Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Aktuelles

Aktuelle Geschehnisse und Arbeiten des AHP Wiesenbrüter werden auf dieser Internetseite vorgestellt. Darunter Veranstaltungen und Exkursionen, Ergebnisse der 6. landesweiten Wiesenbrüterkartierung 2014 / 2015 in Bayern, Veröffentlichungen zu wissenschaftlichen Untersuchungen, Bestrebungen im landesweiten Wiesenbrüterschutz oder auch die Beantwortung von Fragen zum Thema Wiesenbrüterschutz von allgemeinem Interesse etc.).

Gerne sind Sie angehalten eigene wiesenbrüterrelevante Themen auf dieser Internetseite zu veröffentlichen (z.B. besondere regionale Erfahrungen im Wiesenbrüterschutz, Beobachtungen bei Kartierungen, Hinweise auf Veranstaltungen usw.). Nutzen Sie die Internetseite als Plattform um Fachinformationen auszutauschen und nehmen Sie gerne Kontakt auf mit:

Bayerisches Landesamt für Umwelt
Ref. 55, Staatliche Vogelschutzwarte
z. Hd. Günter von Lossow
Gsteigstr. 43
82467 Garmisch-Partenkirchen
Tel: (08821) 94301-17
Günter von Lossow


17.06.2017 Wiesenbrüter-Fachexkursion im Wiesmet (Altmühltal)

Gemeinsam mit der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Mittelfranken, dem Wasserwirtschaftsamt Ansbach, dem Landschaftspflegeverband Mittelfranken und der zuständigen Gebietsbetreuerin führte das LfU seine jährliche Wiesenbrüter-Fachexkursion durch. Am 17. Juni 2017 wurden 53 Personen in das Wiesmet-Gebiet geführt.

Auf dem Foto ist ein breites Fließgewässer zu sehen. Die Altmühl hat im linken Bildrand den Prallhang mit steilen Ufern. Im rechten Bildrand lässt sich der Gleithang mit Schlamm- und Schlickflächen der Altmühl erkennen.Bild vergrössern Ökologische Renaturierungsmaßnahme entlang der Altmühl. Rückverlegung des Flusslaufs in das historische Flussbett. Überschwemmungs- und Schlickflächen bieten Limikolen Bereiche zur Nahrungssuche und zum Baden; Foto: Margarete Siering

Das etwa 1100 ha große Wiesmet gilt aufgrund seiner in manchen Jahren (zeitweise) kompletten Artausstattung mit den verschiedenen Wiesenbrüterarten und seiner besonders wiesenbrüterfreundlichen Kulturlandschaft als eines der wichtigsten Wiesenbrütergebiete Bayerns. Im Wiesmetgebiet nehmen ca. 160 Landwirte am Vertragsnaturschutzprogramm teil und bewirtschaften das Grünland entsprechend den staatlichen Auflagen. Große Teile sind in Besitz der öffentlichen Hand oder von Verbänden. Diese Bereiche stellen ökologische Ausgleichsflächen für den Altmühlsee dar.

Eine Menschengruppe steht auf einem gekiesten Feldweg. Sie beobachten zum Teil mit Ferngläsern weite Beweidungsflächen die kurzrasig sind.Bild vergrössern Teilnehmer der Wiesenbrüter-Fachexkursion beobachten die extensive Rinderweide im Wiesenbrütergebiet.; Foto: Margarete Siering

Das Wiesmetgebiet wurde seit 1980 bei jeder landesweiten Wiesenbrüterkartierung erfasst. Darüber hinaus gab es zwischen 1988 bis 2008 ein jährliches Wiesenbrütermonitoring. Seit dem Jahr 2014 (6. landesweite Wiesenbrüterkartierung in Bayern) werden jährlich Wiesenbrütererfassungen im Wiesmet durchgeführt.

Tab. 1: Erfasste Brutpaare untersuchter Wiesenbrüterarten im Wiesmetgebiet (n.k.: nicht kartiert).
Art19801986199219982006201420152016
Großer Brachvogel6246504648343726
Uferschnepfe183156291981110-13
Rotschenkel03234022-3
Bekassine71591226202028-30
Wachtelkönig20201321
Wiesenpieper30225158364842-44
Braunkehlchen20060275
Grauammer90305262418-19
Kiebitzn.k.n.k.n.k.n.k.62328526

Zu Beginn der Exkursion wurden die Kernvorkommen bzw. die Lebensräume der Uferschnepfen-Population mit dem Fernglas beobachtet. In den letzten Jahren konnten durch die Schaffung von Flachwassermulden, Aufweitungen und Abflachungen von Gräben die Lebensräume von Uferschnepfe, Rotschenkel und Großem Brachvogel optimiert werden.

Weiteres Exkursionsziel war eine extensiv betriebene Rinderweide im Kernbereich des Wiesmets. Seit 2002 wird dort eine Mutterkuhherde mit Limousinrindern gehalten. Die extensive Rinderbeweidung bietet für zahlreiche Brutpaare der Wiesenbrüter bereichernde Lebensraumstrukturen und die Weideflächen haben sich darüber hinaus zu wertvollen Nahrungsgebieten für die Wiesenbrüter entwickelt. So findet sich in diesen Bereichen die höchste Revierdichte sowohl von Grauammer und Wiesenpieper als auch von Feldlerche und Wiesenschafstelze und auch die Grauammer brütet hier noch. In den Jahren 2016 und 2017 konnten in diesen Flächen auch Rotschenkel mit Brutverdacht festgestellt werden. Mit dem wirtschaftenden Landwirt der Rinderweide konnten Gespräche geführt werden und ein reger Erfahrungsaustausch in Bezug auf andere Beweidungsprojekte fand statt.

Neben verschiedenen Beweidungssystemen in Wiesenbrütergebieten stand auch die Anwendung von Balkenmähern im Vordergrund. Die für Insekten und Vögel schonendere Messerbalkenmahd findet im Wiesmet zum großen Teil Anwendung. Neben der angepassten Mahdtechnik wurde auch die Verwertung von Landschaftspflegematerial bzw. der Biomasse des Streuwiesen-Schnittgutes erläutert. So betreibt ein Landwirt seit fünf Jahren eine Biogasanlage, in der er beachtliche Mengen an Wiesenbrüterheu verwertet.

Anschließend wurden Renaturierungsmaßnahmen entlang der Altmühl und natürliche Überschwemmungswiesen besichtigt. Die Altmühl wird an einigen Stellen durch Renaturierungsmaßnahmen in ihr historisches Flussbett rückverlegt.

Störungen und Beeinträchtigungen im Wiesmet

Einen besonders großen Negativeinfluss auf den Wiesenbrüterbestand des Wiesmet haben Störungen zur Brutzeit. Diese werden vor allem durch Spaziergänger und freilaufende Hunde, Querfeldein-Jogger, aber auch Quadfahrer ausgelöst. Trotz regelmäßigen Aufklärungen, Einsatz von Naturschutzwächtern, Gebietsbetreuerin und neu angebrachten Hinweisschildern zum Wegegebot durch die Regierung von Mittelfranken und die zuständigen Landratsämter werden Störungen weiterhin in hoher Frequenz festgestellt (Auernhammer, mdl. Mitt.).

Ein weiterer Gefährdungsfaktor ist der Wasserhaushalt in der Landschaft des Wiesmet. Die Bodenfeuchtigkeit versiegt bereits bei kurzen Trockenphasen im Sommer. Über das Wehr „Schwarze Brücke“ sollen einige Wiesen zumindest feucht gehalten werden.

Mai 2017 Wiesenbrüterberater in Bayern - Umsetzung der "Agenda Wiesenbrüter"

Die Ergebnisse der "Agenda Wiesenbrüter" und der 6. landesweiten Wiesenbrüterkartierung zeigen, dass die bayernweit vorhandenen Schutzbestrebungen verstärkt werden sollten. Das LfU übernimmt dabei die Funktion der zentralen Koordination. Zur Umsetzung der "Agenda Wiesenbrüter" sind seit dem Jahr 2016 Wiesenbrüterberater für das LfU tätig. In einem gemeinsamen Lehrgang der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) und dem LfU wurden im Februar 2017 weitere Personen als Wiesenbrüterberater ausgebildet. Diese sind fortan als ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LfU tätig.

Bayernkarte mit Markierung der in der Bildunterschrift genannten LandkreiseBild vergrössern In folgenden Landkreisen wurden bereits Wiesenbrüterberaterinnen und -berater bestellt: Aichach-Friedberg, Ansbach, Bad Kissingen, Bamberg, Berchtesgadener Land, Coburg, Dillingen an der Donau, Erding, Erlangen-Höchstadt, Haßberge, Lichtenfels, Neuburg-Schrobenhausen, Ostallgäu, Starnberg, Unterallgäu, Weißenburg-Gunzenhausen und Würzburg

Ziel ist es möglichst landesweit Wiesenbrüterberater zu installieren. Eine regionale und artspezifische Schwerpunktsetzung der Maßnahmen ist unabdingbar, die jeweils landkreis- und gebietsbezogen umgesetzt werden sollte. Wo die Betreuung in den Gebieten schon länger vorhanden ist, wo ein Vertrauensverhältnis zu den Landwirten aufgebaut ist und ein Mosaik verschiedenster Maßnahmen umgesetzt wurde, konnten in der Vergangenheit auch Erfolge verzeichnet werden. Beispielhaft zeigen dies die Regentalaue, die Pfäfflinger Wiesen im Ries oder das Königsauer Moos im unteren Isartal.

In Abstimmung mit dem Referat 55 des LfU, Staatliche Vogelschutzwarte und den zuständigen Naturschutzbehörden können z.B. folgende Aufgabenschwerpunkte durch die Wiesenbrüterberater umgesetzt werden:

  • Mitarbeit als fachlicher Ansprechpartner für Fragen zu Wiesenbrüterthemen vor Ort
  • Beratung und Hilfestellung für die untere Naturschutzbehörde, ggf. für die Gebietsbetreuerin / Gebietsbetreuer, die Landwirte und Bindeglied zwischen Landwirtschaft und Naturschutz
  • Einbindung der Landwirte in Wiesenbrütergebieten als erfolgreiche Partner des Naturschutzes
  • Mitarbeit bei gebietsbezogenen Schutzkonzepten, bei Ihrer Aufstellung und Umsetzung (z.B. Besucherlenkung)
  • Beurteilung von Beeinträchtigungen
  • Erfassung der Brutbestände und des Bruterfolgs als Erfolgskontrolle der Schutzmaßnahmen.

In der dargestellten Karte können Sie die Landkreise entnehmen, in denen bereits Wiesenbrüterberater tätig sind. Da einige Landkreise und die darin liegenden Wiesenbrütergebiete sehr weitläufig sind, arbeiten z.T. mehrere Personen im selben Landkreis.

Ausbildung zum Wiesenbrüterberater in Bayern

Der Lehrgang "Ausbildung zum Wiesenbrüterberater in Bayern" wird voraussichtlich im halbjährigen Turnus von ANL und LfU angeboten.

An mehreren Tischen in kleinen Arbeitsgruppen versammelte PersonenBild vergrössern In Kleingruppen erhielten die Wiesenbrüterberater ein Kommunikations- und Argumentationstraining; Foto: Margarete Siering

Für die Unterstützung und Zusammenarbeit im Wiesenbrüterschutz bedanken wir uns insbesondere bei allen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, beim Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV), den Höheren Naturschutzbehörden der Regierungen von Mittelfranken, Niederbayern, Oberbayern, Oberfranken, Oberpfalz, Schwaben und Unterfranken sowie allen Unteren Naturschutzbehörden in Bayern.

30.03.2017 Stabilisierung der Wiesenbrüterbestände im Regental zwischen Cham und Pösing (Oberpfalz)

Im Wiesenbrütergebiet Regental zwischen Cham und Pösing (Oberpfalz) konnte während der Brutsaison 2016 eine leicht positive Bestandsentwicklung beim Großen Brachvogel, der Uferschnepfe und bei der Bekassine festgestellt werden. Keine bzw. nur geringe Bestandsänderungen gab es bei den Wiesenbrüterarten Wachtelkönig, Kiebitz, Rotschenkel und Wiesenpieper. Der Brutbestand des Braunkehlchens nahm hingegen 2016 weiter stark ab.

UferschnepfeBild vergrössern Uferschnepfe; Foto: Peter Zach

Das Gebietsmanagement im Wiesenbrütergebiet wird u.a. durch vier ehrenamtliche Gebietsbetreuer bzw. Wiesenbrüterberater organisiert. Hauptaugenmerk liegt dabei auf einer intensiven und individuellen Betreuung und Begleitung der Landwirte bei allen bodenbewirtschaftenden Maßnahmen. Dies erfolgt während der Zeit von Mitte März (durchschnittlicher Bebrütungstermin beim Kiebitz) bis Mitte Juli, also an mehr als 65 Tagen. Speziell beim Kiebitz wird versucht, schon im Vorfeld durch Gelegemarkierungen oder Verschiebung der Anbautermine Verluste durch landwirtschaftliche Arbeiten zu minimieren.

Uferschnepfen-BrutpaarBild vergrössern Uferschnepfen-Brutpaar; Foto: Peter Zach

Auf einer Teilfläche des Wiesenbrütergebiets wird eine intensive Fuchsbejagung durchgeführt. Insgesamt sind 23 ha mit Elektrozäunen umspannte Flächen im Wiesenbrütergebiet vorhanden. Die größte mit Elektrozaun umspannte Fläche beträgt 14 ha. In zwei weiteren Flächen sind gezielt eine Feuchtmulde und eine Flachwassermulde sowie die angrenzenden Wiesenflächen eingezäunt. Beide Mulden führen ganzjährig Wasser und werden von Altvögeln mit ihren Jungtieren täglich aufgesucht. Für die Wiesenbrüterarten sind der durchnässte und stocherfähige Boden sowie die verschiedenen Strukturelemente und vielseitige Vegetationsausbildungen optimale Lebensräume.

Ausschlaggebend für den guten Bruterfolg dürfte nebendies der lokal erhöhte Niederschlag und somit eine hohe Bodenfeuchtigkeit gewesen sein. Maßnahmen zur Wiedervernässung des Regentals leisten ihren Beitrag zur Biodiversität und zum Klimaschutz.

Die Reproduktionserfolge der vier großen Wiesenbrüterarten können im Jahr 2016 im Regental zwischen Cham und Pösing wie folgt verzeichnet werden:

  • Großer Brachvogel: 13 BP, Bruterfolg: 8 flügge Junge (= 0,6 flügge Junge/BP)
  • Uferschnepfe: 7 BP, Bruterfolg: 5 flügge Junge (= 0,7 flügge Junge/BP)
  • Rotschenkel: 3 BP, Bruterfolg: 6 flügge Junge (= 2,0 flügge Junge/BP)
  • Kiebitz: 137 BP (gesamtes Wiesenbrütergebiet), Bruterfolg 169 flügge Junge (= 1,2 flügge Junge/BP). Kiebitz innerhalb der mit Elektrozäunen umspannte Flächen: 17 BP, Bruterfolg 34 Juv. (= 2,0 flügge Junge/BP).

12.02.2017 Quantifizierung des Nahrungsangebotes für Wiesenbrüter im Königsauer Moos - Erfassungen zur Arthropodenfauna und Invertebratenvorkommen (Siering, M., Maczey, N. & T. Tillmann 2016)

Das BayernNetz Naturgebiet Königsauer Moos im Unteren Isartal, Landkreis Dingolfing-Landau, stellt mit derzeit bis über 60 Brutpaaren eines der wichtigsten Bruthabitate des Großen Brachvogels (Numenius arquata) in Bayern dar. Der Bruterfolg dieser Art im Königsauer Moos variiert von Jahr zu Jahr recht stark und es ist möglich, dass einer der Gründe für hohe Jungvogelverluste mit der Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von Invertebraten als Nahrungsquelle für Große Brachvögel und andere Wiesenbrüterarten in Zusammenhang steht. Vor diesem Hintergrund wurde 2016 im Königsauer Moos eine Erfassung des Nahrungsangebots durch Invertebraten in Abhängigkeit von der derzeitigen Grünlandnutzung untersucht. Auf insgesamt 21 Untersuchungsflächen wurden 2016 Invertebraten mittels Kescherfang und unter Verwendung eines Laubsaugers semiquantitativ erfasst.

WiesenbrüterlebensraumBild vergrössern Wiesenbrüterlebensraum; Foto: Norbert Maczey

Die Ergebnisse dieser Erfassung zeigen, dass die Bedeutung von Einzelflächen als Nahrungshabitat für Wiesenbrüter als auch als Lebensraum für diverse Invertebratengemeinschaften mit zunehmender Nutzungsintensität abnimmt, wobei Intensivflächen die geringsten Arten- und Individuenzahlen aufweisen. Diese Ergebnisse werden durch die erfassten Biomassewerte bestätigt. Bestandseinbrüche von Invertebraten nach der Mahd können durch Anlage von Brache und Frühmahdstreifen teilweise aufgefangen werden, wie hohe Individuendichten und entsprechend hohe Biomassewerte im Hoch- und Spätsommer in diesen Bewirtschaftungstypen aufzeigen. Obwohl das daraus resultierende direkte Nahrungsangebot für Wiesenbrüter aufgrund des geringen Flächenanteils von Brachen und Frühmahdstreifen am Gesamtlebensraum nur eingeschränkt verbessert wird, werden insbesondere durch die Brachen Refugialräume geschaffen, die eine bessere Überwinterung von Invertebraten und stärkere darauf folgende Ausbreitung im Frühjahr ermöglichen. Aufgrund der nassen Witterung im Frühsommer 2016 war eine starke Wüchsigkeit und Vermattung der meisten Flächen zu beobachten. Dies legt nahe, dass gerade vor der Mahd Mitte Juni den Frühmahdstreifen eine besondere Bedeutung als Flächen mit einem wesentlich besseren Zugang zur Insektennahrung zukommt.

Käfer Chaetocnema conductaBild vergrössern Chaetocnema conducta; Foto: Norbert Maczey

Zikaden sind im Königsauer Moos die individuenreichste Invertebratengruppe und stellen mit 20 % einen recht hohen Anteil an der Gesamtbiomasse. Ob diese Gruppe aber eine besondere Bedeutung als Nahrungsquelle für Brachvögel oder weitere Wiesenbrüter besitzt, ist derzeit nicht bekannt, im Gegensatz etwa zu Schnecken und Spinnen. Im Königsauer Moos mögen daher gerade die zahlreich vorhandenen Kleinschnecken durchaus eine Bedeutung als Nahrungsreservoir für Große Brachvögel haben. Im Gegensatz zu den Intensivwiesen, in denen Schnecken kaum vorhanden sind, weisen gerade Frühmahdstreifen und Extensivflächen hohe Abundanzen dieser Invertebratengruppe auf.

Historisch gesehen hat möglicherweise eine leichte Erholung der Zikadenpopulationen und damit indikatorisch von weiteren Invertebratengruppen im Gebiet stattgefunden. Dies ist in Übereinstimmung mit dem Zustand der Vegetation zu sehen, die auf dem überwiegenden Teil des Gebietes als mesophile Mähwiesen mit einem mittleren Artenreichtum einzustufen sind. Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass sich der überwiegende Teil auch der Vertragsflächen aufgrund zunehmender Austrocknung in einem mehr oder weniger gestörten Zustand befindet. Obwohl dies im Einzelfall die Einwanderung von faunistisch und naturschutzfachlich bedeutsamen Arten wie Gryllus campestris oder Ribautodelphax angulosa erlaubt, ist diese Entwicklung langfristig für das landesweit bedeutsame Brachvogelgebiet negativ zu werten.

Basierend auf den Ergebnissen der diesjährigen Erfassung kann generell eine Fortführung oder Ausweitung des Systems von Frühmahd- und Brachestreifen befürwortet werden. Insgesamt wird damit die strukturelle Diversität verbessert und damit ein ausgeglicheneres Nahrungsangebot über den gesamten Jahresverlauf geschaffen.

05.12.2016 Untersuchung zu Braunkehlchen (Saxicola rubetra) im Rotmaintal bei Kulmbach. Erfolgskontrolle der Artmaßnahme "Künstliche Sitz- und Singwarten" im Jahr 2016 (Feulner, J. & M. Siering 2016)

In Ostoberfranken werden seit 2014 Versuche unternommen, Braunkehlchen durch die Ausbringung zusätzlicher Sitz- und Singwarten zu fördern. Erste Erfolge dieser Maßnahme wurden bereits aus dem Regnitzgrund bei Hof bekannt. Die vorliegende Untersuchung ist eine Erfolgskontrolle einer Artmaßnahme, bei der die LBV-Kreisgruppe Kulmbach im Frühjahr 2016 1.400 künstliche Sitz- und Singwarten auf über 30 ha Acker- und Wiesenbrachen (=VNP-Maßnahmenflächen) ausgebracht hat. Die Populationsentwicklung des Braunkehlchens in den ersten fünf Jahren nach dem Ende der intensiven Bewirtschaftung (2010-2014) zeigte, dass selbstbegrünte Ackerbrachen im Untersuchungsgebiet meist nur kurzzeitig für das Braunkehlchen attraktiv sind. Häufig gewinnen schon nach zwei bis drei Jahren Gräser die Oberhand und die Flächen entwickeln sich zu monotonen, strukturarmen Graslandschaften, die vom Braunkehlchen nicht mehr besiedelt werden.

BraunkehlchenBild vergrössern Braunkehlchen; Foto: Erich Thielscher, piclease

Mit den 1.400 ausgebrachten Bambusstöcken wurde ein Angebot von Singwarten im Frühjahr 2016 deutlich gesteigert. Der Brutbestand verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahr auf zwölf Paare. Dabei lagen alle zwölf Revierzentren in Flächen, in denen künstliche Warten ausgebracht worden waren. Acker- und Wiesenbrachen, die nicht mit künstlichen Warten bestückt waren, blieben unbesiedelt.

Die Ergebnisse der Erfolgskontrolle zeigen, dass Braunkehlchen in Ostoberfranken auf diesem Weg zumindest kurzfristig verwaiste Brutgebiete bei entsprechender Biotopausstattung wiederbesiedeln können. Dabei spielt die Darbietung von Schlüsselreizen in großer Anzahl (Übergroßes Angebot an Warten = "Überreizmethode") vermutlich eine bedeutende Rolle. Entscheidend für den Erfolg dieser Maßnahme ist das Wartenangebot im Frühjahr (Ende April / Anfang Mai), wenn die Braunkehlchen beginnen, ihre Reviere zu besiedeln. Im Rotmaintal ließ sich mit dieser Methode innerhalb weniger Jahre die nun größte verbliebene Braunkehlchen-Population Ostoberfrankens 2016 entwickeln.

Durch geeignete Maßnahmen (u.a. Mahdmosaik, Grubbern, Mulchen, Entnahme von Gehölzen) und die Ausbringung weiterer Warten, vor allem auf den noch unbesiedelten Flächen, erscheint es möglich, den Braunkehlchenbestand im Rotmaintal bis 2019 entgegen dem aktuell negativen Bestandstrend in Bayern auf 15-20 Brutpaare zu steigern.

Lesen Sie zu diesem Thema die veröffentlichte Publikation in unserem Publikationsshop.

02.12.2016 Ermittlung der Toleranz von Wiesenbrütern gegenüber Gehölzdichten, Schilfbeständen und Wegen in ausgewählten Wiesenbrütergebieten des Voralpenlandes (Weiß, I. & M. Siering 2016)

Gehölzsukzession in Extensivwiesengebieten oder im Rahmen der Landschaftspflege belassene Gehölze sind bedeutende Gefährdungsfaktoren für die Wiesenbrüterarten. Sie schränken den Lebensraum ein und fördern Prädatoren. Um Empfehlungen zu Gehölzdichten in Wiesenbrütergebieten abgeben zu können, wurden Revierkartierungen von Wachtelkönig, Großem Brachvogel, Kiebitz, Bekassine, Braunkehlchen und Wiesenpieper aus den fünf bedeutendsten Wiesenbrütergebieten im oberbayerischen Voralpenland (Ampermoos, Ammersee-Süd, Loisach-Kochelsee-Moore, Murnauer Moos und Bergener Moos) analysiert. Durch Luftbildauswertungen wurden in den jeweiligen Gebieten die Gehölz- und Schilfbestände digitalisiert und mit den Revierdaten im GIS verschnitten. Gleichermaßen wurde in Bezug auf Straßen und Wege vorgegangen. Die vom LfU veröffentlichte Publikation können Sie dem Publikationsshop des StMUV entnehmen.

Feuchtwiesenlandschaft im Wiesenbrütergebiet Murnauer MoosBild vergrössern Feuchtwiesenlandschaft im Wiesenbrütergebiet Murnauer Moos; Foto: Günter von Lossow

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die sechs Zielarten der Untersuchung ein artspezifisches und unterschiedliches Meideverhalten zu Gehölzbeständen zeigen. Die Abstände zwischen Aufenthaltsorten der Vögel sowie ihren Revierzentren und Gehölzbeständen nehmen aber artübergreifend mit der Höhe und Dichte der Gehölze zu. Wenige kleine Einzelbüsche im Revier werden von allen Arten noch toleriert bzw. können für Wachtelkönig, Braunkehlchen und Wiesenpieper noch die Reviere bereichernde Strukturelemente darstellen. Mit zunehmender Dichte setzen Meidereaktionen zu Einzelgehölzen und Gebüschgruppen ein. Noch stärker ist das Meideverhalten aller genannten Arten gegenüber Bäumen. Hier halten insbesondere Kiebitz und Großer Brachvogel bereits dauerhaft Minimaldistanzen von ca. 30 m ein, und Papierrevierzentren liegen typischerweise ca. 100 m und mehr entfernt. Von flächigen Sukzessionskomplexen und Gebüschen liegen die Papierrevierzentren aller Arten (außer die des Wachtelkönigs) typischerweise bereits 20-80 m entfernt, bei linearen Sukzessionskomplexen ist das Meideverhalten etwas geringer. Mit zunehmender Geschlossenheit und Höhe der Gehölze erreicht das Meideverhalten der untersuchten Wiesenbrüterarten seine maximalen Werte, vom Hochwald und Feldgehölzen liegen die Papierrevierzentren aller Arten minimal 100 m entfernt, typischerweise aber über 200 m. Zu Sukzessionskomplexen und hohen Einzelbäumen betragen die Abstände ebenfalls mindestens 100 m. Schilfbestände können für die meisten Arten (zumindest bei Abwesenheit kleinflächiger Brachestrukturen) wichtige Habitatbestandteile bilden, nur Großer Brachvogel und Kiebitz halten hier Abstände ein.

Von Straßen werden je nach Verkehrsaufkommen typischerweise minimale Abstände zu Papierrevierzentren von 100 - 300 m eingehalten, stark frequentierte Wege üben vergleichbare Störwirkungen aus.

Aus dieser Abstandsanalyse ergeben sich Hinweise zu Gehölzdichten, die von Wiesenbrütern toleriert werden. Einzeln stehende Gebüsche sollten optimaler Weise in einer Dichte von unter einem Gebüsch/Strauch pro Hektar, Einzelbäume in noch geringerer Dichte (< 0,2 pro Hektar) vorkommen.

Die Konsequenz ist deshalb die Empfehlung von z.T. umfangreichen Entbuschungsmaßnahmen in den Niedermooren, um nicht nur die Habitatqualität und damit den Bruterfolg zu erhöhen, sondern vor allem den zur Verfügung stehenden Lebensraum deutlich zu vergrößern.

29.04.2016 Fachexkursion ins Schwäbische Donaumoos

Auf Einladung des LfU, der Regierung Schwaben und der ARGE Donaumoos trafen sich rund 70 Wiesenbrüter-Experten zu einer Wiesenbrüter-Fachexkursion im Schwäbischen Donaumoos.

Bild vergrössern Bekassine (Gallinago gallinago) im Feuchtgrünland; Foto: Heinz Kusche

Veranschaulicht wurde, dass trotz intensiven Schutzbemühungen und lebensraumgestaltenden Maßnahmen durch die Regierung Schwaben und der ARGE Donaumoos, die Wiesenbrüter in ihren dortigen Beständen dramatisch zurückgehen. Das gilt insbesondere für die Leitarten Großer Brachvogel und Kiebitz, aber auch für Braunkehlchen und Grauammer. Lediglich die Bekassine erfährt dank gezielter Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen, vor allem durch Entbuschung und extensiver Beweidung, einen positiven Bestandstrend im Gebiet.

Die intensiven Fachdiskussionen und Meinungen der 70 Wiesenbrüter-Experten zeigten eindrücklich, dass diese Negativentwicklung nur aufzuhalten ist, wenn die Landbewirtschaftung wesentlich stärker an die Bedürfnisse der Wiesenbrüter angepasst wird. Kein zu früher erster Schnitt, unterschiedliche Mahdzeitpunkte, ein hoher Grünlandanteil, kräuter- und blütenreiche Wiesen, Festmist-Düngung, spätere Maisaussaat-Zeiten und ein Verbot jeglicher Mulden-Verfüllung sind grundlegend für einen erfolgreichen Wiesenbrüterschutz.

Weiter ist eine Entlastung der sensiblen Bereiche in den Wiesenbrütergebieten durch gelenkte und kontrollierte Freizeitnutzung essentiell. Die Notwendigkeit von Wiesenbrüter-Beratern oder Gebietsbetreuern wurde dadurch deutlich.

Bei entsprechend angepasster Bewirtschaftung kann es zu Bestandserholungen gefährdeter Arten kommen, was bei der Exkursion im Schwäbischen Donaumoos am Beispiel der Bekassine eindrucksvoll bewiesen wurde. Die Art geht bundesweit stark zurück. Seit großflächigen Entbuschungen und nachfolgender Offenlandhaltung durch Beweidung mit Robustrindern und vor allem durch die Wiedervernässung mit der Nauwasser-Einleitung ins Leipheimer Moos ist ihr Bestand im Schwäbischen Donaumoos auf den Höchststand seit den 1960er Jahren zurückgekehrt.

09.02.2016 Veröffentlichung des Schlussberichts der Wiesenbrüterkartierung

Den Schlussbericht der 6. landesweiten Wiesenbrüterkartierung 2014/2015 können Sie ab sofort bei uns herunterladen. Der Bericht fasst die Ergebnisse der Kartiersaison 2014 und 2015 zusammen und gibt Bestands-, Trend- und Ursachenanalysen für Bayerns wichtigste Wiesenbrüterarten und -gebiete.

Ziele der Erhebungen sind die Dokumentation und Analyse der landesweiten Bestandsentwicklung der Wiesenbrüterarten und die Untersuchung der Auswirkungen der seit 1983 laufenden intensiven Schutzbemühungen (zuerst Wiesenbrüterprogramm, später Vertragsnaturschutzprogramm). Zusätzlich sollen die Ergebnisse der Untersuchungen Hinweise für konkrete Schutzmaßnahmen liefern, die u.a. innerhalb des seit 2014 am LfU laufenden "Artenhilfsprogramms Wiesenbrüter" exemplarisch umgesetzt werden sollen.

Den Link zur Veröffentlichung finden Sie in der rechten Spalte.

Januar 2016 – Personalwechsel im Artenhilfsprogramm Wiesenbrüter

Nach zwei Jahren erfolgreicher Arbeit scheidet Dr. Heiko Liebel am LfU aus. Mit seiner Nachfolgerin Margarete Thekla Siering wird das Artenhilfsprogramm Wiesenbrüter fortgesetzt und die Umsetzung der Agenda Wiesenbrüter forciert.

Im Focus stehen die Einrichtung verschiedener Wiesenbrüter-Berater in Bayern, die Ausweitung der Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft, Informations- und Koordinationsveranstaltungen, Best-practice-Beispiele erörtern und teilen sowie die Instandhaltung der Wiesenbrüterkulisse zur Sicherung wertvollen Grünlands u.v.m.

28.10.2015 Agenda Wiesenbrüter – 35 Jahre Wiesenbrüterschutz in Bayern

Feierlich wurde im Oktober 2015 die Agenda Wiesenbrüter durch die Staatsministerin Ulrike Scharf im Umweltausschuss des Landtags vorgestellt.
Die Agenda Wiesenbrüter ist das Ergebnis langjähriger Erfahrung im Wiesenbrüterschutz und soll ein Handlungs-Leitfaden für den zukünftigen Umgang mit der gesamten Lebensraumgemeinschaft des feuchten Grünlands sein.

Die Ergebnisse der Agenda Wiesenbrüter und der 6. Landesweiten Wiesenbrüterkartierung zeigen, dass die bayernweit vorhandenen Schutzbestrebungen deutlich verstärkt und zentral koordiniert werden müssen. Eine regionale und artspezifische Schwerpunktsetzung der Maßnahmen ist unabdingbar, die bezogen auf Landkreis und Gebiet artspezifisch umgesetzt werden sollte.
Auf Grundlage der bekannten Ansprüche der einzelnen Wiesenbrüterarten müssen die Lebensräume konsequent und nachhaltig geschützt bzw. wiederhergestellt werden.
Fachliche Ansprechpartner vor Ort sowie eine fachliche Beratung der unteren Naturschutzbehörden und der Landwirte als Bindeglied zwischen Landwirtschaft und Naturschutz werden benötigt.

So werden kurzfristige, mittelfristige und langfristige Ziele für den Schutz der Wiesenvögel benannt. Sie unterscheidet zwischen notwendigen Maßnahmen erster Priorität und zweiter Priorität, und sie schlägt einen zeitlichen Ablauf vor. Mit der Umsetzung der Agenda Wiesenbrüter wird ein zentrales Ziel der bayerischen Staatsregierung aus dem Biodiversitätsprogramm 2030 in Angriff genommen: „Sicherung der wichtigsten bayerischen Wiesenbrütergebiete durch geeignete Maßnahmen und Erhalt lebensfähiger Wiesenbrüter-Populationen in diesen Gebieten“.

Die Publikation heruntergeladen oder gebunden bestellt werden:

02.07.2015 Aufruf – Wachtelkönige melden!

In ganz Süddeutschland werden derzeit vermehrt Wachtelkönige auch aus Gebieten gemeldet, in denen sie bislang nicht aufgetreten sind (v.a. im Grünland, aber auch in Getreidefeldern und auf Bergwiesen).
Bitte melden Sie uns alle Vorkommen! Die Daten können direkt in die landesweite Wiesenbrüterkartierung 2014/2015 in Bayern einfließen. Außerdem sollten die Landratsämter (unteren Naturschutzbehörden) informiert werden, wo genau die Rufer verortet wurden (möglichst grundstücksgenau). Die Landratsämter können dann Kontakt zum Landwirt aufnehmen, um zu verhandeln ob der Mahdzeitpunkt nach hinten verschoben werden kann, bzw. ein Streifen stehen gelassen werden kann. Auf diese Art und Weise können wir Wachtelkönige vor dem Ausmähen schützen!

So erkenne ich einen Wachtelkönig:

Wachtelkönige werden vor allem akustisch nachgewiesen. Wiesengebiete sollten in der Nacht (ab 22 Uhr) aufgesucht werden. Der typische Ruf (crex crex – crex crex – crex crex) wird in windstillen, niederschlagsfreien Nächten oft stundenlang vorgetragen. Der Einsatz von Klangattrappen kann sinnvoll sein in Gebieten in den ein Vorkommen vermutet wird, aber noch kein Nachweis vorliegt. Durch Klangattrappen werden die Vögel angelockt. Deshalb muss die Klangattrappe sofort nach einer „Antwort“ abgeschaltet werden. In Gebieten in denen Wachtelkönige bereits rufen, darf keine Klangattrappe eingesetzt werden. Wachtelkönige sind bis über 1 km weit zu hören.

Günter von Lossow (Bayerisches Landesamt für Umwelt – Staatliche Vogelschutzwarte)
E-Mail: Günter von Lossow
Tel.: (08821) 94301-18

25.02.2015 Veröffentlichung des Zwischenberichts der Wiesenbrüterkartierung

Der Zwischenbericht der 6. landesweiten Wiesenbrüterkartierung 2014/2015 steht nun zum Herunterladen bereit. Der Bericht fasst die Ergebnisse der Kartiersaison 2014 zusammen.
Über 170 ehrenamtliche Kartiererinnen und Kartierer haben mit großem Engagement im Frühjahr 2014 ca. 700 Wiesenbrütergebiete in ganz Bayern abgedeckt. Flächendeckende Auswertungen und Vergleiche zu den früheren Wiesenbrüterkartierungen seit 1980 sind bereits nach der ersten Kartiersaison für alle standardmäßig ausgewählten Wiesenbrüterarten (Großer Brachvogel, Rotschenkel, Uferschnepfe, Bekassine, Wachtelkönig, Kiebitz, Braunkehlchen, Wiesenpieper und Grauammer) möglich. Es werden die Bestandstrends der verschiedenen Arten landesweit analysiert. Außerdem werden die Bestandsentwicklungen in sieben besonders wichtigen Wiesenbrütergebieten Bayerns vorgestellt (Wiesmet, Regentalaue, Königsauer Moos, Nördlinger Ries, Loisach-Kochelsee-Moore, NSG Lange Rhön und die Bad Stebener Rodungsinsel). Von den Kartiererinnen und Kartierern wurden unterschiedliche Beeinträchtigungen in den Wiesenbrütergebieten erkannt und mitgeteilt.
Dieser Zwischenbericht stellt die wichtigsten Gefährdungsursachen vor und wird die Basis bilden für den Schlussbericht nach Ende der Kartiersaison 2015.

Den Link zur Veröffentlichung finden Sie auf der Seite "Landesweite Kartierung 2014/2015".

15.01.2015 Regentalaue zwischen Cham und Pösing (Oberpfalz)

In der Regentalaue zwischen Cham und Pösing im Landkreis Cham (Oberpfalz) liegt eines der komplettesten Wiesenbrütergebiete Bayerns.

Das Luftbild zeigt einen Ausschnitt der offenen Wiesenlandschaft der Regentalaue zwischen Cham und Pösing. Bild vergrössern Regentalaue zwischen Cham und Pösing aus der Luft; Foto: Peter Zach.

Alle Leit- und Beiarten brüten erfolgreich im Gebiet mit Ausnahme der Grauammer. Dank des ehrenamtlichen Dauermonitorings von Peter Zach seit Mitte der 1970er Jahre bestehen jährliche Brutpaardaten aller Wiesenbrüterarten einschließlich des Bruterfolgs beim Großen Brachvogel und Uferschnepfe (seit 1980), Rotschenkel (seit 1990) und Kiebitz (seit 1994). Seit 2013 wird Herr Zach von Herrn Fischer und Frau Vogl bei Kartierungsarbeiten und der Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft unterstützt.

Beim Großen Brachvogel scheint der Bestandsrückgang von ehemals 24 Brutpaaren (1994/1995) auf 11 Brutpaare (2014) gestoppt zu sein. 2014 wurden 7 Jungvögel flügge (Bruterfolg 0,64 flügge Jungvögel/Brutpaar). Bei der Uferschnepfe bewegt sich der Bestand seit ca. 15 Jahren zwischen 4 und 6 Brutpaaren. 2014 lag der Brutbestand wie im Vorjahr bei 6 Brutpaaren, von denen 5 Paare erfolgreich brüteten. 11 Jungvögel wurden flügge (Bruterfolg 1,83 flügge Jungvögel/Brutpaar).

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts lag der Bruterfolg bei den Uferschnepfen oft sehr niedrig. Zwischen 2006 und 2008 wurden, verursacht durch landwirtschaftliche Arbeiten, sogar überhaupt keine Jungvögel flügge. Mit der Ausweisung der Regentalaue als Naturschutzgebiet im Jahre 2010 wurde damit begonnen, die Uferschnepfen-Brutplätze intensiv zu betreuen. Bei Bewirtschaftungsgängen werden die Landwirte auf dem Traktor begleitet, um Nester und Jungvögel zu verschonen.

Traktor (Big M) bei der Wiesenbewirtschaftung. Auf dem Traktor fährt ein Gebietsbetreuer mit, der Anweisung gibt bei Jungvögeln und Gelegen langsam zu fahren, oder das Mähwerk anzuheben. Bild vergrössern Mahdbegleitung eines Gebietsbetreuers auf dem BIG M; Foto: Peter Zach.

Zusätzlich werden Füchse im Gebiet stark bejagt. Seit 2010 lag der Bruterfolg immer über 1,75 flüggen Jungvögeln pro Brutpaar mit Ausnahme des Hochwassersommers 2013. Mit 4 Brutpaaren des Rotschenkels hat die Art ihren Verbreitungsschwerpunkt in Bayern in der Regentalaue. 3 Paare brüteten erfolgreich und 7 Jungvögel wurden flügge (Bruterfolg 1,75 flügge Jungvögel/Brutpaar).

Balkengrafik Anzahl Brutpaare - Jahr (Brutbestand/Flügge Jungvögel): 2007 (2/0), 2008 (2/0), 2009 (2/2), 2010 (2/2), 2011 (1/1), 2012 (3/3), 2013 (3/6), 2014 (4/7). Bild vergrössern Bestandsentwicklung des Rotschenkels 2006 bis 2014 in der Regentalaue (ZACH 2014, mdl. Mitt.)

Die Bekassine war mit 8 Brutpaaren etwas schwächer vertreten als bei der letzten landesweiten Wiesenbrüterkartierung 2006 (11 Brutpaare). Dieser Umstand kann eventuell mit dem trockenen Frühjahr in Verbindung gebracht werden. Beim Kiebitz zeichnet sich mit 114 Brutpaaren eine Bestandsstabilisierung auf niedrigem Niveau ab. Im Vergleich zu den 1990er Jahren bedeutet das einen Bestandsrückgang um ca. 45 %. Ausgesprochen hoch war dagegen der Reproduktionserfolg mit 136 flüggen Jungvögeln (1,19 flügge Jungvögel/Brutpaar). Durch die intensive Zusammenarbeit mit den Landwirten gelang es Peter Zach und seinem Team, die Gelege- und Jungenverluste, wie bei der Uferschnepfe, stark zu reduzieren. Beim Wachtelkönig wurden zwei Reviere festgestellt. Bei der Heuernte wurden Ende Juni 5 Jungvögel im Alter von ca. 2 Wochen beobachtet. Beim Braunkehlchen wurden lediglich 11 Brutpaare festgestellt. Der starke Rückgang seit 2009 scheint jedoch gestoppt zu sein. Die Population des Wiesenpiepers in der Regentalaue steht kurz vor dem Erlöschen. Der Brutbestand ist in den letzten 20 Jahren von über 25 Paaren auf 3 Brutpaare zusammengebrochen.

Seit 2010 wird der Versuch unternommen, mittels "Nestprämien" Wiesenbrüter wie Großer Brachvogel, Rotschenkel und Uferschnepfe vor Gefährdung durch den Zeitpunkt des ersten Wiesenschnitts zu sichern. Diese Maßnahme zielt auf Grünlandflächen mit Wiesenbrütervorkommen ab, die nicht im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen bewirtschaftet werden. Hier wird dem Landwirt für einen angepassten, späteren Mahdzeitpunkt die entsprechende Prämie gezahlt. Finanziert wird die Artenhilfsmaßnahme über Kleinstmaßnahmen aus Landschaftspflegemitteln. Für Flächen, die sich in öffentlicher oder Naturschutzhand befinden sowie für Vertragsnaturschutzprogramm-Flächen gilt diese Prämie nicht, da hier bereits entsprechende Auflagen zum Mahdzeitpunkt existieren. Ausnahmen sind sporadische Brutvorkommen des Wachtelkönigs und Jungvogelreviere später Nachgelegebruten des Brachvogels. In diesen Fällen werden spontane Absprachen mit den betroffenen Landwirten getroffen; eine Prämie ist dann auch auf Eigentums- bzw. Maßnahmenflächen möglich. Die Voraussetzungen für die Fortführung dieser Maßnahme sind die Durchführung von Kartierungen der Neststandorte und eine intensive Gebietsbetreuung (ZACH, mdl. Mitt.).

Ausschnitt des Wiesenbrütergebietes in der Regentalaue. Mehrere Einzäunungen zum Schutz junger Kiebitze, Brachvögel und Rotschenkel sind zu erkennen. Bild vergrössern Großräumige Einzäunungen mit Schafsweidezäunen als Gelegeschutz für Rotschenkel, Großer Brachvogel und Kiebitz in der Regentalaue; Foto: Heiko Liebel

Seit 2014 wird zusätzlich zu Lebensraum verbessernden Maßnahmen großflächiger Gelegeschutz betrieben. So wurde im Winter 2013/2014 eine Mulde für den Rotschenkel abgeschoben und eingezäunt. Aufgrund des trockenen Frühjahrs 2014 fiel jedoch die Mulde trocken, sodass keine Rotschenkel an dieser Mulde brüteten. Auch für den Großen Brachvogel und Kiebitz wurden große Flächen eingezäunt (ZACH, mdl. Mitt. 2014).

05.11.2014 Ergebnisse der Wiesenbrüterkartierung 2014 aus dem Wiesmetgebiet (Mittelfranken)

Das ca. 1.100ha große Wiesmetgebiet gilt als eines der wichtigsten Wiesenbrütergebiete Bayerns aufgrund seiner zeitweise kompletten Artausstattung verschiedenster Wiesenbrüterarten und seiner besonders wiesenbrüterfreundlichen Kulturlandschaft. Das Wiesmetgebiet wurde bei jeder landesweiten Wiesenbrüterkartierung seit 1980 erfasst und darüber hinaus gab es 1988 bis 2008 ein jährliches umfassendes Wiesenbrütermonitoring (ALKEMEIER 2008), sodass eine relativ umfassende Zeitreihe für alle Wiesenbrüterarten besteht.

Die Grauammer erreichte nicht nur im Wiesmet sondern auch bayernweit den höchsten Bestand seit 1980 Bild vergrössern Die Grauammer erreichte nicht nur im Wiesmet sondern auch bayernweit den höchsten Bestand seit 1980; Foto: Andreas Stern

2014 gelang es den beiden ehrenamtlichen Kartierern Andreas Stern und Johannes Honold das sehr weitläufige Gebiet flächendeckend zu bearbeiten. Die beiden Kartierer haben je über 20 Begänge durchgeführt und hatten einen Zeitaufwand von über 100 Stunden. Eine einmalige ehrenamtliche Erfassung des sehr anspruchsvollen Wiesmetgebiets ist nur bedingt mit einer über einen sehr langen Zeitraum durchgeführten jährlichen Erfassung im Wiesenbrüter-Monitoring vergleichbar. Umso erfreulicher ist es, dass die beiden Kartierer alle zu erfassenden Wiesenbrüterarten nachweisen konnten, mit der Ausnahme des Rotschenkels, der 2014 nicht im Wiesmet brütete.Brütende Rotschenkel wurden zwischen 1991 und 2008 alljährlich nachgewiesen, außer im Trockenjahr 2003, in dem die Witterung im Frühjahr vergleichbar war mit der Witterung 2014. Die trockene Witterung wirkte sich vermutlich auch auf die anderen besonders feuchtigkeitsabhängigen Arten wie Uferschnepfe und Bekassine negativ aus. Der Bestand der Uferschnepfe lag mit 8 Brutpaaren noch unter dem relativen Minimum von 2003 als 14 Brutpaare im Wiesmet brüteten. Auch beim Großen Brachvogel lag der registrierte Brutbestand mit 34 Brutpaaren deutlich unter dem Bestand von 48 Brutpaaren 2006. Es wurden 11 Jungvögel flügge. Der Bruterfolg lag folglich bei 0,32 flüggen Jungvögeln pro Brutpaar und somit unter dem Mittelwert von 0,46 flüggen Jungvögeln/Brutpaar im Zeitraum 1988 bis 2008. Der Bruterfolg von 0,46 flüggen Jungvögeln/Brutpaar reichte im Wiesmet aus um den Brachvogelbestand auf einem stabilen Niveau zu erhalten. Besonders die Entwicklungen im Brutbestand von Uferschnepfe und Großem Brachvogel sollten durch ein Dauermonitoring beobachtet werden, sodass durch gezielte Optimierungsmaßnahmen diesen, aber auch anderen Wiesenbrüterarten noch effektiver geholfen werden kann. Landesweit negative Trends sind dem Wiesenpieper und dem Kiebitz zu attestieren. Beim Kiebitz hat sich der Brutbestand im Wiesmet im Gegensatz zu 2006 etwa halbiert und lag somit mit 32 Brutpaaren noch etwas niedriger als 2003 (33 Brutpaare).

Eine positive Entwicklung scheint es bei der Grauammer zu geben. Es wurden 26 Brutpaare registriert. Dieses Ergebnis übersteigt das bisherige bekannte Maximum im Jahr 2007, 12 Brutpaare, deutlich. Auch im Jahr 2003 gab es einen Brutbestand an Grauammern der doppelt so hoch lag wie noch im Jahr zuvor. Es ist also denkbar, dass Grauammern verstärkt auf dem Zug im Wiesmetgebiet „hängen bleiben“, wenn es ein trockenes Frühjahr gibt. Grauammern besiedeln sowohl feuchte, extensiv genutzte Wiesenkomplexe wie auch trockene strukturreiche Ackerbereiche. Der positive Trend bei der Grauammer war 2014 im Gesamtergebnis für Bayern ebenfalls zu beobachten.

Liniengrafik: Bestandsentwicklung der Beiarten basierend auf den Daten der landesweiten Wiesenbrüterkartierungen. Entwicklung wird im Text zuvor erläutert. Bild vergrössern Bestandsentwicklung der Beiarten basierend auf den Daten der landesweiten Wiesenbrüterkartierungen.

Im Wiesmetgebiet nehmen ca. 160 Landwirte am Vertragsnaturschutzprogramm teil und bewirtschaften das Grünland den staatlichen Auflagen entsprechend. Auch die für Insekten und Vögel schonendere Messerbalkenmahd findet im Wiesmet in großen Teilen Anwendung. Eine extensive Rinderbeweidung mit Limousinrindern sorgt in kleinen Bereichen für eine zusätzliche Vielfalt an Lebensraumstrukturen. Die Weideflächen haben sich zu wertvollen Nahrungsgebieten für Wiesenbrüter entwickelt (BAYERISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT, GESUNDHEIT UND VERBRAUCHERSCHUTZ 2005, FACKLER 2014).

Besonders negativen Einfluss auf den Wiesenbrüterbestand im Wiesmet haben jedoch Störungen zur Brutzeit vor allem durch Spaziergänger mit frei laufenden Hunden. Die Anzahl der Störungen nimmt laut Auskunft der Gebietsbetreuerin für das Altmühlsee- und Brombachseegebiet und das Wiesmet, Verena Auernhammer, trotz regelmäßiger Aufklärung zu.

Literatur

ALKEMEIER, F. (2008): Wiesenbrüterkartierung 2008 im Bereich Wiesmet (Altmühltal zwischen Muhr am See und Ornbau). Gutachten im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz. 127 S.

BAYERISCHES STAATSMINISERIUM FÜR UMWELT, GESUNDHEIT UND VERBRAUCHERSCHUTZ 2005: Das Wiesmet – Vogelleben zwischen Hochwasser und Messerbalken. Infobroschüre im Netz verfügbar: http://www.bnn.pan-gmbh.com/faltblatt/Wiesmet.pdf - PDF [14.10.2014]

FACKLER, K. (2014): Zu Besuch im Wiesmet. Broschüre für Besucher im Wiesmetgebiet. Landschaftspflegeverband Mittelfranken.

04.07.2014 Königsauer Moos – Leitgebiet für den bayerischen Brachvogelschutz

Balkengrafik Anzahl Brutpaare Großer Brachvogel: Werte von 1980 bis 2013. Beginnend 1980 mit 25 Brutpaaren und Schwandkungen bis 2005 zwischen 20 und 30 Brutpaaren, stieg die Anzahl stetig auf 65 Brutpaare im Jahr 2013 an. Bild vergrössern Bestandsentwicklung beim Großen Brachvogel im Königsauer Moos (zusammengestellt aus Herrmann und Stadler 2013 sowie Schwaiger vor 2012)

Das Königsauer Moos im Unteren Isartal (Landkreis Dingolfing-Landau) hat sich in den letzten 20 Jahren, entgegen dem allgemeinen Abwärtstrend der in Bayern vom Aussterben bedrohten Art, zum bestandsstärksten Brachvogelgebiet Bayerns entwickelt. Während der Brutbestand im gut 700 ha umfassenden Monitoringgebiet Königsauer Moos seit 1980 stagnierte, kam es seit 2005 zu einem bis heute anhaltenden Anstieg. Auch der Bruterfolg (flügge Jungvögel pro Brutpaar) erreichte in einzelnen Jahren Werte über 1. Für den Erhalt einer Brachvogelpopulation sollte ein Schwellenwert von 0,4 überschritten werden. Im Königsauer Moos liegt heute der Kernlebensraum für den Großen Brachvogel und den Kiebitz im Unteren Isartal.

Die Gründe für die positive Bestandsentwicklung sind vielfältig. Erste Eindrücke beim Betreten des Gebietes sind: Weit, offen, grün. Eine großräumige, weitgehend gehölzfreie Landschaft mit hohem Grünlandanteil sind Grundvoraussetzungen für einen Brachvogellebensraum. Die Art bzw. Nutzung des Grünlandes spielt eine entscheidende Rolle für dessen Qualität. Extensivwiesen mit vielen Kleinstrukturen z.B. durch Seggenhorste sowie einer inhomogenen Aufwuchshöhe werden zur Anlage der Gelege genutzt. Vernässungsstellen und weicher Boden mit verhältnismäßig hohem Grundwasserstand erleichtern die Nahrungssuche. Eine relativ geringe Wegedichte sowie eine moderate Freizeitnutzung tragen dazu bei, dass die Vögel wenig Störungen ausgesetzt sind.

Seit 20 Jahren engagiert sich der Landkreis Dingolfing-Landau im Königsauer Moos im Wiesenbrüterschutz gemeinsam mit den Naturschutzbehörden, dem Landschaftspflegeverband, den Naturschutzverbänden und dem Amt für ländliche Entwicklung. Der bayerische Naturschutzfonds sowie die Bayerische Landschaftspflegerichtlinien haben die Maßnahmen im Königsauer Moos finanziell unterstützt. Ein wichtiger Bestandteil für die Sicherung der Wiesenbrüterlebensräume im Königsauer Moos ist der hohe Anteil an Flächen im öffentlichen Eigentum und deren Aggregation. Öffentliche Flächen gehören dem Landkreis, der Autobahndirektion (Ausgleichsflächen für den Bau der A 92), den Gemeinden und den Naturschutzverbänden. Der Erfolg des Wiesenbrüterschutzes im Königsauer Moos steht und fällt jedoch mit dem Engagement der beteiligten Landwirte. Eine extensive und an Wiesenbrüter angepasste Wiesenbewirtschaftung im Rahmen des Vertragsnaturschutzprogramms umfasst eine Fläche von ca. 360 ha bzw. 75% der Grünlandfläche.

Die jährliche Bestandskartierung und zusätzliche Untersuchungen wie z.B. Kartierung der Wiesenstruktur bereiten dem Landschaftspflegeverband Dingolfing-Landau die Grundlage für Optimierungsmaßnahmen.

Zahlreiche Gestaltungsmaßnahmen wurden im Königsauer Moos durchgeführt, z.B.:

  • Aufweitungen und Abflachungen von Gräben,
  • Entnahme nicht standortgerechter Hybridpappeln,
  • Übertragung von Streu- und Feuchtwiesenmahdgut zur Erhöhung der floristischen Artenvielfalt in verarmten Niedermoorbereichen und Intensivwiesen,
  • Anlage von Seigen und Tümpeln.

Zudem werden im Rahmen des jährlichen Wiesenbrütermonitorings u.a. Brachvogelnester vor der Mahd lokalisiert, abgesteckt und bei der Bewirtschaftung verschont. Bemerkenswert ist, dass die Populationsverdoppelung des Großen Brachvogels im Königsauer Moos auf lebensraumverbessernde Maßnahmen zurückzuführen ist, ohne aktiven Gelegeschutz (Einzäunung).

Wiesenlandschaft im Königsauer Moos Bild vergrössern Offene, wenig zerschnittene, störungsarme Wiesenlandschaft im Königsauer Moos; Foto: Heiko Liebel

Das BayernNetz Natur-Projekt "Lebendiges Königsauer Moos" ist Bestandteil des bayernweiten Biotopverbundes BayernNetz Natur. In dessen Rahmen wurden bereits Seigen und Tümpel angelegt, Streuwiesenreste entbuscht, Gräben abgeflacht und aufgeweitet, sowie Gehölzriegel entfernt. Durch Biotopoptimierungsmaßnahmen werden auch für das Überleben der Brachvogelpopulation bedeutende Gebiete im Unteren Isartal (einem fragmentierten Wiesenbrütergebiet auf 45km Länge) verbessert. Dies sind u.a. das Mettenbacher/Grießenbacher Moos, das Wallersdorfer Moos und das Gebiet Ganacker. Hier sind die Voraussetzungen jedoch nicht optimal: der Ackeranteil ist hoch, relativ wenige Wiesen werden vom Vertragsnaturschutzprogramm abgedeckt und die Gebiete sind intensiver erschlossen und werden daher stärker gestört.

Die positive Bestandsentwicklung im Königsauer Moos zeigt, dass eine Trendumkehr beim Bestand des Großen Brachvogels möglich ist.

Quellen

Exkursionshandout zur Fachexkursion ins Königsauer und Mettenbacher/Grießenbacher Moos am 12.05.2014 von Helmut Naneder, Hans Schwaiger, Dr. Jochen Späth und Philipp Herrmann, bzw. PAN.

Herrmann P. und Stadler M., 2013: Artenhilfsmaßnahmen für den Großen Brachvogel im Königsauer Moos 2012. Unveröffentlichtes Gutachten für den Landschaftspflegeverband Dingolfing-Landau.

Kipp, M. 1999: Zum Bruterfolg beim Großen Brachvogel (Numenius arquata). LÖBF-Mitt. 24: 47-49.

Späth, J. 2006: Das Königsauer Moos und seine Lebensräume. Faltblatt Hrsg. Landschaftspflegeverband Dingolfing-Landau e.V.

06.05.2014 Erste Ergebnisse der Wiesenbrüterkartierung im Nördlinger Ries (Schwaben)

Jährlich werden die Wiesenbrütergebiete im Nördlinger Ries vom Rieser Naturschutzverein e.V. und der Schutzgemeinschaft Wemdinger Ried e.V. untersucht. Das vorläufige Ergebnis zeigt, dass im Vergleich zum Jahr der letzten landesweiten Wiesenbrüterkartierung 2006 nur noch fünf Gebiete Brutvorkommen des Großen Brachvogels aufweisen im Gegensatz zu sieben Gebieten 2006. Während im Jahr 2006 30 Brutpaare des Großen Brachvogels die Pfäfflinger Wiesen besiedelten, waren es im Jahr 2014 sogar 41 Brutpaare. Außerhalb der Pfäfflinger Wiesen ging die Zahl der Brutpaare jedoch stark zurück und fiel von 26 auf 12 Brutpaare. Der Gesamtbestand im Untersuchungsgebiet veränderte sich somit dennoch nur geringfügig (Rückgang von 56, 2006, auf 53 Brutpaare 2014).

Drastischer ist der Rückgang beim Kiebitz, der in 11 Teilgebieten rückläufig ist und nur in zwei Gebieten in größerer Zahl als 2006 angetroffen wurde. Der Bestand im Untersuchungsgebiet hat sich innerhalb von acht Jahren um 43 % reduziert (2006: 216 Brutpaare, 2014: 125 Brutpaare).

Es bleibt spannend zu sehen, ob sich der landesweite Trend dieser beiden Arten ähnlich gestaltet oder nicht.

28.04.2014 Die 6. landesweite Wiesenbrüterkartierung ist in vollem Gang

Seit Mitte März sind mindestens 140 Kartiererinnen und Kartierer in ganz Bayern unterwegs, um den Bestand der Wiesenbrüter im Rahmen der 6. landesweite Wiesenbrüterkartierung zu dokumentieren. Die genaue Teilnehmerzahl liegt aber vermutlich noch höher, da es mehrere Kreisgruppen des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern gibt, die die Kartiergebiete unter sich weiter verteilt haben. Die Kartierung beruht auf dem unschätzbaren Einsatz der Ehrenamtlichen. Bei der Suche Ehrenamtliche zu finden, haben uns mehrere ornithologische Arbeitsgemeinschaften Bayerns sowie die großen Verbände (Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V., Ornithologische Gesellschaft in Bayern, Otus) tatkräftig unterstützt.

Ein Mann blickt durch ein Fernglas Bild vergrössern Kartierer; Foto: Heiko Liebel

Das Spektrum der Beteiligten reicht vom 15jährigen Schüler bis hin zum 84jährigen Pensionär.

Wir hoffen, dass unsere Mithelfer neben der Kartierarbeit auch besonders schöne Naturerlebnisse haben und wir alle ein spannendes Ergebnis am Ende der Kartiersaison erhalten werden. In Gebieten die 2014 nicht abgedeckt werden konnten, ist für 2015 eine zusätzliche Kartierung geplant.

12.04.2014 Schulungsexkursion ins Freisinger Moos

Personen beim Kartieren. Darüber fliegt ein Verkehrsflugzeug. Bild vergrössern Trotz Fluglärms konnten Rufe und Gesänge von Kiebitz und Großem Brachvogel gehört werden; Foto: Heiko Liebel

Die zweite Schulungsexkursion wurde für Kartiererinnen und Kartierer im südbayerischen Raum angeboten. Den 19 Teilnehmern stellte Philipp Herrmann (Faunakart) das Freisinger Moos und seine Wiesenbrüter vor. Es wurden vor allem Hinweise auf das Verhalten von Großem Brachvogel und Kiebitz am Brutplatz gegeben und die Verhaltensweisen direkt im Feld beobachtet und diskutiert. Im Anschluss an die Exkursion wurden noch Tipps und Tricks für die Wiesenbrüterkartierung allgemein gegeben (Heiko Liebel, LfU). Die Präsentation können Sie sich hier als PDF-Datei herunterladen:

06.04.2014 Schulungsexkursion ins Altmühltal

Landschaft Bild vergrössern Wiesenbrüterlebensraum bei Unterasbach; Foto: Heiko Liebel

Eine erste Schulungsexkursion für Wiesenbrüterkartiererinnen und Kartierern wurde im nordbayerischen Altmühltal zwischen Altmühlsee und Gunzenhausen durchgeführt. Markus Römhild, Gebietskenner der dortigen Wiesenbrütergebiete, führte die 15 Teilnehmer in die Grundkenntnisse zur Kartierung der Wiesenbrüter ein. Die Exkursion wurde gleichzeitig von den Teilnehmern dazu genutzt, sich zu verschiedenen Themen des Wiesenbrüterschutzes auszutauschen (Störungen, Flächenankauf, Vertragsnaturschutzprogramm usw.). Trotz Morgennebels bekamen die Teilnehmer Große Brachvögel, Uferschnepfen und Wiesenpieper zu Gesicht. Im Anschluss an die Exkursion vermittelte Heiko Liebel (LfU) noch Kniffe für eine erfolgreiche Kartierung und warnte vor Fallgruben, in die man als KartiererIn leicht tappen kann (z.B. Problematik später Durchzügler). Der Vortrag kann demnächst als PDF-Datei heruntergeladen werden.