Risikomanagement - Was ist das?

Bis in die 1980er Jahre wurde Hochwasser als ein Problem betrachtet, das mit technischen Bauwerken zu lösen ist. Aber natürliche Rückhalteflächen und technische Schutzmaßnahmen wie z.B. Deiche, Schutzwände und Hochwasserspeicher schützen oft nur begrenzt. Das Restrisiko einer Überschwemmung durch ein Extremhochwasser besteht trotz des technischen Schutzes immer.

Risikomanagement geht über den klassischen Hochwasserschutz hinaus, denn das Thema Hochwasser wird umfassend, planvoll und nachhaltig betrachtet. Häufig reduziert angepasstes Verhalten den Schaden bereits deutlich. Daher spielen zusätzlich zum Hochwasserschutz auch Maßnahmen der Risikovermeidung, Vorsorge und Nachsorge eine große Rolle.

Neben zusätzlichen Maßnahmenfeldern hat sich zudem die Arbeitsweise geändert: Die Einzugsgebiete von Gewässern werden als Ganzes betrachtet, denn Hochwasser macht keinen Halt an Grenzen. Und: Hochwasserrisikomanagement ist ein fachübergreifendes Thema - es müssen verschiedene Interessengruppen und Akteure an den Planungen beteiligt werden.

Gesetzliche Grundlagen

Die Zunahme von extremen Hochwasserereignissen in ganz Europa hat die Europäische Union dazu veranlasst, sich dieser Problematik zu stellen. Nach intensiver Beratung mit Mitgliedstaaten und Verbänden wurde die Richtlinie 2007/60/EG über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken ("Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie") erlassen. Ihre Inhalte wurden im Jahr 2010 ins Wasserhaushaltsgesetz sowie ins bayerische Wassergesetz aufgenommen und inhaltlich konkretisiert.

Die Gesetze schreiben ein 3-stufiges Verfahren mit klaren Fristen vor:

  • Vorläufige Bewertung des Hochwasserrisikos
    (bis 22. Dezember 2011)
  • Erstellung von Hochwassergefahren- und -risikokarten
    (bis 22. Dezember 2013)
  • Erarbeitung von Plänen für das Hochwasserrisikomanagement
    (bis 22. Dezember 2015)

Auf einer Zeitachse sind die drei Schritte des Hochwasserrisikomanagements eingetragen und benannt: Vorläufige Risikobewertung bis Dezember 2011, Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten bis Dezember 2013 und Hochwasserrisikomanagement-Pläne bis Dezember 2015. Danach Aktualisierung alle sechs Jahre. Über den drei Schritten steht als Ziel: Verringerung der hochwasserbedingten nachteiligen Folgen.Bild vergrössern Zeitplan des 3-stufigen Hochwasserrisikomanagements im ersten Zyklus

Der erste Schritt ist eine grobe Bestandsaufnahme. Dabei wird durch eine vorläufige Risikobewertung ermittelt, an welchen Gewässern ein besonderes Hochwasserrisiko besteht. Im zweiten Schritt werden für die ermittelten Risikogewässer Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten erarbeitet. Im dritten Schritt werden Hochwasserrisikomanagement-Pläne aufgestellt. Diese enthalten Ziele und Maßnahmen zur Verringerung des Hochwasserrisikos.

Für das deutsche Elbeeinzugsgebiet wurde von der Flussgebietsgemeinschaft Elbe ein gemeinsamer, länderübergreifender Management-Plan aufgestellt. Bayern hat für seinen Anteil an diesem Flussgebiet einen eigenen Beitrag erstellt. Dieser beinhaltet die Ergebnisse der Hochwasserrisikomanagement-Planung für die bayerischen Anteile der Einzugsgebiete von Saale und Eger.

Mit der Veröffentlichung der Management-Pläne ist das Hochwasserrisikomanagement aber nicht abgeschlossen. Alle 3 Stufen werden im 6-Jahres-Rhythmus überprüft und aktualisiert. So wird geprüft, wie wirksam die Maßnahmen sind und ob sie zu einer Reduzierung der Hochwasserrisiken beitragen.

Ausführliche Informationen zur Umsetzung der Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie (HWRM-RL) in Bayern finden Sie in nachfolgendem Link.