Ausbringung von Klärschlamm in der Landwirtschaft

Anforderungen der Klärschlammverordnung

Bei der landwirtschaftlichen Verwertung von Klärschlamm sind insbesondere die Vorgaben der Klärschlammverordnung (AbfKlärV vom 15.04.1992) zu beachten. Im Einzelnen gelten u.a. folgende Einschränkungen:

  • Verbot der Verwertung auf Grünland, auf Obst- und Gemüseanbauflächen und im Forst,
  • Beschränkung der Ausbringungsmengen auf 5 t Trockenmasse/ha in 3 Jahren,
  • Schadstoff-Grenzwerte für den aufnehmenden Boden,
  • Schadstoff-Grenzwerte für den auszubringenden Klärschlamm.

Außerdem unterliegt die Klärschlammverwertung einem detaillierten flurstücksgenauen Nachweisverfahren (Lieferscheinverfahren). Zur Abwicklung des Lieferscheinverfahrens hat das LfU eine Internetanwendung, das Bayerische Klärschlammnetz, entwickelt (Link siehe unten).

Im August 2015 hat das Bundesumweltministerium einen Referentenentwurf zur Novellierung der AbfKlärV vorgelegt. Neben einer Verschärfung der bestehenden Grenzwerte sind Grenzwerte für weitere Schadstoffe (Arsen, Thallium, Chorm(VI), Benzo(a)pyren, Perfluorierte Tenside) sowie Hygieneanforderungen vorgesehen: Bei Umsetzung der Inhalte des Arbeitsentwurfs in eine Novelle der Klärschlammverordnung ist aufgrund der erhöhten Anforderungen ein deutlicher Rückgang der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung zu erwarten.

Neben den abfallrechtlichen Vorschriften (u. a. AbfKlärV, Klärschlammentschädigungsfondsverordnung – KlärEV) sind bei der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung auch die Vorgaben des Düngemittelrechts (u.a. Düngeverordnung und Düngemittelverordnung) zu beachten. Dies führte seit dem 01.01.2015 zur deutlichen Absenkungen einiger Grenzwerte für die landwirtschaftliche Ausbringung. Für 2015 ist daher ein weiterer Rückgang bei der landwirtschaftlichen Verwertung schon absehbar./p>

Schadstoffbelastung des Klärschlamms

Seit Inkrafttreten der Klärschlammverordnung im Jahr 1983 liegen in Bayern umfangreiche Untersuchungen vor. Sie zeigen, dass sich die Qualität des Klärschlamms in Bezug auf die nach Klärschlammverordnung zu untersuchenden Parameter erheblich verbessert hat.

Grafik mit zurückgehenden Werten
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Zeitliche Entwicklung der Klärschlammbelastung bezogen auf die Parameter der Klärschlammverordnung

Nach der Klärschlammverordnung ist jedoch nur ein begrenztes Stoffspektrum zu untersuchen. Das Gefährdungspotenzial des Klärschlamms wird daher nur unzureichend berücksichtigt. Bei umfangreichen Untersuchungen wurden bayerische Klärschlämme auf eine Vielzahl an weiteren organischen Schadstoffen (z.B. Weichmacher, Flammschutzmittel, Waschmittelinhaltsstoffe) untersucht. Diese Stoffe sind großteils persistent, besitzen zu einem großen Anteil eine hohe Bioakkumulation und z.T. auch hohe Ökotoxizität. In nahezu allen Klärschlämmen konnten alle untersuchten Parameter nachgewiesen werden. In vielen Fällen wurden Grenzwertvorschläge, die für diese Stoffe in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2005 abgeleitet wurden, überschritten.

Weitere Stoffklassen wie z.B. Arzneimittel und deren Abbauprodukte wurden in diese Untersuchungen noch gar nicht einbezogen. Ergänzend ist zu berücksichtigen, dass die Kombinationswirkungen dieser zahlreichen organischen Spurenstoffe für die Umwelt bei einer Verwertung in der Landwirtschaft oder auch im Landschaftsbau nicht mit ausreichender Sicherheit abgeschätzt werden können.

Die Perfluorierten Tenside (PFT) sind eine Stoffgruppe, die erst vor einigen Jahren als relevante Inhaltsstoffe des Klärschlamms bekannt wurden. PFT besitzen schmutz-, farb-, fett-, öl- und gleichzeitig wasserabweisende Eigenschaften und werden deshalb in vielen Bereichen eingesetzt. Die bekanntesten Vertreter sind die Perfluoroctansäure (PFOA) und die Perfluoroctansulfonsäure (PFOS). PFT weisen eine hohe Beständigkeit gegenüber UV-Strahlung und Verwitterung auf und sind biologisch kaum abbaubar. Die Hauptanwendungsgebiete von PFT liegen im Bereich der Oberflächenbehandlung von Metallen (Verchromung), der Foto- und Halbleiterindustrie, der Papierveredelung und der Spezialchemie. Auch in Hydraulikflüssigkeiten von Flugzeugen und in Feuerlöschmitteln können sie eingesetzt werden.

Derzeit gibt es keinen Grenzwert für PFT im Klärschlamm für die landwirtschaftliche Verwertung oder den Einsatz bei Rekultivierungsmaßnahmen. In Bayern und mehreren anderen Bundesländern wird jedoch ein Vorsorgewert von 100 µg/kg Trockenmasse angewandt. Bei Überschreitung dieses Wertes soll eine Klärschlammverwertung in der Landwirtschaft und bei Rekultivierungsmaßnahmen nicht mehr erfolgen. Von insgesamt ca. 1.400 untersuchten bayerischen Kläranlagen wurde bei ca. 6% zumindest bei einer Messung eine Überschreitung des Vorsorgewertes von 100 µg/kg Trockenmasse (zzgl. 25% Toleranz) im Klärschlamm festgestellt (Stand 31.12.2013). Dieser Klärschlamm muss dann einer thermischen Behandlung zugeführt werden.

Keime im Klärschlamm

Im Abwasser und Klärschlamm kann eine Reihe von Krankheitserregern menschlicher und tierischer Herkunft enthalten sein. Das Spektrum reicht von einer Vielzahl von Bakterien, Viren und parasitären Erregern bis zu Hefen und Pilzen. Bei der derzeit üblichen Abwasser- und Schlammbehandlung werden die Krankheitserreger einerseits in gewissem Umfang dezimiert, andererseits in den Klärschlamm überführt und dort aufkonzentriert. Eine gezielte Abtötung der Keime (Hygienisierung) findet auf den Kläranlagen in der Regel nicht statt. Die Überlebensdauer von Mikroorganismen ist sehr unterschiedlich und reicht bei sporenbildenden Bakterien bis zu mehreren Jahren.

Durch Anwendungsverbote und -beschränkungen nach den Vorgaben der Klärschlammverordnung werden die Risiken der direkten Übertragung von Keimen auf landwirtschaftliche Nutztiere und den Menschen über Futter und Nahrung bei der landwirtschaftlichen Verwertung von Klärschlamm zwar minimiert, das Problem der indirekten Übertragung durch belebte oder unbelebte Überträger (Vektoren) und des Eintrags in die Biozönose (Gemeinschaft der Organismen) ist jedoch nach Expertenmeinungen nicht gelöst. Im Rahmen der Novellierung der Klärschlammverordnung wird daher eine Pflicht zur Hygienisierung des Klärschlamms diskutiert. Seit dem 01.01.2015 ist über die Düngemittelverordnung ein Richtwert für Salmonellen eingeführt. In der Regel dürfen Klärschlämme, die landwirtschaftlich verwertet werden sollen, keine Salmonellen enthalten.

Stand: März 2016