Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Newsletter 16/11 vom 04.08.2016, PDF-Download

Merkblatt fasst Ergebnisse des Artenhilfsprogramms Mittleres Wintergrün (Pyrola media) zusammen

Sehr geehrte Damen und Herren,

2015 untersuchte das LfU das sehr seltene und stark gefährdete Mittlere Wintergrün (Pyrola media), um einen Überblick zur bayerischen Gesamtpopulation und deren Gefährdung zu erhalten. Auf Grundlage eines Artenhilfsprogramms in Oberfranken von 2013 wurden 21 potentielle Wuchsorte zusammengetragen, im Gelände aufgesucht und bewertet.

Obwohl ein erheblicher Aufwand betrieben wurde, um potenzielle Wuchsorte der Art ausfindig zu machen und zu lokalisieren, konnten nur wenige rezente Vorkommen gefunden werden: An 10 der 21 aufgesuchten Fundorte konnte die Sippe bestätigt werden, an drei weiteren Fundorten lagen Verwechslungen mit anderen Pyrola-Arten vor. Bei sechs Vorkommen muss von einem Erlöschen der Population ausgegangen werden, für zwei Vorkommen kann aufgrund der unübersichtlichen Geländelage keine abschließende Aussage getroffen werden.

Die Vorkommen in den bayerischen Alpen sind überwiegend als gesichert anzusehen auch wenn aufgrund der sehr geringen Anzahl (nur sechs Vorkommen mit einem sehr geringen Blütenansatz) Pyrola media hier dennoch mindestens als stark gefährdet eingestuft werden muss. Nördlich der Donau gibt noch neun Vorkommen: Zu den vier 2015 bestätigten Beständen kommen noch fünf 2013 in Oberfranken nachgewiesene Fundorte hinzu. Insgesamt ist dieses Wintergrün damit in den Tieflagen Bayerns als „vom Aussterben bedroht“ einzustufen.

Es zeigte sich das die Gefährdungen vielfältig sind. In erster Linie ist die Sukzession zu nennen, welche die lichten Wuchsorte in Abbaugeländen oder an Bahntrassen zu schattig werden lässt. Ebenso führen der forstliche Umbau von Wäldern oder das Unterpflanzen mit Fichten dazu das Vorkommen mangels ausreichender Besonnung mittelfristig verschwinden. Gemeinsam von Naturschutz- und Forstbehörden entwickelte Hilfsmaßnahmen können in lichten Waldgesellschaften liegende Wuchsorte temporär deutlich verbessern, indem sie die Wälder auflichten und die Pflanzen von konkurrierenden Arten befreien. Jedoch kann zu starke Freistellung von Wuchsorten auch problematisch sein, da zu starke Besonnung den Boden austrocknet und Pyrola media zum Absterben bringen kann. Wichtigstes Ziel ist ein Schutz der größten und an Individuen reichsten Vorkommen, um die Produktion ausreichend vieler Diasporen zu gewährleisten. Um die Art langfristig in Bayern zu erhalten kommt den Vorkommen in störungsarmen, wenig dynamischen Biotopen eine besondere Bedeutung zu!

In der Untersuchung konnten nicht alle ehemaligen Wuchsorte aufgesucht werden. Falls Sie Interesse haben, alte Wuchsortangaben zu überprüfen, sind Sie herzlich eingeladen, den in der Tabelle angehängten, nicht professionell überprüften Nachweisen nachzugehen. Wir sind über jegliche Hinweise zu aktuellen Vorkommen oder auch sicheren Nullnachweisen dankbar.

Die Ergebnisse des Artenhilfsprogramms zu Ökologie, Biologie und Verbreitung, sowie zu Gefährdungsursachen und möglichen Schutzmaßnahmen fasste das LfU nun in einem Merkblatt Artenschutz zusammen. Es kann bestellt oder online abgerufen werden unter:

www.bestellen.bayern.de/shoplink/lfu_nat_00317.htm

Alle bisher erstellten Merkblätter finden Sie hier:

www.lfu.bayern.de/natur/artenhilfsprogramm_botanik/merkblaetter/

 

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Andreas Zehm

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Dr. Andreas Zehm
Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU)
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