Strahlenschutz beim Rückbau kerntechnischer Anlagen

Ein Kernkraftwerk wird in der Regel für einen ca. 40-jährigen Betrieb ausgelegt und danach stillgelegt und abgebaut.

Schematischer Ablauf des Freigabeverfahrens in Bayern| Schematischer Ablauf des Freigabeverfahrens in Bayern Bild vergrößern Schematischer Ablauf des Freigabeverfahrens in Bayern

Nach der Entfernung der Brennelemente und der Betriebsmittel (z.B. Wasser oder Öl) kann mit dem Rückbau begonnen werden.

Der überwiegende Teil der Anlage ist nach Durchführung des Freigabeverfahrens gem. § 29 StrlSchV ganz normaler, nicht radioaktiver Abfall oder Bauschutt. Radioaktive Anlagenteile können teilweise gereinigt und in anderen Anlagen weiterverwandt werden. Der Rest (überwiegend leicht radioaktiv) wird endlagergerecht verpackt.

Die folgenden Darstellungen zeigen schematisch die praktizierte Vorgehensweise bei einer Freigabe sowie eine Auswahl von angewandten Messmethoden im Freigabeverfahren:

Oberflächenkontaminationsmonitor Bild vergrößern Oberflächenkontaminationsmonitor
Probe von Messingrohren zur Gamma-Spektrometrischen Auswertung im LfU Aufsichtslabor Bild vergrößern Probe von Messingrohren zur Gamma-Spektrometrischen Auswertung im LfU Aufsichtslabor

Nach dem Abriss wird das ganze Gelände rekultiviert und ist wieder für andere konventionelle Zwecke nutzbar.

Auch der Abbau der Kernkraftwerke sowie der sonstigen kerntechnischen Anlagen und Einrichtungen unterliegt bis zur vollständigen Beseitigung aller radioaktiver Stoffe der atomrechtlichen Aufsicht. Hier wurde das LfU ebenso wie bei den in Betrieb befindlichen Anlagen mit den Einzelmaßnahmen der Aufsicht auf dem Gebiet des Strahlenschutzes beauftragt.

Schwerpunkte der aufsichtlichen Überprüfungen des LfU beim Rückbau liegen in der

  • Überwachung des Freigabeverfahrens gem. § 29 StrlSchV, der
  • Überwachung der Personendosismessung, insbesondere der Inkorporationsüberwachung, sowie in der
  • Überwachung der Maßnahmen zum radiologischen Arbeitsschutz bei den Rückbaukampagnen.

Der weltweit erste vollständige Abbau eines Kernkraftwerkes wurde 1995 mit der Wiederherstellung der "grünen Wiese" am ehemaligen Standort des Kernkraftwerkes Niederaichbach abgeschlossen.

Aufgrund des Ausstiegs aus der Kerntechnik im Zuge der Energiewende ist davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren die Durchführung von Freigabeverfahren in den kerntechnischen Anlagen deutlich zunehmen wird.
Für die atomrechtlichen Aufsichtsbehörden entsteht dadurch das Erfordernis, effektive Methoden für betreiberunabhängige behördliche Kontrollmessungen vorzuhalten bzw. zu entwickeln.

Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, hat das LfU in seiner Funktion als Fachbehörde auf dem Gebiet des Strahlenschutzes im Rahmen eines vom StMUV geförderten Projektes ein Freimesskonzept zur Durchführung von behördlichen Kontrollmessungen bei der Freigabe von Gebäudestrukturen bzw. von Bauschutt entwickelt, das auf dem Einsatz der In-Situ-Gamma-Spektrometrie basiert.

Die praktische Anwendbarkeit des Konzeptes konnte bei den Rückbauprojekten in Karlstein und Kahl erfolgreich erprobt werden. Die Vorgehensweise findet nunmehr kontinuierlich Anwendung im Rahmen der Aufsichts-Routine bei den aktuell laufenden Rückbauprojekten in Bayern.