Messnetze

Mit dem Jahr 2007 wurde ein Großteil der bayerischen Messnetze auf die Erfordernisse der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) umgestellt. Seitdem umfasst das bayerische Landesnetz Seen 53 Gewässer mit einer Oberfläche > 0,5 km2. Diese unterteilen sich in 33 natürliche Seen, 15 Wasserspeicher in Fließgewässersystemen und 5 Restseen des Braunkohletagebaus. Hierfür wurden eine Überblicksüberwachung und eine operative Überwachung eingeführt. Daneben werden weitere landesweite Messnetze weiterhin fortgeführt. Die unterschiedlichen Überwachungskategorien unterscheiden sich im sowohl durch den Überwachungsturnus als auch die durchzuführenden Untersuchungsprogramme.
Die landesweiten Messnetze zur Überwachung der Seenqualität sind im Folgenden erläutert:

Überblicksüberwachung nach WRRL

Ziel ist es, einerseits natürliche Veränderungen, andererseits vom Menschen verursachte Entwicklungen in der Gewässerqualität zu erfassen. Die Überwachung natürlicher Veränderungen wird an Referenzstellen vorgenommen, die in das Messenetz zur Überblicksüberwachung integriert sind.

Königssee - Alpiner Referenzsee (D. Stelzer). Bild vergrößern Königssee - Alpiner Referenzsee

Bei der Überblicksüberwachung werden vor allem bedeutende Gewässer regelmäßig untersucht. Unter die Überwachungspflicht der WRRL fallen grundsätzlich alle Seen mit einer Wasseroberfläche von mehr als
0,5 km2. In Bayern wurde für die Größe und Bedeutung der Wasserkörper für die Überblicksüberwachung eine Oberfläche von 4 km2 bzw. 100 Mio. m3 Volumen festgelegt. Zusätzlich sind Seen der wichtigsten Gewässertypen vertreten. Außerdem es zählen Gewässer dazu, die Staats- und Ländergrenzen überschreiten, wie der Bodensee. Die Referenzstellen können hingegen auch an kleineren Gewässern liegen - entscheidend ist hier das Kriterium Gewässerqualität: nur die besten Gewässer eines Gewässertyps sind als Referenzstelle geeignet. Insgesamt wurden 12 Messtellen für die Überblicksüberwachung festgelegt.

Operative Überwachung nach WRRL

Durch übermäßigen Nährstoffeintrag stark beeinträchtigter See. Bild vergrößern Durch übermäßigen Nährstoffeintrag stark beeinträchtigtes Gewässer

In der operativen Überwachung werden primär Gewässer untersucht, die wegen verschiedener Beeinträchtigungen den guten Zustand verfehlen werden. Gründe hierfür können sein: übermäßiger Nährstoffeintrag (Eutrophierung), Schadstoffeinleitung, strukturelle Veränderungen wie Gewässeraufstau oder -befestigung und weitere. Eine erste Auswahl zu untersuchender Gewässer erfolgte bei der Bestandsaufnahme nach EG WRRL im Jahr 2004. Die Untersuchung wird so lange fortgesetzt, bis auch an diesen Gewässern ein guter Zustand erreicht ist. Auch können weitere Gewässer in die Überwachung aufgenommen werden, zum Beispiel wenn Indizien darauf hinweisen, dass eine Verschlechterung eingetreten ist. Ziel der Überwachung ist es Quellen und Ursachen von Belastungen aufzuspüren und die Wirkung von Maßnahmen zu dokumentieren. Für die operative Überwachung wurden 24 Messstellen festgelegt.

Landesmessnetz Gewässerkundlicher Dienst Seen

Diesem Messnetz gehören alle bayerischen Seen mit einer Oberfläche > 0,5 km2 an. Diese sind damit von Relevanz für die Wasserrahmenrichtlinie. Da nicht für alle diese Seen Messstellen für die Überblicks- bzw. operative Überwachung festgelegt wurden, dienen diese Stellen der Verdichtung und Verfeinerung von Ergebnissen aus der Überblicksüberwachung nach Wasserrahmenrichtlinie.
Zu diesem Messnetz gehören 17 Messstellen, z.B. weitere Referenzmessstellen für den guten bis sehr guten Zustand. Es werden die gleichen chemischen und biologischen Untersuchungen wie für die Überblicksüberwachung nach Wasserrahmenrichtlinie durchgeführt.

Landesmessnetz Überleitung

Aus dem wasserreichen bayerischen Süden wird Donau-und Altmühlwasser in den wasserarmen Norden, das Regnitz-Main-System geleitet. Ein wesentliches Element hierbei ist der Main-Donau-Kanal sowie eine Speicherkette ("Neues fränkisches Seenland") im mittelfränkischen Raum. Die Gewässerqualität in diesem so genannten "Überleitungssystem" wird seit Beginn der Baumaßnahmen in einem eigenen Messnetz überwacht. Es finden biologische Untersuchungen und chemische Analysen statt.

Landesmessnetz Versauerung

Das Messnetz dient der Ermittlung des Versauerungszustandes in Gebieten, die durch sauren Regen belastet sind oder waren. Die langjährige Untersuchung ermöglicht eine Trendermittlung. Ergebnisse aus dem Messprogramm werden auch international gemeldet. Es findet eine biologische Untersuchung des Phytoplanktons und des Zooplanktons sowie eine chemische Untersuchung der Kationen, Anionen und Nährstoffgehalte statt.

Messnetzstrategie

Messstellen, die einem gemeinsamen Zweck dienen, werden in Messnetzen zusammengefasst. Die wichtigsten Messnetze in Bayern sind das Überblicksüberwachungsnetz, das Messnetz zur operativen Überwachung sowie das gewässerkundliche Landesnetz. Diese sind in der WRRL verankert, das heißt Ziele und Aufbau sind europaweit einheitlich festgelegt. Die weiteren landesweiten Messnetze in Bayern dienen landeseigenen und z.T. auch nationalen Zwecken. Regionale Messnetze sind in den Angeboten der Wasserwirtschaftsämter beschrieben.