Gewässerstrukturkartierung

Kenntnisse über die Gewässerstruktur unserer Bäche, Flüsse und Seen bilden eine wichtige fachliche Grundlage für die Gewässerentwicklungsplanung und die Planung hydromorphologischer Maßnahmen gemäß EG-Wasserrahmenrichtlinie.

Als Gewässerstruktur werden morphologische Eigenschaften beschrieben, die ein Fließgewässer (Gewässerbett und Aue) oder Stillgewässer (Seebecken und Ufer mit Gewässerumfeld) kennzeichnen. Bei Fließgewässern sind das insbesondere Laufform (gestreckt, gewunden, verzweigt), Tiefenvariation (Kolke, Furten, Bänke etc.), Sohlsubstrat sowie Ausprägung der Uferbereiche. Im weiteren Sinn zählen zur Gewässerstruktur auch die Vegetationsstrukturen in und am Gewässer. Vor allem Abflussdynamik und Wasserbeschaffenheit wirken sich formend auf die Gewässerstruktur der Fließgewässer aus. Durch Ausbau- bzw. Renaturierungsmaßnahmen kann sie direkt beeinflusst werden. Die Gewässerstruktur hat eine große Bedeutung für die Lebensbedingungen von Tieren und Pflanzen in und an den Gewässern.

Ganz wesentlich ist die naturgegebene Unterschiedlichkeit unserer Gewässer und ihrer Einzugsgebiete, die in Gewässertypen (Fließgewässer der Kalkalpen; Fließgewässer der Granitregion; Alpenseen: kalkreich, geschichtet etc.) beschrieben wird. Gewässerstrukturen können heute auch durch anthropogen eingebrachte Elemente oder deren Wirkung entstanden sein.

Bach mit hart verbauten Ufern (verfugte Steine); Betonmauer und Gebäude direkt am Ufer im linken Bildbereiche; Steinmauer und hohe Fichten direkt am Ufer. Bild vergrössern Durch Verbauung stark beeinträchtige Gewässerstruktur; Gewässerstrukturklasse 7 ("vollständig verändert")

Bei einer Gewässerstrukturkartierung (GSK) für Fließgewässer werden die Ausprägungen struktureller Eigenschaften der Teilbereiche Gewässerbett (Sohle, Ufer) und Aue für jeden einzelnen Abschnitt eines Gewässerlaufes dokumentiert. Betrachtet werden zudem die Wechselwirkungen dieser Strukturen miteinander sowie die dynamischen Veränderungen und ökologisch-funktionalen Zusammenhänge. Es werden die Naturnähe, die morphologischen Defizite sowie die erzielten Fortschritte bei Entwicklung naturnaher Gewässer (Erfolgskontrolle) standardisiert in sieben Stufen (1 unverändert bis 7 vollständig verändert) bewertet. Der Maßstab (Leitbild, Referenz) für diese Bewertung bezieht sich auf den jeweiligen Gewässertyp.

Die Ergebnisse dieser Fachkartierung sind eine wichtige Basis für die Bewertung der hydromorphologischen Qualitätskomponenten, die im Sinne der EG-Wasserrahmenrichtlinie unterstützend zur Einstufung des ökologischen Zustands (bzw. Potenzials) beitragen. Außerdem werden Gewässerstrukturdaten zur Konzeption (z. B. für Gewässerentwicklungskonzepte (GEK) und Umsetzungskonzepte für hydromophologische Maßnahmen (UK)) und Kontrolle von Renaturierungsmaßnahmen herangezogen.