil des landwirtschaftlich verwerteten Klärschlammes betrug 18%. Etwas weniger als die Hälfte des bayerischen Klärschlamms wird derzeit außerhalb Bayerns entsorgt und dort vor allem bei Rekultivierungsmaßnahmen oder in Kohlekraftwerken eingesetzt. Innerhalb Bayerns dominiert die thermische Behandlung des Klärschlamms.

Entwicklung der Klärschlammentsorgung in Bayern seit 1988: landwirtschaftl. Verwertung mit 30%, Deponierung mit 60% und Thermische verwertung mit 10%. 2012: landwirtschaftl. Verwertung mit 20%, Rekultivierung Landschaftsbau mit ca. 30% und Thermische Verwertung mit ca.50%.
Bild vergrößern
Entwicklung der Klärschlammentsorgung in Bayern seit 1988

Die längerfristige Entwicklung der Entsorgung des bayerischen Klärschlamms ist dieser Abbildung zu entnehmen. Die landwirtschaftliche Verwertung ist seit Mitte der 90er Jahre stark rückläufig, während die thermische Behandlung zunahm und auch der Einsatz bei Rekultivierungsmaßnahmen oder im Landschaftsbau auf einem hohen Niveau blieb. Die Deponierung von Klärschlamm ist nicht mehr zulässig und spielt in Bayern schon seit vielen Jahren keine Rolle mehr.

Neuausrichtung der Klärschlammentsorgung

Klärschlamm stellt im Abwasserreinigungsprozess eine Schadstoffsenke für eine nicht überschaubare Vielfalt an Abwasserinhaltsstoffen aus Haushalten, Gewerbe und Industrie dar. Die Wirkungen dieser Schadstoffe auf die Umwelt und Gesundheit sind teilweise noch unbekannt. Dies trifft insbesondere auf die organischen Schadstoffe zu (z.B. Flammschutzmittel, Desinfektionsmittel, Arzneimittel usw.). Durch die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm werden die aus dem Abwasser abgetrennten Schadstoffe wieder großflächig ausgebracht.

Bayern hat sich zum Ziel gesetzt, die landwirtschaftliche, gärtnerische und landschaftsbauliche Verwertung des Klärschlamms aus Gründen des vorsorgenden Verbraucher-, Boden- und Gewässerschutzes zu beenden. Der Klärschlamm soll Entsorgungsverfahren zugeführt werden, die zu einer Zerstörung der organischen Schadstoffe und einem Ausschleusen der Schwermetalle aus dem Schadstoffkreislauf führen. Dies wird durch eine thermische Behandlung (Verbrennung) des Klärschlamms gewährleistet. Der wertgebende Inhaltsstoff Phosphor des Klärschlamms kann vor einer Verbrennung oder nach entsprechender Aufbereitung der Verbrennungsaschen zurück gewonnen werden.

Die Ziele wurden in den Abfallwirtschaftsplan Bayern und das Landesentwicklungsprogramm aufgenommen. Die Kläranlagenbetreiber und Landwirte werden beraten, auf die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm zu verzichten. Auch die Nahrungsmittelhersteller (Mühlen), Kirchen und Verbraucherverbände unterstützen die Ziele. Ebenso wurden diese Ziele auf Einwirken Bayerns in den Koalitionsvertrag der derzeitigen Bundesregierung aufgenommen.

Klärschlammentsorgung in Bayern - Planungshilfe für Kommunen

Wie die Neuausrichtung der Klärschlammentsorgung in Angriff genommen werden kann, zeigt die vom LfU im Jahr 2011 erstellte "Planungshilfe für Kommunen". Sie zeigt Wege zu einem schlüssigen, umweltfreundlichen und zukunftsfähigen Klärschlammentsorgungskonzept und enthält Hinweise zu interkommunalen Zusammenschlüssen und deren Gesellschaftsformen. Außerdem sind Richtwerte für wirtschaftliche Anlagengrößen und Kostenansätze für verschiedene Behandlungs- und Verwertungsmöglichkeiten aufgeführt. Aspekte des Klimaschutzes werden für einzelne Entsorgungswege ebenso dargestellt wie Grundlagen und technische Lösungen der Phosphorrückgewinnung vor oder nach der Verbrennung. Die Planungshilfe kann herunter geladen werden (rechte Spalte).

Aufgaben des LfU

Die wichtigsten Aufgaben des LfU im Rahmen der Klärschlammentsorgung sind:

  • Beratung von Kommunen bzgl. Neuausrichtung der Klärschlammentsorgung,
  • Fachliche Stellungnahmen zu Verordnungs- und Gesetzesentwürfen,
  • Begutachtung und Überwachung von thermischen Behandlungsanlagen,
  • Erstellung von Gutachten bei innovativen Behandlungsverfahren,
  • Betreuung bzw. Beurteilung von Forschungsvorhaben (z.B. Phosphorrückgewinnung),
  • Aufbau und Betrieb des Bayerischen Klärschlammnetzes (internetbasiertes EDV-System zur Abwicklung des Lieferscheinverfahrens gemäß Klärschlammverordnung),
  • Erstellung des bayerischen Berichtes zur landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung gemäß Klärschlammverordnung,
  • Erhebung und Auswertung von statistischen Daten (Abfallbilanz).

Stand: März 2016