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Das Team des Bayerischen Artenschutzzentrums beschäftigt sich in den Bereichen Expertenwissen, Praxistransfer und Öffentlichkeitsarbeit mit unterschiedlichen Fragen der Artenvielfalt und dem Erhalt von Arten.

Wie vielfältig und faszinierend das Spektrum an Tieren und Pflanzen und ihren Lebensräumen ist, soll an dieser Stelle mit einem kontinuierlichen Beitrag "Art des Monats" beleuchtet werden.

Art des Monats: Europäischer Frauenschuh

Eine Fliege ist in der gelben Blüte der Orchidee zu sehen.Insekten verfangen sich in der Blüte und transportieren auf dem Weg nach draußen Pollen mit; Foto: Richard Schöttner

Ihre Blüte sieht aus wie ein Pantoffel und ein Individuum dieser Pflanze kann mehrere hundert Jahre alt werden: der Europäische Frauenschuh (Cypripedium calceolus). Die prächtigste der heimischen Orchideen gilt in Bayern als gefährdet und hat europaweit einen besonderen Schutzstatus nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Denn ihr Lebensraum schwindet: Der Frauenschuh braucht lichte Wälder oder wächst an nicht zu trockenen Waldrändern. Veränderte intensive forstwirtschaftliche Nutzung und auch Nährstoffe, die in den Boden eingetragen werden, bedrohen diese Art. Früher waren es vor allem Sammler, die die Bestände dezimierten.

Der Frauenschuh kann zwar alt werden, bis nach der Keimung eines Samens eine Pflanze blüht, dauert es jedoch lange: acht bis zwölf Jahre. Um richtig bestäubt zu werden, hilft diese Orchidee ein wenig nach. Die Blüte ist eine Kesselfalle: Angelockte Insekten können sich auf einem öligen Film am Blütenrand nicht halten und rutschen ins Innere zur klebrigen Narbe. Auf zwei möglichen Wegen nach draußen haften sich Pollen am Insekt an. Diese gibt es bei der nächsten Blüte wieder ab.

Insekten

Ein orangefarbener Schmetterling mit schwarzer Zeichnung sitzt auf einer Blüte. Ein Kaisermantel (Argynnis paphia) ist auf einer Blüte gelandet; Foto: Stephanie Millonig/BayAZ

Rote Listen werden weitergeführt, Artenhilfsprogramme entwickelt, ein landesweites Monitoring aufgebaut und Forschung über den Nutzen von Agrarumweltmaßnahmen betrieben: Beim Bayerischen Artenschutzzentrum liegt ein Schwerpunkt auf Insekten und ihrem Schutz.

Pflanzen

Mehrere lila Blüten vom Deutschen Enzian. Enziane, hier der Deutsche Enzian (Gentiana germanica), sind an spezielle Standorte wie magere Kalkrasen in den Alpen oder Feuchtwiesen und Moore angepasst; Foto: Stephanie Millonig/BayAZ

Bayern verfügt über eine besonders reiche Flora. Wie sich diese Artenvielfalt erhalten lässt, ist ein weiterer Schwerpunkt am BayAZ. Auch für Pflanzen werden die Roten Listen weitergeführt, Artenhilfsprogramme erarbeitet und beispielsweise zu blütenreichen Strukturen geforscht.

Naturschutz und Landwirtschaft

Auf einer Weide im Naturpark Oberer Bayerischer Wald grast eine Herde von Heckrindern. Weidetiere können mit ihrem Biss und Tritt wertvolle Helfer im Artenschutz sein (Weideprojekt Markbachaue); Foto: Martina Tiedemann

Die bayerische Kulturlandschaft wurde und wird von der Landwirtschaft geprägt. Ein starkes Miteinander von Naturschutz und Landwirtschaft ist maßgebend, um die Biodiversität zu erhalten. Das BayAZ beschäftigt sich mit der Agrarlandschaft als Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten.

Praxistransfer

Auf einer Streuwiese ist ein Schlepper mit einem Bearbeitungsgerät unterwegs. Beim Bayerischen Artenschutzzentrum beschäftigt man sich auch damit, wie Naturschutzmaßnahmen konkret umgesetzt werden können; Foto: Stephanie Millonig/BayAZ

Wissenschaftliche Daten sind die Basis für den Naturschutz. Wichtig ist aber auch zu untersuchen, wie Naturschutzmaßnahmen in der Praxis umgesetzt werden können. Entsprechende Hilfestellungen werden am BayAZ entwickelt.

Biotopverbund

Weißblühende Obstbäume, gelbblühende Sträucher und Wiese in einer Luftaufnahme. Mehr Lebensräume für bedrohte Arten und eine vielseitige Landschaft: Über den Biotopverbund sollen strukturreiche Inseln und Trittsteine für die Biodiversität wie hier in der schwäbischen Alb in der normalen Landschaft geschaffen werden; Foto: Christopher Meyer, München

Eine Ausweitung des Biotopverbunds soll neue Lebensräume schaffen und mittels strukturreicher Inseln und Trittsteinen in der normalen Landschaft einen genetischen Austausch vieler Arten ermöglichen.

Moore

Naturnahes Hochmoor mit rötlichen Torfmoosbulten und kleinwüchsigen Moorkiefern. Im Murnauer Moos nahe Garmisch-Partenkirchen kann man auch heute noch naturnahe Hochmoorbestände finden; Foto: Dr. Theresa Lehmair

Moore regulieren den Wasserhaushalt in der Region und dienen als unersetzbare Kohlenstoffspeicher und Lebensraum für hochspezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Die Regionalstelle Karlshuld bietet fachliche Unterstützung im Rahmen ihres Projektes "Biodiversität und Moorschutz" an.

Artenhilfsprogramme

Am Landesamt für Umwelt werden Artenhilfsprogramme zu besonders gefährdeten Arten entwickelt, wobei die Verantwortung für Pflanzen und Insekten beim Bayerischen Artenschutzzentrum liegt.