Fischotter; Foto: Astrid Brillen - piclease

Gebietseigene Gehölze und gebietseigenes Saatgut

Außenanlage des Bayerischen Landesamtes für Umwelt in Augsburg. Dargestellt sind Teile des Gebäudes und der Grünanlage. Bild vergrößern Die Pflanzbereiche der Außenanlagen des LfU in Augsburg wurden mit gebietseigenem Saatgut, also mit aus örtlichen Herkünften stammendem Saatgut angesät; Foto: LfU

Gebietseigene Gehölze und gebietseigenes Saatgut, oft auch als autochthon oder gebietsheimisch bezeichnet, haben sich in einem bestimmten Naturraum über einen langen Zeitraum in vielen Generationsfolgen vermehrt. Abhängig von Klima, Höhenlage, Sonneneinstrahlung und den Bodenverhältnissen erwarben dieselben Arten in verschiedenen Naturräumen eine voneinander abweichende, regionaltypische genetische Ausstattung. Diese hat auch Einfluss auf Lebensgemeinschaften anderer Organismen z.B. Nektar sammelnde und bestäubende Insekten.

Der Schutz der biologischen Vielfalt umfasst auch diese genetische Vielfalt innerhalb der Arten. Nach § 40 BNatSchG sollen daher in der freien Natur Gehölze und Saatgut vorzugsweise nur innerhalb ihrer Vorkommensgebiete ausgebracht werden, d.h. es sollen Pflanzen verwendet werden, die ihren genetischen Ursprung in dem entsprechenden Gebiet haben (gebietseigene Herkünfte). Ab dem 02.03.2020 besteht ein Genehmigungserfordernis für das Ausbringen von Gehölzen und Saatgut außerhalb ihrer Vorkommensgebiete in der freien Natur.

Was verbirgt sich hinter den Fachbegriffen und unbestimmten Rechtsbegriffen?

  • freie Natur
    Gebiete ohne zusammenhängende Bebauung inklusive Bahnhöfe oder auch Sportanlagen. Allerdings kann es auch freie Natur innerhalb von Ortschaften geben, die aus größeren Freiflächen wie beispielsweise Parkanlagen oder Stadtwälder bestehen, die von ihrem natürlichen Erscheinungsbild entscheidend geprägt sind. Davon ausgenommen sind gärtnerisch genutzte Flächen.
  • gebietseigene Gehölze
    Gebietseigen werden Gehölze dann genannt, wenn sie sich in einem bestimmten Naturraum in vielen Generationsfolgen vermehrt haben.
  • gebietseigenes Saatgut
    Bei gebietseigenem Saatgut handelt es sich um Wildformen von hauptsächlich Gräsern und Kräutern aus definierten Herkunftsgebieten.
  • autochthon
    Der Begriff "autochthon" stammt aus dem griechischen und steht für "alteingesessen", "bodenständig", "am Ort entstanden". Gemeint sind an Ort und Stelle spontan entstandene Pflanzen. Da dies in Mitteleuropa aufgrund der nacheiszeitlichen Einwanderung von Arten oft ungenau und schwer zu sagen ist, hat sich bei Anpflanzungsmaßnahmen mittlerweile der leichter abzugrenzende Begriff "gebietseigen" eingebürgert.