Risikobewertung – Was kann wo passieren?

Die Ermittlung der Risikogewässer und die Erstellung von Gefahren- und Risikokarten bilden die räumliche Grundlage für die Risikobewertung: Wenn man weiß, wo ein Hochwasser in welchem Maße auftritt, kann man das Risiko für die verschiedenen Nutzungen bzw. Schutzgüter besser analysieren. Denn nur wer die Betroffenheiten richtig einschätzt, kann das Risiko durch gezielte Maßnahmen reduzieren! Das Risiko wird auf unterschiedlichen Ebenen bewertet.

Lokale Risikobewertung

Jede Stadt/Gemeinde, deren Gebiet mindestens von einem Extremhochwasser betroffen ist, kann mit Hilfe eines Fragenkatalogs ihr eigenes Risiko bewerten. Grundlagen für die Bewertung sind, neben dem lokalen Wissen, die Gefahren- und Risikokarten des Gebiets. Die Bewertung erfolgt einzeln für jedes Schutzgut in den Stufen „kein“, „geringes“, „mittleres“ oder „hohes Risiko“. Getrennt wird die Bewertung außerdem nach den Hochwasserszenarien HQextrem, HQ100 und HQhäufig (letzteres nur bei vorhandenen Daten). Für die Bewertung können die Städte und Gemeinden Fachleute aus den zuständigen Wasserwirtschaftsämtern und Kreisverwaltungsbehörden zu Rate ziehen.

Balkendiagramm mit den Anteilen der lokalen Risikobewertung für die 4 Schutzgüter im gesamten Donaugebiet. Die Risikostufen kein Risiko, geringes Risiko, mittleres Risiko und hohes Risiko werden jeweils für ein HQ100 und eine HQextrem in Prozent bewertet.Bild vergrössern Anteile der lokalen Risikobewertung im gesamten Donaugebiet (jeweils summarische Bewertung der Schutzgüter)

Im bayerischen Donaugebiet wird das Schutzgut Mensch als am höchsten gefährdet gesehen, das Schutzgut Kultur dagegen am geringsten. Bei einem extremen Ereignis (HQextrem) wird das Risiko höher eingeschätzt als bei einem 100-jährlichen Ereignis (HQ100).

Regionale und übergreifende Risikobewertung

Die zuständigen Regierungen erstellen eine regionale Risikobewertung. In diese Bewertung fließen überörtliche und überregionale Aspekte ein, z.B. ob einzelne lokale Risiken eine großräumige Wirkung haben. Zusammenfassend wird eine übergreifende Risikobewertung erstellt, die alle lokalen Fragenkataloge und die regionale Bewertung berücksichtigt. Diese übergreifende Bewertung wird für jede Planungseinheit; für jedes Schutzgut und die beiden Szenarien HQ100 sowie HQextrem erstellt.

Schutzgut Mensch

Werden besiedelte Gebiete überschwemmt, stellt das ein Risiko für die dort lebenden Menschen und ihre Gesundheit dar. Sowohl Wohnhäuser als auch Gebäude mit hohen Personenzahlen und/oder besonders gefährdeten Personen (z.B. Krankenhäuser oder Schulen) können von einem Hochwasser betroffen sein. Neben einer solchen direkten Gefährdung kann für das Schutzgut Mensch auch dann ein Risiko entstehen, wenn wichtige Einrichtungen (z.B. Feuerwehr, Rathaus, Bauhof) und Infrastrukturen (z.B. Verkehrswege, Trinkwasser-/Stromversorgung) überschwemmt werden und die Bewältigung eines Hochwassers nur noch eingeschränkt möglich ist.

Die Bewertungen im Donaugebiet ergaben: Besonders hoch ist das Risiko für den Mensch an der Donau flussabwärts von Ingolstadt. Ein besonders hohes Risiko besteht aber auch an den Innzuflüssen Alz und Salzach (INN_PE03 und INN_PE05) sowie an Altmühl (ALT_PE01) und Naab (NAB_PE02 und NAB_PE03). Dagegen sind die Planungseinheiten an Lech (LEC_PE01), Ilz (ILZ_PE01) und Isar (ISR_PE03 und ISR_PE04) weniger stark gefährdet.

Kartenausschnitt zeigt das bayerische Donaugebiet auf Ebene der Planungseinheiten. Die Einfärbung der Planungseinheiten zeigt wie hoch das Risiko in der jeweiligen Planungseinheit bei einem seltenen Hochwasser bewertet wurde. Ergebnisse werden im Text erläutert.Bild vergrössern Risikobewertung je Planungseinheit für das Schutzgut Mensch beim Hochwasserszenario HQextrem (lokale und regionale Bewertung)

Schutzgut Umwelt

Überschwemmte Industrieanlagen und Anlagen mit wassergefährdenden Stoffen wie z.B. Tankstellen und Kläranlagen, sind Gefahrenquellen für die Umwelt. Lagern sich ungeklärte Abwässer oder andere Gefahrenstoffe in überschwemmten Schutzgebieten ab, ist das Risiko für das Schutzgut Umwelt besonders groß.

Die Bewertungen ergaben: Besonders hoch ist das Risiko für die Umwelt an der Donau flussabwärts von Donauwörth sowie an den Innzuflüssen Alz und Salzach (INN_PE03 und INN_PE05). Bei einem Extremereignis herrscht großflächig mindestens ein mittleres Risiko. Bereiche mit lediglich geringem Risiko sind die Planungseinheiten an Wörnitz (WOE_PE01), Lech (LEC_PE01), Ilz (ILZ_PE01), dem oberem Naab-Einzugsgebiet (NAB_PE01) sowie an der mittleren Isar (ISR_PE02/03).

Kartenausschnitt zeigt das bayerische Donaugebiet auf Ebene der Planungseinheiten. Die Einfärbung der Planungseinheiten zeigt wie hoch das Risiko in der jeweiligen Planungseinheit bei einem seltenen Hochwasser bewertet wurde. Ergebnisse werden im Text erläutert.Bild vergrössern Risikobewertung je Planungseinheit für das Schutzgut Umwelt beim Hochwasserszenario HQextrem (lokale und regionale Bewertung)

Schutzgut Kultur

Kulturgüter sind ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft und prägen das Bild unserer Städte und Gemeinden. Wenn historische Bausubstanz, wie z.B. Kirchen oder Bauensembles, Bodendenkmäler oder historische Gartenanlagen überschwemmt werden, muss mit immensen Schäden gerechnet werden. Gleiches gilt für Ausstellungs- und Aufbewahrungsstätten wie Museen, Archive oder Bibliotheken.

Die Bewertungen ergaben: Das Risiko für Kulturgüter wird vergleichsweise gering gesehen. Wichtigste Ausnahme ist das UNESCO-Weltkulturerbe Regensburger Altstadt in der Planungseinheit DNI_PE01. Auch in weiteren Bereichen an Naab und Donau herrscht ein erhöhtes Risiko (NAB_PE02, NAB_PE03, DIG_PE01).

Kartenausschnitt zeigt das bayerische Donaugebiet auf Ebene der Planungseinheiten. Die Einfärbung der Planungseinheiten zeigt wie hoch das Risiko in der jeweiligen Planungseinheit bei einem seltenen Hochwasser bewertet wurde. Ergebnisse werden im Text erläutert.Bild vergrössern Risikobewertung je Planungseinheit für das Schutzgut Kultur beim Hochwasserszenario HQextrem (lokale und regionale Bewertung)

Schutzgut Wirtschaft

Werden wirtschaftliche Betriebe oder wichtige Industriestandorte überschwemmt, verursacht dies hohe Schäden. Neben betriebswirtschaftlichen Schäden können auch Arbeitsplätze gefährdet sein. Außerdem können erhebliche Sachwerte in den Wirtschaftsbetrieben selbst, in Tiefgaragen, in Kellern und Erdgeschossen beschädigt oder sogar zerstört werden. Dieses Risiko wird innerhalb des Schutzguts Wirtschaft bewertet.

Die Bewertungen ergaben: Bei einem HQ100 ist das Risiko besonders hoch an den Innzuflüssen Alz und Salzach (INN_PE03 und INN_PE05) sowie von Passau bis zur Grenze (DIG_PE01). Auch in den Planungseinheiten entlang der Donau von Neu-Ulm bis Regensburg (DIL_PE01-03, DLN_PE01/02) herrscht ein erhöhtes Risiko. Bei einem Extremereignis liegen die Schwerpunkte wieder entlang der Donau von Donauwörth bis zur Grenze nach Österreich und entlang von Alz und Salzach. Relativ gering ist das Risiko an Lech (LEC_PE01), Isar (ISR_PE01-03) und Ilz (ILZ_PE01) sowie im oberen Bereich der Naab (NAB_PE01).

Kartenausschnitt zeigt das bayerische Donaugebiet auf Ebene der Planungseinheiten. Die Einfärbung der Planungseinheiten zeigt wie hoch das Risiko in der jeweiligen Planungseinheit bei einem seltenen Hochwasser bewertet wurde. Ergebnisse werden im Text erläutert.Bild vergrössern Risikobewertung je Planungseinheit für das Schutzgut Wirtschaft beim Hochwasserszenario HQextrem (lokale und regionale Bewertung)

Die Beschreibung zur genauen Vorgehensweise der Risikobewertung finden Sie hier: