Kanalisation

Inspektion in einem Abwasserkanal Bild vergrössern Kanalinspektion Foto: Alberto Avellina

Nur mit einer funktionierenden Kanalisation kann eine hygienisch einwandfreie und den Belangen des Umwelt- und Überflutungsschutzes angemessene Abwasserableitung sichergestellt werden. Dazu betreiben die Städte und Gemeinden in Bayern ein dichtes Netz an Kanälen, welche teilweise über 100 Jahre alt sind und an die rund 97% der Bevölkerung angeschlossen sind. Die Länge der öffentlichen Kanalisation beträgt rund 100.000 km (das entspricht mehr als dem doppelten Erdumfang), die Summe der privaten bzw. nicht öffentlichen Kanäle wird auf etwa die zwei- bis dreifache Länge geschätzt.

Es kommen grundsätzlich zwei Entwässerungssysteme zur Ableitung des gesammelten (häuslichen und gewerblichen) Schmutzwassers und des Niederschlagswassers zur Anwendung:

  • das Trennsystem und
  • das Mischsystem

Beim Trennsystem werden Schmutz- und Regenwasser in getrennten Kanälen abgeführt. Das Schmutzwasser gelangt zur Kläranlage während das Regenwasser zum nächsten Gewässer oder zu einer Versickerungsanlage abgeleitet wird. Beim Mischsystem erfolgt eine gemeinsame Ableitung von Schmutz- und Regenwasser in einem Kanal zur Kläranlage. Der Anteil der Mischkanalisation beträgt in Bayern rund 2/3 der vorhandenen Kanäle. Bei starken Regenfällen werden in der Mischkanalisation große Wassermengen zur Kläranlage abgeleitet. Dies kann die Funktion der Kläranlage gefährden, da nur eine bestimmte Abwassermenge gereinigt werden kann. Größere Mischwassermengen werden daher in Regenbecken zwischengespeichert und mechanisch durch Absetzwirkung gereinigt. Nicht mehr aufnehmbares Mischwasser muss - stark verdünnt - in ein Gewässer entlastet werden. Sauberes Regenwasser sollte allerdings nur dann im öffentlichen Kanal abgeleitet werden, wenn eine Rückhaltung, Nutzung oder Versickerung auf den Grundstücken nicht möglich ist.

Am häufigsten gelangt das Abwasser im freien Gefälle zum Ziel. Abwasser kann jedoch auch über Druck- oder Unterdruckleitungen gefördert werden. Hierbei ist ein geländegleiches Verlegen bzw. ein Ansteigen des Kanals möglich.

Obwohl das Kanalnetz in aller Regel das größte Anlagenvermögen einer Gemeinde darstellt, erfährt es häufig nicht die erforderliche Aufmerksamkeit. Eine Untersuchung im Auftrag des Landesamtes für Umwelt über den Zustand der öffentlichen Kanalisation (siehe Box „Weiterführende Informationen“) ergab einen kurz- bis mittelfristigen Sanierungsbedarf bei ca. 15 % der Schmutz- und Mischwasserkanäle. Für die Reparatur, Renovierung oder Erneuerung der beschädigten Kanäle werden in den nächsten Jahren finanzielle Aufwendungen in der Größenordnung von 5 bis 6 Milliarden Euro erwartet. Zur Unterstützung insbesondere kleinerer Kanalnetzbetreiber ohne eigenes Fachpersonal hat das Landesamt für Umwelt einen Leitfaden zur Inspektion und Sanierung kommunaler Abwasserkanäle herausgegeben. Der Leitfaden beschreibt in leicht verständlicher und übersichtlicher Form die Vorgehensweise bei der Kanalsanierung und gibt Hinweise zur Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen.

Abwasserleitungen auf Privatgrundstücken sind neben dem öffentlichen Kanalnetz ein wichtiger Bestandteil des Entwässerungssystems. Man geht davon aus, dass bis zu 80 % der privaten Abwasserleitungen undicht sind, denn häufig wurden sie weder von einer Fachfirma noch nach den Regeln der Technik gebaut – und danach selten überprüft. Um Boden und Grundwasser zu schützen und zu verhindern, dass Grundwasser durch undichte Leitungen eindringt und Kläranlagen unnötig belastet, müssen Hausbesitzer ihre Abwasserleitungen prüfen und bei Bedarf sanieren.
Das Infoblatt „Private Abwasserleitungen prüfen und sanieren“ aus der Reihe UmweltWissen enthält wertvolle Informationen für den Grundstückseigentümer zu diesem Thema.