Artentransfer durch Übertragungsverfahren

Übertragung ganzer Lebensgemeinschaften – die erste Wahl, um zu artenreichen Wiesen zu gelangen

Das Bild zeigt einen blühenden Magerrasen mit einer Infotafel im Vordergrund Mit Mähgutübertrag angelegte artenreiche Wiese; Foto: Herwig Hadatsch

Ein ökologischer und der naturschutzfachlich beste Weg ist es, in der Nähe des Ausbringungsortes von artenreichen Spenderflächen "Naturgemische" zu gewinnen und diese auf die Zielfläche zu übertragen (Arten-Transfer durch Übertragverfahren). Diese Übertragverfahren wie beispielsweise Mähgutübertragung oder Ansaat mit ausgebürsteten Samenmaterial sind aus naturschutzfachlicher Sicht optimal. Die Übertragungsverfahren ermöglichen es, artenreiche Wiesen in der für das Gebiet typischen Artausstattung mit gebietseigenen, lokal angepassten Herkünften wiederherzustellen. Dabei bleibt das regionale genetische Erbe der Wiesengesellschaften erhalten. Diese optimale Anpassung an das lokale Kleinklima, typische Konkurrenzverhältnisse und die jeweilige Bodensituation wirkt sich auch positiv auf die Wuchsleistung sowie einem großen Blühangebot der Wiesenarten und somit einer bestmöglichen Vielfalt von darin lebenden Insekten aus. So werden auch die Erfolgschancen von Renaturierungsmaßnahmen verbessert.

Je nach Verfahren werden dabei sogar Teile der an den jeweiligen Wiesentyp angepassten Tierwelt mit übertragen – in Form von lebenden Tieren, deren Larven oder von Ruhestadien. Es entstehen so in kurzer Zeit stabile Lebensgemeinschaften, die an die verschiedenen Nutzungen und Klimavorrausetzungen optimal angepasst sind und sich so auch an zukünftige Klimaveränderungen leichter anpassen können.

Für die Bereitstellung von Naturgemischen stehen verschiedene mechanische Beerntungsverfahren zur Verfügung. Es gibt die Möglichkeit samenreife Spenderflächen zu mähen, zu dreschen, die Samen auszubürsten, abzusaugen oder auch auszurechen.

Ein weiterer Vorteil der Übertragungsverfahren liegt darin, dass die Wertschöpfung der Maßnahmen in der Region verbleibt sowie das Wissen und das Bewusstsein über Zusammenhänge und Besonderheiten von artenreichen Wiesen gestärkt wird. Dies stärkt die regionale Identität und Akzeptanz von Naturschutz und Landschaftspflege. Außerdem können traditionelle landwirtschaftliche Techniken der Heugewinnung und Lebensraumverbesserung erhalten und Landwirten zusätzliche Verdienstmöglichkeiten geschaffen werden.

Der optimale Erntezeitpunkt

Wichtig für Übertrag-Verfahren ist der Erntezeitpunkt, da das Samenangebot bei der Beerntung der Spenderfläche auf den ausgereiften Anteil begrenzt ist. Eine mindestens zweifache Beerntung zu verschiedenen Zeitpunkten sollte in Betracht gezogen werden, da nur so ein vollständiges Artenspektrum übertragen wird. Dabei sollte jedoch jeweils nur ein Teil der Fläche beerntet werden, um die Spenderfläche zu schonen. Je nach Zielsetzung kann es sinnvoll sein, besondere Charakterarten zudem durch Handsammlung – zum jeweiligen Reifezeitpunkt – zu übertragen.

Die Keimfähigkeit der Samen muss für einen erfolgreichen Übertrag erhalten bleiben. Es besteht ein kurzes Zeitfenster um den gesamten Prozess beginnend mit der Saatgutgewinnung bis hin zur Wiederausbringung durchzuführen. Je nach Verfahren sind es teilweise nur wenige Stunden, bevor vor allem die enthaltenen Tiere abzusterben beginnen.

Für die Bereitstellung von Naturgemischen stehen verschiedene mechanische Beerntungsverfahren zur Verfügung. Es gibt die Möglichkeit samenreife Spenderflächen zu mähen, zu dreschen, die Samen auszubürsten, abzusaugen oder auch auszurechen.

Wichtig ist eine gute Dokumentation und Verwaltung von Spender- und auch der Empfängerflächen, um eine Überbeerntung der Spenderflächen zu vermeiden und um auch nach mehreren Jahren noch feststellen zu können, wie welche Wiese entstanden ist.