Geotope und Geotopschutz

Gesteinsfreilegungen, Felsformen, Höhlen und Quellen sind eindrucksvolle Naturschöpfungen, deren Schutz bereits im 19. Jahrhundert den Ausgangspunkt der Naturschutzbewegung bildete. In der Romantik begann man sich vor allem für bizarre Felsgebilde zu interessieren. Dichter, Gelehrte und Adlige besuchten jene Orte, die teilweise vor Jahrtausenden bereits eine kultische Bedeutung hatten. Namen wie Druidenstein, Jungbrunnen, Teufelshöhle usw. sind Zeugnisse aus jener Zeit. Mit der beginnenden Wertschätzung kam es auch zu den ersten Naturschutzmaßnahmen. Bereits 1840 verfügte König Ludwig I. von Bayern die Erhaltung der Weltenburger Enge bei Kelheim an der Donau, um sie vor einer Zerstörung durch Steinbruchbetriebe zu schützen.

Kloster Weltenburg an der Donau Bild vergrössern
Die Weltenburger Enge bei Kelheim war das erste Schutzgebiet Bayerns

Die zunehmende Sensibilisierung der Öffentlichkeit für den Schutz der Geotope als unersetzliche Archive der Erdgeschichte hat dazu geführt, dass auch mit dem unbelebten Naturerbe sorgsamer umgegangen wird. Daher ist die Information der Bürger über die erdgeschichtlichen Besonderheiten in ihrer Heimat unser zentrales Anliegen. Die zunehmende Berücksichtigung von Geotopen in den Landschaftsplänen der Gemeinden ist bereits eine erfreuliche Folge dieser Aktivitäten. Darüber hinaus bedürfen in einigen dringenden Fällen Geotope auch eines rechtlichen Schutzes nach dem Naturschutzgesetz.

Damit der Naturschutz neben dem Biotopschutz (also der belebten Natur) auch dazu beitragen wird, die wichtigsten Dokumente der Erdgeschichte (unbelebte Natur) langfristig zu erhalten, unterstützen und beraten die Geologischen Dienste der Länder die Naturschutzbehörden. Dazu erstellen sie unter anderem Listen der schutzwürdigen Geotope und Informationsmaterial für die Öffentlichkeit.

Um Schutzmaßnahmen für die Geotope bundesweit auf einer fundierten Grundlage durchzuführen, einigten sich die Geologischen Dienste der deutschen Bundesländer auf ein einheitliches Vorgehen.
Die wichtigsten Definitionen zu dem Thema wurden im Jahr 1996 von der Ad-hoc-AG Geotopschutz (einer Arbeitsgruppe des Bund-Länder-Ausschusses "Bodenforschung") erstellt:

  • Geotope sind erdgeschichtliche Bildungen der unbelebten Natur, die Erkenntnisse über die Entwicklung der Erde und des Lebens vermitteln. Sie umfassen Aufschlüsse von Gesteinen, Böden, Mineralien und Fossilien sowie einzelne Naturschöpfungen und natürliche Landschaftsteile.
  • Schutzwürdige Geotope zeichnen sich durch ihre besondere erdgeschichtliche Bedeutung, Seltenheit, Eigenart oder Schönheit aus. Für Wissenschaft, Forschung und Lehre sowie für Natur- und Heimatkunde sind sie Dokumente von besonderem Wert. Sie können insbesondere dann, wenn sie gefährdet sind und vergleichbare Geotope zum Ausgleich nicht zur Verfügung stehen, eines rechtlichen Schutzes bedürfen.
  • Geotopschutz ist der Bereich des Naturschutzes, der sich mit der Erhaltung und Pflege schutzwürdiger Geotope befasst. Die fachlichen Aufgaben der Erfassung und Bewertung von Geotopen sowie die Begründung von Vorschlägen für Schutz-, Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen für schutzwürdige Geotope werden von den Geologischen Diensten der Länder wahrgenommen. Der Vollzug erfolgt durch die zuständigen Naturschutzbehörden.