Fischotter; Foto: Astrid Brillen - piclease

Gebietseigene Gehölze

Gehölze, die sich in einem bestimmten Naturraum in vielen Generationsfolgen vermehrt haben, konnten sich optimal auf die regionalen Bedingungen des Klimas und der Umwelt einstellen. Sie können sich besser an wandelnde Umweltbedingungen anpassen als Pflanzen derselben Art anderer Gebiete.

grüne Blüte des Schneeballs Samenstand des Wolligen Schneeballs (Viburnum lantana); Foto: Rüdiger Urban

Das bedeutet, dass sich die gleiche Gehölzart in verschiedenen Naturräumen spezialisiert hat und sie sich daher genetisch unterscheiden kann. Somit hat sich neben einer entsprechenden Artenvielfalt einzelner Regionen auch eine große innerartliche Vielfalt herausgebildet, die es zu schützen gilt. Diese hat auch Einfluss auf Lebensgemeinschaften anderer Organismen z.B. Nektar sammelnde und bestäubende Insekten.

Das Bundesnaturschutzgesetz regelt seit 2008, dass in der freien Natur gebietseigene Gehölze gepflanzt werden sollen. Ab dem 02.03.2020 besteht eine Genehmigungspflicht für die Pflanzung gebietsfremder Arten (§ 40 BNatSchG). Spätestens dann dürfen in Bayern bei Bauvorhaben, der Neuanlage von Biotopen oder bei der Flurneuordnung nur noch Pflanzen verwendet werden, die aus Saatgut hervorgegangen sind, das in einem der sieben bayerischen Vorkommensgebiete gewonnen wurde.

Die Gebietsfestlegungen für Bayern erfolgten entsprechend der Empfehlungen des Leitfadens, der 2012 vom Bundesministerium für Umwelt, Gesundheit und Reaktorsicherheit herausgegeben wurde.

Aufgrund der erheblichen naturräumlichen Unterschiede wurden durch das LfU 7 Vorkommensgebiete, die bei der Umsetzung des § 40 BNatSchG in Bayern zu beachten sind, festgelegt:

  • Vorkommensgebiet 3 "Südostdeutsches Hügel- und Bergland"
  • Vorkommensgebiet 4 "Westdeutsches Bergland und Oberrheingraben"
    4.1 Westdeutsches Bergland, Spessart-Rhön-Region
    4.2 Oberrheingraben
  • Vorkommensgebiet 5 "Schwarzwald, Württembergisch-Fränkisches Hügelland und Schwäbisch-Fränkische Alb"
    5.1 Süddeutsches Hügel- und Bergland, Fränkische Platten und Mittelfränkisches Becken
    5.2 Schwäbische und Fränkische Alb
  • Vorkommensgebiet 6 "Alpen und Alpenvorland"
    6.1 Alpenvorland
    6.2 Alpen

'Bayernkarte der Vorkommensgebiete Aufteilung der Vorkommensgebiete für Gebietseigene Gehölze in Bayern

Die Vorkommensgebiete für gebietseigene Gehölzbestände finden ausschließlich für Baumarten und Sträucher Anwendung, die nicht dem Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG) unterliegen. Für alle dem FoVG unterliegenden Baumarten erstreckt sich der Anwendungsbereich der forstlichen Herkunftsgebiete auch auf Pflanzenteile und Pflanzgut, die nicht für forstliche Zwecke bestimmt sind. Bei diesen Forstbaumarten sind zur Konkretisierung des Begriffs "gebietseigen" die Herkunftsgebiete nach der Forstvermehrungsgut-Herkunftgebietsverordnung (FoVHgH) zu verwenden.

Im Auftrag des Bayerischen Landesamts für Umwelt wurden in ganz Bayern in den Jahren 2016/17 Erntebestände für 36 Gehölzarten kartiert. Bestände, die für eine Ernte von Saatgut infrage kommen, werden in das Register für gebietseigene Gehölze (GEG) eingetragen. Dieses Register ist ähnlich dem Erntezulassungsregister Forst (EZR), das für die Nachzucht von Waldbäumen gemäß Forstvermehrungsgutgesetz die Herkunftsnachweise dokumentiert. Beide Register sind technisch in der Internetplattform Erntezulassungsregister/Gebietseigene Gehölze abrufbar.

rote Knospe einer Hagebutte Die für Rosen typischen Samenstände – Hagebutten – der Keilblättrigen Rose (Rosa elliptica); Foto: Rüdiger Urban

Diese Plattform wird gemeinsam mit anderen Bundesländern betrieben. Im GEG können nun die geeigneten Saatgutbestände beispielsweise von Baumschulen eingesehen werden, die spezielle Gehölze zur Beerntung suchen. Für den Zugang zu diesem Ernteregister ist eine einmalige Registrierung erforderlich. Zugangsberechtigt sind Behörden, die mit dem Thema befasst sind, sowie Baumschulen und Mitglieder von Erzeugerverbänden zu gebietseigenen Gehölzen.

Bei der Wahl der Arten wurden hauptsächlich Gehölze ausgewählt, die überwiegend bei Ausschreibungen für Pflanzungen in der freien Natur verwendet werden. Endemische Baumarten mit nur sehr kleinem Verbreitungsgebiet wie beispielsweise Kleinarten der Mehlbeere (Sorbus aria) werden als gebietseigenes Pflanzgut nicht berücksichtigt. Bei seltenen Baumarten wie Wildapfel (Malus sylvatica) oder Wildbirne (Pyrus pyraster) ist zu beachten, dass diese rein morphologisch nur sehr schwer von Kulturarten abzugrenzen sind und bei unbekannten Beständen eine genetische Untersuchung empfohlen wird.

Daten

Prüfschema mit Erläuterungen zum Download

Zielarten zum Download

Shapes zum Download

Karten zum Download

Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr (StMB) hat Ausschreibungshinweise zur "Verwendung von Gehölzen und Saatgut gebietseigener Herkünfte in der freien Natur nach § 40 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG)" veröffentlicht: