2021: Wiesenbrüterschutz braucht aktuelle Daten: Kartierer*innen gesucht!

Der Schutz wiesenbrütender Vogelarten hat in Bayern Tradition – bereits seit über 35 Jahren wird am bayerischen Landesamt für Umwelt intensiv an dieser Thematik gearbeitet. Die landesweite Wiesenbrüterkartierung legt hierfür den Grundstein, weshalb eine möglichst vollständige Erfassung Bayerns besonders wichtig ist. Vom kleinen Gebiet mit wenigen Kiebitzpaaren bis hin zum großen Wiesenbrütergebiet mit dem vollständigen Artenspektrum: Jede Hilfe ist herzlich willkommen!

Nach 1980, 1986, 1992, 1998, 2006 und 2014/15 findet 2021 die siebte landesweite Erfassung der Bestände wiesenbrütender Vogelarten in Bayern statt. Das bayerische Landesamt für Umwelt – Staatliche Vogelschutzwarte Bayern hat dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) den Auftrag erteilt, diese Erfassung zu koordinieren. Bei der 6. landesweiten Wiesenbrüterkartierung 2014/15 haben über 190 ehrenamtliche Kartierer*innen mit großem Engagement 845 Wiesenbrütergebiete in ganz Bayern untersucht und somit die größte Flächenabdeckung aller bisherigen Wiesenbrüterkartierungen erreicht. Das wollen wir 2021 mit ehrenamtlicher Unterstützung wieder erreichen!

Unter dem Begriff Wiesenbrüter, der alle im Grünland am Boden brütenden Arten umfasst, sind dabei im Sinne der Wiesenbrüterkartierung speziell die Arten Großer Brachvogel, Uferschnepfe, Rotschenkel, Kiebitz, Bekassine, Wachtelkönig, Braunkehlchen, Wiesenpieper und Grauammer zu verstehen. Von den berücksichtigten Arten gelten Bekassine, Braunkehlchen, Grauammer, Brachvogel, Rotschenkel, Uferschnepfe, Wachtelkönig und Wiesenpieper in Bayern als "vom Aussterben bedroht" (Rote Liste 1), Wachtelkönig und Kiebitz sind stark gefährdet (Rote Liste 2).

Der Schwerpunkt der Erhebungen liegt 2021 wie bei den vorhergehenden Untersuchungen auf der Revierkartierung und der Erfassung des Bruterfolges von Brachvogel, Rotschenkel und Uferschnepfe. Ein besonderes Augenmerk wird ebenso auf die kleinen Arten wie Braunkehlchen und Wiesenpieper gelegt, da sich hier ein markanter Bestandsrückgang im Rahmen der letzten Wiesenbrüterkartierungen abzeichnete und auch die Ergebnisse weiterer regionaler Studien einen solchen Rückgang zeigen. Weitere Arten wie Wachtel, Wiesenschafstelze, Feldlerche u. a. brüten zwar auch im Grünland, wurden jedoch bei den landesweiten Wiesenbrüterkartierungen nicht erfasst bzw. nur als Zufallsbeobachtungen notiert. Grundsätzlich gilt die Erfassungskulisse der letzten landesweiten Wiesenbrüterkartierung (s. Abb. 2). Zur Erfassung ackerbrütender Kiebitze wird zudem erstmals die im Jahr 2020 fertiggestellte Feldvogelkulisse als Grundlage herangezogen – Daten zu ackerbrütenden Kiebitzen sind somit ausdrücklich erwünscht.

Kiebitz auf einem Feld Auch bei ackerbrütenden Kiebitzen schreitet der Bestandsrückgang weiter voran, wie viele Kiebitze es in Bayern noch gibt, soll im Rahmen der nächsten landesweiten Wiesenbrüterkartierung 2021 herausgefunden werden; Foto: Tim Korschefsky

Ziele der Erhebungen sind die Dokumentation und Analyse der landesweiten Bestandsentwicklung der Wiesenbrüterarten und die Untersuchung der Auswirkungen der seit 1983 laufenden intensiven Schutzbemühungen. Zusätzlich sollen die Ergebnisse der Untersuchungen Hinweise für konkrete Schutzansätze liefern, die u. a. innerhalb des seit 2014 am LfU laufenden "Artenhilfsprogramms Wiesenbrüter" und im Rahmen der diversen Gebietsbetreuungen in bayerischen Wiesenbrütergebieten exemplarisch umgesetzt werden. Nicht zuletzt sollen die aktuellen Kartierungsergebnisse die Prioritäten und Handlungsschwerpunkte der im Oktober 2015 veröffentlichten Wiesenbrüteragenda (Bayerisches Landesamt für Umwelt 2015: 35 Jahre Wiesenbrüterschutz in Bayern - Situation, Analyse, Bewertung, Perspektiven) präzisieren bzw. aktualisieren. Auf Basis der gewonnenen Daten findet zudem die Anpassung der Wiesenbrüterkulisse statt, welche den Rahmen für die Umsetzung von Fördermaßnahmen darstellt.

Jede/r Kartierer*in erhält Luftbilder mit den bei den vorhergehenden Kartierungen ermittelten Brutgebieten beziehungsweise sonstigen Erwartungsgebieten (Wiesenbrüterkulisse 2018, Feldvogelkulisse 2020; zusätzlich können die Revierzentren der letzten Kartierung 14/15 auf Luftbildern zur Verfügung gestellt werden. Außerdem wird den Kartierer*innen eine Gebietscharakterisierung, die die Kartierungsergebnisse seit der ersten landesweiten Wiesenbrüterkartierung 1980 zusammenfasst, sowie eine Kartierungsanleitung mit Meldebogen ausgehändigt. Die ausführlichen Kriterien für die zu kartierenden Arten und generelle Nachweiskategorien und –arten werden den Mitarbeiter*innen zur Verfügung gestellt. Alle Zielarten sollen flächendeckend nach gängigen Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands (SÜDBECK et al. 2005) erfasst werden. Die ungefähre Lage der Brutplätze bzw. Revierschwerpunkte der zu erfassenden Arten sollten, ebenso wie bei den vorhergehenden Kartierungen, über mindestens vier Begehungen von März bis Juli quantitativ erhoben werden. Eine direkte Kontrolle der Nistplätze soll jedoch aus Artenschutzgründen unterbleiben. Die jeweiligen Erfassungsergebnisse sollen nach einheitlichen Vorgaben möglichst digital übermittelt werden. Bei Fragen zur Auswertung stehen wir gerne zur Verfügung.

Bayernkart mit Erfassungsstellen Erfassungskulisse der landesweiten Wiesenbrüterkartierung 2021

Bei Fragen zur landesweiten Wiesenbrüterkartierung stehe ich gerne zur Verfügung.

Bayerisches Landesamt für Umwelt
Ref. 55, Staatliche Vogelschutzwarte
z. Hd. Tim Korschefsky
Gsteigstr. 43
82467 Garmisch-Partenkirchen
Tel: (08821) 94301-18

Tim Korschefsky