Natur: Nr. 42 / Mittwoch, 19. August 2026
Die Ergebnisse aus zwei Untersuchungsjahren liegen vor
Ein Neubürgerin in Ingolstadt ist die Gemeine Sichelschrecke (Phaneroptera falcata). Sie gehört zur Gruppe der Langfühlerschrecken, wie auf dem Foto deutlich zu sehen ist. (Quelle: Angelika Thuille)+++ Im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) begann im Mai 2024 die Naturschutzfachkartierung in Ingolstadt, jetzt liegen die Ergebnisse vor. Auf ausgewählten Flächen wurde nach seltenen Tieren gesucht. Die Experten haben Rückgänge festgestellt, aber auch Arten neu entdeckt. Die Beobachtungen wurden in eine Datenbank eingegeben und sind vielfältig nutzbar. +++
Ziel der Untersuchung ist eine gute Übersicht über wertvolle Lebensräume und das dazugehörige Arteninventar in der Stadt, um räumliche und fachliche Schwerpunkte zu setzen für weitere Aktivitäten beim Schutz der Artenvielfalt, der Biodiversität und beim Biotopverbund. Hierfür wurden ausgewählte Flächen untersucht, die mindestens für eine der folgenden Tiergruppen wichtig sind: Vögel, Reptilien, Amphibien, Libellen, Tagfalter und Heuschrecken.
Nun liegen wichtige Daten zu fast 270 Lebensräumen und 1.800 Artnachweise vor. Ein Großteil dieser Arten wird in den bayerischen Roten Listen geführt. Damit hat sich der Kenntnisstand zu den untersuchten Artengruppen in der Stadt wesentlich verbessert. Bei einzelnen Arten werden Aussagen zur Bestandsentwicklung möglich: Gelbbauchunke, Kreuz- und Wechselkröte scheinen aus dem Stadtgebiet mittlerweile ganz verschwunden. Etliche Insektenarten konnten nicht mehr nachgewiesen werden, wie der Feldgrashüpfer, die Schmetterlingsarten Blaukernauge und Frühlings-Erebie oder die Gemeine Binsenjungfer, eine kleine Libelle. Bereiche der offenen Feldflur und eine Auswahl an baumbestandenen Lohen, also ehemalige Altwasserarme und vergleichbare Bereiche, wurden auf Vogelarten hin untersucht. Bei der Feldlerche wurden gebietsweise große Unterschiede deutlich. Die höchste Dichte von Brutpaaren fand sich im Bereich zwischen Irgertsheim, Dünzlau und Gerolfing, wo landwirtschaftlich genutzte Wege häufig noch Graswege sind. Im Wiesenbrütergebiet nördlich von Pettenhofen konnten Kiebitz und Braunkehlchen nur noch vereinzelt bestätigt werden.
Neufunde wurden meist von Arten dokumentiert, die sich allgemein in Bayern in Ausbreitung befinden, wie die Gemeine Sichelschrecke oder der Kurzschwänzige Bläuling. Hier gehen die Experten von einem Einfluss der zunehmenden Klimaerwärmung aus, die manche Arten schädigen und andere begünstigen.
Die größte Zahl an besonders wertvollen Lebensräumen findet sich im Bereich der Donauauen mit ihrer Vielfalt an trockenen und feuchten bis nassen Standorten. Im Zuge der Datenauswertung wurde eine Priorisierung der wichtigsten Lebensräume mit dringendem Handlungsbedarf erarbeitet. Dr. Monika Kratzer, Präsidentin des LfU, resümiert: “Wir freuen uns, die Stadt Ingolstadt mit unseren Ergebnissen bei der Planung von Maßnahmen für den Artenschutz, bei der Landschaftspflege und beim gezielten Einsatz von Fördermitteln zu unterstützen.“
Die Ergebnisse der Naturschutzfachkartierung bewertet Ulrike Wittmann-Brand, die als Stadtbaurätin der Stadt Ingolstadt auch für den Bereich Naturschutz zuständig ist, als ein wichtiges Instrument: „Eine zukunftsfähige Stadtentwicklung braucht eine verlässliche Kenntnis wertvoller, natürlicher Lebensräume insbesondere ökologisch sensibler Bereiche. Mit der Naturschutzfachkartierung schaffen wir eine fundierte Grundlage für den aktuell zu erstellenden Landschaftsplan und eine nachhaltige Stadtentwicklung.“
Weiterführende Informationen
Die Naturschutzfachkartierung liefert aktuelle Daten zu bedrohten Tierarten in Landkreisen und kreisfreien Städten. Sie erfasst unter fachlichen Gesichtspunkten ausgewählte Flächen, aktualisiert dort vorhandene Artinformationen und schlägt Schutz- und Pflegemaßnahmen vor. Auflagen zum Schutz oder zur Bewirtschaftung sind nicht mit der Kartierung verbunden. Mögliche Einschränkungen ergeben sich ausschließlich aus bestehenden gesetzlichen Vorgaben. Die Ergebnisse werden zentral in einer landesweiten Datenbank gespeichert, vom LfU bayernweit koordiniert und auf Anfrage für Planungs- und Fördervorhaben bereitgestellt.
Fotos
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