PRESSEMITTEILUNG

Nr. 18 / Freitag, 17. Juni 2011

Naturschutz
Mauerpfeffer und Wasserstern: Naturschätze im Landkreis Neustadt an der Waldnaab erfasst

Kartierung der Biotop- und Lebensraumtypen abgeschlossen - über 4.300 Hektar und 2.900 Biotope erfasst

Orchideenwiese mit Breitblättrigem Knabenkraut in der Gemeinde Eslarn
Orchideenwiese mit Breitblättrigem Knabenkraut in der Gemeinde Eslarn (Quelle: LfU)
+++ Der Parkstein imponiert mit seinen bizarr gebogenen Basaltsträngen – für die Botaniker des Landesamtes für Umwelt (LfU) hält er aber noch weitere Hingucker bereit: Hier wachsen Mauerpfeffer, Färber-Hundskamille und Nordischer Streifenfarn – neben Wasserstern, Igelkolben und Wasser-Hahnenfuß in der sich idyllisch schlängelnden Haidenaab sind sie herausragende Beispiele für die vielfältige Natur im Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Diese Naturschätze wurden heuer in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Neustadt a.d. Waldnaab zum zweiten Mal systematisch erfasst - die erste Inventur liegt bereits mehr als 20 Jahre zurück. Etwa drei Prozent der Fläche wurden dabei als Biotop kartiert: über 4.300 Hektar und fast 2.900 Biotope. Damit bekommen Naturschutzbehörden, Planungsbüros und Wissenschaftler eine wichtige Arbeitsgrundlage, zum Beispiel für die Erarbeitung von Landschafts- und Grünordnungsplänen oder im Vertragsnaturschutz. Rund 200.000 Euro stellte der Freistaat für die neue Natur-Inventur im Landkreis zur Verfügung. +++

In der vielfältigen Landschaft des Landkreises wechseln großflächige Waldgebiete und liebliche Wiesentäler, im Manteler Forst finden sich sogar noch große Moore. Das Gebiet zwischen Manteler Forst und Pressather Wald ist geprägt durch Bäche und Flüsse – etliche davon haben noch einen naturnahen Verlauf, so auch die Haidenaab, die größtenteils als FFH-Gebiet ausgewiesen ist. Hier findet sich eine flutende Vegetation aus Wasser-Hahnenfuß, Igelkolben und Wasserstern. In den waldfreien Bereichen der Auen gedeihen auf extensiven Wiesen eine Fülle der roten Blütenköpfchen des Großen Wiesenknopfes und vieler anderer Wiesenarten. Nasswiesen mit der gelben Sumpf-Dotterblume bieten ebenfalls einen schönen Anblick. Auch die großen, renaturierten Sandgruben mit Sandmagerrasen im Waldgebiet zwischen Pressath, Grafenwöhr und Eschenbach sind bemerkenswert: Hier wachsen Silbergras und feuchte Pioniervegetation mit Sumpf-Bärlapp und Zwerg-Lein. Diese Sandgruben sind zudem ein Paradebeispiel für eine gelungene Sandgrubenrenaturierung.

Weitere Informationen
Biotopkartierungsdaten online unter:
gisportal-umwelt2.bayern.de/finweb
oder als Download:
www.lfu.bayern.de/natur/biotopkartierung_flachland/index.htm.

Fakten-Kasten

  • Die Naturschutzfachkartierung liefert eine Bestandsaufnahme der wertvollen Flächen und der Tier- und Pflanzenarten. Wiederholungskartierungen dienen dazu, die Daten auf den neuesten Stand zu bringen.
  • Im ersten Schritt der Naturschutzfachkartierung werden die Biotope im Maßstab 1:5.000 kartiert. Dabei erfassen und beschreiben speziell ausgebildete Kartierer die für den Naturschutz wichtigen Flächen und ihre Pflanzen. Seit 2006 werden zusätzlich die Lebensraumtypen des europäischen Biotopverbundsystems Natura 2000 erfasst. Rund vier Prozent der Landesfläche sind bisher als ökologisch wertvolle Lebensräume erfasst und beschrieben worden.
  • Der zweite Schritt der Naturschutzfachkartierung ist die Artenschutzkartierung: Gefährdete Tiergruppen wie Amphibien, Libellen und Tagfalter werden erfasst, um Verbreitung und Bestandssituation zu ermitteln. Die Ergebnisse werden in der landesweiten Datenbank der Artenschutzkartierung zentral gespeichert.
  • Die Ergebnisse bilden eine wichtige Grundlage für den Naturschutz: Naturschutzbehörden und Kommunen erstellen damit zum Beispiel Landschafts- und Grünordnungspläne. Auch Planungsbüros und wissenschaftliche Einrichtungen nutzen die Ergebnisse der Kartierung. Zudem fließen sie in die Bände der Arten- und Biotopschutzprogramme ein. Die Kartierung in Natura 2000-Gebieten ist außerdem eine wichtige Grundlage für die Managementplanung und für die Berichte an die EU.

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