FAQ: Nitrat im Grundwasser

Das Bayerische Landesamt für Umwelt erfasst und bewertet die Nitratwerte im Grundwasser. Laut der EU-Wasserrahmenrichtlinie gelten Grundwasservorkommen mit mehr als 50 Milligramm Nitrat je Liter als belastet.

Nachfolgend werden häufige Fragen zum Nitrat im Grundwasser beantwortet und Zusammenhänge erklärt.

Wird die Landwirtschaft zu Unrecht verdächtigt, für die Nitrateinträge ins Grundwasser verantwortlich zu sein?

Erhöhte Nitratgehalte werden seit Jahren gerade an den Stellen im Grundwasser gemessen, in deren Einzugsgebiet eine landwirtschaftliche Nutzung stattfindet.

Der Anteil der Landwirtschaft am Nitrateintrag in die Gewässer beträgt rund 75 Prozent. Für die restlichen Nitrateinträge sind Verkehr, Industrie und Energiewirtschaft sowie die Abwasserbehandlung verantwortlich 1).

Quelle 1):
Umweltbundesamt 2014: Reaktiver Stickstoff in Deutschland. Ursachen. Wirkungen. Maßnahmen - PDF

Die Landwirtschaft macht schon viel, um den Nitrateintrag zu senken. Sind jetzt nicht die anderen Verursacher am Zug?

Stickstoffemissionen aus allen Bereichen müssen auf ein umwelt- und gesundheitsverträgliches Maß reduziert werden. Während die Bemühungen der Landwirtschaft im Hinblick auf die Stickstoffüberschüsse bisher weniger erfolgreich waren, konnte bei Industrie, Energiewirtschaft, Verkehr und der Abwasserbehandlung in den letzten 20 Jahren eine deutliche Minderung der Stickstoffemissionen erreicht werden 2).

Quelle 2):
Umweltbundesamt 2017: Stickstoffeintrag in die Biosphäre: Erster Stickstoff-Bericht der Bundesregierung.

Sind undichte Kanäle für zu viel Nitrat im Grundwasser verantwortlich?

Die Stickstoffeinträge aus der Kanalisation sind mengenmäßig von untergeordneter Bedeutung, obwohl 10 bis 15 Prozent des öffentlichen Kanalnetzes sanierungsbedürftig sind.
Einträge von Stickstoffverbindungen aus defekten Abwasserkanalnetzen in das Grundwasser können nicht systematisch gemessen werden. Bei einer theoretischen Abschätzung geht man davon aus, dass maximal sechs Prozent der Abwassermenge durch undichte Kanäle austreten 3). Daraus errechnet sich eine maximale Stickstofffracht von 4.900 Tonnen Stickstoff pro Jahr, die aus Kanälen austreten kann 4).
Im Vergleich dazu betrug der mittlere jährliche Stickstoffüberschuss aus der Landwirtschaft in den Jahren 2015 bis 2017 in Bayern 275.806 Tonnen 5). Das heißt, dass nur ein bis zwei Prozent der Nitrateinträge in das Grundwasser aus undichten Abwasserkanälen stammen und der überwiegende Anteil auf landwirtschaftliche Einträge zurückzuführen ist.

Quelle 3):
Bericht zu LT Drs. 15/4502.

Quelle 4):
Berechnet mit bayerischen Jahresabwassermenge von 1,85 Mrd. m3 und mittlerer Gesamtstickstoff-Konzentration von Abwasser im Zulauf der Kläranlagen von 44 mg Stickstoff pro Liter [DWA 2013].

Quelle 5):
Berechnet auf Grundlage des Stickstoffüberschusses aus: UBA-Texte 131/2019: Stickstoff-Flächen-bilanzen für Deutschland mit Regionalgliederung Bundesländer und Kreise – Jahre 1995 bis 2017 - PDF

Welche Rolle spielen Kläranlagen bei der Verunreinigung des Grundwassers mit Nitrat?

Die Kläranlagen spielen bei der Belastung des Grundwassers mit Nitrat keine Rolle, denn kommunale Kläranlagen leiten ihr gereinigtes Abwasser grundsätzlich in Bäche und Flüsse. In den Fließgewässern wird der Nitratgrenzwert von 50 mg/l an allen Messstellen eingehalten. Fast immer werden Werte unter 25 mg/l Nitrat, häufig sogar unter 10 mg/l Nitrat gemessen.

Hintergrund: Die im Abwasser enthaltenen Stickstoffverbindungen werden in den rund 2.500 bayerischen Kläranlagen zu knapp 80 Prozent abgebaut 6). Der Rest, circa 18.000 Tonnen Stickstoff im Jahr, wird in oberirdische Gewässer eingeleitet und wird entweder über die Donau ins Schwarze Meer oder über Main und Rhein in die Nordsee weitertransportiert. Für etwa drei Prozent der bayerischen Bevölkerung erfolgt die Abwasserentsorgung über Kleinkläranlagen. Das gereinigte Abwasser wird in etwa einem Drittel der Fälle versickert. Da es sich um biologisch gereinigtes Abwasser, teilweise mit gezielter Stickstoffentfernung, handelt, werden über Kleinkläranlagen nur minimale Stickstoffmengen eingetragen. Im Vergleich zum Stickstoffeintrag aus der Landwirtschaft sind dies weniger als 0,2 Prozent.

Quelle 6):
Umsetzung der EG-Kommunalabwasserrichtlinie in Bayern - Lagebericht 2018

Werden die Messwerte durch Einträge aus Rüstungsaltlasten verfälscht?

Nitrateinträge, die sich aus Rüstungsaltlasten ergeben (vorrangig Hexogen, Nitrotoluole und pulvertypische Verbindungen) sind im Vergleich mit anderen Nitrat-Quellen so verschwindend gering, dass die Messwerte nicht verfälscht werden.

Die Messstellen zur Bestimmung der Nitratbelastung liegen häufig neben Straßen. Werden hier verkehrsbedingte Nitrateinträge fälschlicherweise der Landwirtschaft angelastet?

In verkehrsnahen Bereichen werden keine erhöhten Nitratwerte gemessen. Denn die beim Verkehr anfallenden Stickoxidemissionen werden über die Luft in der Regel großräumig verteilt und gelangen als Regen oder Staubniederschlag wieder auf die Flächen. Der Beitrag des Verkehrs an der Stickstoffemission beträgt nur rund ein Fünftel des Beitrags der Landwirtschaft. Er wirkt sich über die Luft nur als Hintergrundbelastung aus und verursacht keine maßgebliche Belastung in den nahegelegenen Messstellen.

Mit welchen Messnetzen bzw. Messstellen wird Nitrat im Grundwasser beobachtet bzw. erfasst?

In Bayern gibt es rund 600 staatliche Messstellen zur Beobachtung der Grundwasserbeschaffenheit. Je nach fachlicher Fragestellung und der zu betrachtenden Stoffe und Parameter werden Messstellen in einem spezifischen Messnetz zusammengefasst und analysiert. Für die Ermittlung des Grundwasserzustands wurden nach den Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) Messstellen gemäß Grundwasserverordnung so ausgewählt, dass eine repräsentative Übersicht über den Zustand der Grundwasserkörper gegeben ist. Das heißt, sie bilden neben der Grundwasserhydraulik und Hydrogeochemie auch die Verteilung von Landwirtschaft, Wald und Siedlungen in Bayern ab. Dieses WRRL-Messnetz wird für die Berichterstattung zur Wasserrahmenrichtlinie verwendet. Es dient nicht nur zur Beobachtung von Nitrat, sondern einer Vielzahl von Parametern wie beispielsweise Schwermetallen oder Pflanzenschutzmitteln.

Darüber hinaus gibt es weitere Messnetze zur Berichterstattung gegenüber der EU. Eines davon ist das EU-Nitratmessnetz, das gemäß EU-Nitratrichtlinie als Grundlage für den alle vier Jahre erscheinenden EU-Nitratbericht dient. Es umfasst eine Teilmenge der Messstellen des EUA-Messnetzes, das zur regelmäßigen Berichterstattung an die Europäische Umweltagentur (EUA) über den Zustand des Grundwassers betrieben wird.

Eine Übersicht und Beschreibung der Messnetze ist nachfolgend zu finden:

Sind die Messstellen in Bayern repräsentativ für die Beurteilung landwirtschaftlicher Einträge?

Um zu beurteilen, ob eine Messstelle repräsentativ ist, muss die jeweilige Grundwasserfließrichtung und somit das Einzugsgebiet der Messstelle bekannt sein. Denn Grundwasser ist in Bewegung und weist bestimmte Fließrichtungen auf. Eine Messstelle kann beispielsweise am Rand eines Gewerbegebiets bis zu 100 Prozent landwirtschaftliche Nutzungen repräsentieren, unter denen sich das Grundwasser zuvor gebildet hat und somit auch von diesen beeinflusst wurde.

Musste die Düngeverordnung nur deshalb auf Druck der EU erneut verschärft werden, weil Deutschland die falschen Nitrat-Daten aus einem alten Messnetz an die EU gemeldet hat?

Das alte Nitrat-Messnetz war ein Belastungsmessnetz, das bewusst darauf abgestellt war, möglichst rasch Trends zur Verbesserung der Nitratbelastung im Grundwasser feststellen zu können. Die EU hat Deutschland verklagt, weil dieses Belastungsmessnetz keine sinkenden Trends aufwies und Deutschland trotzdem keine zusätzlichen Aktionsprogramme (= Änderung der Düngeverordnung) in die Wege geleitet hatte. Auch das neue und erweiterte Nitratmessnetz weist weiterhin entsprechende Belastungen auf, die Nitratsituation im Grundwasser hat sich nicht wesentlich geändert.

Die roten Gebiete, das sind die Gebiete mit hohem Nitratgehalt im Grundwasser, sollen viel zu groß sein. Könnte man mit mehr Grundwassermessstellen differenzierter bewerten und kleinere rote Gebiete ausweisen?

Die Vorgaben zur Abgrenzung der roten Gebiete sind das Ergebnis intensiver Zusammenarbeit zwischen Landwirtschafts- und Umweltverwaltung mit Beteiligung der maßgeblichen Verbände und wurden im Januar 2019 in der bayerischen Ausführungsverordnung der Düngeverordnung (AVDüV) festgelegt. Diese setzt die in der Düngeverordnung (DüV = Bundesrecht) vorgegeben Abgrenzungskriterien um.

Die Grundwasserkörper werden gemäß Grundwasserverordnung bewertet und hinsichtlich Nitratbelastung in einen guten oder einen schlechten Zustand eingeteilt. Nach Düngeverordnung müssen rote Gebiete dort ausgewiesen werden, wo Grundwasserkörper in schlechtem Zustand sind.

In den Grundwasserkörpern in schlechtem Zustand für Nitrat wurde eine sogenannte Binnendifferenzierung vorgenommen. Nach Prüfung der Kriterien Grundwasserempfindlichkeit, Nutzungsintensität und Belastung wurden unbelastete Bereiche identifiziert. Mit diesem Schritt wurden in Bayern 10 Prozent der belasteten Flächen als weiße Gebiete zugunsten der Landwirtschaft ausgeklammert. Allerdings weisen auch Grundwasserkörper in gutem Zustand teilweise Nitratmessstellen mit überhöhten Werten auf, sodass dort kleinere rote Gebiete ausgewiesen werden müssten.
Die prozentualen Flächenanteile der derzeitigen Gebietskulisse (= Flächenzuweisung) bezogen auf die Landesfläche Bayerns sind:

  • rote Gebiete 21,0 % (besondere Anforderungen)
  • grüne Gebiete 68,4 % (Erleichterungen)
  • weiße Gebiete 10,6 % (dort gilt die DüV 1:1).

Die für die Einstufung des Grundwasserzustands gemäß Grundwasserverordnung verwendeten Messstellen (WRRL-Messnetz) sind so ausgewählt, dass eine repräsentative und qualitätsgesicherte Übersicht über den chemischen Grundwasserzustand in jedem Grundwasserkörper gegeben ist. Die bisherige Messnetzdichte genügt den EU-Vorgaben (WRRL, Nitratrichtlinie); die geplante Erweiterung geht darüber hinaus. Sie dient der Verfeinerung der Ausweisung der Grundwasserkörper in schlechtem Zustand sowie zur Unterstützung der von der EU-Kommission geforderten zukünftigen Überwachung der Maßnahmenwirksamkeit (Effizienz-Monitoring zur Nitrat-Richtlinie). Künftig wird die Messstellendichte von rund 120 km2 pro Messstelle schrittweise auf rund 50 km2 pro Messstelle erhöht. Aber auch damit ist keine kleinräumige, z.B. auf einzelne Betriebe bezogene Ausweisung der roten Gebiete möglich.

Sind die roten Gebiete zu groß, weil bei der letzten Zustandsbeurteilung der Grundwasserkörper 20 % statt 33 % der Grundwasserkörperfläche als Kriterium angewendet wurden bzw. die falsche Grundwasserverordnung zugrunde lag?

Die Zustandsbeurteilung der Grundwasserkörper erfolgt nach §7 Grundwasserverordnung. Darin wird als ein optionales Kriterium ein sogenanntes Flächenkriterium aufgeführt. Dieses Kriterium ermöglicht, dass ein Grundwasserkörper in einen guten Zustand eingestuft werden kann, wenn an Messstellen ein Schwellenwert überschritten ist. Voraussetzung dafür ist, dass die ermittelte Flächensumme weniger als 20 Prozent der Fläche des Grundwasserkörpers beträgt. Bis zur Neufassung der Grundwasserverordnung im Mai 2017 lag der Wert bei 33 Prozent der Grundwasserkörperfläche.

Die Obergrenze von 20 Prozent wird von der EU-Kommission empfohlen (CIS-Leitfaden Nr. 18) und in Deutschland fachlich seit 2012 als sachgerecht eingeschätzt. In Bayern wird die Zustandsbeurteilung seit 2015 mit diesem Wert durchgeführt.

Werden mit der am 1.Mai 2020 in Kraft getretenen neuen Düngeverordnung die landwirtschaftlichen Erträge in ganz Bayern einbrechen?

Die neue Düngeverordnung lässt in den meisten Gebieten weiterhin eine Düngung von 100 Prozent des berechneten Stickstoffbedarfs zu.
Die Einschränkung der Düngung erfolgt nur in den roten Gebieten, wo zukünftig 20 Prozent weniger Nitrat auf die Flächen ausgebracht werden darf, als der theoretisch berechnete Stickstoffbedarf der Pflanzen zulassen würde und betrifft nur intensiv wirtschaftende Betriebe.