Risikobewertung – Was kann wo passieren?

Die Ermittlung der Risikogewässer und die Erstellung von Gefahren- und Risikokarten bilden die räumliche Grundlage für die Risikobewertung: Wenn man weiß, wo ein Hochwasser in welchem Maße auftritt, kann man das Risiko für die verschiedenen Nutzungen bzw. Schutzgüter besser analysieren. Denn nur wer die Betroffenheiten richtig einschätzt, kann das Risiko durch gezielte Maßnahmen reduzieren! Das Risiko wird auf unterschiedlichen Ebenen bewertet.

Die 4 Schutzgüter und mögliche Risiken

  • Schutzgut menschliche Gesundheit (Mensch)
    Werden besiedelte Gebiete überflutet, können sowohl Wohnhäuser als auch Gebäude mit hohen Personenzahlen und/oder besonders gefährdeten Personen (z.B. Krankenhäuser oder Schulen) davon betroffen sein. Ein Risiko für das Schutzgut Mensch kann auch dann entstehen, wenn wichtige Einrichtungen (z.B. Feuerwehr, Rathaus, Bauhof) und Infrastrukturen (z.B. Verkehrswege, Trinkwasser-/Stromversorgung) überschwemmt werden und die Bewältigung eines Hochwassers erschwert wird.
  • Schutzgut Umwelt (Umwelt)
    Überschwemmte Industrieanlagen und Anlagen mit wassergefährdenden Stoffen wie z.B. Tankstellen und Kläranlagen, sind Gefahrenquellen für die Umwelt. Lagern sich ungeklärte Abwässer oder andere Gefahrenstoffe in überschwemmten Schutzgebieten ab, ist das Risiko für das Schutzgut Umwelt besonders groß.
  • Schutzgut Kulturerbe (Kultur)
    Kulturgüter sind ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft und prägen das Bild unserer Städte und Gemeinden. Wenn historische Bausubstanz, wie z.B. Kirchen oder Bauensembles, Bodendenkmäler oder historische Gartenanlagen überschwemmt werden, muss mit immensen Schäden gerechnet werden. Gleiches gilt für Ausstellungs- und Aufbewahrungsstätten wie Museen, Archive oder Bibliotheken.
  • Schutzgut wirtschaftliche Tätigkeit /erhebliche Sachwerte (Wirtschaft)
    Werden wirtschaftliche Betriebe oder wichtige Industriestandorte überschwemmt, verursacht dies hohe Schäden. Neben betriebswirtschaftlichen Schäden können auch Arbeitsplätze gefährdet sein. Außerdem können erhebliche Sachwerte in den Wirtschaftsbetrieben selbst, in Tiefgaragen, in Kellern und Erdgeschossen beschädigt oder sogar zerstört werden. Dieses Risiko wird innerhalb des Schutzguts Wirtschaft bewertet.

Lokale Risikobewertung

Jede Stadt/Gemeinde, deren Gebiet mindestens von einem Extremhochwasser betroffen ist, kann mit Hilfe eines Fragenkatalogs ihr eigenes Risiko bewerten. Grundlagen für die Bewertung sind, neben dem lokalen Wissen, die Gefahren- und Risikokarten des Gebiets. Die Bewertung erfolgt einzeln für jedes Schutzgut in den Stufen „kein“, „geringes“, „mittleres“ oder „hohes Risiko“. Getrennt wird die Bewertung außerdem nach den Hochwasserszenarien HQextrem, HQ100 und HQhäufig (letzteres nur bei vorhandenen Daten). Für die Bewertung können die Städte und Gemeinden Fachleute aus den zuständigen Wasserwirtschaftsämtern und Kreisverwaltungsbehörden zu Rate ziehen.

Balkendiagramm mit den Anteilen der lokalen Risikobewertung für die 4 Schutzgüter im gesamten Donaugebiet. Die Risikostufen kein Risiko, geringes Risiko, mittleres Risiko und hohes Risiko werden jeweils für ein HQ100 und eine HQextrem in Prozent bewertet.Bild vergrössern Anteile der lokalen Risikobewertung am bayerischen Bodensee

Das Schutzgut Mensch wird von den drei angrenzenden Gemeinden als am stärksten gefährdet gesehen. Sie sehen hier für ein HQ100 ein geringes Risiko und für ein HQextrem ein geringes bis mittleres Risiko. Für die Schutzgüter Wirtschaft und Umwelt wird erst bei einem Extremhochwasser ein Risiko erkannt. Ein Risiko für das Schutzgut Kultur besteht in nur einer Gemeinde. Ein hohes Risiko wird im bayerischen Bodenseegebiet auf lokaler Ebene nicht gesehen. Darüber hinaus sehen die Gemeinden bei einem HQhäufig grundsätzlich keine Gefährdung.

Regionale und übergreifende Risikobewertung

Die zuständige Regierung erstellt eine regionale Risikobewertung. In diese Bewertung fließen überörtliche und überregionale Aspekte ein, z.B. ob einzelne lokale Risiken eine großräumige Wirkung haben. Zusammenfassend wird eine übergreifende Risikobewertung erstellt, die alle lokalen Fragenkataloge und die regionale Bewertung berücksichtigt. Diese übergreifende Bewertung wird für jede Planungseinheit; für jedes Schutzgut und die beiden Szenarien HQ100 sowie HQextrem erstellt.

Das Risiko für das gesamte bayerische Bodenseegebiet (lokale und regionale Ebene) wurde als gering eingestuft.

Die Beschreibung zur genauen Vorgehensweise der Risikobewertung finden Sie in nachfolgendem Link.