Das Graue Langohr in Bayern

Fünf Fledermäuse mit sehr großen Ohren, die unterhalb von Dachziegeln an einer Dachlatte hängen und herabschauen. Wochenstube des Grauen Langohrs im Dachstuhl eines alten Pfarrhauses; Foto: Christian Söder

Als typische Dorffledermaus nutzt das Graue Langohr (Plecotus austriacus) ruhige Dachstühle als Tagesquartier und geht in Gärten, Grünanlagen, Wäldern und in der Feldflur auf die Jagd. Im Zuge des Strukturwandels in der Landwirtschaft und der Entwicklung des ländlichen Raums einschließlich der Verstädterung vieler Dörfer verschlechtert sich jedoch die Lebensgrundlage für die Tiere. Das Graue Langohr gehört daher zu den wenigen bayerischen Arten, deren Bestände derzeit noch abnehmen und gilt daher als stark gefährdet. Um die Gründe des Bestandsrückgangs im Detail zu verstehen und um Maßnahmen für den gezielten Schutz dieser Art zu entwickeln, beauftragte das LfU in den vergangenen Jahren die Koordinationsstellen für Fledermausschutz in Nord- und Südbayern, um in einer Reihe von Studien die Quartierwahl, das Beutespektrum und die Habitatnutzung genauer zu beleuchten.

Mittels Radiotelemetrie, einer Methode bei der die Tiere mit einem Peilsender ausgestattet und aus der Ferne mit Antennen verfolgt werden, wurde beobachtet welche Landschaftselemente bei der nächtlichen Jagd aufgesucht werden. Es zeigte sich, dass Graue Langohren häufig nach dem abendlichen Ausflug aus dem Quartier zunächst im direkten Umfeld des Tagesquartiers, in Solitärbäumen, Dorfgärten und Friedhöfen intensiv jagen, später in der Nacht wurden kilometerweite Überflüge zu Streuobst, artenreichen Wiesen und Viehweiden unternommen. Im Frühjahr suchen viele Langohren gezielt Wälder in der Umgebung der Dörfer auf. Dabei folgen die Tiere Hecken oder vegetationsreichen Bachläufen – wichtigen Leitlinien und Trittsteinen in der Feldflur. Die Analyse von Kotproben gab Aufschluss, welche Insektengruppen im Jahresverlauf als Schlüsselressourcen auftreten. Über weite Teile des Jahres dominieren Schmetterlinge und insbesondere Eulenfalten, doch auch Fliegen, Mücken oder Käfer tauchen zeitweise vermehrt im Nahrungsspektrum auf.

Garten mit saftig grünen Wiesen mit zahlreichen Blühpflanzen. "Wilde Gärten" mit Obstbäumen und gebietseigenen Blühpflanzen sind insektenreich und daher ein ideales Jagdhabitat für das Graue Langohr; Foto: Christian Söder

Basierend auf diesen Einblicken in die Ökologie des Grauen Langohrs wurde ein Leitfaden zur "Flurbereicherung" entwickelt, der eine Vielzahl an Maßnahmen vorstellt, um Lebensräume in Dorf und Flur aufzuwerten und um so zielgerichtet Fledermausschutz zu betreiben. Der Leitfaden richtet sich an Kommunen, Kirchengemeinden, Schulen, Vereine und alle Bürgerinnen und Bürger. Es werden einfache Handlungsempfehlungen zur Förderung der Insektenvielfalt, zur Schaffung von Trittsteinen in der Flur und zur Reduktion von Lichtverschmutzung gegeben. Ob wilde Ecken im heimischen Garten, Obstbäume am Rande landwirtschaftlicher Flächen oder Blühbrachen im kommunalen Bereich – eine Vielzahl teils förderfähiger Maßnahmen trägt dazu bei, dem Grauen Langohr und anderen geschützten Fledermausarten nachhaltig und gezielt zu helfen.