PRESSEMITTEILUNG

Nr. 31 / Mittwoch, 11. Juni 2008

Naturschutz
Quellschutz hilft Bayerischem Löffelkraut

Landschaftspflegeverbände setzen Artenhilfsprogramm für stark gefährdete Pflanzenart erfolgreich um / Landesamt: Neue Kampagne "UrEinwohner" stärkt Aufmerksamkeit für Tier- und Pflanzenarten, die nur im Freistaat vorkommen

Quelle: LfU
(Augsburg) +++ Dem Bayerischen Löffelkraut, einer weltweit nur im Freistaat vorkommenden Pflanzenart, hilft der gezielte Quellschutz. Denn nur an den gleichmäßig kühlen, nährstoffarmen Quellbereichen, haben sich Restbestände der seltenen Pflanze halten können. Das Artenhilfsprogramm des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) hat den Weg für einen besseren Schutz aufgezeigt. Die Landschaftspflegeverbände von Ebersberg und des Landkreises München haben nun die Lebensräume für das als "stark gefährdet" eingestufte Löffelkraut gezielt weiter entwickelt: An der Glonnquelle und bei Quellaustritten am Kupferbach sind zusammen mit den Landwirten die extrem nassen Standorte Löffelkraut-freundlich umgestaltet und Quellbäche renaturiert worden. Ein Maßnahmenpaket mit messbaren Erfolgen, denn die dort vorkommenden Bestände nehmen wieder zu und entwickeln sich positiv. Das Löffelkraut ist eines der 54 nur in Bayern vorkommenden Pflanzenarten, den sogenannten Endemiten, für die der Freistaat die weltweite Alleinverantwortung hat. Am Montag hatte Bayerns Umweltminister Otmar Bernhard für 17 Arten – darunter auch das Bayerische Löffelkraut die neue Kampagne ’Bayerns UrEinwohner’ zusammen mit den bayerischen Landschaftspflegeverbänden gestartet. Sie soll mit Forschungsprojekten und gezielten Schutz- und Pflegekonzepten den bedrohten Arten helfen. Das LfU freut sich über die neue Kampagne: "Sie stärkt die Aufmerksamkeit für diese Arten und unterstützt die gezielten Schutzprogramme", sagte Andreas Zehm, Botaniker am LfU, beim heutigen Termin an den Kupferbachquellen. Mehr über die Kampagne Bayerns UrEinwohner unter: www.bayerns-ureinwohner.de/ +++

Faktenkasten zum Bayerischen Löffelkraut

  • Die weiß blühende Rosettenpflanze aus der Familie der Kreuzblütler gehört zu den wenigen weltweit nur in Bayern vorkommenden Pflanzenarten, es ist ein Endemit. Dabei handelt sich um einen echten bayerischen Ureinwohner: Wie genetische Analysen nahe legen, ist die Pflanze zweimal in Bayern "entstanden": einmal südöstlich von München (Landkreise München; Ebersberg, Rosenheim) und einmal im nördlichen Allgäu (Landkreise Kaufbeuren; Oberallgäu; Ostallgäu und Unterallgäu).
  • Auf nur noch rund 100.000 Pflanzen an 19 Wuchsorten in Bayern kommt die Bestandszählung, die im Rahmen des Artenhilfsprogramms Botanik des LfU durchgeführt wurde. Die gesamte besiedelte Fläche ist kleiner als ein Hektar, wie die Kartierungen der Botaniker der TU München im Auftrag des LfU ermittelten.
  • Weil das Löffelkraut nur an nährstoffarmen Quellstandorten vorkommt, die ganzjährig Wasser führen, ist es in seinen Lebensansprüchen ein extremer Spezialist. Nur in diesen kalkreichen und nährstoffarmen Kleinhabitaten kann es sich gegen die Konkurrenz anderer Pflanzenarten durchsetzen und gut entwickeln. Diesen Lebensraum teilt das Löffelkraut mit weiteren "urigen" Pflanzen und Tieren wie dem Kriechenden Sellerie und der winzigen Bayerischen Quellschnecke.
  • Zu den Hauptgefährdungen führen Änderungen des Lebensraumes wie gefasste Quellen, Verrohrungen, Grabenräumungen in Quellbereichen und Grünlanddränierungen. Durch gezielten Flächenankauf, Umgestaltung und Pflege der Lebensräume werden die Konzepte des LfU-Artenhilfsprogramms für das Löffelkraut von den Landschaftspflegeverbänden umgesetzt.
  • Das LfU hat eine Serie mit derzeit dreizehn Merkblättern zum Artenhilfsprogramm Botanik aufgelegt. Die Merkblätter beschreiben die Ökologie und Verbreitung der einzelnen Arten, ihre Bestandsentwicklung und die Gefährdungsursachen und zeigen die konkreten Artenhilfsmaßanhmen auf. www.lfu.bayern.de/natur/fachinformationen/artenhilfsprogramm_pflanzen/merkblaetter/index.htm

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