Wildbienen in Dörfern

In diesem Projekt untersuchen wir die Artenvielfalt von Wildbienen in Dörfern. Wir gehen der Frage nach, welchen Wert verschiedene dörfliche Lebensräume für die Biodiversität besitzen und inwiefern die Vernetzung der Lebensräume mit der umgebenden Landschaft die Vielfalt von Wildbienen beeinflusst. Ziel ist es, geeignete Maßnahmen vorzuschlagen, um gemeinsam mit den Kommunen die Lebensgrundlagen für Wildbienen in Dörfern zu verbessern. So soll ein wertvoller Beitrag zum Schutz einheimischer Wildbienenarten und anderer Insekten geleistet werden. Das Projekt wird vom Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie der Universität Würzburg gemeinsam mit dem Biodiversitätszentrum Rhön am Bayerischen Landesamt für Umwelt durchgeführt.

Wildbienenhotel aus Holz vor einer dichten Hecke. Nicht alle Wildbienen brauchen ein Hotel, knapp zwei Drittel der Wildbienenarten nisten im Boden in selbstgegrabenen Gängen

Untersucht werden 40 unterfränkische Dörfer zwischen der Rhön und Mainfranken. In jedem Dorf erfassen wir die Artenvielfalt von Wildbienen sowie die Blütenpflanzen und Nistplätze in fünf der charakteristisch dörflichen Lebensräume: Bauerngarten, Hausgarten, öffentliche Grünfläche, Brachfläche und Friedhof. Außerdem wird untersucht, wie gut die einzelnen Dörfer mit weiteren Lebensräumen in ihrer Umgebung vernetzt sind.

Die gewonnenen Erkenntnisse des Kooperationsprojekts werden in einer dreiteiligen, kostenlosen Broschürenreihe zusammengetragen. Den Auftakt bildet "Wildbienen in Dörfern: Lebensweise, Arten, Gefährdung". Die Veröffentlichung widmet sich den Grundlagen und vermittelt auf 36 Seiten einen Überblick über die wichtigsten Wildbienen und ihre Lebensweise, ihre Nahrungs- und Nistlebensräume und Gefährdungsfaktoren. Laden Sie die Broschüre herunter oder bestellen Sie ein kostenloses Printexemplar und werden auch Sie zum Multiplikator für blühende und summende Dörfer.

Biodiversität in Gefahr

Die Biodiversität bei Insekten nimmt ab. Neben einem dramatischen Rückgang der Anzahl der Insekten stellte die 2017 erschienene "Krefeld-Studie" einen spürbaren Verlust der Artenvielfalt in ganz Deutschland fest. Auch Bayern ist betroffen. Die Hälfte aller bayerischen Insektenarten sind in unterschiedlichem Ausmaß in ihrem Bestand gefährdet oder bereits ausgestorben. Das Insektensterben und insbesondere der drastische Rückgang der Wildbienen erfordern grundlegende Veränderungen. Denn das Summen und Brummen der Insekten vom Frühjahr bis in den Herbst ist weit mehr als eine schöne Geräuschkulisse. Insekten bestäuben Wild- und Nutzpflanzen, sichern so die Vielfalt und das Überleben unzähliger Wildpflanzen und leisten einen wertvollen Beitrag zur Lebensmittelproduktion. Darüber hinaus sorgen sie für eine natürliche Regulierung von Schädlingspopulationen und dienen vielen Vögeln, Säugetieren und Amphibien als Nahrungsquelle.

Die Ursachen für den Rückgang der Wildbienen und anderer Insekten werden dabei häufig in der industrialisierten Landwirtschaft gesehen. Aber auch in unserer direkten Wohnumgebung gibt es konkreten Handlungsbedarf. Immer mehr Kleinstrukturen wie Streuobstwiesen und Hecken gehen verloren, Gärten werden mit Steinen versiegelt und Grünflächen möglichst pflegeleicht gestaltet. Die Kombination aus fehlendem Nahrungsangebot, mangelnden Nistplätzen und teils unüberwindbaren Distanzen zwischen den Lebensräumen verschlechtert die Lebensgrundlage für Wildbienen und andere Insektenarten deutlich.

Flächendeckend mit Steinen ausgelegter Garten. Durch die pflegeleichte Gestaltung von Gärten gehen oft wertvolle Lebensräume verloren; Foto: Sonja Schröck

Blühende Dörfer

Gerade Dörfer bieten großes Potenzial für die Förderung von Wildbienen. Da Bienen den gesammelten Pollen regelmäßig zu ihrem Nest zurückbringen müssen, sind kurze räumliche Distanzen zwischen Nahrungs- und Nistlebensräumen von Vorteil. Die meisten Bienenarten können Strecken von 200 bis 500 Metern problemlos zurücklegen. Ist die Flugstrecke jedoch kurz, sparen die Bienen Ressourcen und können mehr Nachkommen mit Pollen versorgen. In Dörfern befinden sich geeignete Nistplätze und benötigtes Blütenangebot oft in direkter Nachbarschaft. Bienen nisten in Obstbäumen mit Totholz, in alten Mauern und auf Flächen mit lückiger Vegetation. Frühjahrsblüher, Obstbäume, Stauden und Gemüsegärten liefern Nektar und Pollen. Strukturreiche Dörfer bieten so ideale Voraussetzungen für den Erhalt und die Verbesserung der Lebensgrundlagen für Wildbienen. Genau da setzt das Projekt "Wildbienen in Dörfern" an.

Hausgarten mit vielen verschiedenen, blühenden Pflanzen. In blühenden Gärten finden Wildbienen Nahrung in Form von Nektar für die ausgewachsenen Tiere und Pollen für die Larven; Foto: Sonja Schröck