Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Behandlung von Bioabfällen und Grüngut in Bayern

Im Sprachgebrauch der kommunalen Abfallwirtschaft unterscheidet man zwischen "Grüngut" (reine Pflanzenabfälle aus Gärten, Parkanlagen und der Landschaftspflege) und "Bioabfällen" (getrennt gesammelte organische Fraktion des Hausmülls = Biotonneninhalte).

Die für die Behandlung von Bioabfällen maßgebliche deutsche Bioabfallverordnung (BioAbfV) definiert hingegen Bioabfälle ganz allgemein als "Abfälle tierischer oder pflanzlicher Herkunft zur Verwertung, die durch Mikroorganismen, bodenbürtige Lebewesen oder Enzyme abgebaut werden können."

Die bedeutendsten Verfahren zur Bioabfallbehandlung sind die Kompostierung und die Vergärung. Daneben werden geringe Mengen thermisch verwertet.

In Anhang 1 zur BioAbfV werden zur genaueren Eingrenzung bzw. Definition Bioabfälle aufgelistet, die in Kompostier- und/oder Vergärungsanlagen (= Biogasanlagen) eingesetzt werden dürfen. Dass so eine Positivliste nicht abschließend sein kann, zeigt die Tatsache, dass im aktuellen Entwurf einer novellierten BioAbfV eine ganze Reihe neuer Bioabfälle aufgenommen wurde.

Ausführliche Daten zu den kommunal erfassten Bioabfallmengen und zu den bayerischen Behandlungsanlagen finden sich in der jährlich erscheinenden LfU-Studie "Hausmüll in Bayern".

Aus Haushalten und Gewerbebetrieben fielen laut der Bilanz aus 2009 ca. 1,1 Mio. Tonnen Grüngut und 0,6 Mio. Tonnen Bioabfall an. Zudem noch fast 0,1 Mio. Tonnen an organischem Gewerbeabfall (siehe auch Abb. 1). Dies entspricht bei insgesamt ca. 6,4 Mio. Tonnen Abfällen pro Jahr einem Anteil von 29% am Gesamtabfallaufkommen (ohne mineralische Abfälle). Ohne den Anteil an Gewerbeabfällen fielen 2009 pro Kopf 51 kg Bioabfälle und 90,7 kg Grüngut an.

Bild vergrößern Übersicht über die Aufbereitung organischer Abfälle in Bayern 2009

Das folgende Diagramm zeigt die Art der Behandlung bzw. Verwertung von Bioabfällen und Grüngut (BA = Bioabfall, GG = Grüngut).

Bioabfall 27000 Tonnen/Jahr, Bioabfall-Vergärung 220000 Tonnen/Jahr, Bioabfall-Kompostierung mit Grüngut 633000 Tonnen/Jahr, ausschließliche Grüngut-Kompostierung 651000 Tonnen/Jahr, Grü+ngut-Häckselverwertung 176000 Tonnen/Jahr, Grüngut-energetische Verwertung 32000 Tonnen/Jahr Bild vergrößern Verwertungswege für Bioabfall und Grüngut in Bayern 2009

Der weit überwiegende Teil (70%) der Bioabfälle und Grüngut wird somit kompostiert. Vom getrennt gesammelten Bioabfall ("Biotonneninhalt") wird bereits mehr als ein Drittel (38%) Vergärungsanlagen zugeführt - mit steigender Tendenz.

Für die Verarbeitung der Bioabfälle und Grüngut stehen in Bayern insgesamt 345 Anlagen zur Verfügung. Diagramm 2 zeigt die Aufteilung in Kompostieranlagen und Vergärungsanlagen:

Kompostieranlagen Grüngut 72%, Kompostieranlagen Bioabfall 23%, Vergärungsanlagen Grüngut 1%, Vergärungsanlgen Bioabfalll 4% Bild vergrößern Aufteilung der bayerischen Bioabfall- und Grüngutbehandlungsanlagen in Bayern 2009

Für die Nutzung der in den Bioabfällen gespeicherten Energie durch Vergärung in Biogasanlagen - anstelle ihrer Kompostierung - ist noch ein deutlich ausbaubares Potential vorhanden.

Um die Umweltauswirkungen der verschiedenen Verfahren besser einschätzen zu können, wurde das Forschungsprojekt "Ökoeffiziente Verwertung von Bioabfällen und Grüngut in Bayern" durchgeführt. In der Studie wurden folgende Verfahren gegenübergestellt:

  • offene, geschlossene und teilgeschlossene Kompostierung von Bioabfällen und Grüngut,
  • kontinuierliche Vergärung von Bioabfällen mit Kompostierung der festen Gärrückstände,
  • thermische Behandlung von Bioabfällen als Teil des Restabfalls in Müllverbrennungsanlagen,
  • Ausbringung von Grüngut als Häckselgut und die
  • energetische Verwertung von heizwertreichen Grüngutfraktionen in Biomasseheizkraftwerken.

Fazit der Untersuchungen ist, dass kein bestes Verfahren identifiziert werden konnte, da die Umweltwirkungen - über den Prozess hinaus - erheblich von den behandelten Abfällen, dem konkreten Anlagenbetrieb vor Ort und den lokalen Randbedingungen wie z.B. der Absatzsituation für die stofflichen Produkte abhängen.

Während Kompostieranlagen die größte Menge an Phosphaten für eine stoffliche Nutzung bereitstellen, liegt der Vorteil von Vergärungsanlagen in der Energienutzung.
Weiter wurde festgestellt, dass der durchschnittliche Anlagenbetrieb bei allen Anlagenarten Potenziale zur Verbesserung aufweist.
Die Mitbehandlung von Bioabfällen in Müllverbrennungsanlagen als Teil des Restabfalls ist mit dem Nachteil verbunden, dass eine stoffliche Nutzung des organischen Anteils und der Nährstoffe des Bioabfalls entfällt.
Für die heizwertreichen Grüngutanteile ist die energetische Verwertung eine Alternative zur meist praktizierten offenen Kompostierung.

Wegen der teilweise unzureichenden Datenlage insbesondere zur exakten Beschreibung der Vergärung ist nicht auszuschließen, dass die der Vergärung zugeschriebenen nachteiligen Umweltwirkungen (Emissionen) überschätzt wurden. Aus diesem Grund wird derzeit vom Umweltbundesamt ein weiteres Forschungsvorhaben mit dem Titel "Ermittlung der Emissionssituation bei der Vergärung von Bioabfällen und Ableitung von Vorschlägen zur Verbesserung der Klimabilanz und des Emissionsverhaltens bei Bioabfallvergärungsanlagen" durchgeführt.

Die wichtigsten Aufgaben des LfU im Rahmen der Bioabfall- und Grüngutbehandlung und -verwertung sind:

  • Betreuung bzw. Beurteilung von Forschungsvorhaben
  • Fachliche Stellungnahmen zu Verordnungs- und Gesetzesentwürfen
  • Beurteilung besonderer Einsatzstoffe für die Kompostierung oder Vergärung
  • Erstellung von Gutachten bei innovativen Verfahren
  • Gutachterliche Stellungnahmen im Rahmen von Geruchsproblemen, die von Kompostier- oder Biogasanlagen verursacht werden
  • Erstellung der Abfallbilanz