PRESSEMITTEILUNG

Nr. 37 / Donnerstag, 29. Oktober 2015

Gewässerqualität
Bayerische Flüsse und Seen erholen sich spürbar

25 Jahre Versauerungsmonitoring in Bayern

+++ Die Belastungen von Bayerns Flüssen und Seen durch die Versauerung haben in den letzten Jahrzehnten spürbar abgenommen. Diese positive Bilanz zieht Claus Kumutat, Präsident des Landesamtes für Umwelt, anlässlich der Veröffentlichung des Berichts ‘25 Jahre Versauerungsmonitoring in Bayern‘: "Bei 25 von 29 Fließgewässern und bei allen Seen, die beobachtet werden, ist eine Entspannung festzustellen. Wir messen wieder steigende pH-Werte, Aluminium- und Sulfatkonzentrationen nehmen ab." In der Folge kehren auch zuvor verschwundene Arten wieder in die betroffenen Gewässer zurück, wie das Wassergeistchen oder die Mützenschnecke. Zurückzuführen ist diese erfreuliche Entwicklung vor allem auf die rückläufige Deposition von Schwefeldioxiden, nachdem in den 1980er-Jahren emittierende Betriebe mit Abgas-Entschwefelungsanlagen nachgerüstet und Kraftstoffe entschwefelt wurden. Noch gehört das Thema Versauerung nicht der Vergangenheit an. "Vor allem das tiefere Sickerwasser und das Grundwasser reagieren langsamer auf Veränderungen", erklärt Kumutat mit Blick auf die Situation in den geogen bedingt stärker von der Versauerung betroffenen Gebieten im Spessart und der Grenzregion zur Tschechischen Republik. Diese Regionen werden weiterhin regelmäßig überwacht. +++

In Bayern wird seit mehr als 25 Jahren die Entwicklung der atmosphärisch bedingten Versauerung innerhalb aller betroffenen Umweltkompartimente (Boden, Wasser, Luft) durch ein intensives Monitoring überwacht. An einer Vielzahl von Messstellen werden über 15 chemische Parameter und verschiedene biologische Komponenten erfasst.

Der Bericht zum herunterladen
Informationen zum Versauerungsmonitoring

Faktenkasten



  • Schwefel- und Stickstoffkomponenten aus der Luft gelangen durch trockene oder nasse Deposition auf Pflanzen, in Böden und Gewässer. Vor allem aus freigesetzten säurebildenden Schwefel- und Stickstoffverbindungen aus fossilen Energiequellen bildet sich der sogenannte "saure Regen", wodurch sich der Prozess der Boden- und Gewässerversauerung in der Vergangenheit stark beschleunigte.

  • Seit den 1980er-Jahren ist die Schwefeldioxidbelastung der Luft erheblich zurückgegangen, weil Kraftwerke und Industrieanlagen mit Abgas-Entschwefelungsanlagen nachgerüstet und Kraftstoffe entschwefelt wurden.

  • Die versauernde Wirkung der Stickstoff- und Schwefelverbindungen im Boden erfolgte in mehreren Schritten. Die eingetragenen Anionen Sulfat und Nitrat werden zunächst von basischen Kationen wie Kalzium, Magnesium, Kalium und Natrium abgepuffert. Dabei werden diese zusammen mit den Anionen mit dem Sickerwasser aus dem Boden ausgewaschen ("Nitrataustrag"). Sie fehlen daraufhin im Boden als Nährelemente, gleichzeitig wird die Pufferkapazität verringert. Ein weiterer Eintrag von Säure führt zur Versauerung des Bodens und zu niedrigen pH-Werten. Die Folgen davon sind eine veränderte Ionen-Zusammensetzung des Bodens und schlechte Wachstumsbedingungen für die Pflanzen. In noch späteren Stadien der Versauerung werden Säuren und toxische Metalle (z.B. Aluminium) mobilisiert und ins Sickerwasser abgegeben.

  • Bodenversauerung in Bayern

  • Bedingt durch die Auswaschung aus versauerten Böden, steigt die Belastung in Flüssen und Seen. Der Eintrag von Säurebildnern in das Grundwasser erfolgt in der Regel über die Sickerpassage. Änderungen der Belastung zeigen sich hier vergleichsweise spät, entsprechend spät tritt auch die Erholung ein.

  • Die Böden in Bayern sind unterschiedlich säuresensibel. Während die durch Stickstoff- und Schwefelverbindungen freigesetzte Säure in kalkreichen Böden besser abgepuffert werden kann, sind insbesondere die Regionen im Spessart sowie in der Grenzregion zur Tschechischen Republik vom Frankenwald über das Fichtelgebirge, den Oberpfälzer Wald bis zum Bayerischen Wald geogen bedingt stärker von der Versauerung betroffen.

  • Gewässerqualität Flüsse

  • Gewässerkundlicher Dienst Bayern

  • Kartendienst Gewässerbewirtschaftung

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