Grundwassererkundungen
Grundwassererkundung in Bayern seit 1971
Der Trinkwasserbedarf in Bayern wird zu über 94% aus Grundwasser (Gw) gedeckt, das durch Trinkwasserschutzgebiete vor anthropogenen Einflüssen gut geschützt ist und i.d.R. ohne aufwändige Aufbereitung an die Verbraucher abgegeben werden kann.
Um diesen hohen Qualitätsstandard auch für die Zukunft zu gewährleisten, werden im Freistaat Bayern bereits seit Anfang der 70er Jahre noch nicht genutzte, überörtlich bedeutende GwVorkommen erforscht und gesichert. Die "Grundwassererkundung in Bayern" dient damit dem Ziel, vorhandene GwVorkommen im Rahmen der Daseinsvorsorge für die Trinkwasserversorgung der Bürger zu bewahren.
Erkundungsumfang
Im Rahmen des 1974 erarbeiteten "Programms Grundwassererkundung in Bayern" und des daran ab 1986 anschließenden "Mittelfristigen Arbeitsprogramms" wurden bis Ende 2004 127 Gebiete erkundet.
Abwicklung
Die Maßnahmen wurden im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel unter der Leitung des damaligen Landesamtes für Wasserwirtschaft in Zusammenarbeit mit dem jeweils örtlich zuständigen Wasserwirtschaftsamt durchgeführt. Zunächst wurden betroffene Behörden zur Lage der Bohrungen befragt und die Möglichkeit der Ausweisung eines Trinkwasserschutzgebietes geprüft. Es folgten die Ausschreibung und Vergabe der Leistungen, die Abnahme und die Abrechnung, anschließend die Auswertung und Bewertung der Untersuchungsergebnisse, der Vorschlag von Entnahmebrunnen, die Ermittlung des Einzugsgebietes und der zugehörigen GwNeubildung, sowie die Festlegung der zulässigen Entnahmen. Für das nutzbare GwVorkommen wurde ein Trinkwasserschutzgebiet vorgeschlagen und dessen Festsetzung veranlasst. Erst mit Veröffentlichung der Verordnung war der Auftrag der GwErkundung vollständig erfüllt.
Ergebnisse
In den insgesamt 127 Gebieten wurden GwErkundungen mit Investitionen von 15,3 Mio. € durchgeführt. Hiermit konnten insgesamt 209 Mio. m3/a nutzbares Trinkwasserdargebot nachgewiesen werden. Das sind rd. 20% des jährlichen Wasserbedarfs in Bayern. Davon werden mittlerweile bereits über 30 Mio m3/a tatsächlich genutzt. Die 127 GwErkundungen brachten folgendes Ergebnis:
- in 80 Erkundungsgebieten (Kosten 10,6 Mio. €) wurden überörtlich bedeutsame GwReserven (203,5 Mio. m3/a) erschlossen, von denen 61 Gebiete (162 Mio. m3/a) mit Schutzgebietsverordnungen und 7 Gebiete (15,7 Mio. m3/a) durch wasserwirtschaftliche Vorranggebiete gesichert sind. In 12 Fällen (26 Mio. m3/a) konnten die vorgeschlagenen Schutzgebiete noch nicht durch Verordnung festgesetzt werden.
- in 19 Gebieten (Kosten 1,6 Mio. €) reicht die nachgewiesene Menge von über
5,5 Mio. m3/a jeweils nur für den örtlichen Bedarf - in 28 Fällen waren Bohrungen nicht fündig (Kosten 2,9 Mio.€)
Für 12 Untersuchungsgebiete waren zusätzlich GwBilanzen aufzustellen. Hierzu wurden hydrogeologische Gutachten und Untersuchungen, GwMessstellen und mathematische GwModelle mit einem Kostenaufwand von 4,9 Mio. € erstellt. Die Gesamtkosten für die GwErkundung betrugen damit 20,2 Mio € bis Ende 2004.
Die bei der GwErkundung entstehenden Kosten werden grundsätzlich von den späteren Nutzern des jeweiligen GwDargebots, i.d.R. Wasserversorgungsunternehmen, wieder eingefordert. Dies geschieht im Rahmen der wasserrechtlichen Begutachtungen und zwar entsprechend der anteiligen Nutzung des erkundeten GwVorkommens.
Ausblick
Die Erkundung von überörtlich bedeutsamen GwVorkommen durch die bayerische Wasserwirtschaftsverwaltung ist weitgehend abgeschlossen. Die Erkundung weiterer schützenswerter Grundwasserreserven wird sich in Zukunft auf grundwasserwirtschaftliche Problemgebiete beschränken. So laufen derzeit die Untersuchungen zu Möglichkeiten der Trinkwassergewinnung aus den Hauptdolomitschichten der Kalkalpinen Randzone zur Entlastung von gefährdeten, oberflächennahen Wasserversorgungen. Der Freistaat Bayern hat mit dem Programm "GwErkundung in Bayern" einen bedeutenden Beitrag geleistet, dass auch in ferner Zukunft die Gewinnung von qualitativ einwandfreiem Trinkwasser aus dem Grundwasser gewährleistet bleibt.
