Gewässerüberwachung nach Wasserrahmenrichtlinie

Seit 2007 bildet das Monitoring nach Wasserrahmenrichtlinie den Kern der bayerischen Gewässerüberwachung. Hierzu mussten die bestehenden Messnetze und Überwachungsprogramme für Flüsse, Seen und das Grundwasser nach den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie angepasst werden. Ziel dieses Monitoring ist es, die Gewässer in Europa mit vergleichbaren Methoden umfassend zu untersuchen, insbesondere auch im Hinblick auf ihren ökologischen Zustand. Zusätzliche, bereits existierende Messstellen und Sondermessprogramme – wie etwa das Fisch-Schadstoffmonitoring - ergänzen in Bayern die Gewässerüberwachung nach Wasserrahmenrichtlinie.

Das Monitoring nach Wasserrahmenrichtlinie gliedert sich in

  • eine Überblicksüberwachung,
  • eine operative Überwachung und
  • eine Überwachung zu Ermittlungszwecken.

Die überblicksweise Überwachung dient dazu, großräumige Trends in der Gewässerqualität zu erkennen. Bei der operativen Überwachung werden vorwiegend die Gewässer unter die Lupe genommen, die in der Bestandsaufnahme mit der Zielerreichung "unwahrscheinlich" eingestuft wurden. Entscheidend für die Bewertung des Zustands der Wasserkörper ist die operative Überwachung.

Zu den wichtigsten Zielen der Überwachung zählen:

  • Überprüfung des Gewässerzustands und des Grades der Einhaltung der Umweltziele
  • Beobachtung langfristiger Entwicklungen und Ermittlung von Trends
  • Feststellung des Ausmaßes und der Auswirkungen von Verschmutzungen und Veränderungen
  • Hilfe bei der Planung von Maßnahmen und Erfolgskontrolle von Maßnahmen
  • Überwachung von Schutzgebieten

Überwachung Fließgewässer und Seen

Messnetze und Überwachungsprogramme

Das Monitoring nach Wasserrahmenrichtlinie ist hochgradig standardisiert und umfasst bei Fließgewässern und Seen ein weites Spektrum an Qualitätskomponenten. Es geht damit deutlich über die bisherigen Anforderungen an die Gewässerüberwachung hinaus. Die aufwändige Entwicklung neuer Probenahme- und Bewertungsmethoden geschah zum Großteil auf nationaler Ebene.

Messstelleneinrichtung an der Attel Bild vergrössern Messstelleneinrichtung an der Attel

Überwachung ökologischer und chemischer Zustand

Die Bewertung des ökologischen Zustands der Flüsse und Seen orientiert sich an Gewässertypen. In Bayern sind dies 15 Fließgewässer- und 9 Seentypen. Zur Bewertung der Fließgewässer und Seen wird ihr ökologischer und ihr chemischer Zustand untersucht.

Im Mittelpunkt der Überwachung von Fließgewässern und Seen steht das Gewässer als Lebensraum und seine ökologische Funktionsfähigkeit. Dabei werden Lebewesen als Indikatoren für den Zustand der Gewässer genutzt. Untersucht werden vier Organismengruppen, in der Wasserrahmenrichtlinie als biologische Qualitätskomponenten bezeichnet:

  • Makrozoobenthos (wirbellose Kleintiere im Substrat)
  • Makrophyten und Phytobenthos (festsitzende Pflanzen und Algen)
  • Phytoplankton (freischwebende Algen)
  • Fische

Chemisch-physikalische Grundparameter, wie pH-Wert und Temperatur, sowie die Gewässerstruktur gehen als ergänzende Qualitätskomponenten in die Bewertung des Gewässerzustands ein. Außerdem wird untersucht, ob ausgewählte Industrie- und Agrarchemikalien, die Tiere und Pflanzen schädigen können – so genannte spezifische Schadstoffe –, die für sie geltenden Grenzwerte (Umweltqualitätsnormen) überschreiten.

Für jeden Gewässertyp gibt es eine Idealbeschreibung, so genannte Referenzbedingungen. Sie beschreiben einen natürlichen, vom Menschen unbeeinflussten Zustand des Gewässers und dienen als Messlatte zum Beurteilen des ökologischen Zustands. Dieser wird in fünf Zustandsklassen unterteilt:
sehr gut, gut, mäßig, unbefriedigend und schlecht.Handlungsbedarf besteht, wenn ein Gewässer nicht mindestens den guten ökologischen Zustand erreicht.

Der chemische Zustand eines Gewässers wird unabhängig vom Gewässertyp ermittelt. Untersucht wird dabei eine EU-weit einheitliche Liste von prioritären Stoffen. Auch für diese Stoffe müssen zum Erreichen des guten Zustands Grenzwerte (Umweltqualitätsnormen) eingehalten werden. Der chemische Zustand wird entweder mit gut oder nicht-gut bewertet. Nur wenn sowohl der ökologische als auch der chemische Zustand mindestens "gut" sind, ist das Gewässer insgesamt in einem "guten" Zustand.

Grundwasserüberwachung

Grundwasservorkommen sind zu schützende Gewässer vergleichbar mit Fließgewässern und Seen. Der Zustand des Grundwassers wird regelmäßig nach Menge und Beschaffenheit überwacht. Aus Gründen der Kontinuität wurde das neue Überwachungskonzept nach Wasserrahmenrichtlinie mit der bestehenden Landesbeobachtung des Grundwassers zusammengeführt.