Flächenmanagement: Schutz unserer Lebensgrundlage

In einer Hand voll fruchtbarem Boden leben mehr Organismen als Menschen auf der Erde. Der Boden ist aber auch die Lebensgrundlage für uns Menschen: Auf ihm wachsen Nahrungspflanzen und wertvolle Rohstoffe, er filtert und speichert das Regenwasser und schützt vor Überschwemmungen.

Doch die endliche Ressource Boden schrumpft. In Deutschland werden jeden Tag 69 Hektar unbebautes Land in Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt. Im Jahr 2014 betrug der Flächenverbrauch allein in Bayern täglich 10,8 Hektar – was einer Größe von rund 15 Fußballfeldern entspricht. Damit zählt der Flächenverbrauch zu den bedeutendsten Umweltproblemen im Freistaat.

Flächenverbrauch – auf Kosten der Zukunft

Die Gründe dafür, dass immer wieder neue Flächen beansprucht werden, sind vielfältig: Der Wunsch nach einem Eigenheim im "Grünen" und die wachsende Zahl kleinerer Haushalte spielen ebenso eine Rolle wie neue Gewerbegebiete, der Ausbau von Verkehrswegen und die oftmals niedrigen Grundstückspreise in der Peripherie.

Luftaufnahme eines an Felder grenzenden Neubaugebiets am Ortsrand mit Straßen und noch bebaubaren FlächenBild vergrössern Großes Neubaugebiet am Ortsrand

Was zunächst rentabel erscheint, verursacht auf lange Sicht oft hohe Kosten. Neben den erheblichen Beeinträchtigungen für Natur und Landschaft kann der Bau neuer Siedlungen am Ortsrand auch wirtschaftliche und soziale Nachteile mit sich bringen. Denn während Wiesen und Felder neuen Gebäuden und Straßen weichen, bleiben häufig viele Flächen und Häuser im Ortsinneren ungenutzt. Dadurch steigen die Kosten für den Unterhalt der Infrastruktur. Leerstehende Gebäude senken die Attraktivität eines Ortes. Weite Wege führen zu mehr Verkehr und schränken die Selbstständigkeit älterer Menschen ein.

Werden in einer Stadt mit wachsender Einwohnerzahl ungenutzte Flächen im Inneren knapp, kann natürlich auch weiterhin neues Bauland am Ortsrand ausgewiesen werden. Auch in diesen Fällen ist es möglich und wichtig, flächensparend zu bauen und den Boden zum Beispiel durch wasserdurchlässige Beläge zu schonen.

Flächensparen als Gemeinschaftsaufgabe

Um Bayern auch in Zukunft als lebenswerten Ort zu erhalten, muss der Flächenverbrauch im Land weiter eingedämmt werden. Zu dieser Aufgabe haben sich auch die Partner im "Bündnis zum Flächensparen" verpflichtet: Seit 2003 arbeiten kommunale Spitzenverbände und weitere Partner eng mit der Bayerischen Staatsregierung zusammen. Das Bündnis vernetzt relevante Akteure und informiert sowohl Kommunen als auch Bürgerinnen und Bürger über einen nachhaltigen Umgang mit Grund und Boden.

Denn wie und wo wir bauen und wohnen, hat Auswirkungen – auf uns selbst, auf die eigene Kommune und auf unsere gemeinsame Lebensgrundlage, den Boden.

Saniertes Fachwerkhaus mit Kübelpflanzen im HofBild vergrössern Lebensqualität im Ortskern: sanierte Hofstelle in Unterfranken

Eine besondere Rolle kommt den Kommunen zu: Sie können den Flächenverbrauch effektiv senken, indem sie bereits erschlossene Flächen im Ortsinnern besser nutzen, bevor sie neue Baugebiete am Ortsrand ausweisen. Diese Strategie der Innenentwicklung spart Flächen und damit langfristig auch Kosten. Die Maxime "Innenentwicklung vor Außenentwicklung" ist auch im deutschen Baugesetzbuch verankert. Die bayerische Landesregierung unterstützt Städte und Gemeinden dabei, diese Forderung durch ein gezieltes Flächenmanagement umzusetzen.

Das Bayerische Landesamt für Umwelt hat dafür in den vergangenen Jahren wirksame Ansätze und praktische Werkzeuge – wie die Flächenmanagement-Datenbank und den FolgekostenSchätzer – entwickelt und erprobt. Besondere Vorteile bietet auch die Zusammenarbeit mehrerer Kommunen: Viele Vorhaben können gemeinsam leichter umgesetzt werden. Mittlerweile zeigen zahlreiche Praxisbeispiele aus Kommunen in ganz Bayern, dass eine nachhaltige Siedlungsentwicklung möglich ist.