Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Wolf, Canis lupus

Vorkommen

Wölfe waren ursprünglich über die gesamte nördliche Halbkugel der Erde verbreitet. Durch die Jagd wurden sie überall in Europa zurückgedrängt. Um 1850 galt Deutschland als wolfsfrei. Seit der Wolf in den meisten Ländern geschützt wird, nehmen die Bestände allmählich wieder zu.

Verbreitung des Wolfes in Europa Bild vergrößern Wolfsverbreitung in Europa 2011/2012 (LCIE 2012; grün=regelmäßig, blau=Einzelnachweis)

Derzeit leben in Europa zwischen 10.000 und 15.000 Wölfe. Die größten Populationen gibt es im Balkangebiet (3.900 Tiere), in den Baltischen Ländern (4.300 Tiere), den Karpaten (3.000 Tiere), in Spanien (2.500 Tiere), gefolgt von Italien mit 600 bis 800 Tieren sowie Finnland, Schweden und Frankreich mit je 150 bis 250 Tieren. Auch in einigen Nachbarländern Bayerns leben Wölfe, zum Beispiel in Österreich, der Schweiz und in Tschechien.

In den italienischen und französischen Südalpen haben sich mittlerweile grenzüberschreitend etwa 35 Wolfsfamilien mit 200 bis 250 Tieren etabliert. Von diesem Wolfsvorkommen wandern immer wieder einzelne Wölfe nach Norden und Osten in den Alpenbogen hinein. In der Schweiz waren im Jahr 2013 etwa 20 Wölfe anwesend. 2010 wurden in Österreich Wölfe aus drei verschiedenen Ursprungspopulationen (Südalpen, Dinaren, Karpaten-Baltikum) genetisch nachgewiesen.

In Deutschland leben seit 1996 wieder Wölfe. Derzeit sind 31 Wolfsrudel und 8 Wolfspaare nachgewiesen (Stand: April 2015). Außerhalb des Kernvorkommens in der sächsichen Lausitz leben diese in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Paare und standorttreue Einzeltiere wurden in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, dort auch an der Grenze zu Niedersachsen, nachgewiesen.

Nach Bayern können jederzeit einzelne Wölfe zu- oder durchwandern – sowohl aus dem Nordosten Deutschlands als auch aus dem Alpenbogen. Gerade junge Rüden wandern auf der Suche nach einem eigenen Territorium sehr weite Strecken.

Lebensweise

Wölfe leben bevorzugt in Rudeln, die sich als Familienverband aus den Elterntieren und wechselnden Mitgliedern der nachfolgenden Generationen zusammensetzen. Paarungszeit ist im Februar und März, nach gut zwei Monaten Tragezeit werden durchschnittlich 4 bis 6 Junge geboren. Die Geschlechtsreife wird mit knapp 2 Jahren erreicht. In den Folgemonaten verlassen die Jungwölfe das elterliche Rudel und suchen nach einem Geschlechtspartner und einem eigenen Territorium. Dabei wandern vor allem junge Rüden oft mehrere hundert Kilometer.

Bild vergrößern Wolf. Foto: Georg Pauluhn, piclease Naturbildagentur

Der Wolf hat ein sehr breites Nahrungsspektrum: Es reicht von Ratten und Mäusen bis zu Rehen, Rotwild, Wildschweinen, selten auch Füchse oder Hasen. Ist wildlebende Beute als Nahrungsgrundlage durch Bejagung oder Lebensraumzerstörung stark dezimiert oder verdrängt, können vor allem ungeschützte Nutztiere sowie Abfälle zur Hauptnahrung werden.

Portrait

  • Schulterhöhe
    60 - 90 cm
  • Größe
    schäferhundähnlich, Kopf/Rumpflänge (inklusive Schwanz) männlich 100 - 140 cm, weiblich 97 - 124 cm
  • Gewicht
    männlich 35 - 67 kg, weiblich 27 - 50 kg
  • Alter
    im Freiland selten bis 15 Jahre
  • Fell
    graubraun mit hellen Zeichnungen, fast weiße Schnauzenseite, heller Schulterfleck und helle Wangen, häufig schwarze Schwanzspitze und dunkler Sattelfleck. Sommerpelz meist dunkler als der Winterpelz, Schwanz buschig behaart und in südlichen Ländern vermehrt schwarz im Fellkleid während hingegen in nördlicheren Regionen mehr das weiße Fell vorkommt.

Jedes Rudel nutzt ein eigenes Territorium, dessen Größe von der verfügbaren Nahrung abhängt. In Polen betragen die Reviergrößen 150 bis 350 Quadratkilometer, ein radiotelemetrisch überwachtes Rudel in der Oberlausitz nutzte etwa 250 Quadratkilometer. Wölfe sind sehr anpassungsfähig und bevorzugen keine bestimmten Lebensraumtypen.

Der Wolf ist von Natur aus vorsichtig und weicht dem Menschen aus: So passen sich Wölfe in ihrer Raumnutzung normalerweise an die Aktivität des Menschen an. Bereiche ihres Streifgebietes, in denen tagsüber viele Menschen anzutreffen sind, werden nur in der Nacht genutzt.

Seit der erneuten Anwesenheit von Wölfen in Deutschland hat es keinen Angriff auf Menschen durch Wölfe gegeben. In den letzten 50 Jahren sind in Europa neun Fälle von tödlichen Angriffen auf Menschen bekannt geworden, fünf davon durch tollwütige Tiere. Zum Vergleich: In Deutschland starben 2007 bis 2009 durch Insektenstiche 45 Menschen, seit 1989 gab es 40 Todesfälle durch Hunde.

Begegnung mit einem Wolf

Der Wolf reagiert auf den Anblick von Menschen vorsichtig, aber er ergreift nicht immer sofort die Flucht. Oft zieht sich das Tier langsam und gelassen zurück. Falls doch eine Begegnung stattfinden sollte, sind folgende Regeln zu beachten:

  • Haben Sie Respekt vor dem Tier.
  • Laufen Sie nicht weg. Wenn Sie mehr Abstand möchten, ziehen Sie sich langsam zurück.
  • Falls Sie einen Hund dabei haben, sollten Sie diesen in jedem Fall anleinen und nahe bei sich behalten.
  • Wenn Ihnen der Wolf zu nahe erscheint, machen Sie auf sich aufmerksam. Sprechen Sie laut, gestikulieren Sie oder machen Sie sich anderweitig deutlich bemerkbar.
  • Laufen Sie dem Wolf nicht hinterher.
  • Füttern Sie niemals Wölfe - die Tiere lernen sonst sehr schnell, menschliche Anwesenheit mit Futter zu verbinden und suchen dann eventuell aktiv die Nähe von Menschen.

Wolf und Nutztiere

Der Wolf nutzt die für ihn am leichtesten zugängliche Nahrung. Deshalb gilt es, vor allem Schafe und Ziegen auf extensiv genutzten Flächen zu schützen. Schutzmaßnahmen sind Zäunung, Behirtung und der Einsatz von Herdenshutzhunden. Das Landesamt für Umwelt (LfU) und die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) entwickeln und erproben gemeinsam entsprechende Maßnahmen.

Bei einem Verdacht auf einen Riss durch einen Wolf wenden Sie sich unverzüglich an das örtlich zuständige Landratsamt, die Polizei oder direkt an das LfU. Ausführliche Informationen (Flyer und Broschüren) zum Schutz von Nutztieren und zum Vorgehen bei möglichen Nutztierrissen finden Sie bei der LfL (siehe "Weiterführende Informationen").

Rechtliche Situation und Zuständigkeit

Der Wolf ist aufgrund seiner Einstufung im Anhang IV der europäischen Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Richtlinie der EU im Bundesnaturschutzgesetz besonders und streng geschützt (§ 7 (2) Nrn. 13 und 14 BNatSchG). Es gelten Zugriffs-, Stör-, Besitz- und Vermarktungsverbote (§ 44 (1, 2) BNatSchG). Ausnahmen von diesen Schutzbestimmungen sind nur im Einzelfall und unter bestimmten Voraussetzungen möglich, z.B. zur Abwehr erheblicher wirtschaftlicher Schäden (§ 45 (7) BNatSchG). Eine Ausnahme darf nur zugelassen werden, wenn zumutbare Alternativen nicht gegeben sind und sich der Erhaltungszustand der Population einer Art durch den Abschuss nicht verschlechtert. Darüber hinaus wäre ein Abschuss zulässig, wenn sich ein Wolf für den Menschen gefährlich verhielte und eine konkrete Gefahr für Leib oder Leben bestünde.

Der Wolf unterliegt dem Naturschutzrecht. Die Zuständigkeit für die Umsetzung der naturschutzrechtlichen Regelungen liegt bei den Naturschutzbehörden.

Aktuelle Arbeiten

Derzeit wird intensiv an Lösungen für ein möglichst konfliktarmes Nebeneinander von Mensch und Wolf gearbeitet. Schwerpunkte sind:

  • Herdenschutz und Prävention
  • Umsetzung und Weiterentwicklung des Managementplans II (für wenige, standorttreue Tiere)
  • Der Bund richtet derzeit eine Dokumentations- und Beratungsstelle für den Wolf ein.