Im Folgenden sind die einzelnen Arbeitsschritte der Fachplanung (F) sowie der Kommunikation (K), die eng ineinandergreifen, beschrieben.

  • F

    Orientierung

    Zu Beginn des Landschaftsplanungsprozess geht es darum, Bedürfnisse der Gemeinde zu verstehen und die Anforde-rungen für die Zukunft zu identifizieren. Diese grundlegende Orientierung schafft die Grundlage für die weiteren Schritte im Planungsprozess. Höhenkirchen-Siegertsbrunn hat hierbei erkannt, dass es Unterstützung bei den komplexen, anstehenden Entscheidungen zur Flächennutzung braucht.

    Das System der Ökosystemleistungen hat sich dabei als ideale Lösung herausgestellt. Es ermöglicht, die Natur und die Landschaft in ihrer Gesamtheit zu betrachten - nicht nur aus ökologischer Sicht, sondern auch unter sozialen und wirtschaftlichen Aspekten. Zudem lässt es sich gut messen und quantifizieren. Dies hilft, klare, fundierte und vergleichbare Entscheidungen im nachfolgenden Fortschreibungsverfahren des Flächennutzungsplans zu treffen.

    Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage für die Vergabe des Fachmoduls an ein Planungsbüro.

  • K

    Lebendige Beteiligungskultur

    Von der Spielplatzumfrage bis zum Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK), vom Infoabend zu Bebauungsplänen bis zur Bürgerbeteiligungs-App: In Höhenkirchen-Siegertsbrunn wird Beteiligung aktiv gelebt.

    Daher war klar: Die Bedeutung des Landschaftsplans und der Ökosystemleistungen durch Top-Down-Kommunikation herauszustellen würde nicht ausreichen. Vielmehr war ein Beteiligungsprozess selbstverständlich, der von Anfang an die Ziele und Vorhaben transparent machen und Chancen zur aktiven Mitwirkung eröffnen würde.

    Über verschiedene Beteiligungsformate wurden deshalb meinungsprägende Personen und Gruppen – etwa die Arbeitskreise der Zukunftswerkstatt, die Gemeinderatsmitglieder und die Landwirte – sowie alle Bürgerinnen und Bürger in die Entwicklung des Landschaftsplans und der Ökosystemleistungen eingebunden und informiert.

  • K

    Auftaktworkshop

    Bereits während der Analyse- und Vorbereitungsphasen der einzelnen Planungen wurde die Bevölkerung über die – analogen und digitalen – Informationskanäle der Gemeinde regelmäßig über die Bedeutung des Landschaftsplans und die Definition von Ökosystemleistungen informiert.

    Den Auftakt der eigentlichen Beteiligung bildete dann ein Workshop zum Landschaftsplan. Hier wurde die künftige Nutzung von Flächen diskutiert, insbesondere mit Blick auf die Themen Schutz von Natur und Artenvielfalt, Freizeitangebote und Flächen für Energieerzeugung.

    Die anwesenden Bürgerinnen und Bürger, darunter zahlreiche Landwirte sowie Vertreter der Zukunftswerkstatt, brachten Wünsche, Anregungen und Ideen ein, auch kontroverse Meinungen und Bedenken wurden konstruktiv diskutiert. Diese bilden eine Grundlage für den weiteren Prozess.

  • F

    Vorauswahl der Ökosystemleistungen

    In einem ersten Schritt wurde die vorhandene Datenlage der Gemeinde unter Einbeziehung des parallel laufenden Landschaftsplanungsprozesses gesichtet. Diese Analyse diente als Grundlage für die Identifikation relevanter Ökosystemleistungen. Anschließend wurde mit der Gemeinde eine Liste potenzieller Ökosystemleistungen geprüft. Hierbei wurde bewertet, welche Daten nutzbar sind und ob entsprechende Indikatoren in einem brauchbaren Planungsmaßstab zur Verfügung stehen, um die Auswirkungen verschiedener Nutzungsoptionen transparent darzustellen. Basierend auf dieser Analyse wurden sechs für die Gemeinde relevante Ökosystemleistungen ermittelt.

    Die abschließende Entscheidung zur Auswahl der Ökosystemleistungen traf der Gemeinderat nach Abwägung aller Faktoren per Beschlussfassung. Ausgewählt wurden folgende Ökosystemleistungen: Versorgung mit Nahrung, Regulierung des lokalen Klimas, CO2-Speicherung, Wasserrückhalt, Lebensraum Pflanzen und Tiere sowie Erholung in der freien Natur.

  • K

    Austausch vor Ort

    Mehrere Exkursionen mit Bürgerinnen, Bürgern und Fachplanern ermöglichten einen intensiven Austausch vor Ort, insbesondere zu Aspekten wie der Biodiversität von Wald- und Feldrändern. Auch Konflikte zwischen landwirtschaftlicher und Freizeit-Nutzung wurden dabei deutlich und erste Lösungsansätze, wie Besucherführung, Beschilderungen und Aufklärungskampagnen für die Bürgerschaft konnten besprochen werden.

  • K

    Mitwirken der Gremien

    Welche Ökosystemleistungen sind relevant für Höhenkirchen-Siegertsbrunn und die Landschaftsplanung? Um dies transparent und auf breiter Basis zu entscheiden, wurde eine von Fachplanern und Gemeinde getroffene Vorauswahl sowohl dem Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss als auch dem Gemeinderat vorgestellt. Als Ergebnis der Beratungen konnte die Auswahl leicht angepasst werden und berücksichtigt auch die von den Gremien als bedeutend erachtete Wasserretention.

    Die so abgestimmten Leistungen decken die Kategorien Versorgung, Regulierung und Kultur ab und sind für Höhenkirchen-Siegertsbrunn relevant, weil sie in Wirkbeziehungen zu vorgesehenen Flächennutzungstypen wie Siedlung und Gewerbe, Erholungsflächen, Biotopverbund oder Freiflächen-Photovoltaikanlagen stehen.

  • F

    Erfassung des Ökosystemleistungsangebots

    Für jede Ökosystemleistung wurde mindestens ein Indikator erarbeitet, über den das Ökosystemleistungsangebot quantifiziert wird. Ein anschauliches Beispiel ist die CO2-Bindung in Abhängigkeit vom Zustand des Bodens und dem Vegetationstyp. Je größer der Humusgehalt im Oberboden ist, desto mehr Kohlenstoff wird gespeichert. Zudem beeinflusst die Vegetation, wie Grünland, Acker, Laub– oder Nadelwald, die Höhe der CO₂-Speicherung.

    Durch die Überlagerung von Humusgehalt und Vegetationstyp kann das Potenzial an CO₂-Bindung flächenbezogen ermittelt und in einer Karte anschaulich dargestellt werden.

  • F

    Wirkanalyse und Flächenbewertung

    Für die Wirkanalyse wurden von der Gemeinde konkrete Flächenumgriffe abgegrenzt und eine Auswahl von Flächennutzungen getroffen, die in diesen Gebieten infrage kommen. Die Wirkanalyse soll aufzeigen, wie die Ökosystemleistungen (ÖSL) bestmöglich erhalten werden können. Der Vergleich der ÖSL erfolgt über spezifische Indikatoren, die jede Leistung messbar und bewertbar machen. Die entstehenden Teilindizes werden gewichtet und zusammengeführt, um einen Gesamtindex zu erhalten.

    Teilschritte zur Erfassung und Bewertung der ausgewählten Ökosystemleistungen: Bestandserfassung, Teilindexermittlung, Gesamtindexermittlung Grafik: ifuplan Institut für Umweltplanung und Raumentwicklung GmbH & Co. KG
  • F

    Anwendung bei der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes (FNP)

    Der Gesamtindex der ÖSL ermöglicht, die ökologischen Auswirkungen geplanter Nutzungsänderungen im FNP zu bewerten. Durch den Vergleich von Flächenalternativen können Standortentscheidungen optimiert und dadurch eine nachhaltige Raumplanung gefördert werden.

    Durch die Berücksichtigung von Teilindizes, etwa für CO2-Speicherung oder Wasserretention, lassen sich gezielt Flächen identifizieren, deren ökologische Funktion für die Gemeinde von besonderer Bedeutung ist.

    Darüber hinaus kann die Struktur und Ausgestaltung von geplanten Nutzungsänderungen analysiert werden. Es macht beispielsweise einen Unterschied, ob ein geplantes Gewerbegebiet zu 60% oder zu 80% versiegelt wird.

    Mit Hilfe der ÖSL kann der Gemeinderat eine fundierte Abwägung zwischen ökonomischen Interessen und Umweltbelangen treffen und so gezielt Prioritäten für Standorte setzen, die den Bedürfnissen der Gemeinde am besten entsprechen.