Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Gemeinsame PRESSEMITTEILUNG mit der Regierung von Oberfranken

Nr. 65 / Donnerstag, 12. November 2009

Flächenverbrauch
Innenentwicklung stoppt Flächenfraß

(Schwarzenbach an der Saale) +++ "Setzen Sie auf Innenentwicklung – Baulücken sind bereits gut erschlossen" wandte sich heute Richard Fackler, Vizepräsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU), an Kommunen, Unternehmen und Bauherren. Auf der Tagung "Zukunft Fläche", die die Regierung von Oberfranken heute gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Umwelt in der ehemaligen Porzellanfabrik Winterling in Schwarzenbach an der Saale veranstaltete, warb Fackler ausdrücklich für Flächenmanagement und Flächenrecycling: "Der Flächenverbrauch ist ein zentraler Punkt des Umweltschutzes". Auch Regierungspräsident Wilhelm Wenning betonte: "Für die Nachnutzung von Industriestandorten gibt es gerade in Oberfranken mittlerweile viele gelungene Beispiele." So in der Stadt Marktredwitz, in Selb oder hier in Schwarzenbach a.d.Saale, dem Pilotprojekt der Regierung von Oberfranken. Voraussetzung ist allerdings, dass Flächenrecycling und Altlastenbearbeitung von Anfang an Hand in Hand gehen. Fackler: "Unsere Erfahrung zeigt, dass die finanziellen Risiken des Flächenrecyclings meist deutlich überschätzt werden." Es sei oft eine teure Sackgasse, weiterhin in Infrastruktur für neue Wohn- und Gewerbegebiete auf der grünen Wiese zu investieren. Zumal die Bevölkerung in Oberfranken rückläufig ist und innerorts mehr als ausreichend Freiflächen vorhanden sind:Zehn Prozent der vorhandenen Baulücken reichen aus, um den gesamten Baulandbedarf der nächsten Jahre abzudecken, haben LfU-Fachleute ermittelt. Das ist das Ergebnis eines Pilotprojektes in Unterfranken, wo sich neun Kommunen zur interkommunalen Allianz Oberes Werntal zusammengeschlossen haben und nun ihr Flächenmanagement erfolgreich über die Gemeindegrenzen hinaus betreiben. Dort wurde auch die neue Flächenmanagement-Datenbank des LfU entwickelt, die es gerade kleinen Kommunen einfacher macht, auf die Innenentwicklung zu setzen. Fackler und Wenning sind sich einig: "Flächenrecycling und Flächenmanagement sind wirksame Instrumente gegen das ’Ausbluten’ alter Ortskerne". +++

Die Winterlingwerke, haben seit 1882 Porzellan hergestellt – weit verbreitet war das Schwarzenbacher Strohblumenmuster, eine kostengünstigere Variante der teuren meißener und Hutschenreuther Zwiebeldekore. Bis zur Insolvenz im Jahre 1999 gehörte Winterling weltweit zu den vier größten Unternehmen der Porzellanbranche. Nach der Altlastensanierung werden die Gebäude nun zum Teil wieder genutzt – zum Beispiel als Tagungsort. Die Erfahrungen aus der Sanierung der Industriebrachen der Winterlingwerke, die gemeinsam mit der Stadt Kirchenlamitz durchgeführt wurden, sind in den neuen Praxisratgeber für die Kommunen "Chance Flächenrecycling" eingeflossen."Wie geschickt man diese Baumassen gliedern und umgestalten kann und welch großes Potential für Nachfolgenutzungen und Flächensparen in ihnen steckt, kann man hier am heutigen Tagungsort greifbar erleben", ergänzte Petra Gräßel, Referatsleiterin Städtebau an der Regierung von Oberfranken, und verweist auf den druckfrischen Dokumentationsband "Projekte Zukunft Oberfranken" - Brachflächenrecycling am Beispiel der Winterlingwerke in Kirchenlamitz und Schwarzenbach a.d. Saale.

Der derzeitige Flächenverbrauch liegt in Bayern bei rund 16,4 Hektar pro Tag. Im Jahr wird in etwa die Fläche von Bayreuth, Bamberg und Kronach in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt. Rund die Hälfte dieser Fläche wird durch Gebäude und Straßen versiegelt. Damit gehen nicht nur Anbauflächen und Lebensräume für Tiere und Pflanzen verloren, sondern auch weniger offensichtliche "Leistungen" der Böden: sie schützen vor Hochwasser, filtern schädliche Stoffe aus dem Sickerwasser und schützen so das Grundwasser, binden das Klimagas CO2 und wirken ausgleichend auf das lokale Klima. Die Flächeninanspruchnahme ist vielerorts nicht nur ökologisch nachteilig, sondern hat auch negative soziale und finanzielle Auswirkungen. Denn die Last der teuren Infrastruktur in den neuen Wohn- und Siedlungsgebieten wird sich bei stagnierender oder rückläufiger Bevölkerung auf immer weniger Schultern verteilen Das Rezept gegen das ’Ausbluten’ gewachsener Ortskerne heißt deshalb verstärkte Innenentwicklung. "Hier unterstützt die Städtebauförderung die Kommunen in ganz erheblichem Maße", so der Regierungspräsident. "23,8 Millionen Euro Zuschüsse sind in dem seit 2004 dafür aufgelegten Programm "Stadtumbau West" zum Zwecke der Revitalisierung von Brachflächen nach Oberfranken geflossen", fuhr Wilhelm Wenning fort. Gerade Senioren, aber auch junge Familien wissen zentrumsnahe Wohnorte durchaus zu schätzen. Außerdem wird damit die vorhandene Infrastruktur besser ausgelastet.

Weitere Informationen
Hilfestellung zum Flächenrecycling, Förderfibel und Best Practice-Beispiele: www.lfu.bayern.de/boden/fachinformationen/flaechenrecycling/index.htm
Informationen zum Kommunalen Flächenressourcen-Management, zum Modellprojekt "Flächenmanagement in interkommunaler Zusammenarbeit", die Flächenmanagement-Datenbank und die Broschüre zur Baulückenaktivierung "Kleine Lücken – Große Wirkung" : www.lfu.bayern.de/themenuebergreifend/fachinformationen/flaechenmanagement/kommunales_frm/index.htm
Informationen zur Städtebauförderung unter www.regierung.oberfranken.bayern.de/bauen/staedtebau/staedtebaufoerderung.php

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