Gemeinsame PRESSEMITTEILUNG mit den Bayerischen Staatsforsten und des Landesbundes für Vogelschutz e.V.

Nr. 12 / Dienstag, 21. April 2015

Natur
Größtes Schwarzstorchvorkommen Deutschlands – Im Frankenwald sind 10% der seltenen Großvögel heimisch

Kronach, 22. April 2015 – Eine gemeinsame mehrjährige Erfassung durch die Bayerischen Staatsforsten, den Landesbund für Vogelschutz (LBV) und das Landesamt für Umwelt (LfU) belegt die überragende Bedeutung des Frankenwaldes für die Schwarzstorchpopulation in Deutschland. Bei einem Pressetermin wurden die Ergebnisse nun vorgestellt.

+++ Von den Menschen nahezu unbemerkt sind in den vergangenen Wochen die Schwarzstörche in Ihre Brutgebiete im Frankenwald zurückgekehrt. Seit über 25 Jahren leben Schwarzstörche im Frankenwald. Zahlreiche Beobachtungen von Schwarzstörchen abseits der bekannten Brutplätze legten die Vermutung nahe, dass die Zahl der Schwarzstörche im Frankenwald größer ist als bisher bekannt. Anlass für die Bayerischen Staatsforsten, den LBV und das LfU, Carsten Rohde, einen der besten Schwarzstorchexperten in Deutschland, mit einer Kartierung zu beauftragen. Anhand von Flugbeobachtungen und bestimmten Verhaltensweisen konnte die Zahl der Reviere bzw. Brutpaare und durch Ringablesungen die Vernetzung der Störche mit anderen Populationen ermittelt werden. Eine zeitintensive und aufwändige Methode, die aber wichtige Erkenntnisse über das Vorkommen und deren Bedeutung lieferte: Mit rund 73-75 Brutpaaren beherbergt der Frankenwald mehr als 10% des in Deutschland aktuell bekannten Schwarzstorchbestandes. In den Kernbereichen des Waldes wurde eine für Deutschland bisher einmalige Siedlungsdichte von bis zu 9 Brutpaaren pro 100km² ermittelt. Eine beeindruckende Zahl, findet der Vorsitzende des LBV in Bayern, Dr. Norbert Schäffer: "Der Schlüssel eines erfolgreichen Schwarzstorchschutzes ist neben der guten Zusammenarbeit der regionalen Akteure eine gute Artenkenntnis, eine für derartige Kartierungen unabdingbare Voraussetzung".
Aus einer Initiative örtlicher Naturschützer und Förster entwickelte sich das fränkische Schwarzstorchprojekt unter Beteiligung von Bayerischen Staatsforsten, LBV und LfU. Der Präsident des Landesamtes für Umwelt, Claus Kumutat, betonte: "Die Dokumentation der Verbreitung und Häufigkeit des seltenen Schwarzstorches im Frankenwald stellt eine wertvolle Grundlage für den nationalen und internationalen Vogelschutz dar und zeigt, welche Bedeutung dem gemeinschaftlichen Engagement beim Naturschutz zukommt – unter anderem bei der Datenerfassung sowie dem Erhalt und der Sicherung von Lebensräumen."
Der Frankenwald mit seinen großen, zusammenhängenden Waldgebieten mit klaren Gewässern verbunden mit naturnaher Bewirtschaftung bietet den Schwarzstörchen einen idealen Lebensraum für die Brut und erfolgreiche Jungenaufzucht. Der Vorstand der Bayerischen Staatsforsten, Reinhardt Neft, freut sich im Aktionsjahr Waldnaturschutz über diesen Erfolg und sieht dadurch die naturnahe Bewirtschaftung im Staatswald bestätigt: "Das hohe Schwarzstorchaufkommen im Frankenwald beweist, dass eine naturnahe Waldbewirtschaftung, die zum einen Rücksicht auf sensible Bereiche wie etwa Horstbäume nimmt und zum anderen wichtige Nahrungsbiotope pflegt und anlegt, ideale Bedingungen für den Schwarzstorch schafft. +++


Fakten Schwarzstorch-Projekt Frankenwald

Gebiet: Große Teile des Naturparks Frankenwald (Landkreise Kronach, Hof, Kulmbach) mit rund 925km²
Kennzeichen: Große geschlossene Waldgebiete mit zahlreichen, klaren Fließgewässern und extensiv genutzten Talwiesen sowie naturnaher Waldbewirtschaftung
Projektträger: Bayerische Staatsforsten, Landesbund für Vogelschutz und Bayerisches Landesamt für Umwelt
Projektdauer: 2011 – 2014
Projektbeauftragter: Carsten Rohde
Projektauftrag: Flächendeckende Erfassung von Schwarzstorch-Revierpaaren und Beringung junger Schwarzstörche
Projektergebnis:
  • Schwarzstorchbestand im Frankenwald auf ca. 73-75 Revier- bzw. Brutpaaren ermittelt – gemäß Frankenwaldprojekt (Kartierung 2011-2014); nach Expertenschätzung weitere 6-8 Brutpaare anzunehmen
  • Im Frankenwald wurden mehr als 10% des aktuell bekannten Schwarzstorch-Bestandes in Deutschland erfasst
  • In Kernbereichen des Frankenwaldes für Deutschland einmalige Siedlungsdichten von bis zu 9 BP/ 100km² ermittelt
  • Schwarzstorchdichte im Frankenwald birgt bemerkenswertes Potential für Besiedelung angrenzender Naturräume wie z.B. Thüringer Wald
  • Ringablesungen von Brutstorchen aus Frankreich und der Tschechischen Republik belegen weiträumige Vernetzung der Frankenwaldstörche innerhalb Mitteleuropas.
  • Frankenwald hat eine herausragende Bedeutung als Reproduktionsgebiet und Verbreitungszentrum des Schwarzstorchs für Mitteleuropa, Deutschland und Bayern

Fakten Schwarzstorch:
  • Schwarzstorchbestand in Deutschland auf ca. 650 -750 Brutpaare ermittelt gemäß jüngster ADEBAR-Kartierung (Atlas deutscher Brutvogelarten, Kartierung 2005-2009)
  • Schwarzstorchbestand in Bayern auf ca. 150-160 Brutpaare ermittelt gemäß Atlas der Brutvögel in Bayern (Kartierung 2005-2009)
  • Weitere Schwarzstorchvorkommen in Bayern u.a. in Oberpfälzer und Bayerischen Wald, Spessart, Röhn, Allgäu und Fichtelgebirge.
  • Im Durchschnitt liegt die Bestandsdichte in den besiedelten Mittelgebirgen Deutschlands bei 1,5 Brutpaare/100km², in Spitzengebieten bei 4-5 Brutpaare/100km²; Spitzengebiete u.a. Eifel, Sauerland mit Haarstrang und Rothaargebirge sowie die nord- und osthessischen Mittelgebirge und der Harz.

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