Hochwassercharakteristik

Am bayerischen Bodensee beträgt die mittlere Jahresniederschlagssumme zwischen 950mm/a und 1.100mm/a, im Osten des Gebiets können die Werte auch auf bis zu 2000mm/a ansteigen. Zu tagelang anhaltenden Niederschlägen kann es im Rand- und Voralpengebiet während der sogenannten Vb-Wetterlage (sprich: Fünf-b) kommen. Die großen Wassermengen, die in der Folge dem Bodensee zufließen, können zu einem Pegelanstieg des Bodensees und somit zu einem Seehochwasser führen. Der Wasserstand des Bodensees ist neben den Niederschlägen auch wesentlich von der Schneeschmelze in den Alpen abhängig. Die höchsten Pegelstände am See sind daher in der Regel im Frühsommer zu verzeichnen. Durch eine plötzlich einsetzende Schneeschmelze und zusätzlich starke Niederschläge werden extreme Abflusswerte in den alpinen Zuflüssen erreicht, die wiederum ein rasches Ansteigen des Bodenseespiegels verursachen können.

Obwohl der Bodensee eine sehr hohe Wasserkapazität besitzt und daher als Zwischenspeicher und Hochwasserpuffer dient, ist ein weiteres wichtiges Kriterium für hohe Wasserstände der limitierte Abfluss. Weder am Ausfluss des Obersees in Konstanz noch am Untersee bei Stein am Rhein existieren Regulierungsbauwerke. Das bedeutet, dass der Abfluss auf seine natürliche Kapazität begrenzt ist, die von den Zuflüssen teilweise deutlich überstiegen werden kann. Beim Seerhein flossen beim Hochwasser 1999 beispielweise 1.000m3/s ab, während die alpinen Zuflüsse dem See bis zu 4.000m3/s zuführten.

Vorwarnzeiten

Die Vorwarnzeit einer Hochwasserwelle ist die Zeit zwischen dem Bekanntwerden eines hochwasserrelevanten Niederschlagsereignisses und dem Auftreten des Hochwasserscheitels an einem bestimmten Ort. Durch Niederschlags- und Hochwasservorhersagemodelle können Vorwarnzeiten in Gewässern abgeschätzt werden. Die Güte der Vorhersage wird dabei maßgeblich von der Datenlage aber auch von der Güte des jeweiligen Vorhersagemodells bestimmt.

Die Wasserstandsvorhersagen am Bodensee werden von der Schweiz, Vorarlberg (Österreich), Baden-Württemberg und Bayern gemeinsam veröffentlicht. Sie basieren auf den Vorhersagen der Wasserführung der wichtigen Zuflüsse, die die Fachstellen der 3 beteiligten Länder anhand von hydrologischen Modellen berechnen. Zusätzlich werden Niederschlagsvorhersagen der Wetterdienste und Einflussgrößen auf den Aus- und Abbau einer Schneedecke hinzugezogen.

Hafenbecken mit Booten. Treibholz bedeckt annähernd die gesamte Wasseroberfläche zwischen Booten und Stegen.Bild vergrössern Typische Treibholzansammlung im Hafen von Wasserburg während eines Hochwassers am Bodensee

Grundsätzlich sind Vorhersagen des Wasserstandes bei niedrigem und mittlerem Seeniveau bis zu sieben Tage in die Zukunft möglich. Wird ein Schwellenwert überschritten und es zeichnet sich eine kritische Hochwassersituation am Bodensee ab, beträgt der Vorwarnzeitraum 48 Stunden, wobei nur die ersten 24 Stunden verlässliche Vorhersagen darstellen. Messwerte, Vorhersagen und Lageberichte werden dann stündlich aktualisiert und veröffentlicht.

Da der Bodensee eine sehr hohe Wasserkapazität besitzt und als recht träges System reagiert, sind die Vorwarnzeiten für ein Seehochwasser relativ lang (1–2 Tage). Ab einem Wasserstand von 4,50m werden von den Behörden erste Warnungen ausgegeben. Bei den Vorhersagen muss neben dem Pegelstand aber auch immer die Möglichkeit einer Sturmflut bei entsprechenden Windverhältnissen beachtet werden.

Pegelwerte

Die Bodenseepegelstände werden unter anderem in Konstanz, Bregenz, Romanshorn und Lindau gemessen. Abhängig vom Land, bezieht sich die Angabe der Normalwasserstände allerdings auf unterschiedliche Bezugshorizonte. Während sich der Konstanzer und Lindauer Pegel (beide Deutschland) auf "Normalnull" beziehen, sind die Bezugshorizonte am Romanshorner Pegel in der Schweiz der "Repère Pierre du Niton" und am Bregenzer Pegel in Österreich "Meter über Adria".

Der für das bayerische Bodenseegebiet relevante mittlere Seespiegel beträgt im Winter 394,89m ü.NN und im Sommer 395,58m ü.NN. Für ein HQ100 beträgt der Pegelwert 397,57m ü.NN und für ein HQextrem 398,00m ü.NN.

Hochwasserereignisse

Luftbild von Segelhafen und Kleingartenanlage in Lindau am Bodensee beim Pfingsthochwasser 1999.Bild vergrössern Überschwemmter Hafen am Bodensee

Das letzte große Hochwasserereignis in der jüngeren Vergangenheit trat im Jahr 1999 am Bodensee auf. Nach andauernden Niederschlägen in Kombination mit der Schneeschmelze im Alpenraum wurde im Juni dieses Jahres in Lindau ein Pegelstand von 397,58m ü.NN gemessen. Dies entspricht einem Wasserstand von 5,69m.