Gemeinsame PRESSEMITTEILUNG mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft

Nr. 59 / Montag, 26. Oktober 2009

Landwirtschaft und Naturschutz
Streuwiesentag bei Böbing: Anhaltendes Interesse für traditionsreiche Nutzung

Streuwiesenmahd bringt wertvolle Streu und erhält den Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten der Roten Liste / Streuwiesentag des LfU-Projekts "Riedteufel" am 26.10. bei Osterwald, Gemeinde Böbing, Lkr. Weilheim-Schongau

Quelle: LfU
(Augsburg/ Freising-Weihenstephan) +++ In der Streuwiesenlandschaft bei Osterwald in der Gemeinde Böbing trafen sich heute rund 75 Landwirte und Verbandsvertreter aus Landwirtschaft und Naturschutz, um sich beim ersten Streuwiesentag in diesem Jahr über eine althergebrachte, aber wieder aktuelle Nutzungsform zu informieren: die Streuwiesen-Mahd. Über dieses große Interesse freut sich Albert Göttle, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU): "Die Landwirte erhalten damit das eigenartig schöne Landschaftsbild und zugleich den Lebensraum für viele wertvolle Tiere und Pflanzen", erläuterte er. Denn die blumenreichen Streuwiesen verschwanden in den letzten Jahrzehnten immer mehr: Ohne eine schonende, späte Mahd rauben schnellwachsende Gehölze oder Hochstauden den kleineren Wiesenpflanzen das Licht. Dann verschwinden viele Arten der Streuwiesen wie Fleischfarbenes Knabenkraut, Enzian oder Sibirische Schwertlilie. Aber auch Arten wie der Riedteufel, ein eher unscheinbarer Tagschmetterling, sind heute gefährdet. Das Interesse der Landwirte an einer erneuten Nutzung von Streumaterial ist erfreulich gewachsen, da das Stroh als Dämm- und Brennmaterial oder in Biogasanlagen verstärkt Einsatz findet. Daher wirbt auch die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) für die Streuwiesennutzung. Für die Landwirte selber standen am ersten Streuwiesentag in diesem Herbst wieder der praktische Einsatz moderner Pflegemaschinen im Vordergrund: Es zeigt sich, dass hochwertige Streu für die Kälberhaltung geeignet ist, so die Experten der LfL und der Öko- Erzeugergemeinschaften; die Tiere fressen die schmackhaften und gesunden Kräuter aus der Streu sehr gerne – man holt sich quasi die Apotheke in den Stall. Das LfU investiert im "Riedteufel"-Projekt in vier Jahren knapp 90.000 Euro, um gemeinsam mit der LfL praxistaugliches Wissen zu erarbeiten und weiterzugeben. +++

Mit dem Projekt "Riedteufel" hat sich das LfU zur Aufgabe gemacht, die Streuwiesennutzung in den Moorgebieten des Voralpenlandes gezielt zu fördern. Dazu nutzt das LfU seit 2007 die Expertise der Arbeitsgemeinschaft der Öko-Erzeugerringe in Bayern: Sie untersuchen die Eignung des Streuwiesen-Materials für verschiedene Stalltypen und Einstreusysteme. Mahd, Einbringung und Handhabung im Stall werden dabei ebenso unter die Lupe genommen wie die Qualität der Streu und ihre hygienischen Eigenschaften zum Beispiel im Kälberstall. Außerdem werden Biobauern auf Wunsch gezielt beraten, die bis 2010 ihre Ställe umbauen müssen und vermehrt auf Einstreu zurückgreifen können. Über das Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung (LKP) wurde mittlerweile eine sogenannte Streubörse eingerichtet, die einen überbetrieblichen Markt für dieses wertvolle Produkt eröffnet. Im Rahmen des LfU-Projekts "Riedteufel" werden jährlich vier Streuwiesentage in verschiedenen Regionen des Voralpenlandes veranstaltet, die der Information und dem Erfahrungsaustausch von Landwirten dienen. Landwirte können die jährliche Bewirtschaftung der Streuwiesen im Rahmen des Erschwernisausgleichs durchführen, für die Wiederherstellung von Brachen gewährt der Freistaat Landschaftspflegemittel.

Faktenkasten Streuwiesen

  • Streuwiesen sind nährstoffarme, feuchte Wiesen, die traditionell nicht gedüngt und nur einmal spät im Jahr gemäht werden. Ihre gröberen Stängel werden nicht als Futter, sondern als Einstreu verwendet. Nur durch regelmäßig späte Nutzung bleibt die Artenzusammensetzung der Pflanzenbestände erhalten, die wiederum die Lebensgrundlage für hoch spezialisierte Tierarten bilden.
  • Das Streuwiesen- und Moorgebiet bei Osterwald in der Gemeinde Böbing, Landkreis Weilheim Schongau ist überregional bedeutsam, landschaftsprägend und sehr artenreich; Unverwechselbar treten die im Sommer bunten und im Herbst leuchtend gelben Pfeifengrasstreuwiesen in Erscheinung. Schwalbenwurz- und Lungen-Enzian, Färberscharte, Teufelsabbiß und Knabenkraut kommen hier noch vor.
  • Charakteristisch für die im Sommer reich blühenden und im Herbst goldbraun leuchtenden Streuwiesen sind die vielen teilweise hoch bedrohten Tagfalterarten wie der Riedteufel. Die Streuwiesen dienen ihnen als wichtige "Nektartankstellen".
  • Neun Prozent der Rote-Listen-Arten kommen auf pflegeabhängigen Niedermoorstandorten oder in Streuwiesen vor, zum Beispiel Torfmoose, Enziane und Orchideen. Für einige dieser Arten trägt Bayern europäische oder sogar weltweite Verantwortung, zum Beispiel für Schlauch-Enzian, Sumpfgladiole und Schwarzblauen Ameisenbläuling.



Weitere Informationen:
Merkblatt "Streuwiesen nutzen – Artenvielfalt erhalten" 2009:
www.lfu.bayern.de/natur/fachinformationen/streuwiesen/index.htm.
Informationen der Landschaftspflegeverbände: www.lpv.de
Streubörse: www.berater-lkp.de/Beratung/lkphomepage.nsf

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