Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Schwarzkopfmöwe (Larus melanocephalus)

Rote Liste Bayern: Extrem seltene Arten und Arten mit geografischer Restriktion
Rote Liste Deutschland:
Erhaltungszustand Kontinental: In Bezug auf Status Brutvorkommen: ungünstig/unzureichend
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Die Schwarzkopfmöwe besitzt ihren Verbreitungsschwerpunkt an der nördlichen Schwarzmeerküste mit Ausläufern bis Aserbaidschan, in den Mittelmeerraum und Ausbreitungstendenzen nach Mitteleuropa bis an die Kanalküste. -- In Bayern brütet Larus melanocephalus (Temminck 1820).

Die Schwarzkopfmöwe brütet in Bayern sehr lokal an wenigen Brutplätzen. Das Brutareal hat sich seit der Kartierung 1996-1999

kaum verändert. Brutvorkommen finden sich an den großen oberbayerischen Seen, im Donautal, am Ismaninger Speichersee und am Unteren Inn sowie im Rötelseeweihergebiet.

Das nach wie vor größte Vorkommen befindet sich am Altmühlsee, wobei diese Population seit Ende der 1990er Jahre tendenziell rückläufig zu sein scheint. 1998 wurden 26 Brutpaare gezählt, 2009 noch zwölf.

Der bayerische Bestand blieb gegenüber dem Erfassungszeitraum 1996-99 nahezu unverändert. Seit dem ersten bayerischen Brutnachweis im Jahr 1980 hat sich die Schwarzkopfmöwe ausgebreitet und im Bestand zugenommen. Entgegen den Erwartungen konnte sich dieser Trend in jüngerer Zeit in Bayern nicht fortsetzen.

Brutbestand BY: 30-40 Brutpaare.

Fundortkarte

Schwarzkopfmöwe (Larus melanocephalus)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5832 Lichtenfels
5929 Haßfurt
6326 Ochsenfurt
6330 Uehlfeld
6331 Röttenbach
6629 Ansbach Nord
6741 Cham West
6742 Cham Ost
6830 Gunzenhausen
6831 Spalt
6841 Roding
6930 Heidenheim
6931 Weißenburg i.Bay.
7041 Münster
7340 Dingolfing West
7527 Günzburg
7626 Ulm-Südost (Neu-Ulm)
7637 Erding
7645 Rotthalmünster
7736 Ismaning
7745 Rotthalmünster Süd
7942 Tittmoning
8032 Dießen a.Ammersee
8040 Eggstätt
8133 Seeshaupt
8140 Prien a.Chiemsee
8141 Traunstein
8328 Nesselwang West
8333 Murnau a.Staffelsee
8334 Kochel a.See
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Die Schwarzkopfmöwe besiedelt fast ausschließlich stehende Gewässer, vornehmlich Seen oder Stauseen und Teichgebiete. Voraussetzung ist bis jetzt die Existenz einer Lachmöwenkolonie, sodass für die Brutplätze alle bei der Lachmöwe genannten Bedingungen gelten: auf schwer zugänglichen Inseln mit niedriger Vegetation oder am Außenrand von Verlandungszonen.

Phänologie

Sehr seltener Brutvogel, Durchzügler, Kurzstreckenzieher.

Wanderungen: Heimzug MRZ/APR, Wegzug ab JUL/AUG; die ersten Vögel erscheinen Ende FEB, die letzten bleiben teils bis NOV.

Brut: Bodenbrüter, Nest an leicht erhöhten, trockenen Stellen mit niedriger Vegetation, meist in Lachmöwen-Kolonien; Eiablage ab Anfang MAI, Hauptlegezeit Mitte/Ende MAI. -- Brutzeit: MAI bis JUL.

Tagesperiodik: Tag- und dämmerungsaktiv.


Brutzeit-Diagramm
Dunkle Sektorenfarbe weist auf die Hauptbrutzeit der Art in Bayern hin.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Die Schwarzkopfmöwe ist in Bayern stark gefährdet. Sie ist sehr selten und in ihrem Vorkommen auf wenige Orte begrenzt.

In bestehenden Kolonien müssen die Möwen ungestört bleiben, da Störungen intraspezifische Aggressionen fördern. So wird der Bruterfolg der wenigen Paare Schwarzkopfmöwen in Frage gestellt, besonders für Paare, die am Kolonierand brüten.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Erhaltung und Entwicklung von störungsfreien, vegetationsarmen Inseln und Verlandungsbereichen an Stillgewässern (z.B. Abgrabungsgewässer).

Vermeidung von Störungen an den Brutplätzen (Mitte APR bis JUL) (u.a. Lenkung der Freizeitnutzung im Bereich der Brutkolonien).

Bei Windenergienanlagen: Prüfbereich von 1.000 m um bekannte Neststandorte; Prüfbereich von 4.000 m für regelmäßig aufgesuchte Nahrungshabitate um geplante Windenergienanlagen, innerhalb derer zu prüfen ist, ob und in welchem Umfang die Zugriffsverbote nach § 44 Abs. 1 BNatschG erfüllt sind.

Sonstige Hinweise

Bedeutende Gewässer für die Schwarzkopfmöwe:

Nach aktuellen Daten von Wetlands International 2006, die Gebiete können sich bei neuer Datengrundlage ändern.

Brut:

Internationale Bedeutung:> 23 Ind.-

Nationale Bedeutung:> 3 Ind.Altmühlsee, Inn: Stausee Egglfing-Obernberg.

Landesweite Bedeutung:> 1 Ind. Donau: km 2246-2405, Rötelseeweiher u. angrenz. Regenfluß, Schwäbisches Donaumoos.

Ergänzende Informationen

Wahl, J., S. Garthe, T. Heinicke, W. Knief, B. Petersen, C. Sudfeldt & P. Südbeck 2007: Anwendung des internationalen 1%-Kriteriums für wandernde Wasservogelarten in Deutschland. Ber. Vogelschutz 44: 83-105.

Wahl, J. & T. Heinicke 2013: Aktualisierung der Schwellenwerte zur Anwendung des internationalen 1%-Kriteriums für wandernde Wasservogelarten in Deutschland. Ber. Vogelschutz 49/50: 85-97.

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