PRESSEMITTEILUNG

Nr. 35 / Donnerstag, 22. August 2013

Artenschutz
Extrem seltene Waldbirkenmaus im Bayerischen Wald wiederentdeckt

Suchaktion des Landesamtes für Umwelt führt zum Erfolg

Waldbirkenmaus (Sicista betulina)
Waldbirkenmaus (Sicista betulina) (Quelle: Dr. Richard Kraft)
+++ Ein außergewöhnlicher Fund ist Kleinsäugerexperten im Auftrag des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) im südlichen Bayerischen Wald gelungen: In der Gemeinde Neureichenau im Landkreis Freyung-Grafenau wurden zwei Exemplare der extrem seltenen Waldbirkenmaus (Sicista betulina) wiederentdeckt. Bei den gefundenen Tieren handelt es sich um ein erwachsenes und ein Jungtier. Die beiden männlichen Mäuse sind nur 6,5 bzw. 5 Zentimeter groß, ihre Schwänze sind gut doppelt so lang. Weitere eindeutige Merkmale sind das braune Fell und der schwarze Aalstrich auf dem Rücken. Er zieht sich vom Kopf bis zum Schwanzansatz und ist etwa 3 Millimeter breit. Der Entdeckung gingen systematische Untersuchungen im Rahmen der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) voraus. Begleitet wurden diese von Mitarbeitern der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald und den Bayerischen Staatsforsten, Forstbetrieb Neureichenau. Auch die örtliche Bevölkerung hat durch Hinweise an der Suche nach einem der seltensten Säugetiere Deutschlands mitgewirkt. +++

Seit ihrem ersten Nachweis in Bayern im Jahre 1950 wurde die Waldbirkenmaus lediglich drei Mal im Landkreis Freyung-Grafenau (zuletzt 1994) und drei Mal im Landkreis Oberallgäu (zuletzt 2000) gefunden. Weitere Nachweise in Deutschland sind nur aus Schleswig-Holstein bekannt. In der Roten Liste gefährdeter Tiere Bayerns ist die Waldbirkenmaus in Kategorie G eingestuft. Das bedeutet, ihr Status ist unbekannt, es wird aber von einer Gefährdung ausgegangen. Das LfU plant in den nächsten Jahren weitere Untersuchungen, um mehr über die Größe und den Zustand der Population sowie das Verbreitungsgebiet der seltenen Maus zu erfahren. Mit den Erkenntnissen können in Zukunft gezielt Hilfsmaßnahmen im Rahmen der bayerischen Biodiversitätsstrategie entwickelt werden.

Faktenkasten Waldbirkenmaus

  • Körpermaße: Kopf + Rumpf 60 mm; Schwanz 99 mm; Hinterfuß 17 mm; Gewicht 5-6 g.
  • Merkmale: Bei der Waldbirkenmaus verläuft ein breiter schwarzer Aalstrich von der Stirn bis zum Schwanzansatz. Der Schwanz ist um ¼ bis ½ länger als die Länge von Kopf und Rumpf und dient beim Klettern auf Pflanzen als Stütze und Halt.
  • Verbreitung: Die Waldbirkenmaus war während der letzten Eiszeit im Alpenraum (Würm) weit verbreitet. Heutzutage ist sie ein Charaktertier der Wald- und Waldsteppenzone Nordeuropas und Asiens. Das geschlossene Verbreitungsgebiet reicht von Südfinnland, den Baltischen Staaten, Ostpolen und Weißrussland nach Osten bis zum Ural und Kaukasus. Die jüngste Wiederentdeckung im Bayerischen Wald liegt tiergeographisch am westlichen Rand der Hauptverbreitung dieser Art.
  • Lebensraum: Aufgrund ihres ausgedehnten Verbreitungsgebietes und ihrer großen Höhenamplitude (von Meeresniveau in Schleswig-Holstein bis 2.200 Meter über NN im Kaukasus) bewohnt die Waldbirkenmaus sehr unterschiedliche Habitate. Gemeinsames Strukturmerkmal der Lebensräume ist eine relativ hohe Bodenfeuchtigkeit und eine dichte Vegetation aus Kräutern, Gräsern und Zwergsträuchern.

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