Fischotter; Foto: Astrid Brillen - piclease

FAQ: Vogelschutz und Windenergienutzung

Fragen- und Antwortkatalog zu unklaren Formulierungen im Bayerischen Windenergie-Erlass (BayWEE) und in der Arbeitshilfe Vogelschutz und Windenergienutzung (Arbeitshilfe Vögel)

Um eine einheitliche Interpretation und Anwendung der im BayWEE und der Arbeitshilfe Vögel des LfU vorgegebenen Anforderungen sicherzustellen, wurden nachfolgend wichtige Diskussionspunkte in einem Fragen- und Antwortkatalog zusammengestellt:

Ist in jedem Fall eine Horstsuche in beiden Prüfbereichen durchzuführen?

Anlage 5 Satz 2 BayWEE:

Hierzu ist es im Rahmen der Prüfbereiche der Anlagen 3 und 4 erforderlich, die Brutplätze und Brutvorkommen der betroffenen Arten zu ermitteln.

Kap. 3.2.1.2 der Arbeitshilfe Vögel:

Eine Raumnutzungsanalyse ist für beide Prüfbereiche durchzuführen.

Der BayWEE gibt in Anlage 5 Satz 2 ebenso wie die Arbeitshilfe des LfU beide Prüfbereiche (engerer und äußerer) als Untersuchungsgegenstand vor. Im BayWEE wird zusätzlich der Fokus der Untersuchungen auf das Umfeld der geplanten Anlagen gelegt (Satz 1). Gleichzeitig sollen aber über den engeren Prüfbereich hinaus Hinweise auf regelmäßige Flugkorridore zwischen Brutplatz und anderen regelmäßigen Aufenthaltsorten wie Nahrungshabitaten einbezogen werden (Satz 4).

Antwort:

Wenn der Naturschutzbehörde Informationen über die Lage von Brutplätzen und Brutvorkommen vorliegen, kann der Untersuchungsumfang bezüglich der Nistplatzsuche wie folgt eingeschränkt werden

  • Vorhandene Neststandorte sind vollumfänglich, beispielsweise durch aktuelle Kartierungen im "engeren" und/oder "äußeren" Prüfbereich bekannt. Eine zusätzliche Nestsuche entfällt. Es werden die Aufenthaltswahrscheinlichkeiten zwischen Neststandort(en) und dem Anlagenstandort im Rahmen einer Raumnutzungsanalyse untersucht.
  • Neststandort(e) werden in den Prüfbereichen vermutet, genaue Standortangaben fehlen.
    Konkrete Hinweise auf Neststandorte müssen durch Nachsuchen verifiziert werden. Störungen während der Brut- und Aufzuchtzeit sind dabei zu vermeiden. Die Suche nach Neststandorten kann auch in der vegetationslosen Zeit vor der Raumnutzungsanalyse erfolgen. Eine Raumnutzungsanalyse kann neben der Ermittlung von Aufenthaltswahrscheinlichkeiten Neststandorte bestätigen oder ergänzen.
  • Sollte der Standort eines Nestes im Rahmen einer Nestsuche nicht punktgenau bestimmbar oder die Nestsuche wegen der Gefahr von Störungen nicht vertretbar sein, wird das Revierzentrum (ggf. aus Daten der Raumnutzungsanalyse) als Mittelpunkt von möglichst genau verorteten Beobachtungen innerhalb eines Kreisdurchmessers von 300m gutachterlich festgelegt.

Wenn die Raumnutzungsanalyse ergibt, dass der "engere" Prüfbereich nicht beflogen oder der Gefahrenbereich (250m) um den Anlagenstandort gemieden oder selten überflogen wird, ist keine nachträgliche Nestsuche veranlasst.

Trifft die Aussage aus dem VGH-Beschluss vom 27.11.2017 (AZ: 22 CS 17.1574) "… haben … alle Beobachtungszeiten unberücksichtigt zu bleiben, die auf die beiden Stunden zwischen 12:00 Uhr und 14:00 Uhr entfielen." nach Meinung des LfU zu?

Anlage 5 Sätze 14 und 15 BayWEE:

Die Beobachtungszeiten richten sich nach den täglichen Hauptaktivitätszeiten der untersuchten Arten. Sie können an den frühen Vormittags- oder Nachmittagsstunden durchgeführt werden oder unter Aussparung der Mittagszeit, 12:00 Uhr bis 14:00 Uhr, auf Vor- und Nachmittag verteilt werden.

Kap. 3.2.1.2 der Arbeitshilfe Vögel:

Für die Nachvollziehbarkeit der durchgeführten Untersuchungen werden die Daten wie in den Tabellen 1 und 2 gezeigt aufgezeichnet.

Antwort:

Erfahrungen haben gezeigt, dass Vögel während der Mittagszeit in der Regel eine reduzierte Aktivität aufweisen. Deshalb wurde im BayWEE 2016 vorgeschlagen, die gesamte Beobachtungszeit (6 Stunden pro Beobachtungstag) auch auf die Vor- und Nachmittagsstunden mit einer Pause um die Mittagszeit aufteilen zu können.
Da "Die beste Tageszeit für Beobachtungen … stark abhängig von den Witterungsbedingungen" (Arbeitshilfe Vögel, S. 23 Absatz 1) ist, können auch während der Mittagszeit gute Flugbedingungen herrschen. In solchen Fällen sollten die guten Flugbedingungen genau dokumentiert werden, um Abweichungen von der Arbeitshilfe Vögel plausibel zu machen und fachlich zu begründen.

Was ist unter "besonders konfliktträchtigen Gebieten" zu verstehen?

Anlage 5 Satz 12 BayWEE:

Ein Umfang von 18 Untersuchungstagen wird im Regelfall als ausreichend erachtet, in besonders konfliktträchtigen Gebieten mit mehreren kollisionsgefährdeten oder schwer zu untersuchenden Arten (Vorbetrachtungen in einem Scoping-Termin) sollte die Zahl der Untersuchungstage auf 25 erhöht werden.

Antwort:

Der Begriff wird im BayWEE durch den Zusatz "mit mehreren kollisionsgefährdeten oder schwer zu untersuchenden Arten" näher erläutert. Die angegebenen Untersuchungstage sind als Minimum zu verstehen.

Wie geht man mit Beobachtungszeiten um, die nicht die geforderte Mindestzeit umfassen? Beispielsweise wenn die Beobachtungen wegen schlechtem Wetter abgebrochen werden müssen.

Anlage 5 Satz 13 BayWEE:

Die Beobachtungsdauer sollte mindestens sechs Stunden pro Tag umfassen.

Antwort:

Die vom BayWEE festgelegte Beobachtungsdauer von sechs Stunden pro Tag ist bindend. Bei geringen Defiziten unter 30 Minuten können diese an einen anderen Beobachtungstag angehängt werden. Größere Defizite müssen durch zusätzliche Beobachtungstage aufgefangen werden. Zu beachten ist, dass zusätzliche Beobachtungszeiten nicht in Phasen reduzierter Aktivität der Vögel fallen. Auf eine genaue Dokumentation wie in Tab. 1 (Beschreibung der Untersuchungstage) der Arbeitshilfe Vögel vorgesehen, ist unerlässlich.

Was ist unter den Formulierungen des BayWEE bzw. der Arbeitshilfe Vögel mit warm und sonnig genau zu verstehen?

Anlage 5 Satz 16 BayWEE:

Sie müssen bei guten Beobachtungsbedingungen, also an warmen Tagen mit guten Thermik-/Flugbedingungen stattfinden.

Anlage 1 Kartierhinweise der Arbeitshilfe Vögel:

In den Kartierhinweisen wird insbesondere bei Arten, die Thermik nutzen wie Rotmilan, Schwarzstorch und Wespenbussard, darauf verwiesen, was unter besonders günstige Beobachtungsbedingungen zu verstehen ist. Hierbei werden Formulierungen wie "warm, sonnig, leicht windig" benutzt, um zu verdeutlichen unter welchen Bedingungen Thermik bzw. Wind den Vögeln das Aufkreisen und Fliegen erleichtern.

Antwort:

"warm und sonnig" kann eigentlich wegfallen, wichtig ist Thermik oder Wind. Die Begriffe warm oder sonnig beziehen sich auf die Ausbildung günstiger Witterungsbedingungen, bei denen von normaler Aktivität der Vögel auszugehen ist. Die Intensität von Thermik wird u.a. durch die Sonneneinstrahlung begünstigt. Im Frühjahr kann sich Thermik aber auch schon bei relativ geringen Umgebungstemperarturen entwickeln, weil die Differenz von wärmeren und kälteren Luftmassen groß genug ist. Es müssen also nicht sommerlich warme, sonnige Verhältnisse herrschen, sondern der Jahreszeit angemessene Wetterbedingungen. Auch horizontale Luftströmungen wie windige Bedingungen können die Flugaktivitäten von Vögeln positiv beeinflussen.

Eine wichtige Voraussetzung für den Nachweis, ob eine saP bei ausreichend guten Witterungsbedingungen durchgeführt wurde, ist die Dokumentation der Beobachtungsbedingungen, wie sie in Tab. 1 (Beschreibung der Untersuchungstage) der Arbeitshilfe Vögel dargestellt ist.