Restrisiko

Das zentrale Ziel im Umgang mit Hochwasser ist es die Gefahren und Risiken mithilfe verschiedenster Maßnahmen zu minimieren. Das kann zum einen durch die Reduzierung der Schadensanfälligkeit, z.B. durch hochwasserangepasstes Bauen, und zum anderen durch die Beeinflussung der Gefahr (z.B. Deichbau, rückhalt oder Umleitung des Gewässers) geschehen. Einen hundertprozentigen Schutz vor Hochwasser kann es jedoch trotz aller Bemühungen nicht geben. Bei allen Schutzstrategien verbleibt immer ein Restrisiko.

Erläuterung im nachfolgenden Text. Bild vergrössern Durch die Reduktion der Hochwassergefahr (z.B. durch Umleitung, Deichbau) und durch Reduktion der Schadensanfälligkeit (z.B. durch hochwasserangepasstes Bauen und Abrücken) wird das Risiko verringert. Ein Restrisiko bleibt.

Nebenstehende Grafik vergleicht das Risiko eines Hauses am Fluss in zwei verschiedenen Situationen:
Im linken Bild grenzt ein Haus ohne Schutzbauwerke an den Fluss. Die Schadensanfälligkeit des Hauses ist groß und wird in der Grafik durch einen gelben Kreis um das Haus verdeutlicht. Im Fall eines Hochwassers (hier symbolisiert durch eine blaue Linie) wird das Haus überschwemmt. Das Risiko als Überschneidungsbereich der Gefahr und der Schadensanfälligkeit, ist somit hoch (rote Fläche in der Grafik). Das rechte Bild zeigt das gleiche Haus, aber getrennt vom Fluss durch einen Deich. Die Schadensanfälligkeit ist genauso groß, wie im linken Bild. Der Deich hält das Hochwasser zurück und das Haus wird nicht überschwemmt, das Risiko ist also deutlich geringer. Die kleinere Risikofläche zeigt, dass trotz Schutzbauwerken immer ein Restrisiko verbleibt.

Hochwasserschutzanlagen sind in der Regel für ein Hochwasser ausgelegt, das statistisch gesehen einmal in 100 Jahren (100-jährliches Hochwasser) eintritt. Bei einem Extremhochwasser, das noch seltener vorkommt, können beispielsweise Hochwasserschutzmauern überströmt und die dahinter liegenden Flächen überflutet werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein HQ100 an einem Fluss mindestens einmal in einem Menschenleben von 80 Jahren auftritt, beträgt 55 %. Bei einem Extremhochwasser, das noch seltener vorkommt, können beispielsweise Hochwasserschutzmauern überströmt und die dahinter liegenden Flächen überflutet werden. Die Erlebenswahrscheinlichkeit eines HQ500 beispielsweise beträgt immerhin noch 15 % (siehe Tabelle bei "Risikomanagement im Alltag"). Es ist also tatsächlich wahrscheinlich, dass ein Flussanwohner in seinem Leben ein HQ100 oder noch größere Ereignisse erlebt. Für Gebiete hinter Deichen besteht zudem das Risiko, dass die Schutzeinrichtungen den Wassermassen nicht standhalten und möglicherweise ein Deich bricht oder ein mobiles Hochwasserschutzsystem versagt. Möglich ist auch, dass sich bei einem lang anhaltenden Hochwasser der Grundwasserspiegel hinter dem Deich erhöht oder dass das Wasser über Kanalisation oder Keller hinter dem Deich ansteigt.

Dieses Risiko (also der "Rest") darf jedoch nicht unterschätzt werden. Es sind gerade die extremen Hochwasserereignisse mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit, die zur Katastrophe führen können und eine Gesellschaft vor die größten Herausforderungen stellen. Das Restrisiko ist ein reales Risiko, das es zu reduzieren gilt. Das bestehende Restrisiko sollte allen potenziell Betroffenen stets bekannt sein, um sich angemessen darauf vorbereiten zu können und im Ernstfall handlungsfähig zu sein. Verringert werden kann das Restrisiko z.B. durch Maßnahmen aus den Bereichen Raumplanung oder Eigenvorsorge.

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