Einzugsgebiet Sächsische Saale und Eger

Die Teileinzugsgebiete von Saale und Eger im Nordosten Bayerns gehören zur internationalen Flussgebietseinheit Elbe. Sie umfassen eine Fläche von rund 1.790km2 und grenzen im Osten an das Bundesland Sachsen sowie an die Tschechische Republik und im Norden an das Bundesland Thüringen. Im Westen schließt sich das Maingebiet und im Süden das Donaugebiet an. Hauptgewässer sind die Sächsische Saale und die Eger. Bedeutsames Nebengewässer der Sächsischen Saale ist die Selbitz, bedeutsames Nebengewässer der Eger ist die Röslau.

Gewässersystem

Sowohl die Sächsische Saale als auch die Eger entspringen im Granitstock des Fichtelgebirges. Die Sächsische Saale entspringt bei Zell auf ca. 730m ü.NN am Nordwesthang des Waldsteinmassivs. Die Quelle der Eger liegt am Nordwesthang des Schneebergs im Fichtelgebirge auf einer Höhe von ca. 750m ü.NN. Die Saale fließt zunächst am Nordwestrand des Fichtelgebirges im Bereich der Münchberger Gneismasse und später durch die Diabase der mittleren Muldenzone des Saxothuringikums nach Norden. Sie durchquert Thüringen und Sachsen-Anhalt nach Norden und mündet zwischen Magdeburg und Dessau in die Elbe. Die Eger wendet sich hingegen durch die Granitzonen des inneren Fichtelgebirgshufeisens nach Osten, um bei Fischern die Landesgrenze in die Tschechische Republik zu überqueren. Von dort fließt sie weiter nach Osten, bis die Eger (Ohře) bei Lovosice in die Elbe (Labe) mündet.


Bedeutendes Nebengewässer der Sächsischen Saale auf bayerischem Gebiet ist die Selbitz. Sie entspringt am Osthang des Reusenbergs bei Wüstenselbitz auf ca. 640m ü.NN, durchfließt nach Osten den Randbereich der Münchberger Gneismasse, umfließt die Stadt Helmbrechts in einem weiten Bogen und mündet bei Blankenstein in die Saale. Bedeutende Nebengewässer der Eger sind die Selb mit ihrer Einmündung an der Kreuzung mit der A93 sowie die Röslau, die am Osthang des Schneebergs auf ca. 915m ü.NN im Fichtelgebirgsgranit entspringt und bei Fischern in die Eger mündet. Ein weiteres wesentliches Nebengewässer der Eger ist die Wondreb, die an der Westseite des Poppenreuther Bergs auf einer Höhe von ca. 650m ü.NN entspringt. Sie wird im Oberlauf von zahlreichen kleineren Nebengewässern mit Ursprung im Bergzug zwischen Waldsassen und Mähring gespeist. Sie umfließt nach Nordwesten das Waldsassener Schiefergebirge am Südwestrand, durchbricht es bei Waldsassen und fließt dann nach Nordosten in der Tschechischen Republik bei Odrava der Eger zu.


Nebengewässer der Sächsischen Saale und der Eger in Bayern
Gewässer Einmündung Stelle
(bei Fluss-km)
Länge in km Einzugsgebiet in km2

Sächsische Saale

Schwesnitz inklusive Quellbäche in Oberkotzau (400,9) 8,3 102,6
Südliche Regnitz in Hof (396,2) 35,0 115,0
Nördliche Regnitz unterhalb Hof (388,2) 10,0 41,6
Selbitz bei Blankenstein / Thüringen (357,1) 36,6 245,2

Eger

Selb oberhalb Hendelhammer (262,2) 20,0 58,1
Röslau bei Fischern (246,6) 37,6 316,6
Wondreb bei Mostov / Tschechien (-) ca. 39 (Bayern) 263,4 (Bayern)

Naturräume

Im bayerischen Saale- und Egergebiet werden insgesamt 9 Naturraum-Einheiten unterschieden, wobei 5 dominieren. Die größten und bedeutendsten sind dabei die Münchberger Hochfläche (393), das Hohe Fichtelgebirge (394) und die von ihm umschlossene Selb-Wunsiedler Hochfläche (395). Weitere wesentliche Anteile bilden im Südosten der Hintere und Vordere Oberpfälzer Wald (400/401), im Osten das Mittelvogtländische Kuppenland (411) sowie das Obere Vogtland (412) und im Westen der Nordwestliche Frankenwald (Thüringer Schiefergebirge) (392).


Weitere Informationen zu der naturräumlichen Gliederung Bayerns sowie eine Übersichtskarte der Naturraum-Haupteinheiten finden Sie in den nachfolgenden Links.


Geologie

Das Einzugsgebiet wird dominiert von den Urgesteinen des Fichtelgebirges und Frankenwaldes. Der mittlere und südliche Teil ist geprägt durch die massiven Granite des Fichtelgebirges und deren Zersatzprodukte in den Talfüllungen. Nur vereinzelt finden sich Schollen metamorphischer präkambrischer Sedimentite der sogenannten Arzberger Serie. Als Besonderheit sei hier der "Wunsiedler Marmorzug" angesprochen, der sich mit seinen Kalkphylliten und Kalksilikaten schmal und tief von Tröstau bis Arzberg zieht und immer wieder an der Oberfläche zutage tritt. Durch seine Verkarstungserscheinungen ist er ein bedeutender aber empfindlicher Grundwasserleiter und für die Trinkwasserversorgung von hoher Bedeutung. Nördlich des Fichtelgebirges liegt die Münchberger Gneismasse. Beiderseits von Hof bis zur Landesgrenze schließt sich ein weitläufiges Verbreitungsgebiet paläozoischer Sedimentite und Vulkanite an. Südwestlich von Marktredwitz finden sich tertiäre Ausprägungen, die nach Osten vom Waldsassener Schiefergebirge abgegrenzt werden.


Schutzgebiete und Umwelt

Da die biologische Vielfalt als eine wesentliche Grundlage für das Leben und die Gesundheit des Menschen gilt, ist es nötig, die Artenvielfalt von Flora und Fauna sowie die Vielfalt ihrer Lebensräume zu erhalten und zu schützen. Dafür gibt es in Deutschland ein System verschiedener Schutzkategorien, das durch das internationale Schutzgebietssystem Natura 2000 der EU ergänzt wird. Es besteht aus den Gebieten der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) und der Vogelschutz-Richtlinie, die Arten und Lebensräume innerhalb der EU in einem länderübergreifenden Schutzgebietsnetz schützen und damit die biologische Vielfalt dauerhaft erhalten soll. Im Rahmen der Hochwasserrisikomanagement-Planung sind vor allem die im Hochwasserfall betroffenen FFH- und Vogelschutzgebiete von Interesse.

Das bayerische Einzugsgebiet von Saale und Eger hat Anteil an 24 wasserabhängigen FFH-Gebieten und am Vogelschutzgebiet Schneeberg/Goldkronacher Forst. Das Gebiet berührt fünf Grundwasserkörper. Diese sind die Grundwasserkörper Schwarzenburger Sattel/Schwarza Loquitz, Paläozoikum Hof, Kristallin Münchberg, Kristallin Kirchenlamitz und Kristallin Marktredwitz. Darüber hinaus finden sich im bayerischen Saale- und Egergebiet neun Heilquellenschutzgebiete, wobei die bedeutendsten bei Bad Steben, Bad Alexanderbad und Weißenstadt liegen. Das Gebiet ist gekennzeichnet durch einen verhältnismäßig hohen Anteil an Quellversorgungen. Ursächlich dafür ist die Lage im Grundgebirgsstock, der nur an wenigen Stellen Tiefbrunnenerschließungen zulässt. Ergiebige Tiefbrunnen liegen vor allem im Gesteinszug des Wunsiedler Marmors. Insgesamt liegen 147 Wasserschutzgebiete im betrachteten Gebiet.

Das gesamte Fichtelgebirge und der von ihm umschlossene Raum sind Teil des Naturparks Fichtelgebirge. Das nordwestliche Ende des Gebiets, etwa nördlich von Helmbrechts, sowie das Gebiet um Ludwigstadt gehören dem Naturpark Frankenwald an.


Landnutzung

Das Einzugsgebiet von Saale und Eger in Bayern ist, mit Ausnahme der Siedlungsschwerpunkte Hof, Wunsiedel/ Marktredwitz und Selb, überwiegend ländlich geprägt. Die Flächen werden überwiegend land- und forstwirtschaftlich genutzt. Insgesamt entfallen ca. 50% der Fläche auf landwirtschaftlich genutzte Flächen und ca. 40% der Fläche auf eine forstwirtschaftliche Nutzung.


Besiedlung

In den Teileinzugsgebieten Saale und Eger leben rund 244.000 Einwohner. Dies entspricht nur etwa 2% der Einwohner Bayerns. Die drei eindeutig identifizierbaren Siedlungsschwerpunkte sind die kreisfreie Stadt Hof mit rund 44.400 Einwohnern, der Raum Wunsiedel/Marktredwitz mit ca. 26.500 Einwohnern und die große Kreisstadt Selb mit ca. 15.150 Einwohnern. Die Einwohnerdichte steigt in der Region Hof auf 500 bis unter 1.000 Einwohner/km2. In der Stadt Naila, dem Mittelzentrum große Kreisstadt Selb und dem gemeinsamen Oberzentrum große Kreisstadt Marktredwitz/Stadt Wunsiedel liegt die Einwohnerdichte bei 200 bis unter 500 Einwohner/km2.

Außerhalb der Siedlungsschwerpunkte liegt die Einwohnerdichte in den städtischen Gebieten bei 100 bis unter 200 Einwohner/km2. In den ländlich geprägten Gebieten beträgt die Siedlungsdichte 1 bis unter 100 Einwohner/km2.


Wirtschaftliche Aktivität

Das bayerische Saale- und Egergebiet ist geprägt durch eine hohe Industriedichte, die historisch bedingt ist. Während im letzten Jahrhundert vor allem die Textil-, Porzellan- und Steinindustrie sowie zahlreiche Hammerwerke die Region prägten, haben sich nach einer tiefgreifenden Umstrukturierung um die Jahrtausendwende heute neue Produktionsrichtungen etabliert, meist als mittelständige Unternehmen, die mit Nischenprodukten Weltmarktbedeutung haben. Unternehmen der Metallverarbeitung, des Maschinenbaus, der Elektrotechnik, der technischen Keramik und Hochleistungstextilien sowie der Lebensmittelproduktion schaffen einen Großteil der industriellen Arbeitsplätze. Automobilzulieferer decken fast alle Segmente des Automobilbaus ab. Durch die zentrale Lage in Europa wurde die Region zur Logistikdrehscheibe.

Eine gewisse Konzentration von Gewerbe und Industrie ist in den größeren Städten wie Hof, Selb und Marktredwitz zu erkennen; der Begriff Ballungsraum kann hier aber nicht verwendet werden. Viele Unternehmen befinden sich in den kleineren Gemeinden der Region. Die Bedeutung der Landwirtschaft in den Teileinzugsgebieten von Saale und Eger darf dabei nicht unterschätzt werden, denn 91% der Fläche werden land- und forstwirtschaftlich genutzt.

Im Saale- und Egereinzugsgebiet liegen die Naturparke Frankenwald, Fichtelgebirge und Teile des Steinwalds. Sie sind Grundlage für einen ganzjährigen Tourismus.

Kulturgüter

In Auen bzw. an Gewässern finden sich zahlreiche wertvolle Bau- und Bodendenkmäler, da sich Städte und größere Siedlungen oftmals in Gewässernähe entwickelt haben.

Im bayerischen Saale- und Egergebiet sind zahlreiche Kulturgüter vorzufinden, unter anderem 37 Bauensembles. Dazu zählen beispielsweise die Altstädte von Wunsiedel und Lichtenberg sowie Ludwigstraße, Klosterstraße und Maxplatz in Hof. Im Landkreis Wunsiedel liegen mehrere historische Brücken an Eger und Röslau, die als Baudenkmäler registriert sind. Insgesamt befinden sich in diesem Raum ca. 2.500 Baudenkmäler und ca. 360 Bodendenkmäler.