Behandlung von Bioabfällen und Grüngut in Bayern

Definition Bioabfälle

Im Sprachgebrauch der kommunalen Abfallwirtschaft unterscheidet man zwischen "Grüngut" (reine Pflanzenabfälle aus Gärten, Parkanlagen und der Landschaftspflege) und "Bioabfällen" (getrennt gesammelte organische Fraktion des Hausmülls = Biotonneninhalte).

Gemäß § 3 Abs. 7 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG, 2012) sind dagegen unter dem Begriff Bioabfall ganz allgemein biologisch abbaubare pflanzliche, tierische oder aus Pilzmaterial bestehende Garten- und Parkabfalle, Landschaftspflegeabfalle, Nahrungs- und Küchenabfälle aus Haushalten und vergleichbare Abfälle aus sonstigen Herkunftsbereichen zu verstehen.
Entsprechend definiert die für die Behandlung von Bioabfällen maßgebliche deutsche Bioabfallverordnung (BioAbfV) Bioabfälle ganz allgemein als "Abfälle tierischer oder pflanzlicher Herkunft oder aus Pilzmaterialien zur Verwertung, die durch Mikroorganismen, bodenbürtige Lebewesen oder Enzyme abgebaut werden können".

In Anhang 1 zur BioAbfV werden Bioabfälle aufgelistet, die in Kompostier- und/oder Vergärungsanlagen (= Biogasanlagen) eingesetzt werden dürfen.

Statistik

Ausführliche Daten zu den kommunal getrennt erfassten Bioabfallmengen und zu den bayerischen Behandlungsanlagen finden sich in der jährlich erscheinenden LfU-Studie "Hausmüll in Bayern".

Erläuterung in nachfolgendem Text Bild vergrößern Abb. 1: Übersicht über die Aufbereitung organischer Abfälle in Bayern 2014

Aus Haushalten und Gewerbebetrieben fielen laut der Bilanz in 2014 rund 1,89 Mio. Tonnen Bioabfälle an (Aufteilung in Abfälle aus der Biotonne und Grüngut siehe Abb. 1). Dies entspricht bei insgesamt ca. 6,7 Mio. Tonnen Abfällen in 2014 einem Anteil von 28% am Gesamtabfallaufkommen (ohne mineralische Abfälle).

Ohne den Anteil an Gewerbeabfällen fielen 2014 pro Kopf 149,9 kg Bioabfälle und Grüngut an (81,1 kg Grüngut aus Hausgärten, 13,8 kg kommunales Grüngut und 55 kg Abfälle aus der Biotonne; s. Abb. 2).

Erläuterung in nachfolgendem Text Bild vergrößern Abb. 2: Pro-Kopf-Verteilung Grüngut und Abfall aus der Biotonne

2014 wurden in 259 Kompostieranlagen und 5 Vergärungsanlagen 851.700 t Grüngut und 1.017.900 t Bioabfallgemische in 57 Kompostier- und 20 Vergärungsanlagen verarbeitet.

Die Zahlen machen deutlich, dass für die Nutzung der in den Bioabfällen gespeicherten Sonnenenergie durch Vergärung in Biogasanlagen – anstelle ihrer Kompostierung – noch ein deutlich ausbaubares Potential vorhanden ist. Die Vergärung von Bioabfällen aus Haushaltungen wird künftig voraussichtlich stark zunehmen. Gründe hierfür sind neben dem Willen zur Energiewende vor allem die seit 01.01.2015 geltende Pflicht zur Getrenntsammlung von Bioabfällen und die erhöhte EEG-Vergütung für Abfallvergärungsanlagen seit der Novelle des Erneuerbaren Energien Gesetzes in 2014.

Verwertung von Häckselgut

Die direkte Verwertung von Häckselgut wurde mit der Novellierung der Bioabfallverordnung im Mai 2012 deutlich eingeschränkt. Die Menge an Häckselgut ist deshalb seither um fast 30.000 t bzw. 37% zurückgegangen (von 78.348 t in 2012 auf 49.000 t). Die Einschränkung der direkten Verwertung von unbehandeltem Häckselgut ist dadurch gerechtfertigt, dass sie verschiedene Probleme nach sich ziehen kann, vor allem die Gefahr der Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten (Feuerbrand, Bakterienbrand), Schädlingen (z.B. Kastanienminiermotte), Schadpflanzen (z.B. Ambrosia artemisiifolia (Beifuß-Traubenkraut), Jakobskreuzkraut) und Quarantäneschadorganismen (z.B. Asiatischer Laubholzbockkäfer). Die direkte Verwertung von Häckselgut ist deshalb künftig nur mehr unter sehr engen Voraussetzungen möglich. Das LfU hat zu diesem Thema gemeinsam mit der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Freising, das Infoblatt "Freistellung von Behandlungs- und Untersuchungspflichten für Grüngut nach § 10 Abs. 2 BioAbfV" erstellt (siehe unten unter "Weiterführende Informationen" am Ende dieser Seite).

Vergleich Vergärung – Kompostierung – Verbrennung

Die bedeutendsten Verfahren zur Bioabfallbehandlung sind die Kompostierung und die Vergärung. Daneben werden geringe Mengen thermisch verwertet.

Um die Umweltauswirkungen der Hauptverfahren Kompostierung und Vergärung besser einschätzen zu können, wurde von der bifa Umweltinstitut GmbH (bifa) in Augsburg das Forschungsprojekt "Ökoeffiziente Verwertung von Bioabfällen und Grüngut in Bayern" durchgeführt.

In der Studie wurden folgende Verfahren gegenübergestellt:

  • offene, geschlossene und teilgeschlossene Kompostierung von Bioabfällen und Grüngut
  • kontinuierliche Vergärung von Bioabfällen mit Kompostierung der festen Gärrückstände
  • thermische Behandlung von Bioabfällen als Teil des Restabfalls in Müllverbrennungsanlagen
  • Ausbringung von Grüngut als Häckselgut und
  • energetische Verwertung von heizwertreichen Grüngutfraktionen in Biomasseheizkraftwerken.

Fazit der Untersuchungen ist, dass kein bestes Verfahren identifiziert werden konnte, da die Umweltauswirkungen – über den Prozess hinaus – erheblich von den behandelten Abfällen, dem konkreten Anlagenbetrieb vor Ort und den lokalen Randbedingungen wie z.B. der Absatzsituation für die stofflichen Produkte abhängen. Weiter wurde festgestellt, dass der durchschnittliche Anlagenbetrieb bei allen Anlagenarten Potenziale zur Verbesserung aufweist. Eine Kurzzusammenfassung der Studie finden Sie auf der Unterseite "Ökoeffizienz bei der Bioabfall-Verwertung"

Vorteile der Kompostierung sind v.a. die vielfältigen positiven Wirkungen des erzeugten Komposts (u.v.a. die gute Verfügbarkeit von Nähr- und Spurenstoffen (z.B. Phosphat, Stickstoff) für Pflanzen und Bodenverbesserung durch Humusaufbau) sowie die gute Lagerbarkeit und damit verbunden die Möglichkeit bedarfsgerechter Düngung (und damit auch keine Gefahr, dass Nährstoffe in Grund- und Oberflächengewässer ausgewaschen werden).

Der Vorteil von Vergärungsanlagen liegt in der Ausnutzung der in den Bioabfällen enthaltenen Energie. Ob Vergärungsanlagen gesamtökologisch positiv abschneiden, hängt jedoch sehr vom individuellen Anlagenbetrieb an. Wesentliche Beispiele, die den Betrieb von Vergärungsanlagen ökologisch fraglich werden lassen sind hohe Emissionen klimarelevanter Gase, Gärresthavarien und fehlende Wärmenutzungskonzepte. Aus diesem Grund wird derzeit vom Gesetzgeber versucht, negative Auswirkungen durch den Betrieb von Vergärungsanlagen durch Novellierung der Vorgaben der TA Luft und eine neue Biogasanlagenverordnung zu verringern.

Die Mitbehandlung von Bioabfällen in Müllverbrennungsanlagen als Teil des Restabfalls ist mit dem großen Nachteil verbunden, dass eine stoffliche Nutzung des organischen Anteils und der Nährstoffe des Bioabfalls entfällt.

Für die heizwertreichen Grüngutanteile ist die energetische Verwertung eine Alternative zur meist praktizierten offenen Kompostierung. Die Konkurrenz zur Verwertung in Kompostieranlagen darf jedoch nicht dazu führen, dass den Kompostieranlagen zu wenig Strukturmaterial zugeführt wird. Bei einer in solchen Fällen schlechten Durchlüftung der Kompostmieten resultieren erhöhte Luftemissionen, u.a. an Gerüchen, Methan und Lachgas, was schlussendlich zu einer in der Gesamtbetrachtung negativen Umweltbilanz trotz Energiegewinnung durch die Verbrennung führen kann.

Aufgaben des LfU im Bereich Bioabfallbehandlung

Die wichtigsten Aufgaben des LfU im Rahmen der Bioabfall- und Grüngutbehandlung und -verwertung sind:

  • Aufnahme von Daten zu Bioabfällen
  • Beurteilung besonderer Einsatzstoffe für die Kompostierung oder Vergärung
  • Erstellung von Gutachten bei innovativen Verfahren
  • Sammlung von Informationen und Beratung u.a. von Umweltministerium, Kreisverwaltungsbehörden und Bürgern
  • Gutachterliche Stellungnahmen im Rahmen von Geruchsproblemen, die von Kompostier- oder Biogasanlagen verursacht werden
  • Fachliche Stellungnahmen zu Verordnungs- und Gesetzesentwürfen.