Aktuelles

Aktuelle Geschehnisse und Arbeiten des AHP Wiesenbrüter werden auf dieser Internetseite vorgestellt. Darunter Veranstaltungen und Exkursionen, Ergebnisse der 6. landesweiten Wiesenbrüterkartierung 2014 / 2015 in Bayern, Veröffentlichungen zu wissenschaftlichen Untersuchungen, Bestrebungen im landesweiten Wiesenbrüterschutz oder auch die Beantwortung von Fragen zum Thema Wiesenbrüterschutz von allgemeinem Interesse etc..

Gerne sind Sie angehalten eigene wiesenbrüterrelevante Themen auf dieser Internetseite zu veröffentlichen (zum Beispiel besondere regionale Erfahrungen im Wiesenbrüterschutz, Beobachtungen bei Kartierungen, Hinweise auf Veranstaltungen usw.). Nutzen Sie die Internetseite als Plattform um Fachinformationen auszutauschen und nehmen Sie gerne Kontakt auf mit:

Bayerisches Landesamt für Umwelt
Ref. 55, Staatliche Vogelschutzwarte
z. Hd. Tim Korschefsky
Gsteigstr. 43
82467 Garmisch-Partenkirchen
Tel: (08821) 94301-18
Tim Korschefsky

09.01.2020 Jahresrundrief des Artenhilfsprogramms Wiesenbrüter

Der Jahresrundbrief gibt eine kurze Übersicht über die Tätigkeiten des AHP Wiesenbrüter und lässt zudem die Wiesenbrütersaison des Jahres 2019 Revue passieren. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen!

20.08.2019 Es besteht Hoffnung! Bestandserhaltender Bruterfolg bei Brachvögeln an der Donau als Ergebnis eines gesamtheitlichen Schutzkonzeptes

Die kleine Population von Brachvögeln in Naturschutzgebieten entlang der Donau zwischen Regensburg und Straubing zeigt exemplarisch die Faktoren, die zu berücksichtigen sind um einen bestandserhaltenden Bruterfolg zu erreichen. Für einen rechtzeitigen Zaunaufbau vor Brutbeginn der ortsansässigen Brachvögel kamen am 16.03.2018 annähernd 30 Ehrenamtliche in den Naturschutzgebieten Stöcklwörth und Gmünder Au bei strömendem Regen zusammen. Als ein Pfeiler des ganzheitlichen Schutzkonzeptes kommt hier großflächige Zäunung zum Tragen und wird durch viele Weitere ergänzt. Etwa 40 Hektar werden in mehreren Naturschutzgebieten durch ehrenamtliche Helfer eingezäunt. Durch diesen ausgeprägten Umgriff der eingezäunten Flächen sind nicht nur Gelege, sondern auch zumeist die Aktionsradien der jungen und somit besonders prädationsgefährdeten Küken geschützt. Umso älter die Küken werden, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese die Flugfähigkeit erreichen. Umso größer die Zäunung, umso höher zeigt sich gleichermaßen der Effekt des Zauns auf den Reproduktionserfolg.

Gruppenfoto Gruppenfoto beim Zaunaufbau, 30 ehrenamtliche Helfer waren beim Aufbau der Zäune zugegen und sorgten für einen schnellen Aufbau, kurze Zeit nach Abschluss der Arbeiten fanden sich bereits die Brachvögel wieder in ihren Revieren ein; Foto: Wolfgang Ahlmer

Kernelemente des erfolgreichen Brachvogelschutzes an der Donau

Habitatqualität

  • Pflanzengesellschaft Cnidion (Stromtalwiese)
  • Regelmäßige Überflutungen
  • Geringer Anteil an Gehölzen
  • ausgeprägtes Mikrorelief mit lang überstauten Seigen
  • Guter Pflegezustand der Seigen

Mahdmanagement

  • Staffelmahd zur Schaffung eines Strukturmosaiks
  • Auf Wiesenbrüter ausgerichtetes Mahdregime

Zäunung

  • Großflächigkeit ist Schlüssel zum Erfolg. Kleinflächige Zäunung bedingt lediglich Schlupferfolg. Zäunung des Aktionsraums junger Brachvogelküken
  • Verwendung von blauen Litzen für eine erhöhte Sichtbarkeit bei Rehen und Wildschweinen
Elektrozaun Großflächige Elektrozäunung zum Schutz von Gelegen und Jungvögeln des Brachvogels, um Bewirtschaftern einen Zugang zur Fläche zu ermöglichen werden "Tore" in den Zaun integriert, dies setzt eine Enge Absprache aller beteiligten Akteure voraus; Foto: Hans J. Kolbinger

Besucherlenkung

  • Zäunung bedingt die effektive Umsetzung der Besucherlenkung
  • Wenig ausgebautes Wegenetz
  • Ganzjähriges Betretungsverbot in der Gmünder Au

Prädationsmanagement

  • Zusammenarbeit mit lokalen Jagdausübenden
  • Management der Jagdausübung
  • Verstärkter Einsatz von Röhrenfallen

Personalmanagement

  • Mischung von ehrenamtlichem Engagement und Werkvertragsnehmern
  • Wertschätzung ehrenamtlicher Arbeit
  • Gebietsbetreuung

Der Erfolg dieses Konzeptes wird beim Blick auf den Reproduktionserfolg deutlich – 72 Jungvögel wurden im Zeitraum von 2011 bis 2017 Flügge. Betrachtet man hierbei den Aspekt, dass in mindestens zwei Jahren Totalverluste durch Hochwasser oder ungünstige Witterung verursacht wurden, so zeigt sich der durchschnittliche Bruterfolg abermals höher.

28.03.2019 Dritte Wiesenbrüterberaterschulung in Bayern - Ungebrochenes Interesse am Wiesenbrüterschutz

Auch im Jahre 2019 war der Andrang zur Schulung als Wiesenbrüterberater*in ungebrochen. 59 Wiesenbrüterschützerinnen und Wiesenbrüterschützer nahmen an der gemeinsamen Schulung der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) und des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) teil. Vom 28.03. bis zum 30.03.2019 wurden in Laufen interessierte Ehrenamtliche in Bezug auf die verschiedensten Aspekte des Wiesenbrüterschutzes geschult.

Bayernkarte mit Markierung in welchen Landlreisen Beraterinnen und Berater vorhanden sind, oder nicht. Durch die Schulung im Jahre 2019 sind bereits 81 Wiesenbrüterberaterinnen oder Wiesenbrüterberater in 40 Landkreisen Bayerns tätig. Im Jahre 2020 sollen schwerpunktmäßig die letzten weißen Lücken der Landkarte geschlossen werden

Sie kommen aus deinem der weißen Landkreise? Sie wollen sich im Wiesenbrüterschutz engagieren oder tun dies bereits? Setzen Sie sich jederzeit gerne mit mir in Verbindung oder melden Sie sich zur nächsten Wiesenbrüterberaterschulung an.

Neben der allgemeinen Ökologie wiesenbrütender Vogelarten, erfolgte die Vorstellung der relevantesten Faktoren und Maßnahmen, sowie der begleitenden Aspekte wie Kommunikation, Rechtliches und Förderprogramme.

Im Rahmen einer Exkursion ins oberbayerische Haarmoos wurden die Teilnehmer*innen von der Gebietsbetreuerin in den praktischen Wiesenbrüterschutz eingeführt. Während Frau Tatzmann zu den durchgeführten Maßnahmen berichtete, balzten Kiebitze und ein rastender Kampfläufer stahl kurzzeitig die Show.

Teilnehmende im Gelände Die Teilnehmer lauschen gespannt den Ausführungen von Gebietsbetreuerin Melanie Tatzmann. Balzende Brachvögel und Kiebitze lieferten die akustische Untermalung; Foto: Günter von Lossow

Jahrweise findet die eine oder andere Anpassung des Programms statt. So wurden zum ersten Mal die Erfahrungen eines Wiesenbrüterberaters vorgestellt. M. Bachmann teilte seine umfassenden Eindrücke vom Wiesenbrüterschutz in einem der wichtigsten Wiesenbrütergebiete Bayerns – dem Wiesmet. Rege Gespräche und Rückfragen ließen den Wert dieses Vortrages für die spätere Arbeit erkennen.

Ergänzend hierzu wurde dem Kiebitz erstmals ein eigener Vortrag gewidmet. Da heute viele Kiebitze auf Äckern und nicht mehr auf Feuchtwiesen brüten, bedarf es zum Schutz der Bruten im Sekundärhabitat anderer Maßnahmen. A. Scholz berichtete aus seiner langjährigen Arbeit zum Schutz der Kiebitze und konnte den Teilnehmern viele wichtige Hinweise mit auf den Weg geben. Das offene Konzept der Schulung ließ genug Zeit für die lebhaft geführten Diskussionen zur Rolle von Prädation im Wiesenbrüterschutz und weiteren Aspekten.

Mit der Schulung wird das grundlegende Handwerkszeug für eine erfolgreiche Arbeit zur Verfügung gestellt und auch "alte Hasen" nahmen durchaus den einen oder anderen hilfreichen oder neuen Aspekt mit nach Hause. Es zeigt sich in vielen Projekten, dass die Arbeit der Wiesenbrüterberaterinnen und Wiesenbrüterberater von unschätzbarem Wert ist und durch diese die Brücke zwischen Landwirtschaft und Naturschutz geschlagen werden kann – hiervon profitieren wir alle und besonders Brachvogel, Kiebitz, Uferschnepfe und Co.

Die nächste Wiesenbrüterberaterschulung findet aller Voraussicht nach vom 18.03. – 20.03.2020 in Cham statt. Einen thematischen Schwerpunkt sollen, entsprechend ihrer Verbreitung, die "kleinen" Wiesenbrüter bilden. Interessierte sind herzlich zur Teilnahme eingeladen und können sich bereits jetzt anmelden. Wir freuen uns auf ihr Kommen und eine rege Teilnahme.

Uferschnepfe Die Uferschnepfe steht in Bayern kurz vor dem Aussterben und hat Ihren Bestandsschwerpunkt in der Regentalaue bei Cham – Zielort der nächsten Wiesenbrüterberaterschulung; Foto: Tim Korschefsky
Gruppenfoto Teilnehmer der dritten Wiesenbrüterberaterschulung; Foto: Günter von Lossow

22.03.2019 Wiesenbrüterberater als Schnittstelle zwischen Landwirtschaft und Naturschutz – Artikel in Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt

Wiesenbrüterschutz stellt eine gemeinschaftliche Aufgabe von Naturschutz und Landwirtschaft dar und funktioniert nur, wenn Hand in Hand gearbeitet wird. Um auch Landwirte über die neu bestellten Wiesenbrüterberater zu informieren wurde in der Märzausgabe 2019 des Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatts ein Artikel veröffentlicht. Auch Landwirte sind herzlich eingeladen, die Schulung zu besuchen und sich als Wiesenbrüterberater*in bestellen zu lassen.

Zeitungsausschnitt Wiesenbrüterschutz gemeinsam mit der Landwirtschaft. Der Artikel im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt informiert Landwirte über das Modell der Wiesenbrüterberater*innen des LfU

23.08.2018 Wiesenbrüterschutz in der Regentalaue zwischen Cham und Pösing (Landkreis Cham, Oberpfalz) positive Ergebnisse trotz ungünstiger Witterung

Die Regentalaue zwischen Cham und Pösing steht stellvertretend für einen erfolgreichen Wiesenbrüterschutz in Bayern und ist gleichzeitig eines der wenigen Gebiete, die das vollständige Artspektrum der Wiesenbrüter beherbergen. Neben Großem Brachvogel, Kiebitz, Bekassine, Wiesenpieper und Braunkehlchen finden sich hier auch regelmäßig besetzte Brutplätze von Rotschenkel und Uferschnepfe. Wachtelkönige werden unregelmäßig im Gebiet nachgewiesen. Dank der intensiven Betreuung des Gebiets durch drei ehrenamtliche Gebietsbetreuer existieren Langzeitdatenreihen zu Brutbestand und Reproduktionserfolg der vorkommenden Arten. Durch die zielorientierte Zusammenarbeit von ehrenamtlichen Gebietsbetreuern, Wiesenbrüterberater und Unterer Naturschutzbehörde sind alle relevanten Akteure eng in den Schutz der Wiesenbrüter eingebunden. Eine individuelle Betreuung der Landwirte und die Begleitung bei Bewirtschaftungsschritten bilden hierbei die Grundlage des Schutzkonzeptes in der Regentalaue.

Ein Rotschenkel im FlugBild vergrössern Die Regentalaue zwischen Cham und Pösing beherbergt die größte Population des Rotschenkels in Bayern; Foto: Tim Korschefsky

Das stabile Vorkommen der beiden anspruchsvollsten Wiesenbrüter – Rotschenkel und Uferschnepfe – ist maßgeblich durch eine hohe Bodenfeuchtigkeit, die intensive Betreuung in Kombination mit wiesenbrüterfreundlicher Bewirtschaftung und das flankierende Prädationsmanagement bedingt. Habitat gestaltende Maßnahmen werden und wurden – auch im Rahmen eines gemeinsamen Naturschutzgroßprojektes des Bundes, des Freistaates Bayern und des Landratsamtes Cham – in großem Umfang durchgeführt um den Lebensraum für Wiesenbrüter in der Regentalaue weiter zu optimieren. Neben der Anlage von Flachwassermulden und der Gestaltung von Teichufern spielt die Entwicklung eines Bewässerungskonzepts eine entscheidende Rolle. Hierdurch sollen die angelegten Seigen auch in trockenen Frühjahren mit ausreichend Wasser benetzt werden, um sowohl Brut- als auch Nahrungshabitate zu schaffen. Ergänzend hierzu werden Bruthabitate großflächig umzäunt, um Gelege- und Kükenverluste durch nächtliche Prädation zu verringern. Hervorzuheben ist hierbei, dass beide Arten bei flankierendem Prädatorenmanagement auch außerhalb eingezäunter Areale regelmäßig einen guten Bruterfolg erzielen.

Wassergraben in einer LandschaftBild vergrössern Mit Hilfe eines Grabens werden feuchte Mulden zukünftig auch in trockenen Jahren ausreichend bewässert um für Rotschenkel, Uferschnepfe und weitere Arten einen idealen Lebensraum zu schaffen; Foto: Tim Korschefsky

Trotz der trockenen Witterung im Jahr 2018 und dem damit einhergehenden zeitigen Austrocknen der Flachwassermulden wurde ein guter Reproduktionserfolg bei Rotschenkel und Uferschnepfe erreicht. Dieses Ergebnis unterstreicht den Erfolg der intensiven Schutzbemühungen und die Nachhaltigkeit des Konzeptes selbst in ungünstigen Wiesenbrüterjahren. Rotschenkel, Uferschnepfe und Großer Brachvogel weisen im Gebiet stabile oder positive Bestandstrends auf. Trotz intensiver Schutzbemühungen gelang bisher – insbesondere beim Großen Brachvogel – keine nachhaltige Steigerung des Bruterfolges. Aufgrund der guten Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft lassen sich landwirtschaftliche Bearbeitungsschritte als Ursache für Gelege- und Jungvogelverluste weitgehend ausschließen. Prädation scheint maßgeblich für den geringen Schlupf- und Reproduktionserfolg verantwortlich und ist vor allem auf nachtaktive Beutegreifer (vornehmlich Füchse) zurückzuführen. Der Bestand des Braunkehlchens hat seit Erreichen des Bestandsmaximums von 28 Brutpaaren im Jahre 2004 kontinuierlich abgenommen und steht mit lediglich zwei Brutpaaren im Jahre 2018 kurz vor dem Erlöschen.

Nachfolgend eine Tabelle zu Bestand und Reproduktionserfolg der Wiesenlimikolen im Regental 2018.

Regentalaue zwischen Cham und Pösing, 2018
Art Brutpaare Paare mit Schlupferfolg Geschlüpfte Jungvögel flügge Jungvögel Durchschnittlicher Reproduktionserfolg
Uferschnepfe 8 6 14 7 0,88
Rotschenkel 4 3 8 4 1,0
Großer Brachvogel 15 4 mindestens 7 2 0,13
Kiebitz 125 mindestens 58 mindestens 150 40 0,32

20.06.2018 Arten- und Klimaschutz Hand in Hand im Schwäbischen Donaumoos (Landkreise Günzburg & Dillingen a.d. Donau, Schwaben)

Die Ziele von Artenschutz und Klimaschutz sind bei entsprechender Umsetzung und Berücksichtigung aller Faktoren leicht zur Deckung zu bringen. Durch die Nutzung entstehender Synergieeffekte profitieren sowohl Arten- als auch Klimaschutz. Dies zeigt sich eindrücklich am Beispiel des Schwäbischen Donaumooses. Hier werden seit mehr als 25 Jahren Maßnahmen durchgeführt, die sowohl Fauna und Flora fördern, als auch den Klimaschutz durch die Wiedervernässung von Niedermooren aktiv vorantreiben.

Jahrzehntelange Entwässerung durch tiefe Gräben, im westlichen Gebietsteil vor allem durch den zentralen Grenzgraben, welcher die Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg markiert, sorgte für eine Senkung des Grundwasserspiegels und damit einhergehend zur Sackung des Niedermoortorfkörpers im Leipheimer Moos. Die Bestände wertgebender Brutvögel nahmen hierdurch stetig ab. Die Bekassine stand kurz vor dem Aussterben, die Sumpfohreule verschwand in den 1980er Jahren als regelmäßiger Brutvogel des Gebiets. Um den Wasserstand im Torfkörper zu stabilisieren wurde zwischen dem Freistaat Bayern und dem Land Baden-Württemberg ein Staatsvertrag geschlossen, welcher die Grundlage der Optimierung von Wasserangebot und Retention bildete. Hierzu wurde Wasser aus der nahegelegenen Nau in die Moorflächen eingeleitet. Etwa zeitgleich wurde der Grenzgraben zu Baden-Württemberg über Biberdämme angestaut. Die Anhebung und Stabilisierung der Wasserstände führte innerhalb weniger Jahre dazu, dass der Bestand der Bekassine stark anstieg. Auch Sumpfohreulen stellten sich wieder als sporadische Übersommerer ein. Arten wie die bisher im Gebiet nicht nachgewiesene Sumpfschrecke konnten im Zuge eines regelmäßigen Monitorings festgestellt werden.

Überschwemmte Stelle in einer WieseBild vergrössern Die Einleitung des Nau-Wassers führte zur großflächigen Wiedervernässung des Leipheimer Mooses und gleichzeitig zu einem starken Anstieg der Bekassinen Population; Foto: Tim Korschefsky

Ergänzend zur Wiedervernässung werden im Gebiet weitere Maßnahmen zum Schutz der Wiesenbrüter durchgeführt. Großflächige Entbuschungen stellten den offenen Charakter des typischen Wiesenbrüterlebensraumes wieder her. Extensive Beweidung durch Schottische Hochlandrinder und Wasserbüffel sichert auf mehreren Flächen langfristig den Erhalt eines günstigen Sukzessionsniveaus und sorgt zugleich für ein abwechslungsreiches und kleinstrukturiertes Mosaik aus Vegetation und Rohbodenstellen. Die individuelle Betreuung der Landwirte durch die ARGE Donaumoos resultiert in einer wiesenbrüterfreundlichen Bewirtschaftung der Wiesen. Trotz aller Anstrengungen, den Bestand des Großen Brachvogels im Schwäbischen Donaumoos zu sichern, ist die Art seit 2013 als Brutvogel aus dem bayerischen Gebietsteil verschwunden, in Baden-Württemberg brüten noch einzelne Paare. Da eine reduzierte Nahrungsverfügbarkeit hierzu beigetragen haben könnte, wird aktuell in Zusammenarbeit von ARGE Donaumoos e.V., der Universität Augsburg und dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) die Nahrungsverfügbarkeit potentieller Brachvogelhabitate untersucht. Zur weiteren Optimierung der Wiesenbrüterhabitate ist es notwendig, das Wasserregime großflächig anzupassen und die Gehölzsukzession weiter zurückzudrängen. Die gezielte Wiedervernässung des Leipheimer Mooses durch eine Anhebung des aus der Nau eingeleiteten Wassers auf mindestens 30 l ist hierzu ein probates Mittel. Eine Anhebung des Grundwasserstandes würde auch im benachbarten Gundelfinger Moos zu einer weiteren Verbesserung der Wiesenbrüterhabitate beitragen und gleichermaßen die Resilienz des Niedermoorkörpers beider Moore gegenüber Trockenphasen steigern.

Folgende Bestandszahlen konnten im Jahre 2017 ermittelt werden (Die Bestandszahlen des Jahres 2018 werden bei Vorliegen ergänzt):

  • Kiebitz: 43 Brutpaare (BP) (nur Bayern: 26 BP)
  • Großer Brachvogel: 2 BP (Baden Württemberg)
  • Bekassine: 36 BP (nur Bayern: 24 BP)
  • Braunkehlchen: 0 BP
Wiesenfläche mit Schild 'Naturschutzgebiet'Bild vergrössern Von Wasserbüffeln beweidete Flächen zeichnen sich durch ein abwechslungsreiches Strukturmosaik aus. Der Wechsel von Offenboden und unterschiedlichen Vegetationsstrukturen bietet bei entsprechendem Grundwasserstand Bruthabitate für Kiebitz und Bekassine; Foto: Tim Korschefsky

09.05.2018 & 25.6.2018 Expert-Visits in Wiesenbrütergebieten des Landkreises Donau-Ries (Schwaben)

Päfflinger Wiesen

Auf Einladung der Regierung von Schwaben trafen sich Wiesenbrüterexperten im Rahmen eines "Expert-Visits" in den Pfäfflinger Wiesen im Nördlinger Ries (Landkreis Donau-Ries). Hierbei wird ein Gebiet im Beisein ortsfremder Experten begangen und in den Diskussionen mit den Gebietsbetreuern werden Erfahrungen zur Maßnahmenumsetzung aus anderen Wiesenbrütergebieten eingebracht. Die ehrenamtlichen Gebietsbetreuer führten die Gruppe – begleitet vom flötenden Ruf des Großen Brachvogels und dem klirrenden Gesang der Grauammer – in verschiedene Bereiche der Pfäfflinger Wiesen.

Der Großteil der Flächen befindet sich im Besitz der Schutzgemeinschaft Wemdinger Ried e.V. und des Rieser Naturschutzvereins e.V. und wird im Rahmen des Vertragsnaturschutzes wiesenbrüterfreundlich bewirtschaftet. Zusätzlich trägt ein umfangreiches und innovatives Konzept zur Besucherlenkung mit Betretungsregelung zwischen März und Mitte Juli zur Beruhigung der Flächen bei. Der Bau wasserführender Furten und die Nutzung wenig laufruhiger Bodenbeläge (Gittersteine) auf Teilstrecken tragen hierzu wesentlich bei. Strukturreichtum und ein Mosaik unterschiedlicher Nutzungsformen charakterisieren die Landschaft in den Pfäfflinger Wiesen. Der Wechsel von extensiv bewirtschaftetem Grünland, Frühmahdstreifen, Brachestreifen und eingestreuten Flachwassermulden sorgt in Kombination mit der geringen Dichte an vertikalen Strukturen für einen beinahe optimalen Wiesenbrüterlebensraum. Dies spiegelt sich ebenfalls in den Bestandszahlen wider. Mit 34 Brutpaaren des Großen Brachvogels stellen die Pfäfflinger Wiesen das wichtigste Brutgebiet der Art in Schwaben dar. Zusätzlich brüteten hier 38 Paare des Kiebitzes und acht Paare der Grauammer (Stand 2018). Von einer wiesenbrüterfreundlichen Art des Managements profitieren nicht nur Wiesenbrüter. Neben Wachtel (≥ 5 rufende Männchen) und Rebhuhn (≥ 3 Paare) sind Sumpfohreulen unregelmäßige Brutvögel in den Pfäfflinger Wiesen. Wiesen- und Rohrweihen sowie Rot- und Schwarzmilane sind häufige Nahrungsgäste. Des Weiteren beherbergt das Gebiet das landesweit größte Vorkommen so genannter Stromtalwiesen der Brenndolden-Auenwiesen-Gesellschaft aus dem pflanzensoziologischen Verband Cnidion dubii.

Offene WiesenlandschaftBild vergrössern Großflächige Offenheit und artenreiche Feuchtwiesen kennzeichnen den Lebensraum des Großen Brachvogels in den Pfäfflinger Wiesen; Foto: Tim Korschefsky

In einem Teil des wenige Kilometer entfernten Wemdinger Riedes (östliche, landwirtschaftlich intensiv genutzte Hälfte) wird deutlich, wie sich Habitatverlust durch Intensivierung der Landwirtschaft in Kombination mit hohem Freizeitdruck ohne entsprechendes Management mit wiesenbrüterfreundlicher Bewirtschaftung und Besucherlenkung auswirken. Großer Brachvogel und Kiebitz sind hier als Brutvögel nahezu verschwunden. Bekassinen und Braunkehlchen kommen aktuell nur noch mit wenigen Paaren im von Streuwiesen geprägten Kernbereich im Westen des Riedes vor. Durch eine Optimierung des Managements sind Steigerungen der Wiesenbrüterbestände zu erwarten. Eine Anpassung des Besucherlenkungskonzeptes, regelmäßige Mahden, Gehölzentnahme und die Anhebung des Grundwasserstandes bieten hierbei das größte Potential.

Trotz intensiver Schutzmaßnahmen ist auch in den Pfäfflinger Wiesen der Reproduktionserfolg von Großem Brachvogel und Kiebitz rückläufig. So konnten im Jahr 2018 nur 3 flügge Jungvögel dieser Art nachgewiesen werden. Aufgrund der intensiven Zusammenarbeit mit ortsansässigen Landwirten stellen Verluste durch landwirtschaftliche Bearbeitungsschritte die Ausnahme dar. Hohe Verlustraten bei Gelegen und Jungvögeln dürften vielmehr dem hohen Prädationsdruck geschuldet sein. Den Reproduktionserfolg durch weitere Optimierung des Wiesenbrüterlebensraumes (vor allem Anlage und Pflege von Flachwassermulden) und die Intensivierung des flankierenden Prädationsmanagements nachhaltig zu steigern, ist daher prioritär für einen weiterhin erfolgreichen Wiesenbrüterschutz in den Pfäfflinger Wiesen.

Großer Brachvogel im FlugBild vergrössern Dank intensiver Schutzbemühungen stellen die Pfäfflinger Wiesen mit 34 Paaren des Großen Brachvogels das wichtigste Brutgebiet dieser Art in Schwaben dar und sind somit von bayernweiter Relevanz; Foto: Tim Korschefsky

Oberndorfer Ried

Bei einer gemeinsamen Begehung der uNB Donau-Ries, der uNB Augsburg, der zuständigen Gebietsbetreuerin, der Regierung von Schwaben und des LfU wurden verschiedene Wiesenbrüterhabitate im Oberndorfer Ried besucht. Entsprechend des Expert-Visits in den Pfäfflinger Wiesen wurden rezente Maßnahmenumsetzungen (umfangreiche Gehölzentfernungen, Beweidungsprojekte) diskutiert und unterschiedliche Erfahrungen aus anderen Wiesenbrütergebieten eingebracht. Durch die untere Naturschutzbehörde wurden bereits viele Maßnahmen umgesetzt: Im Oberndorfer Ried konnte das Habitatpotential für Wiesenbrüter durch Gehölzentnahmen/- Rückschnitte deutlich gesteigert werden, und weiteres Potential für Lebensraumvergrößerungen und ist vorhanden. Strukturen wie verschilfte und verlandete Seigen werden in Sinne der Wiesenbrüter gestaltet und in eine regelmäßige Pflege überführt. Zur weiteren Optimierung der Wiesenbrüterlebensräume finden sich im Gebiet zwei extensiv beweidete Feuchtwiesen, welche bereits als Nahrungshabitate für Großen Brachvogel und Kiebitz dienen. Ergebnis des Besuchs war, dass diese Maßnahmen einschließlich Anhebung des Grundwasserstandes weitergeführt werden sollten.

08.-10.03.2018 Zweite Schulung der Wiesenbrüterberater in Bayern

Der Andrang war groß!
61 Teilnehmer nahmen am zweiten Lehrgang der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) und des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) in Muhr am See (Lkr. WUG) teil. In einer dreitätigen Fortbildung wurde den Teilnehmern das theoretische Wissen für den Wiesenbrüterschutz vermittelt. Den theoretischen Teil ergänzte eine Exkursion in's Wiesmet (Lkr. WUG) – einem der bedeutendsten Wiesenbrütergebiete Bayerns, bei der Wiesenbrüterexperten und lokale Landwirte praktischen Wiesenbrüterschutz anhand von Fallbeispielen griffig darstellten. Das Flöten balzender Brachvögel und der Schaukelflug der Kiebitze lieferten die akustische Untermalung.

GruppenfotoBild vergrössern Gruppenfoto der Exkursionsteilnehmer und Referenten im Wiesmet; Foto: Günter von Lossow

Bereits im dritten Jahr sind nun offiziell bestellte Wiesenbrüterberater in mittlerweile 30 Landkreisen tätig und engagieren sich ehrenamtlich für die Umsetzung der "Agenda Wiesenbrüter" (Biodiversitätsstrategie 2030). Koordination und Festlegung der Arbeitsschwerpunkte erfolgen in Abstimmung mit den zuständigen Naturschutzbehörden und der Staatlichen Vogelschutzwarte im LfU.

Folgende Aufgaben sind Schwerpunkt der Tätigkeit:

  • Beratung und Hilfestellung für die untere Naturschutzbehörden, Gebietsbetreuer und Landwirte als Bindeglied zwischen Landwirtschaft und Naturschutz
  • Einbindung der Landwirte in Wiesenbrütergebieten als erfolgreiche Partner des Naturschutzes
  • Mitarbeit als fachlicher Ansprechpartner zu Wiesenbrüterthemen vor Ort
  • Mitarbeit bei gebietsbezogenen Schutzkonzepten, bei Ihrer Aufstellung und Umsetzung
  • Erfassung der Brutbestände und des Bruterfolgs als Erfolgskontrolle der Schutzmaßnahmen
Wassergraben mit abgeflachten UfernBild vergrössern Lebensraumoptimierung für Wiesenbrüter im Wiesmet. Abgeflachte Grabenränder verbessern die Nahrungsverfügbarkeit für Wiesenbrüter und gewährleisten gleichzeitig die Bewirtschaftung durch den Landwirt; Foto: Margarete Siering

Wir planen, die "Ausbildung zum Wiesenbrüterberater in Bayern" jährlich fortzuführen. Interessenten für die Schulung 2019 können sich bereits mit dem Ansprechpartner für Wiesenbrüterschutz am LfU in Verbindung setzen.

Für die Unterstützung und die Zusammenarbeit bedanken wir uns bei allen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV), den Höheren Naturschutzbehörden an den Regierungen sowie allen beteiligten Unteren Naturschutzbehörden.

April 2018 – Personalwechsel im Artenhilfsprogramm Wiesenbrüter

Margarete Siering verlässt nach zwei Jahren erfolgreicher Arbeit im Wiesenbrüterschutz das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU). Ihre Nachfolge tritt Tim Korschefsky an, der das Artenhilfsprogramm fortsetzen wird.

Im Fokus steht die Umsetzung der Agenda Wiesenbrüter, die Teil des Biodiversitätsprogramms 2030 der Bayerischen Staatsregierung ist. Hierfür wurden folgende Arbeitsschwerpunkte festgelegt:

  • Mehrung der von Wiesenbrüterberatern betreuten Landkreise
  • Verstärkte Zusammenarbeit mit Landwirten
  • Nutzung von Synergieeffekten zwischen Landwirtschaft und Wiesenbrüterschutz durch den Ausbau wiesenbrüterfreundlicher Beweidung auf Grünland
  • Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit: auch durch Informationsveranstaltungen und Fachtagungen
  • Vorstellung von "best-practice" Beispielen