Wildbienen in Dörfern

Wildbienen sind unverzichtbar für Mensch und Natur. Sie bestäuben Wild- und Nutzpflanzen, sorgen für eine natürliche Schädlingsregulation und dienen anderen Tieren als Nahrungsquelle. Doch über die Hälfte der rund 520 bayerischen Wildbienenarten gelten in Bayern als gefährdet. Der Rückgang der Wildbienen steht in direktem Zusammenhang mit dem Verlust ihrer Lebensräume. Welchen Beitrag Dörfer und Kommunen für den Erhalt und die Verbesserung der Wildbienen-Lebensräume leisten können, untersucht das BioZ gemeinsam mit der Julius-Maximilians-Universität Würzburg im Projekt "Wildbienen in Dörfern".

Nistloch in Totholz. Nest einer Blauschwarzen Holzbiene (Xylocopa violacea) in Totholz

Lebensweise von Wildbienen

Im Gegensatz zu Honigbienen leben die meisten Wildbienenarten solitär. Das heißt, jedes Weibchen kümmert sich um ihr eigenes Nest und versorgt ihre Nachkommen ohne die Hilfe von Artgenossen. Dabei nisten knapp zwei Drittel der Wildbienenarten in selbstgegrabenen Gängen im Boden. Die restlichen Arten nisten oberirdisch und nutzen bereits vorhandene Hohlräume wie Mauerritzen und kleine Spalten am Haus oder nagen sich selbst ihre Gänge in markhaltige Stängel oder ins Totholz hinein.

Was Wildbienen brauchen

Das Überleben und die Fortpflanzung von Wildbienen hängt nicht von einem einzelnen Lebensraumtyp ab. Entscheidend ist vielmehr die Verfügbarkeit von Nistplätzen und Nahrungsrevieren in räumlicher Nähe zueinander und die Vernetzung dieser Teillebensräume. Denn Bienen müssen den an Pflanzen gesammelten Pollen regelmäßig zu ihrem Nest zurückbringen, um ihre Brut zu versorgen. Der Aktionsradius der meisten Bienenweibchen bei diesen Versorgungsflügen beschränkt sich auf deutlich unter 1.000 Meter. Lediglich Hummeln, die auch zu den Wildbienen gehören, legen auf ihren Sammelflügen weitere Strecken zurück. Sofern dieser zweigeteilte Bedarf an Nistplätzen und Nahrungspflanzen in räumlicher Nähe zueinander erfüllt wird, können Wildbienen die verschiedensten Lebensräume besiedeln. Doch vielfältige und vernetzte Nahrungs- und Nistlebensräume werden immer weniger.

Flächendeckend mit Steinen ausgelegter Garten. Durch die pflegeleichte Gestaltung von Gärten gehen oft wertvolle Lebensräume verloren; Foto: Sonja Schröck

Dörfer als Lebensraum von Wildbienen

Das Projekt "Wildbienen in Dörfern" baut auf der grundlegenden Voraussetzung der räumlichen Nähe zwischen Niststätten und Nahrungsrevieren auf. Denn gerade in Dörfern ist das oft der Fall. Bienen nisten in Obstbäumen mit Totholz, in alten Mauern und auf Flächen mit lückiger Vegetation. Frühjahrsblüher, Obstbäume, Stauden und Gemüsegärten liefern Nektar und Pollen.

Hausgarten mit vielen verschiedenen, blühenden Pflanzen. In blühenden Gärten finden Wildbienen Nahrung in Form von Nektar für die ausgewachsenen Tiere und Pollen für die Larven; Foto: Sonja Schröck

Im Projekt geht das BioZ gemeinsam mit der Julius-Maximilians-Universität Würzburg der Frage nach, welchen Wert verschiedene dörfliche Lebensräume für die Artenvielfalt von Wildbienen besitzen und inwiefern die Vernetzung dieser Lebensräume mit der umgebenden Landschaft die Artenvielfalt beeinflusst.

  • Bauerngarten
  • Hausgarten
  • Öffentliche Grünfläche
  • Brachfläche
  • Friedhof

Außerdem wird die Bedeutung der Landschaftseinbindung für die Wildbienenfauna in diesen Lebensräumen ermittelt. Ziel ist es, geeignete Maßnahmen vorzuschlagen, um gemeinsam mit den Kommunen die Lebensgrundlagen für Wildbienen in Dörfern zu verbessern.

Projektlaufzeit: 12/2019 bis 12/2023

Projektpartner: Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie

Bearbeiterin: Janet Emig
Tel: 09772 - 6880-934