PRESSEMITTEILUNG

Nr. 25 / Freitag, 30. Mai 2008

Bayerns schönste Geotope
"Land unter" im Ostallgäu: Steinerne Archive bei Halblech mit dem Geo-Gütesiegel ausgezeichnet

Quelle: LfU
(Halblech) +++ Die "Flyschgesteine im Röthenbachtal" wurden heute vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) prämiert und gehören damit offiziell zu den 100 bedeutendsten geologischen Naturwundern Bayerns. Gelegen in den Ammergauer Bergen zwischen Halblech und Unternogg, beeindrucken die Gesteine im Röthenbachtal nicht nur durch ihre lehrbuchhafte Ausbildung, sie vermitteln auch einmalige Einblicke in die Erdgeschichte: "Geotope sind natürliche Archive und Labore. Durch sie können wir die Gegenwart verstehen und zukünftige Ereignisse besser einordnen", erklärte LfU-Präsident Albert Göttle heute beim Festakt. Heuer ist es bereits das dritte Geotop, das das Landesamt in das Programm "Bayerns schönste Geotope" aufgenommen hat. Mit den Röthenbach-Aufschlüssen erhielt zum zehnten Mal ein schwäbisches Geotop die Auszeichnung. +++

Als Flysch-Zone bezeichnet man eine geologische Großbaueinheit am Nordrand der Alpen. Ihre schiefrig-tonigen Gesteine neigen zum "Fließen", also zu Instabilität; daher hat man sie mit dem Schweizer Lokalausdruck "Flysch" belegt. Charakteristische Erscheinungsformen dieser waldreichen Bergregion sind steile Hänge mit großen Erosionsflächen und Rutschungen. Am Röthenbach ist die so genannte Piesenkopf-Formation mit einem Alter von etwa 85 Millionen Jahren aufgeschlossen. Beispielhaft für Flyschsedimente der Alpen ist hier die vielfache, rythmische Wiederholung von Ablagerungszyklen in typischer Weise ausgebildet. Diese meist nur einige Dezimeter mächtigen "Turbidit-Zyklen" bestehen überwiegend aus Kalk-, Mergel- und Tonsteinen. Charakteristisch ist die Korngrößensortierung – die gröbsten Körner findet man an der Basis, die feinsten am Top eines Zyklus.
Ein Gremium von Fachleuten des LfU – der obersten Fachbehörde für Geologie, Natur, Wasser und Umwelt – und der Umweltverwaltung wählt die Geotope aus, die in die Bestenliste aufgenommen werden. Für jeden Geotop bieten Internet-Informationen und Faltblätter in den Fremdenverkehrsämtern der Gemeinden umfassende Erläuterungen. Hinweisschilder an den Wanderwegen leiten die Besucher zu den Naturschätzen und den dortigen Informationstafeln.
Geotope werden im Freistaat seit 1985 systematisch erfasst. Bisher wurden fast 2.900 vom Geologischen Landesamt (jetzt: Bayerisches Landesamt für Umwelt) detailliert beschrieben und in den GEOTOPKATASTER BAYERN aufgenommen. Weitere Informationen hierzu unter: www.geotope.bayern.de.

Info-Kasten zur Entstehung der Flyschgesteine

Die Flyschgesteine bildeten sich in der jüngeren Kreidezeit vor 130 bis 65 Millionen Jahren in einem mehrere 1000 Meter tiefen Meeresbecken. Da sich der Boden dieses Beckens ständig absenkte, blieb der Tiefseecharakter in den gesamten bis zu 1500 Meter mächtigen Sedimenten erhalten.
Größtenteils enstehen Flyschgesteine aus untermeerischen Trübeströmen, einem Gemisch aus Wasser und Schlamm. Häufig durch Erdbeben ausgelöst, fließen die Trübeströme unregelmäßig und in vielfacher Folge lawinenartig von den Schelfbereichen über Abhänge in die Tiefsee ab. Am flacheren Tiefseeboden nimmt die Geschwindigkeit ab, so dass sich zunächst gröberes und schwereres, darüber nach und nach immer feineres Material ablagert. Typisch für die Untergrenze der Lagen sind so genannte Sohlmarken − Sedimentstrukturen in Form verschiedenartiger Wülste. Bestimmte Formen lassen dabei auf die Fließrichtung der Trübeströme schließen. Das Infoblatt haben die Fachleute des Landesamtes deshalb treffend mit "Naturtrüb" überschrieben. Auf der Oberseite sind mitunter verschiedene Kriech- und Weidespuren von Tiefseebewohnern erhalten geblieben, die den Meeresboden zwischen den einzelnen Ablagerungs-Ereignissen besiedelten.
Derartige Meeresablagerungen bezeichnet man als Turbidite; sie lassen aufgrund ihrer Ausbildung überwiegend auf sehr weite Transportwege bis mehrere tausend Kilometer am Tiefseegrund schließen.



Redaktionelle Hinweise:
Weitere Informationen im Internet zum Flysch im Röthenbachtal

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