PRESSEMITTEILUNG

Nr. 56 / Freitag, 19. September 2008

’Bayerns schönste Geotope’
Allgäuer "Naturbeton" wurde prämiert: Nagelfluhkette in die Bestenliste der 100 schönsten Geotope Bayerns aufgenommen

Ministerialrätin Christina von Seckendorff verleiht bayerisches Gütesiegel bei Festakt am Hochgrat

Quelle: LfU
(Oberstaufen) +++ Die "Nagelfluhkette" im westlichen Oberallgäu wurde heute vom Umweltministerium mit dem Gütesiegel "Bayerns schönste Geotope" prämiert und gehört damit offiziell zu den 100 bedeutendsten geologischen Naturwundern Bayerns. Als eine der charakteristischen Bergketten prägen die Gipfel vom Mittagberg bei Immenstadt bis weit über den Hochgrat bei Oberstaufen hinaus das westliche Oberallgäu. "Besonders die markanten Gesteinslagen aus Nagelfluh sind einmalige Dokumente der Naturgeschichte der Region", erklärte Ministerialrätin von Seckendorff heute beim Festakt, "mit Hilfe solcher Geotope sensibilisieren wir die Menschen für unser Naturerbe und fördern damit gleichzeitig den sanften Tourismus". Vier Geotope werden an diesem Wochenende anlässlich des bundesweiten Tages des Geotops in das Programm "Bayerns schönste Geotope" aufgenommen. Mit der Nagelfluhkette erhielt zum zwölften Mal ein schwäbisches Geotop die begehrte Auszeichnung. +++

Eine Informationstafel am Hochgrat und ein Faltblatt weisen künftig auf die geologische Eigenart der Nagelfluhkette hin. Sie sollen neben einer verständlichen und anschaulichen Darstellung der geologischen Besonderheit auch die Aufgaben und Maßnahmen zur dauerhaften Bewahrung der unverwechselbaren bayerischen Landschaft und ihres erdgeschichtlichen Erbes vermitteln. Damit wird auch eine Förderung des Heimatbewusstseins bezweckt.

Für jeden ausgezeichneten Geotop bieten Internet-Informationen und Faltblätter in den Fremdenverkehrsämtern der Gemeinden umfassende Erläuterungen. Hinweisschilder an den Wanderwegen leiten die Besucher zu den Naturschätzen und den dortigen Informationstafeln.

Seit 1985 werden Geotope im Freistaat systematisch erfasst. Über 2.900 Einträge umfasst der GEOTOPKATASTER BAYERN des Bayerischen Landesamts für Umwelt. Weitere Informationen hierzu unter: http://www.geotope.bayern.de.


Info-Kasten zur Entstehung der Nagelfluhkette

  • Die Nagelfluhfelsen im Oberallgäu entstanden vor ca. 20 bis 28 Millionen Jahren, als sich die entstehenden Alpen zu einem Hochgebirge formten. Reissende Flüsse transportierten damals den Gesteinschutt aus dem Gebirge in sein nördliches Vorland und schütteten dort mächtige Schuttfächer auf.
  • Der größte davon ist der Hochgratfächer, der sich noch weit in das Alpenvorland hinaus erstreckte. Später wurden seine groben Schotter unter dem Druck mächtiger Überlagerungen mit einem "Zement" aus Feinsand und Kalk, der sich zwischen den einzelnen Geröllen angesammelt hatte, zu betonähnlichen Gesteinpaketen, zum Allgäuer "Herrgottsbeton", verfestigt. Man bezeichnet das Gestein auch als Nagelfluh, weil es aussieht, als hätte man große Nägel so tief eingeschlagen, dass nur noch die Köpfe herausschauen.
  • Schließlich wurden die Gesteinslagen noch in den Alpenbau einbezogen, gefaltet und in ihre heutige Lage gehoben.



Redaktionelle Hinweise:
Weitere Informationen zur Nagelfluhkette im Internet unter
http://www.lfu.bayern.de

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